Valle de los Caídos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Valle de los Caídos

Das Valle de los Caídos (vollständig Monumento Nacional de Santa Cruz del Valle de los Caídos „Nationalmonument des Heiligen Kreuzes im Tal der Gefallenen“) ist eine monumentale Gedenkstätte mit katholischer Kirche in ca. 1000 m Höhe bei Cuelgamuros in der Sierra de Guadarrama im Zentrum Spaniens. Es enthielt bis zum 24. Oktober 2019 die Grabstätte des Diktators Francisco Franco, nach wie vor ist der Gründer der faschistischen Bewegung Falange, José Antonio Primo de Rivera, hier bestattet. Das Monument gilt als eines der größten neueren Mausoleen der Welt und als das bedeutendste architektonische Zeugnis der Franco-Diktatur. Franco ließ es ab 1940 von Zwangsarbeitern aus seinen Konzentrationslagern zur fortdauernden Verherrlichung seiner Diktatur erbauen. Das Monument wird von der Behörde für staatlichen Kulturbesitz (Patrimonio Nacional) verwaltet. Im Sommer 2018 beschloss die Regierung unter Pedro Sánchez, Franco und Primo de Rivera umzubetten und die bisher namenlosen Gefallenen zu exhumieren.

Bau und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von den Architekten Pedro Muguruza und Diego Méndez entworfene Monument besteht aus einem 152 m hohen und bis 46 m breiten Kreuz aus Beton (dem höchsten freistehenden Kreuz der Welt) auf dem Berggipfel des Risco de la Nava, flankiert von den vier Evangelisten und den vier Kardinaltugenden, einem großen Aufmarschplatz, der Benediktinerabtei Abadía Benedictina del Valle de los Caídos und der Basilica de Santa Cruz.

Die Basilika, eine riesige künstliche Höhle, wurde ab 1940, als Franco den Bau dekretierte, von 20.000 Zwangsarbeitern – meist politischen Gefangenen, denen eine Haftzeitverkürzung in Aussicht gestellt wurde – unter schwierigsten Bedingungen in den Fels der Sierra de Guadarrama getrieben. 15 Arbeiter starben. Die Arbeiten zogen sich über 19 Jahre hin, da es nach dem Spanischen Bürgerkrieg an Maschinen fehlte. Das Monument, das über eine Milliarde Peseten kostete, wurde von Franco am 2. April 1959 eingeweiht, zwanzig Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs.[1] Im Jahr 1960 erhob Papst Johannes XXIII. die Kirche zur 120. Basilica minor Spaniens, sie ist die neunte der Autonomen Gemeinschaft Madrid.[2]

Unter der 42 m hohen Kuppel wurden die Gräber von Franco und Primo de Rivera errichtet. Direkt über dem ehemaligen Grab Francos wird täglich eine Heilige Messe von den Mönchen des Klosters gefeiert.

In einem angrenzenden Schrein ruhen die Gebeine von 33.847 Gefallenen des Bürgerkriegs; davon sind 21.317 identifiziert. Im Kloster befinden sich Akten mit den Lebensdaten von etwa der Hälfte der Beigesetzten. Sie gehörten überwiegend der antirepublikanischen Partei Francos, dem Movimiento Nacional, an. Auch Gebeine von republikanischen Gefallenen gelangten nach Fürsprache der katholischen Kirche in das Monument – in erster Linie durch Umbettung aus Massengräbern mit nicht identifizierten Gefallenen beider Lager, die ab Ende des Bürgerkriegs bis 1983 stattfanden.[3] Soweit identifizierte republikanische Gefallene beigesetzt wurden, geschah dies ausschließlich, wenn die Familie des Gefallenen dessen katholischen Glauben nachweisen konnte.

Die Wände des Kirchenschiffs bedecken Wandteppiche mit Szenen der Apokalypse des Johannes.

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Valle de los Caídos ist das am fünfthäufigsten besuchte Objekt der spanischen Kulturverwaltung (Patrimonio Nacional) mit über 283.000 Besuchern im Jahr 2017[4]. Es befindet sich ca. 14 km (Fahrtstrecke) vom Escorial entfernt, einer Klosterresidenz, in der viele Mitglieder der Königsfamilie – darunter auch Alfons XIII. – bestattet sind. Unter den Besuchern des Gedenkkomplexes sind zahlreiche Anhänger des Franco-Regimes und der Falange. Die spanische Rechte gedachte hier bis zum Verbot im Jahr 2007 in Veranstaltungen Francos und des jüngeren Primo de Rivera, vor allem anlässlich des Todestages der beiden am 20. November („20-N“).

Den laufenden Unterhalt lässt sich der spanische Staat jährlich über 1,8 Millionen Euro kosten, davon entfallen ca. 340.000 Euro auf Subventionen für die Abtei. Instandsetzungsarbeiten stehen jedoch aus; deren Kosten wurden im Jahr 2011 auf mindestens 13 Millionen Euro geschätzt.[4]

Am 7. April 1999 explodierte zwischen den Gräbern Francos und Primo de Riveras eine Bombe der Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre („Antifaschistische Widerstandsgruppen des 1. Oktober“) und richtete Sachschaden an.[5]

Von 2004 bis 2014 war Anselmo Álvarez Navarrete Abt der Benediktinerabtei; er galt als ultrakonservativer Anhänger des Franquismus. So relativierte Álvarez die Verbrechen Francos und bezeichnete die heutigen Erkenntnisse, dass die Anhänger Francos über 200.000 Menschen ermordet haben, als „komplette Lüge“.[6]

Politische Diskussion und Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gedenkort ist Teil der insgesamt umstrittenen spanischen Erinnerungskultur. Während die Stätte nach dem Ende der Franco-Diktatur kaum öffentlich thematisiert wurde und in den Worten der Historikerin Belén Moreno Garrido im franquistischen Zustand „eingefroren“ war, wurde sie ab der Jahrtausendwende medial häufig thematisiert und über den Umgang mit ihr debattiert, was mit der allgemein intensiveren Vergangenheitsbewältigung in Zusammenhang gebracht wird.[7] 2005 schlugen Verbände der Opfer des Franquismus vor, den Ort in ein Dokumentationszentrum der franquistischen Diktatur umzuwandeln. Entsprechende Vorschläge wurden ergebnislos in der spanischen Regierung und im Rat der Europäischen Union diskutiert. Die Einrichtung einer Forschungsstelle an diesem Ort galt als nicht durchsetzbar.[8] 2007 fasste die Verfassungskommission unter Konsens aller Parteien den Beschluss, die Gedenkstätte zu entpolitisieren und jegliche Art politischer Aktionen, Demonstrationen und Sympathiebekundungen zu verbieten. Diese Bestimmung war Teil des Ley de Memoria Histórica (Gesetz des historischen Andenkens).

Die seit 2018 amtierende Regierung unter Führung der sozialdemokratischen PSOE kündigte im Juli 2018 an, die sterblichen Überreste Francos und Primo de Riveras umzubetten. Das Valle de los Caídos solle ein Ort der Versöhnung werden. Damit soll die 2017 ohne Gegenstimme von den Cortes Generales beschlossene Erweiterung des Ley de Memoria Histórica umgesetzt werden. Die etwa 114.000 Gefallenen beider Seiten, die in diesem Gebiet verscharrt sind, sollen exhumiert und identifiziert werden. Die Regierung beschloss am 24. August 2018 die Maßnahmen umzusetzen.[9] Die für Pfingstmontag 2019 angesetzte Exhumierung des Leichnams wurde vom Obersten Gericht in Madrid gestoppt; es gab einem Einspruch der Familie des früheren Gewaltherrschers einstweilig statt.[10][11] Am 24. September 2019 wies das Gericht den Einspruch der Familie ab. Die Regierung beschloss daraufhin, die Umbettung auf den Pardo-Friedhof noch vor den Parlamentswahlen im November vorzunehmen. Am 24. Oktober 2019 wurden die sterblichen Überreste Francos schließlich exhumiert und in eine Familiengruft auf dem staatlichen Friedhof von Pardo überführt.[12]

Die Umgestaltung der Gedenkstätte ist politisch weiterhin umstritten; während PSOE und die linke Sammelbewegung Podemos sich für die Schaffung eines Mahnmals ähnlich den KZ-Gedenkstätten einsetzen, fordern die liberalen Ciudadanos die Schaffung eines Ehrenfriedhofs für gefallene Soldaten ähnlich demjenigen in Arlington.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Sueiro: La verdadera historia del valle de los Caídos. SEDMAY Ediciones, Madrid 1976, ISBN 84-7380-215-2.
  • Eva Feenstra: Valle de los Caídos: Walhall des Nationalkatholizismus. In: Kunsthistorisches Jahrbuch Graz, herausgegeben vom Institut für Kunstgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz, Jg. 29/30 (2005), S. 173–187.
  • Belén Moreno Garrido: Medios, imágenes y memoria. El Valle de los Caídos. Dissertation, Universität Complutense Madrid, 2016 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Valle de los Caídos – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. El Valle de los Caídos en cifras y fechas. In: El Mundo, 24. August 2018 (spanisch).
  2. Basilicas – Spain, Andorra (121). In: Gcatholic.org.
  3. Más de 33.800 personas enterradas en el Valle de los Caídos. In: El País, 29. Juni 2018 (spanisch).
  4. a b Luis Sanz: El Valle de los Caídos, los números de un monumento de futuro incierto. In: La Vanguardia, 7. Juli 2018.
  5. Juan Francés: Los GRAPO hacen estallar una bomba junto a la tumba de Franco. In: El País, 8. April 1999.
  6. Interview mit Anselmo Álvarez im Rahmen der Dokumentation Mari Carmen España – el final del silencio, auf youtube.com. Abgerufen am 30. Oktober 2017.
  7. Spanische Dämonen leben lange. In: Neue Zürcher Zeitung, 20. Oktober 2007, Belén Moreno Garrido: Medios, imágenes y memoria. El Valle de los Caídos. Dissertation, Universität Complutense Madrid, 2016, siehe die englischsprachige Zusammenfassung auf S. 9–11 (PDF).
  8. Sören Meschede: Das Kreuz mit Franco. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19. November 2006.
  9. Barry Hatton, Ian Sullivan: Spain sets in motion plan to dig up former dictator Franco. In: Associated Press, 24. August 2018.
  10. Gericht stoppt Exhumierung der Gebeine von Diktator Franco, abgerufen am 11. Juni 2019
  11. Gericht stoppt Franco-Exhumierung, abgerufen am 11. Juni 2019
  12. Spaniens Höchstgericht erklärt Franco-Exhumierung für rechtmäßig. Der Standard, 24. September 2019, abgerufen am selben Tage.
  13. ¿Y ahora qué pasará con el Valle de los Caídos? In: La Vanguardia, 24. August 2018.

Koordinaten: 40° 38′ 31″ N, 4° 9′ 19″ W