Moorbrand 2018 (Emsland)

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Rauchwolke bei Sögel am 19. September 2018

Der Moorbrand im Emsland 2018 – oder Moorbrand bei Meppen – war ein Großbrand nördlich der niedersächsischen Stadt Meppen auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 bzw. im Naturschutzgebiet Tinner Dose-Sprakeler Heide im September und Oktober 2018. Zur Brandbekämpfung auf 12 km2 Fläche waren bisweilen täglich über 1500 Feuerwehrleute, Angehörige des Technischen Hilfswerks, der Polizei, der Rettungsdienste und der Bundeswehr im Einsatz.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Löschversuche der Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Unternehmen Airbus Helicopters wurden im Auftrag der Bundeswehr auch während der Trockenheit im europäischen Sommer 2018 auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 bei Meppen Raketenerprobungen durchgeführt. Dadurch setzte sie unabsichtlich eine Moorfläche mit ungelenkten 70-mm-Luft-Boden-Raketen in Brand, die ein Eurocopter Tiger am 3. September 2018 abgefeuert hatte.[1] Eine zum Löschen eingesetzte Löschraupe, die sich besonders gut für diese Art des Geländes eignet, fiel während der ersten Löschmaßnahmen mit einem technischen Defekt aus. Die zweite Löschraupe dieses Typs befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Werkstatt.[2]

Der Wind drehte am Wochenende des 8. und 9. September 2018, so dass der Brand sich ausweitete.[3] Der Funkenflug überwand die Riegelstellungen und breitete sich weiter aus.[3]

Einbeziehung ziviler Kräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst am 14. September 2018 wurden die Feuerwehrbereitschaften des Emslandes von der Bundeswehr alarmiert.[3]

Am 21. September 2018 rief der Landkreis Emsland den Katastrophenfall aus. Die Bewohner der Orte Stavern und Sögel sollten sich auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten.[4] Am 21. September 2018 übernahm auch das Spezialpionierregiment 164 die Gesamtleitung des Einsatzes.[5]

Der wochenlang schwelende Brand weitete sich bis zum 22. September 2018 auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern aus. Der Brand sorgte noch in mehr als 100 Kilometern Entfernung für Sichtbehinderungen, z. B. im Bereich der Stadt Bremen.[6] Aus einem Fluss wurde Wasser auf die trockene Fläche gepumpt, um das Moor (wieder) zu vernässen und eine weitere Ausbreitung zu stoppen.[7] Ab dem 22. September 2018 setzte die Bundeswehr Flugzeuge des Typs Tornado ein, die mit Infrarot-Wärmebildkameras unterirdische Glutnester lokalisieren sollten.[8]

Durch die Löscharbeiten und regnerisches Wetter existierten am 24. September 2018 keine oberirdischen Feuer mehr.[9] Zudem hatte Regen ab dem 23. September 2018 Rauchentwicklung verhindert.

Der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Roten Kreuzes beendete seinen Einsatz mit 220 eingesetzten Kräften am 26. September 2018.[10] Das DRK hatte zur Unterstützung der Feuerwehr einen Betreuungsplatz mit Unterbringung und Verpflegung für über 1200 Einsatzkräfte betrieben.[10]

Reinhard Winter hob in seiner Eigenschaft als der Landrat des Landkreises Emsland den Katastrophenfall am 27. September 2018 wieder auf.[11]

Nach dem Ende des eigenen Einsatzes zog das THW am 5. Oktober 2018 Bilanz: 1900 Helfer leisteten 93.000 Arbeitsstunden während des Moorbrandes.[12]

Stabilisierung und Löschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Oktober 2018 verkündete die Bundeswehr, dass die letzten zivilen Kräfte aus dem Einsatz ausgeschieden seien und die „alleinige Verantwortung“ nun wieder an die Bundeswehr übergegangen sei.[13]

Die Bundeswehr gab am 10. Oktober 2018 mittags bekannt, dass der Brand vollständig gelöscht sei.[14] Am Vortag hatte der Aufklärungsflug eines Tornados keine Glutnester mehr gezeigt.[15]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brand löste Kritik am Handeln und an der öffentlichen Kommunikation der Bundeswehr aus. Die Anwohner um die Wehrtechnischen Dienststelle 91 kritisierten, dass sie nicht über die Rauchentwicklung gewarnt worden seien.[16] Auch die die Feuerwehr Bremen beschwerte sich über fehlende Informationen seitens der Bundeswehr.[16]

Mitte Oktober wurde die Bürgerinitiative „Moorbrand 2018 - Wir helfen!“ gegründet, um den Einsatzkräften vor Ort zu danken und diese vor allem durch gespendete Lebensmittel zu unterstützen.[17] Durch die Organisation über das soziale Netzwerk Facebook und die Berichterstattung in den Medien wuchs die Gruppe in wenigen Tagen auf über 3000 Unterstützer.[17]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte: „Wenn ich ehrlich sein soll – ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten.“[18]

Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) erstattete für seine Fraktion wegen fahrlässiger Brandstiftung Strafanzeige gegen die Bundeswehr. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen Unbekannt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei durchsuchten am 20. September die Wehrtechnische Dienststelle und stellten Unterlagen sicher.[19] Laut einem Vertreter der Wehrtechnischen Dienststelle 91 sei man sich der erhöhten Brandgefahr bewusst gewesen und würde aufgrund der NATO-Verpflichtungen auch heute genauso wieder entscheiden.[7] In dem Gebiet kommt es jährlich etwa 50 Mal zu Moorbränden.[20]

Der Landesvorsitzende der CDU in Niedersachsen, Bernd Althusmann, schlug am 25. September 2018 eine Auszeichnung der Helfenden durch eine Moorbrand-Medaille 2018 vor.[21] Diese Medaille wäre vergleichbar mit der niedersächsischen Gedenkmedaille aus Anlass der Waldbrandkatastrophe im August 1975 oder der sächsischen Gedenkmedaille Waldbrandkatastrophe Weißwasser 1992. Althusmann versprach, sich für die Stiftung einer solchen Auszeichnung in der Landesregierung einzusetzen.[21]

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) besuchte am 22. September 2018 Meppen und die WTD 91 und entschuldigte sich für den Moorbrand auf dem Bundeswehrgelände.[9] Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sah in der Entstehung des Brandes einen Hinweis auf große Mängel bei der Ausrüstung der Bundeswehr. Er bezeichnete die Ausrüstung als teils marode.[22]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzte zwischenzeitlich, dass etwa 500.000 Tonnen jahrtausendelang im Boden gespeichertes CO2 freigesetzt wurden, was etwa der Menge entspricht, die 50.000 Bundesbürger durchschnittlich im Jahr verursachen.[23] Der NABU ging dabei aber nur von fünf Quadratkilometern betroffener Fläche aus.[24][7]

Nach Schätzungen des Greifswalder Moorzentrums könnten sich die Folgekosten auf 80 bis 120 Millionen Euro belaufen.[25]

Auf dem Gelände der WTD 91 wurde möglicherweise uranhaltige NATO-Munition verschossen. Laut Bundeswehr sollte die Strahlenmessstelle Süd überprüfen, ob Einsatzkräfte einer Strahlenbelastung ausgesetzt gewesen sein könnten. Mögliche Konzentrationen des Giftes Quecksilber aus NVA-Geschossen auf dem Gelände sind ebenfalls unbekannt. Es wurde Anfang Oktober 2018 zudem bekannt, dass einige Werte von Luftmessungen, auf die sich die Bundeswehr und der Landkreis berufen hatten, nie gemessen wurden.[26]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moorbrand 2018 (Emsland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moorbrand durch Schießerprobung von Airbus Helicopters ausgelöst. In: Spiegel Online, 24. September 2018. Abgerufen am 3. Oktober 2018. 
  2. Löschraupe war defekt: Soldaten bekämpfen Feuer nach Raketentest. In: n-tv.de. 17. September 2018. Abgerufen am 3. Oktober 2018.
  3. a b c Großbrand in Meppen: Feuerwehren zu spät alarmiert. In: Neue Osnabrücker Zeitung , 21. September 2018. Abgerufen am 3. Oktober 2018. 
  4. Moorbrand bei Meppen: Was tun bei Evakuierung?. In: ndr.de, 21. September 2018. Abgerufen am 3. Oktober 2018. 
  5. Pioniere aus Husum in Meppen im Einsatz. In: ndr.de, 21. September 2018. Abgerufen am 3. Oktober 2018. 
  6. Moorbrand: Ist Munition Gefahr für Einsatzkräfte?. In: ndr.de. 19. September 2018.
  7. a b c Moorbrand: Mehr als 500.000 Tonnen CO2 freigesetzt bei ndr.de vom 17. September 2018
  8. Transportflugzeuge und Tornados gegen Moorbrand. In: sueddeutsche.de, 22. September 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  9. a b Moorbrand: Von der Leyen entschuldigt sich erneut. In: ndr.de. 22. September 2018. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
  10. a b Tobias Böckermann: Moorbrand bei Meppen: Bundeswehr hat Lage im Griff. In: noz.de, 26. September 2018. Abgerufen am 8. Oktober 2018. 
  11. Katastrophenfall aufgehoben. In: www.sueddeutsche.de, 27. September 2018. Abgerufen am 4. Oktober 2018. 
  12. Daniel Gonzalez-Tepper: THW zieht nach Moorbrand-Einsatz Bilanz: 93.000 Arbeitsstunden, 1900 Helfer. In: noz.de, 5. Oktober 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  13. Sebastian Grünberg: Jetzt liegt es wieder bei uns. In: www.iud.bundeswehr.de, 4. Oktober 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  14. Bundeswehr gibt Entwarnung: Moorbrand bei Meppen ist gelöscht. In: Nordwest-Zeitung, 10. Oktober 2018. 
  15. Infoflyer Moorbrand #20 (pdf) 10. Oktober 2018. Abgerufen am 10. Oktober 2018.
  16. a b Christian Ahlers: Moorbrand Bei Meppen. Krisenmanagement der Bundeswehr in der Kritik. In: nwzonline.de, 20. September 2018. Abgerufen am 16. Oktober 201. 
  17. a b Daniel Gonzalez-Tepper: Moorbrand: Dankeschön-Initiative wird bundesweit unterstützt. In: noz.de, 21. September 2018. Abgerufen am 15. Oktober 2018. 
  18. Yasemin Fusco, Karola Meyer-Schilf: Folgenreicher Einsatz im Inneren. In: taz Nord, 20. September 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  19. Moorbrand wird Fall für die Justiz. In: ndr.de. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  20. Yasemin Fusco: Bundeswehr fackelt Moor ab. In: taz.de, 13. September 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  21. a b Althusmann will Helfer mit Moorbrand-Medaille 2018 auszeichnen. In: cdu-niedersachsen.de. 5. September 2018. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
  22. Von der Leyen entschuldigt sich nach Moorbrand. In: tagesspiegel.de, 24. September 2018. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  23. Moorbrand: Von der Leyen entschuldigt sich erneut. In: Norddeutscher Rundfunk, 22. September 2018. Abgerufen am 23. September 2018.
  24. Moorbrand setzt bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO2 frei. In: Spiegel-Online, 21. September 2018. Abgerufen am 23. September 2018.
  25. Moorbrand: Bis zu 120 Millionen Euro Schaden?. In: ndr.de, 2. Oktober 2010. Abgerufen am 6. Oktober 2018. 
  26. Moorbrand: Radioaktive Strahlung freigesetzt?. In: ndr.de, 5. Oktober 2018. 

Koordinaten: 52° 47′ 12,1″ N, 7° 23′ 31,2″ O