Mord im Orient Express (2017)

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Film
Deutscher Titel Mord im Orient Express
Originaltitel Murder on the Orient Express
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch; vereinzelt: Französisch, Deutsch, Niederländisch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Kenneth Branagh
Drehbuch Michael Green
Produktion
Musik Patrick Doyle
Kamera Haris Zambarloukos
Schnitt Mick Audsley
Besetzung
Synchronisation
Chronologie
Tod auf dem Nil →

Mord im Orient Express (Originaltitel: Murder on the Orient Express) ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm mit Starbesetzung von Kenneth Branagh aus dem Jahr 2017. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie aus dem Jahr 1934 und ist die fünfte Verfilmung des Stoffes.[3] Gleichnamige Filme erschienen 1974, 2001 und 2010.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hercule Poirot nimmt auf der Rückreise von einem seiner Fälle den legendären Orient-Express. Der Zug bleibt auf einem Viadukt stehen, weil die Lokomotive wegen einer Schneelawine entgleist ist. Der betrügerische Kunsthändler Ratchett wird ermordet aufgefunden und Poirot ermittelt auf Wunsch des Bahndirektors gegen die übrigen Reisenden – einer von ihnen muss der Täter sein. Da wären die spanische Missionarin Pilar Estravados, die Gouvernante Mary Debenham, der österreichische Professor Gerhard Hardman, die Witwe Mrs. Hubbard und der Doktor Arbuthnot, doch bald wird Poirot klar, dass die Spur zum Mörder über das Opfer führt. Er muss sich beeilen, denn es ist nicht klar, ob der Täter eventuell noch einmal zuschlägt.

Poirot kann herausfinden, dass die genannten Mitreisenden alle in Verbindung mit dem Armstrong-Fall stehen und lügen. Die Tochter Daisy des Ehepaars Armstrong war entführt und getötet worden, obwohl Lösegeld gezahlt wurde. Ratchett war in Wahrheit der flüchtige Daisy-Mörder Cassetti. Die spanische Missionarin Estravados war das Kindermädchen der Armstrongs, Debenham war dort Gouvernante, Hardman war ermittelnder Polizist und mit der unschuldig Verurteilten liiert, Mrs. Hubbard ist Daisys Großmutter und der Doktor Regimentskamerad sowie Protegé Armstrongs. Außerdem sind der Sohn des damaligen Staatsanwalts und der Butler der Armstrongs involviert.

Weil sich alle Genannten verdächtig gemacht haben, schlussfolgert Poirot, dass Mrs. Hubbard die Beteiligten um Cassetti in Stellung gebracht, sie auf den Zug, mit dem Cassetti reisen wollte, gebucht hatte und dass sie alle Cassetti gemeinsam getötet hatten.

Als der Zug wieder freigegraben worden ist und weiterfahren kann, kommt auch die lokale Polizei hinzu und Poirot gibt – ganz gegen seine Überzeugung – an, dass es einen jetzt geflüchteten Attentäter gegeben habe. Am folgenden Bahnhof von Brod wird Poirot zu seinem nächsten Fall gerufen, der sich auf dem Nil ereignet hat.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regisseur Kenneth Branagh bedient sich gerne an Motiven aus der Kulturgeschichte. Er äußerte sich im Interview zu der Ähnlichkeit der Anordnung der Verdächtigen am Ende des Films mit der Anordnung der Apostel bei Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde des Letzten Abendmahls. Er habe das Gemälde zwei Jahre vorher in Mailand gesehen. Auch stelle Poirot unterschwellig die Frage, wer der Verräter sei. Die Personen am Tisch litten alle an dem, was Shakespeare in Hamlet „das Gift des tiefen Grams“ nenne und das zivilisierte Menschen zu Mördern werden lasse.[4] Gefilmt wurde in Super Panavision 70.[5]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synchronisation des Films wurde bei der RC Production nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Axel Malzacher erstellt.

Rolle Darsteller Synchronsprecher[6]
Hercule Poirot Kenneth Branagh Martin Umbach
Bouc Tom Bateman Ricardo Richter
Pilar Estravados Penélope Cruz Carolina Vera
Mr. Hardman Willem Dafoe Reiner Schöne
Prinzessin Natalia Dragomiroff Judi Dench Kerstin de Ahna
Edward Ratchett Johnny Depp David Nathan
Hector MacQueen Josh Gad Gerrit Schmidt-Foß
Edward Masterman Derek Jacobi Friedhelm Ptok
Dr. Arbuthnot Leslie Odom Jr. Nico Sablik
Caroline Hubbard Michelle Pfeiffer Andrea Aust
Mary Debenham Daisy Ridley Kaya Marie Möller
Gräfin Elena Andrenyi Lucy Boynton Jodie Blank
Graf Rudolph Andrenyi Sergei Polunin Zoltán Tombor
Hildegarde Schmidt Olivia Colman Katelijne Philips-Lebon
Biniamino Marquez Manuel Garcia-Rulfo Nicolas Buitrago
Chief Inspector Michael Rouse Julius Jellinek

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bilder aus dem Film wurden am 3. Mai 2017 in einem exklusiven Artikel in Entertainment Weekly veröffentlicht.[7]

Im Vereinigten Königreich lief der Film am 3. November 2017 an, die Weltpremiere fand am Vorabend in der Londoner Royal Albert Hall statt.[8] Der Film kam am 9. November 2017 in die deutschen und einen Tag später in die US-amerikanischen Kinos.[9]

Am 27. Februar 2018 erschien das Werk in den Vereinigten Staaten und Kanada auf DVD und Blu-Ray. Am 5. März erschien im Vereinigten Königreich die erste europaweit abspielbare Fassung, die deutsche Veröffentlichung folgte am 22. März 2018.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlagzeile in der Filmkritik von Vanity Fair lautet: „Kenneth Branagh ist der Schuldige in diesem vermasselten Krimi“. Bei einem großartigen Stoff und einer starken Besetzung habe er aus Agatha Christies Roman von 1934 mit Hilfe seines Drehbuchschreibers Michael Green und eines übereifrigen Art-Directors ein matschiges (squishy), aufgeblasenes Projekt der Eitelkeit gemacht. Branagh habe, verführt durch sein Budget und die Möglichkeiten der Computeranimation, seine Akteure in eine künstliche Welt eingetaucht. „Wie langweilig (accidentically bland) das alles wirkt, wenn doch eine glanzvolle visuelle Fülle beabsichtigt war.“ Mord im Orient-Express sei zugleich bierernst und rührselig, geradezu eine Antithese zu der köstlich-kühlen Erzählweise Agatha Christies.[10]

Ebenso negativ fällt die Kritik des britischen Guardian aus. „Die Starbesetzung des Films reicht von Johnny Depp bis Judi Dench. Aber diese verschneite Agatha-Christie-Adaption ist ein staubiger, altmodischer Blindgänger“.[11]

Martin Schwickert bewertet in der Rheinischen Post den Film mit „gut“ und findet: „Ein durch und durch gelungenes Remake, das die Vorlage mit Liebe und Respekt behandelt, diese an den richtigen Stellen auffrischt und ohne angestrengte Modernisierungen einen eigenen Zugang findet.“[12]

Das Lexikon des internationalen Films bewertet diese Fassung deutlich schlechter als die Version von 1974 und merkt an: „Aufwändige Neuverfilmung des Krimi-Klassikers von Agatha Christie, die geschickt die engen Räume des Luxuszugs sowie die Abgeschiedenheit zum Aufbau von Spannung nutzt. In seiner pragmatischen Haltung zum Sujet entstand dennoch ein etwas ernüchternder Unterhaltungsfilm, in dem das illustre Star-Aufgebot nur bedingt glänzt.“[13]

Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Kinokassen war der Film ein finanzieller Erfolg und spielte bei Produktionskosten von rund 55 Millionen US-Dollar weltweit über 350 Millionen US-Dollar ein.[14]

Fortsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 2015 zeigte sich James Prichard, Vorsitzender der Agatha Christie Ltd. und Christies Urenkel, euphorisch angesichts möglicher Fortsetzungen sowie der Zusammenarbeit mit Branagh und dem Team.[15] Im Mai 2017 stellte Branagh weitere Fortsetzungen in Aussicht, sofern der Film ein Erfolg werde.[16] Infolge der Veröffentlichung und des internationalen Erfolgs wurde eine Fortsetzung offiziell bestätigt. Tod auf dem Nil, die dritte Verfilmung des gleichnamigen Romans, sollte ursprünglich 2019 erscheinen. Nach einigen Verschiebungen, unter anderem aufgrund der COVID-19-Pandemie, kam der Film letztlich am 11. Februar 2022 in die US-amerikanischen Kinos. Wieder übernahm Branagh Regie und Hauptrolle, während Tom Bateman und Drehbuchautor Michael Green ebenfalls zurückkehrten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mord im Orient Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Mord im Orient Express. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 173430/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Alterskennzeichnung für Mord im Orient Express. Jugendmedien­kommission.
  3. Robert Mitchell: All-Star ‘Murder on the Orient Express’ Cast Assembles in London. Variety, 5. Mai 2017, abgerufen am 12. Februar 2022.
  4. Thomas Abeltshauser: Stimmt es, dass Sie ein Kontrollfreak sind, Mr. Branagh? WAZ, 11. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  5. www.in70mm.com, www.panavision.com
  6. Mord im Orient Express in der Deutschen Synchronkartei
  7. Clark Collis: This Week’s Cover: Exclusive First Look at Murder on the Orient Express. In: Entertainment Weekly. 3. Mai 2017, abgerufen am 3. Mai 2017.
  8. Julia Pritchard: Whodunnit best? Michelle Pfeiffer, Johnny Depp, Daisy Ridley and Penelope Cruz kill it on red carpet for world premiere of Murder On The Orient Express, Daily Mail, 2. November 2017.
  9. Brent Lang: Steven Spielberg Pentagon Papers Drama Gets 2017 Oscar Season Release. In: Variety. 22. April 2017, abgerufen am 22. April 2017.
  10. Murder on the Orient-Express, movie reviews Vanity Fair, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  11. Peter Bradshaw’s film of the week The Guardian, 2. November 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  12. Martin Schwickert: Hercule Poirot ermittelt wieder. Kenneth Branagh gelingt mit „Mord im Orient-Express“ eine großartige Neuauflage des Agatha-Christie-Klassikers. In: Rheinische Post, 10. November 2017, S. D8, Online-Version, abgerufen am 10. November 2017.
  13. Mord im Orient Express. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 22. Oktober 2022.
  14. Murder on the Orient Express. Abgerufen am 22. Dezember 2020.
  15. Dave McNary: Kenneth Branagh to Direct, Star in ‘Murder on the Orient Express’ Remake. Variety, 20. November 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  16. Clark Collis: ‘Murder on the Orient Express’ Star Kenneth Branagh Wants to Make More Poirot Movies. In: ew.com. 4. Mai 2017, abgerufen am 31. Mai 2017.