Moritz Reichelt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Moritz Reichelt alias Moritz R®. (* 8. Oktober 1955 in Halle/Saale) ist ein deutscher Maler und Musiker. Er ist der Sohn des Malers Tom Reichelt und dessen zweiter Frau Fe Reichelt. Seine gegenständliche und erzählerische Malerei zeigt stilistische Einflüsse von Expressionismus und Kubismus bis zur amerikanischen Illustrationskunst der 1950er Jahre und verbindet Humor mit abgründigem Sarkasmus. Reichelt ist Gründungsmitglied von Der Plan und Mitbegründer des deutschen Schallplattenlabels Ata Tak.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1968 war Reichelt mit einem Bild auf der Documenta 4 in Kassel vertreten[1]. 1978 gründete er mit Frank Fenstermacher die erste New-Wave-Galerie der Welt namens „Art Attack“ in Wuppertal, aus der später das Label Ata Tak hervorging.

Reichelt gehörte zum Umkreis der Gruppe Normal[2], einer Künstlergruppe um die tschechischen Maler Milan Kunc und Jan Knap, sowie den Nürnberger Peter Angermann. Moritz Reichelt wird ebenso wie Markus Kippenberger, Albert Oehlen[3] oder Jörg Immendorf zu den Düsseldorfer Jungen Wilden[4] oder auch Neuen Wilden gezählt[5].

Reichelt war vertreten in den Ausstellungen Treibhaus (Kunstmuseum Düsseldorf 1982), Kunstkongress (Kunstverein Hamburg 1988), Malerei 2000 (Hamburg 1993), Zurück zum Beton (Kunsthalle Düsseldorf 2002)[6], Pop am Rhein (Stadtmuseum Köln 2007)[7], Embedded Art (Akademie der Künste, Berlin 2009)[8][9], Exotika 2013 im Rahmen der Berlin Art Week[10], Geniale Dilettanten[11][12] (Haus der Kunst, München 2015 so wie Albertinum 2017, Dresden und im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG), Hamburg 2016)[13], ON AIR. 100 Jahre Radio (Museum für Kommunikation, Berlin 2020–2021)[14][15] und Writing the History of the Future (Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe 2020–2021)[7]. Einzelausstellungen hatte er außer in Deutschland u. a. in Tokio, Wien, Rotterdam, Zürich und Los Angeles (La Luz De Jesus).

Reichelt gestaltete neben diversen Ata Tak-Platten, Videos und Bühnendekorationen auch die Cover einiger früher Depeche Mode-Singles[16][17], zahlreiche Bühnenbilder und Cover von Andreas Dorau[18], Sun Ra, Bugge Wesseltoft, Merricks u. a., sowie Filmplakate, z. B. für Manta – Der Film. Einige seiner Installationen zierten das bekannte Atomic Café in München.[19]

Außerdem war er als Komponist und Ausstatter für Film und Fernsehen tätig, u. a. für Die Partei (2009), Die letzte Rache (1982)[20], Haus Vaterland von Horst Königstein und das VOX-Medienmagazin Canale Grande. Unter dem Pseudonym „Marie-Claire de St.Rocaille“ illustrierte er sechs Jahre für das Magazin Tempo.

Seit den späten 1980er Jahren wandte sich Reichelt der exotischen Kunst vor allem der Südsee zu[21]. Er war einer der Begründer des Tiki-Revivals in Deutschland und international der erste Maler dieses Genres.[22]

Von 2006 bis 2008 gestaltete Moritz Reichelt als 3D-Computergrafiker unter den Pseudonymen „Mo Eriksen“ und „Moni Duettmann“ die virtuelle Präsenz von Universal Music Deutschland in Second Life.

Parallel zu seiner Tätigkeit als bildender Künstler war Moritz Reichelt stets gleichermaßen als Musiker tätig. Er kam 1978 zur Musik als Mitglied der Gruppe „Weltende“ des Gelsenkirchner Fluxus-Künstlers Jürgen Kramer. Danach gründete er eigene Bands, die „Karmann Ghias“, „Weltaufstandsplan“ und schließlich „Der Plan“. Mit dieser Band produzierte er neun Studioalben, fünf Singles und Filmmusiken (u. a. für Die letzte Rache). Die Band hatte im In- und Ausland eine Vielzahl von Bühnenauftritten, die Reichelt mit üppig gestalteten Bühnenbildern und gemalten Masken ausstattete. Der Plan gilt als einer der Wegbereiter der Neuen Deutschen Welle[23]. Sein erstes Solo-Album erscheint 2021 auf einem japanischen Label.

Darüber hinaus war Reichelt als Autor (Popkatalog Vol.1 - Postpsychedelische Malerei, Der Plan - Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle[24]) und Filmemacher (K.u.K Revisited, JaPlan) tätig. Er schrieb u. a. für Titanic, Telepolis, junge Welt und Rolling Stone.

2005 kandidierte er für Die P.A.R.T.E.I. im Wahlkreis Berlin-Tempelhof—Schöneberg[25].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moritz Reichelt: Der Plan. Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle. Die Geschichte einer deutschen Band. Verlag Martin Schmitz, Kassel, 1993, ISBN 3-927795-08-9.
  • Moritz Reichelt: Pop Katalog 1. Postpsychedelische Malerei, Verlag Werner Pieper & The Grüne Kraft, Löhrbach, 1998, ISBN 3925817972.
  • Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Otto Von Stroheim: A Volcanic Eruption of Art. Last Gasp, 2004, ISBN 978-0-86719-627-6 (google.de [abgerufen am 20. Oktober 2020]).
  2. Galerie Hartmut Beck: École normale and friends. In: University Libraries. Utah State University, 1982, abgerufen am 20. Oktober 2020.
  3. Renate Buschmann, Jessica Nitsche: Video Visionen: Die Medienkunstagentur 235 Media als Alternative im Kunstmarkt. transcript Verlag, 2020, ISBN 978-3-8394-4706-2 (google.de [abgerufen am 20. Oktober 2020]).
  4. Meet the Germans – Typically German - The Germans and ... - punk rock - Goethe-Institut . Abgerufen am 18. Oktober 2020.
  5. Höller, Christian: Doppelleben: Bildende KünstlerInnen machen Musik, Bundeskunsthalle 2020. Bundeskunsthalle Hamburg, abgerufen am 20. Oktober 2020.
  6. satt.org: Kunst: Zurück zum Beton: Die Anfänge von Punk und New Wave in Deutschland. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
  7. a b Hayit Medien: Pop am Rhein. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
  8. Embedded Art at Akademie der Künste Berlin - Artmap.com. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  9. Embedded Art | Anagram Books. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  10. Berlin Art Week: Exotika 2013 | Moritz R. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  11. Albertinum: Geniale Dilletanten. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  12. ZEIT ONLINE | Von Dada zu "Da Da Da". Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  13. Ausstellung: Geniale Dilletanten - Goethe-Institut. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  14. Anja Gsottschneider: Moritz Reichelts Mixtapes im Museum für Kommunikation. In: chakchak art blog. 12. Oktober 2020, abgerufen am 19. Oktober 2020 (deutsch).
  15. Schütz, Florian: Offizieller Flyer der Aussstellung 100 Jahre Radio im MFK, Berlin. In: Museum für Kommunikation, Berlin. 2. Oktober 2020, abgerufen am 19. Oktober 2020.
  16. Christine Sieber, Christine Sieber: Der Plan - neue deutsche Welle. Abgerufen am 20. Oktober 2020 (deutsch).
  17. Depeche Mode: 5 Facts, die Sie noch nicht kannten. 1. Juni 2017, abgerufen am 20. Oktober 2020 (deutsch).
  18. Andreas Dorau, Sven Regener: Ärger mit der Unsterblichkeit. Kiepenheuer & Witsch eBook, 2015, ISBN 978-3-462-30929-4 (google.de [abgerufen am 12. Oktober 2020]).
  19. Atomic Café – München Wiki. Abgerufen am 12. Oktober 2020.
  20. Moritz Reichelt Composer | Visual Effects | Animation Department. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  21. Ox Fanzine, Solingen Deutschland: Interview. Abgerufen am 20. Oktober 2020.
  22. WUNDERWAFFEN – Tiki, Technik, Tod. In: De:Bug Magazin. Abgerufen am 19. Oktober 2020.
  23. Neue Deutsche Welle - "Ich bin da überhaupt nicht nostalgisch". Abgerufen am 20. Oktober 2020 (deutsch).
  24. claudia wahjudi: Sanssouci: Nachschlag. In: Die Tageszeitung: taz. 6. Dezember 1993, ISSN 0931-9085, S. 28 (taz.de [abgerufen am 20. Oktober 2020]).
  25. Moritz Reichelt bei abgeordnetenwatch.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]