Morgensprache

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Die Morgensprache bezeichnet ein Gespräch am Morgen, in dem Angelegenheiten von Zünften, Gilden oder der Kaufmannschaft geregelt wurden, die nicht von Bestimmungen der Obrigkeit erfasst waren. Die Morgensprache konnte dabei auch gerichtliche Funktionen übernehmen („gehegte Morgensprache“).

Als Morgensprache bezeichnet man auch einen spätmittelalterlichen Ehevertrag aus der Zeit um 1400. Ein solcher Vertrag wurde am Morgen nach vollzogener Ehe abgeschlossen. Zur Bestätigung der Absprachen wurden Zeugen gewählt, „gekorne brutlude“. Da in der Morgensprache auch frühere Absprachen geändert werden konnten, wurden in dieser auch ältere Absprachen wiederholt und von den Zeugen bestätigt.

In Köln bezeichnete der Begriff „Große Morgensprache“ die Verlesung der Stadtordnung durch den Magistrat von der Lehne der Rathauslaube aus; mit dem Ziel, die Ordnung in der Stadt zu festigen.

In Hamburg findet seit 2005 wieder regelmäßig eine Morgensprache in der Handelskammer Hamburg statt. Träger der Veranstaltung ist der „Verein zur Förderung der Hamburger Wirtschaftsgeschichte e.V.“, sie wird jedoch vollständig durch Teilnahmegebühren und Spenden finanziert. Die Hamburger Morgensprache erinnert an die Keimzelle der Hanse, die 1266 durch die Schutzgemeinschaft Hamburger Kaufleute im Londoner Stalhof gebildet wurde. Deren Credo ist auch das Credo ihrer heutigen Nachfolger und zugleich auch das Motto der Veranstaltung: das eindeutige Bekenntnis zur Freiheit des Geistes, der Chancen und des Handels. Im Londoner Stalhof erhielten die Hamburger Kaufleute zum ersten Mal das Recht verliehen, sich zu organisieren, ihre Geschäfte selbst zu regeln und sich zu versammeln. Das war eine Art exterritorialer Vorläufer der Selbstverwaltung der Hamburger Wirtschaft, die in der Hansestadt 1665 mit der Wahl von Vertretern für die Commerzdeputation ihren Anfang nahm – und sie war damit auch ein Vorläufer der heutigen Handelskammer. Die „stille Zeremonie“, die von Hamburger Unternehmern in roten Ornaten und mit Insignien vollzogen wird, lehnt sich minutiös an das historische Vorbild der „Morgensprachen“ (Kaufmannsversammlungen) im Londoner Stalhof des 13. bis 16. Jahrhunderts an, bei denen die ausscheidenden Mitglieder des zwölfköpfigen Kontorvorstandes verabschiedet, die neuen Mitglieder begrüßt und ein Ältermann (Vorsitzender) gewählt wurden. Als Vorlage für den genauen Ablauf dient deren Statutenbuch, das in seinem ältesten Original von 1457 in der Commerzbibliothek niedergelegt ist. Bei der Umsetzung und Choreographie der „stillen Zeremonie“ haben zudem das Museum für Hamburgische Geschichte (hamburgmuseum) und das Institut für Germanistik der Universität Hamburg beratend mitgewirkt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Schmidt-Wiegand: Genossenschaftliche Organisation im Spiegel historischer Bezeichnungen. Hanse, Gilde, Morgensprache. In: Nils Jörn (Hrsg.): Genossenschaftliche Strukturen in der Hanse, Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte; N.F., Bd. 48, Böhlau, Köln/Weimar/Wien, 1999, ISBN 3-412-10798-0, S. 1.
  • Monika Fehse: Der Städter Conrad von Soest – eine sozialgeschichtliche Einordnung. in: Thomas Schilp und Barbara Welzel (Hrsg.): Dortmund und Conrad von Soest im spätmittelalterlichen Europa, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, ISSN 1612-8648, ISBN 3-89534-533-4.
  • Fritz Barich: IV. Die Dortmunder Morgensprachen 1600–1617. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark, herausgegeben von dem Historischen Vereine für Dortmund und die Grafschaft Mark, Band XIII, Dortmund 1905, S. 238, Nr. 678

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]