Moorhuhn (Spieleserie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Moorhuhn ist ein Computerspiel aus dem Jahr 1999, das im Auftrag von Phenomedia durch das niederländische Unternehmen Witan als Werbespiel für die schottische Whisky-Marke Johnnie Walker entwickelt wurde. Es ist auch als Die virtuelle Moorhuhnjagd und Moorhuhn 1 bekannt, und lässt sich dem Computerspiel-Genre Shoot ’em up zurechnen. Die Wahl des Moorhuhns als Spielfigur ist als Seitenhieb auf einen der erfolgreichsten Blended Scotch Whiskys mit Namen The Famous Grouse zu verstehen.

Nach dem Börsengang der Phenomedia AG (inzwischen insolvent, Nachfolgeunternehmen phenomedia publishing GmbH), die das Spiel kostenlos zum Herunterladen anbot, wurde das Spiel sehr populär. Zeitweise wurde es in Deutschland sogar als „Bedrohung für Betriebsumsätze“ angesehen, da sich unverhältnismäßig viele Büroangestellte damit die Zeit vertrieben.[1] Zudem hat es das Spiel unter dem Begriff „Moorhuhnjagd“[2] in die deutsche Ausgabe des Duden geschafft, was ein Zeichen dafür ist, wie populär das Thema in Deutschland tatsächlich war. Unter anderem wurden eine Zeichentrickserie, ein Comic sowie zahlreiche Merchandiseartikel produziert.

An den Erfolg der Serie versuchten andere Entwickler mit zahlreichen ähnlichen Spielen anzuknüpfen, darunter Die Rache der Sumpfhühner (Koch Media).

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hamburger Agentur V und B ersann bereits Ende November 1997 die Idee, zur Promotion von „Johnnie Walker“ in der Gastronomie ein PC-Spiel einzusetzen.[3] Im Februar 1998 erhielt Frank Ziemlinski, der Gründer der Werbeagentur „Art Department“, den Auftrag, die Idee in eine Software umzusetzen. Name, der grobe Spielablauf und die anderthalb Minuten Jagdzeit waren als Parameter vorgegeben. „Art Department“ war eines der Vorläuferunternehmen der Phenomedia vor deren Börsengang und hatte sich bereits einen Namen als erster deutscher Entwickler von Computerspielen zu Werbezwecken, unter anderem mit Titeln für BiFi, Mercedes-Benz, Deutsche Telekom und die Dresdner Bank gemacht. Die Figur wurde schon 1992 von Ingo Mesche entwickelt. Programmiert wurde das Spiel vom niederländischen Entwicklungsstudio Witan. Ab Oktober 1998 wurde das Spiel in ausgewählten Bars präsentiert, auf zwei Laptops, mit passender Ausgestaltung des Ambientes.

Wenig bekannt ist, dass Witan die „Virtuelle Moorhuhn-Jagd“ bereits im Sommer 1998, anderthalb Jahre bevor sie populär wurde, unter dem niederländischen Namen „KippenSchieten“ auf der Demoparty Bizarre 98 im holländischen Etten-Leur vorgestellt hatte.[4] Bei dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung, auf der Hobby-Programmierer ihre Kreationen präsentieren, errang das Spiel den dritten Platz in der Kategorie PC demos.[5]

Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Release Genre Plattform
Die Original Moorhuhnjagd 1999 Shoot ’em up PC, PS1
Moorhuhn 2 – Die Jagd geht weiter 2000 Shoot ’em up PC, PS1
Moorhuhn – Winter-Edition 2001 Shoot ’em up PC
Moorhuhn 3 – …Es gibt Huhn! 2001 Shoot ’em up PC, PS1
Moorhuhn Kart 1 2002 Rennspiel PC
Moorhuhn X 2003 Shoot ’em up PC, PS1, PS2
Moorhuhn Kart Extra 2003 Rennspiel PC
Moorhuhn – Der Schatz des Pharao 2003 Adventure PC
Moorhuhn Kart 2 2004 Rennspiel PC
Moorhuhn Wanted 2004 Shoot ’em up PC
Moorhuhn Pinball Vol. 1 2004 Flipperautomaten-Simulation PC
Moorhuhn – Der Fluch des Goldes 2005 Adventure PC
Moorhuhn Remake 2005 Shoot ’em up PC
Moorhuhn Invasion 2005 Shoot ’em up PC
Moorhuhn Schatzjäger 1 2005 Jump ’n’ Run PC
Moorhuhn im Anflug 2005 Shoot ’em up Side-Scroller PC
Moorhuhn Mah-Jongg 2006 Mah-Jongg PC
Moorhuhn Soccer 2006 Sportsimulation (Fußball) PC
Moorhuhn Piraten 2006 Shoot ’em up PC
Moorhuhn Schatzjäger 2 2006 Jump ’n’ Run PC
Moorhuhn Kart 3 2007 Rennspiel PC
Moorhuhn – Juwel der Finsternis 2007 Maze PC
Moorhuhn DS 2007 Diverse NDS
Moorhuhn Schatzjäger 3 2007 Jump ’n’ Run PC
Moorhuhn Director´s Cut 2007 Shoot ’em up PC
Moorhuhn – Juwel der Finsternis 2008 Maze NDS
Moorhuhn Fun Kart – 2008 2008 Rennspiel PS2
Moorhuhn Star Karts 2008 Rennspiel NDS
Moorhuhn Kart Thunder 2008 Rennspiel PC
Moorhuhn – Der Schatz des Pharao 2008 Adventure NDS
Moorhuhn Atlantis 2008 Jump ’n’ Run PC, NDS
Moorhuhn – Das verbotene Schloss 2009 Jump ’n Run Wii
Moorhuhn – Das verbotene Schloss 2010 Jump ’n Run PC
Moorhuhn Deluxe 2009 Shoot ’em up iOS
Moorhuhn Jahrmarkt-Party 2010 Diverse Wii, NDS
Moorhuhn Quest 2010 Diverse iOS
Moorhuhn Combat 2011
(Spielbetrieb eingestellt)
Browserspiel Browser
Moorhuhn Piraten 2012 Shoot ’em up NDS, 3DS
Moorhuhn Deluxe 2012 Shoot ’em up Android
Moorhuhn – Der Schatz des Pharao 2012
(Spielbetrieb eingestellt)
Puzzle, Browserspiel Browser
Tiger & Chicken 2013 Action-Rollenspiel PC, iPad
Moorhuhn Piraten 2013 Shoot ’em up iPhone, iPad
Moorhuhn Director´s Cut 2013 Shoot ’em up NDS, 3DS
Moorhuhn Deluxe 2014 Shoot ’em up Windows 8.1 und RT, Apple Mac
Moorhuhn – Der Schatz des Pharao 2014 Puzzle, Browserspiel Browser
Moorhuhn Invasion 2014 Shoot ’em up Android
Moorhuhn Piraten 2015 Shoot ’em up Android
Moorhuhn schlägt zurück 2016 Strategiespiel PC, iOS, Android

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielesoundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nils Fritze war Komponist aller Moorhuhnspiele seit der Moorhuhn Winter-Edition (2001) bis Mitte 2006. Für den Soundtrack zu Schatzjäger 2 (Ende 2006) zeichnen Georg Heckermann und Gunther Glöckner, für Schatzjäger 3 Henrik Jacoby (2007) und für die Fortsetzung Moorhuhn Atlantis (2008) Kai Walter (Snap Dragon Games) verantwortlich. Die Fortsetzungen der Kartreihe Moorhuhn Kart 3 und Thunder sowie den Shooter Director’s Cut vertonte Haiko Ruttmann.

Der Soundtrack zum Spiel „Moorhuhn Tiger & Chicken“ wurde von Jan Klose/Tilman Sillescu (Dynamedion) komponiert, Helge Borgarts hat einige Tracks beigesteuert. Gespielt wurde der Soundtrack von der Staatskapelle Halle.

Separate Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 nahm Wigald Boning das Lied „Gimme more Huhn“ auf. Als Interpret war „Moorhuhn feat. Wigald Boning“ angegeben.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurden insgesamt 26 einminütige Zeichentrickfilme produziert, die dann in Werbeunterbrechungen deutscher TV-Sender zu sehen waren.

Im September 2011 wurde die Produktion eines Moorhuhn-Kinofilms von der Phenomedia angekündigt. Der Film soll von Douglas Welbat und der "Nova Entertainment Cinema" produziert werden.[6] Ein Jahr darauf wurde das Drehbuch mit einem Fördergeld von 45.000 Euro der Filmförderungsanstalt FFA gefördert.[7] Seither hat man von der Produktion nichts mehr erfahren.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spielprinzip – möglichst viele Moorhühner zu schießen – stieß auf scharfe Kritik des Deutschen Tierschutzbundes. Laut dem Sprecher des Tierschutzbundes müssten besonders Kinder und Jugendliche vor dem Spiel geschützt werden, um nicht mangelnden Respekt vor Tieren einzuüben. Daher wurde das Spiel mehrfach überarbeitet. So gab es am Ende einer Runde ein verletztes Huhn mit Krücken und einem Gips zu sehen. Dadurch sollte klargemacht werden, dass die Hühner nicht getötet, sondern nur verletzt werden.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Patalong: Moorhuhnjagd: Zocken will der Surfer! Spiegel Online, 19. Januar 2000, abgerufen am 19. Oktober 2013.
  2. Moorhuhnjagd. Duden, abgerufen am 26. Oktober 2013: „2. Bedeutung: Computerspiel, das eine Jagd auf fliegende Moorschneehühner simuliert“
  3. Alexander Stirn: Moorhuhns Mutter plant Nachwuchs. Geschichte eines Spiels. Spiegel Online, 19. Januar 2000, abgerufen am 19. Oktober 2013.
  4. Gerald Himmelein: Am Anfang stand die Raubkopie. Computer-Demos: von der Cracker-Visitenkarte zur Kunstform. In: c't. Nr. 1/2007. Verlag Heinz Heise Januar 2007, ISSN 0724-8679, S. 84–89 (heise.de [abgerufen am 19. Oktober 2013]).
  5. Bizarre 1998 results. pouet.net, 30. September 2000, abgerufen am 19. Oktober 2013 (englisch, Abstimmungsergebnis der BIZ98).
  6. Das Moorhuhn wird Filmstar!!! phenomedia.com, 9. September 2011, abgerufen am 15. April 2014.
  7. Computerspiel "Moorhuhn" soll verfilmt werden. relevant.at, 21. August 2012, abgerufen am 15. April 2014.
  8. Tierschutzbund: Rettet die Moorhühner. Spiegel Online, 2. Februar 2000, abgerufen am 19. Oktober 2013.