Moritz von Egidy (Sohn)

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Christoph Moritz von Egidy

Christoph Moritz von Egidy (* 27. Juli 1870 in Pirna; † 5. Januar 1937 in Langfeld) war ein deutscher Marineoffizier. Im Ersten Weltkrieg war er Kreuzerkommandant, danach 1918/19 Kommandeur der Marineschule. Von 1933 bis 1936 war für den SS-Sicherheitsdienst tätig.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egidy entstammte der 1687 durch Kaiser Leopold I. in den Adel erhobenen Familie Egidy. Er war der älteste Sohn von Christoph Moritz von Egidy, dem Verfasser der „Ernsten Gedanken“, und dessen Ehefrau Luise geb. von Götz.

Moritz von Egidy war verheiratet mit Irmgard geb. von Bethe (1877–1939) und hatte zwei Kinder. Sein 1906 geborener gleichnamiger Sohn Moritz von Egidy fiel im Zweiten Weltkrieg 1943 in Jablonka bei Kiew. Dessen einzige Tochter starb später kinderlos. Seine Tochter Irene (1909–1991) heiratete Hubert Freiherr von Wangenheim (1904–1973) und hatte vier Kinder. Hubert von Wangenheim war im Zweiten Weltkrieg Kapitän zur See auf Zerstörern und später Flottenadmiral in der Bundesmarine. Zeitweise leitete er die Marineschule Mürwik wie zuvor Moritz von Egidy.

Seine Schwester war Emmy von Egidy, Schriftstellerin, Bildhauerin und Malerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Egidy machte am Königlichen Gymnasium in Dresden sein Abitur und trat am 13. April 1888 in die Kaiserliche Marine. Vor dem Ersten Weltkrieg war er Adjutant von Prinz Heinrich, Bruder von Kaiser Wilhelm II. Seine Ausbildung enthielt Reisen nach Südamerika und USA (1889–1890) sowie nach Fernost (1904).

Im Mai 1913 wurde er als Kapitän zur See Kommandant des Großen Kreuzers SMS Seydlitz. Die Seydlitz und ihr Kommandant wurden bekannt, weil sie an den beiden großen Seeschlachten des Ersten Weltkrieges teilnahmen, am Gefecht auf der Doggerbank am 24. Januar 1915 und an der Skagerrakschlacht am 31. Mai und 1. Juni 1916. In beiden Schlachten wurde die Seydlitz besonders schwer getroffen; ausdrücklich wird die Haltung der Mannschaft und ihres Kommandanten in den Berichten darüber als überaus mustergültig hervorgehoben.

Bei dem Gefecht auf der Doggerbank war die Seydlitz Flaggschiff von Vizeadmiral Franz von Hipper. In dem Buch über den Nordseekrieg von Konteradmiral Friedrich Lützow findet man Folgendes: „Am schlimmsten ist die „Seydlitz“ weggekommen, und zwar durch einen Zufallstreffer, der wohl nie wieder vorkommen wird. Die Granate fuhr zwischen Panzerdeck und Panzerung der achteren zwei Türme durch einen kleinen weniger stark gepanzerten Ring in den Munitionsaufzug und brachte hier die bereitliegende Munition zur Entzündung. Eine Explosion der gesamten Munitionskammer wurde durch Mut und Geistesgegenwart eines Maschinistenmaaten verhütet, der durch Aufreißen des Flutventils die Kammer unter Wasser setzte. Das Fleisch seiner Handflächen blieb allerdings am Handrad kleben, so gewaltig war die Hitze“. Trotz des ungeheueren Brandes wurde die Leitung des ganzen Verbandes von der Seydlitz aus weitergeführt.

In der Skagerrak-Schlacht versank unter dem Feuer der Seydlitz der englische Schlachtkreuzer HMS Queen Mary (27.000 t, 1266 Tote). Später wurde sie selbst schwer beschädigt und hatte große Schwierigkeiten zurückzufahren. Admiral Reinhard Scheer, der deutsche Flottenchef, schrieb in seinen Erinnerungen Deutschlands Hochseeflotte im Weltkrieg: „Besonderer Erwähnung bedarf das Einbringen der namentlich im Vorschiff schwer havarierten „Seydlitz“, Kommandant Kpt. Z. S. v. Egidy. Dass das Schiff den Hafen erreicht hat, ist eine hervorragende seemännische Leistung des Kommandanten und der Besatzung. Es lief schließlich über Achtersteven in die Wilhelmshavener Schleuse ein.“

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde er Kommandeur der Marineschule Mürwik. Nach dem Krieg zog er sich ins Privatleben auf seinem Hof in Langfeld bei Flensburg zurück.

Nach 1933 trat er in die NSDAP (Mitgliedsnummer 3.549.077) ein und wurde SS-Mitglied (SS-Nr. 107.212). Am 29. November 1934 wurde er zum Untersturmführer befördert, am 15. September 1935 zum Obersturmführer und am 30. Januar 1936 zum Hauptsturmführer. Er war für das SD-Hauptamt tätig und SS-Außenstellenleiter in Gelting.[1] Seine Frau Irmgard war jedoch skeptisch zu der nationalsozialistischen Politik eingestellt und überzeugte Egidy, 1936 eine längere Reise nach China auf einem Schiff der Hamburger Rantzau-Gruppe zu unternehmen. Nach der Rückkehr nahm Egidy mit 66 Jahren nicht mehr aktiv an Tätigkeiten der SS teil und starb 1937 auf seinem Hof in Langfeld. Moritz von Egidys militärische Hinterlassenschaften sind vollständig dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg vermacht worden.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B. Band XXV. Limburg 2004. S. 102.
  • Berndt von Egidy: 300 Jahre Familie von Egidy 1687–1987. Tübingen 1987. DNB 871285541.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP, Stand am 1. Dezember 1936, Berlin 1936 (Nr. 1466)
  2. http://home.foni.net/~adelsforschung2/druckstuecke00.htm
  3. Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1918. Hrsg.: Marine-Kabinett. Mittler & Sohn Verlag. Berlin 1918. S. 9