Mora (Einheit)

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Die Mora oder More (lateinisch mora ‚Zeitraum‘) ist

Beide Begriffe entsprechen sich weitgehend. Der wesentliche Unterschied ist, dass in der Phonologie die Morigkeit eine Eigenschaft der Silbe an sich bemisst, im Unterschied zur antiken Silbenquantität, die eine Eigenschaft der Silbe im Kontext des Verses ist.

Moren in der antiken Metrik[Bearbeiten]

In der antiken quantitierenden Metrik der Griechen entsprach der lateinischen Mora die Zeiteinheit chronos protos (χρόνος πρῶτος „erste Zeit“, „Grundzeit“) bzw. deren Vielfache. Im Versmaß entsprach von der Dauer her dem chronos protos bzw. der Mora das Verselement elementum breve, der doppelten Länge das elementum longum bzw. das elementum anceps mit der Dauer 2 Moren bzw. chronos disemos (δισεμος „zwei Zeichen“) usw. Die Zeitwerte sind dabei nicht absolut, sondern relativ zum jeweiligen Grundtempo. Sie gleichen damit der musikalischen Tondauer, wobei eine Mora dem Notenwert einer Viertelnote gleichgesetzt wird.

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen griechischen Bezeichnungen der Quantitäten mit den jeweiligen Symbolen der metrischen Notation[1]:

Moren Notenwert Zeichen Name Umschrift
1 ¼ χρόνος πρῶτος chrónos prōtos
2 ½ ── χρόνος δίσεμος chrónos disemos
3 ¾ └──╴ χρόνος τρίσεμος chrónos trísemos
4 1 └───┘ χρόνος τετράσεμος chrónos tetrásemos
5 1 ¼ └─┴─┘ χρόνος πεντάσεμος chrónos pentásemos

Andreas Heusler hat die Symbole für die Dauer einzelner Silben in seine Notation für die Taktreihen der deutschen Metrik übernommen.

Moren in der Phonologie[Bearbeiten]

Eine More entspricht einer offenen Silbe mit kurzem Vokal oder einem Kurzvokal mit höchstens einem nachfolgenden Konsonanten. Silben mit einem langen Vokal bzw. einem Kurzvokal und mehreren Konsonanten sind „zweimorig“, zählen also zwei Moren.

Moren im Japanischen[Bearbeiten]

Die japanische Sprache ist für ihre morischen Qualitäten bekannt. Die meisten Dialekte (einschließlich der Hochsprache) verwenden Moren anstatt Silben als Einheit ihres Klangsystems. So besteht das berühmte Haiku nicht wie oft angenommen aus 5, 7 und 5 Silben, sondern aus 5, 7 und 5 Moren. Untersucht man den japanischen Wortschatz daraufhin, wie häufig Wörter vorkommen, die aus einer verschiedenen Anzahl an Moren bestehen, so kommt man auf die 1-verschobene Binomialverteilung, die ein gutes Modell für eine solche Erhebung liefert.[2] Siehe dazu das Gesetz der Verteilung von Wortlängen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christiaan Marie Jan Sicking: Griechische Verslehre. (= Handbuch der Altertumswissenschaft. Abt. 2, Teil 4) Beck, München 1993, ISBN 3-406-35252-9, S. 9.
  2. Haruko Sanada: Investigations in Japanese Historical Lexicology. Revised Edition.. Peust & Gutschmidt, Göttingen 2008, ISBN 978-3-933043-12-2, S. 96f.