Moritz Becker

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Moritz Becker

Moritz Becker (* 1. Mai 1830 in Danzig; † 25. August 1901 in Heringsdorf[1][2][3]) war ein Bergwerkunternehmer im Samland und in Böhmen. Er führte den industriellen Abbau des Bernsteins in Ostpreußen ein.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritz Becker war der Sohn armer jüdischer Eltern. Zunächst Hausierer und Kaufmann (nach einigen Quellen soll Becker schon zu Beginn seiner Erwerbslebens einen kleinen Bernsteinhandel gehabt haben[2]), verdingte er sich beim Memeler Gastwirt Wilhelm Stantien, der das Bernsteinlager bei Prökuls ausbeutete. 1858 zum Teilhaber der im gleichen Jahr entstandenen Firma Stantien & Becker geworden, richtete Becker die Bernsteinbaggerei in Schwarzort ein, die sich als sehr gewinnbringend erwies.

1861 pachtete Stantien & Becker die Bernsteingewinnung vom preußischen Staat. Nach einigen Quellen soll Becker Stantien aus dem Unternehmen gedrängt und 1871 Alleininhaber geworden sein, allerdings erwähnt Becker selbst in einer 1896 verfassten Schrift einen Mitgesellschafter namens Cohn und indirekt auch Stantien als Teilhaber des Unternehmens zumindest bis zum Jahre 1884.[2] Becker kaufte 1872 das Gut Palmnicken und baute dort das erste Bernsteinwerk. Es folgte die Grube Anna nördlich des Kraxtepeller Fließes. Mit ungefähr 2.000 Beschäftigten war die Firma 1883 das größte Industrieunternehmen in Ostpreußen. Becker erhielt den Titel Kommerzienrat und Geheimer Kommerzienrat. Wilhelm I. und Wilhelm II. ließen ihm 1866 beziehungsweise 1885 persönliche Ehrengeschenke zukommen.[3] Mit Dampfbaggern förderte seine Aktiengesellschaft bis 1899 Bernstein aus dem Kurischen Haff.

Grabstätte (linke Seite)

Mit dem Geologen Richard Klebs, der für Stantien & Becker als Berater tätig war, gründete er in Königsberg ein Bernsteinmuseum. In den 1890er Jahren wurde in Preußen eine öffentliche Diskussion über das Bernsteinmonopol seiner Firma geführt. 1896 wurde in Stolp ein Monopolprozess geführt. 1899 verkaufte Becker darauf alle industriellen Anlagen, seinen Grundbesitz in Königsberg und in den Kreisen Fischhausen und Memel sowie das Bernsteinmuseum für mindestens 8,5 Millionen Reichsmark an den Preußischen Staat.[3] Der vom Preußischen Landtag bewilligte Betrag belief sich auf 9,75 Millionen Reichsmark.[2] Beckers Vermögen wurde zu dieser Zeit auf 14,5 Millionen Reichsmark geschätzt. Moritz Becker engagierte sich nur noch beim Goldbergwerk von Roudný.

Becker wohnte schon in den letzten Jahren in Wien, siedelte dann nach Berlin über und starb während eines Kuraufenthalts wahrscheinlich in Heringsdorf (Usedom).[2][1] Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt.[3]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beckerit aus Bitterfeld, Naturform, Größe: 54 mm; Sammlung: Naturkundliches Museum Mauritianum Altenburg.

Moritz Beckers Frau Henriette, die aus einer jüdischen Familie aus Tilsit stammte, gründete einen Verein für Wohltätigkeit und Frauenbildung. Sie machte mehreren Anstalten große Zuwendungen. Der Sohn Benno Becker wurde Kunstmaler und war Mitbegründer der Münchner Sezession. Ein weiterer Sohn Arthur Becker war ein deutscher Politiker und Gutsbesitzer in Bartmannshagen im Kreis Grimmen. Der Ururenkel Ludwig Becker wurde 1935 noch in Palmnicken geboren und betreibt dort ein Hotel.

Beckerit und Stantienit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stantienit aus Bitterfeld; Sammlung: Naturkundliches Museum Mauritianum Altenburg

Zwei der zusammen mit dem Baltischen Bernstein (Succinit) im Ostseeraum vorkommenden akzessorischen Harze (Bernsteinvarietäten, die nicht Succinit sind) wurden nach den Inhabern der Firma „Stantien & Becker“ als Stantienit und Beckerit benannt. Beide Bernsteinvarietäten kommen auch in Bitterfeld vor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Andrée: Der Bernstein – Das Bernsteinland und sein Leben. Stuttgart 1951.
  • Moritz Becker: Denkschrift zum Urtheil des Königlichen Landgerichtes Stolp. Berlin 1896.
  • Richard Klebs: Der Bernstein und seine Geschichte. Königsberg 1889.
  • Wilhelm Tesdorpf: Gewinnung, Verarbeitung und Handel des Bernsteins in Preußen von der Ordenszeit bis zur Gegenwart. Jena 1887.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nach Wolfgang Wilhelmus starb Moritz Becker in Hennigsdorf bei Berlin.
  2. a b c d e A. Brekenfeld: Die Unternehmerpersönlichkeiten Friedrich Wilhelm Stantien und Moritz Becker. In: Bernstein – Tränen der Götter. Bochum 1996.
  3. a b c d e Wolfgang Wilhelmus: Arthur Becker: Agrarier – Sozialdemokrat – Jude. In: Irene Diekmann (Hrsg.) : Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1998, ISBN 3-930850-77-X, S. 429.