Moritz von Uslar

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Hans Moritz Walther Freiherr von Uslar-Gleichen (* 25. Juli 1970 in Köln) ist ein deutscher Journalist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritz von Uslars Vater Jochem von Uslar war Kulturdezernent der Stadt Bonn.[1] Er hat zwei Schwestern. Uslar wuchs in Berlin auf und besuchte das Internat Birklehof in Hinterzarten. Nach einem Volontariat beim Magazin Tempo arbeitete er von 1992 bis 2004 als Redakteur beim Magazin der Süddeutschen Zeitung. Dort begann er seine Interviewserie 100 Fragen an …. Zusammen mit Rebecca Casati veröffentlichte er 1999 die gesammelten Kolumnen Wie sehen Sie denn aus? Eine Stilkritik. Von 2006 bis 2008 arbeitete er als Redakteur für den Spiegel. Anschließend wechselte er zur Zeit. Moritz von Uslar lebt in Berlin. Aus seiner Beziehung mit der Schauspielerin Nicolette Krebitz hat er einen Sohn.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schriftsteller schrieb Uslar Kurzgeschichten, etwa Davos, die 1999 in dem von Christian Kracht herausgegebenen Sammelband Mesopotamia erschien. Er schrieb die Theaterstücke Freunde (2000), Freunde 2 (2001) und Abso-fuckin-lutely. The Best of Lulu (2004). 2006 erschien sein erster Roman Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005.

Deutschboden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 erschien Uslars Buch Deutschboden, das auf einen dreimonatigen Aufenthalt in der brandenburgischen Kleinstadt Zehdenick im Jahr 2009 zurückgeht. Uslar hatte 18 Orte erkundet, bis er sich für Zehdenick entschied.[2] Das reportageartige Buch trägt den Untertitel Eine teilnehmende Beobachtung. Es ist nach einem Wohnplatz im Wald nahe der Stadt benannt. Uslar schildert und zitiert verschiedene Stadtbewohner, mit denen er sich in verschiedenen Kneipen regelmäßig traf, aus der Ich-Perspektive, verwendet aber auch die 3. Person, wenn er über „den Reporter“ schreibt. Die Stadt Zehdenick heißt im Buch „Oberhavel“. 2014 erschien der Dokumentarfilm Deutschboden unter der Regie von André Schäfer, in dem Uslar und einige Protagonisten des Buchs auftreten.[3]

2017 warf die in Zehdenick geborene Schriftstellerin Manja Präkels Uslar in einem Spiegel-Artikel vor, die rechtsradikale Vergangenheit seiner Protagonisten verharmlost zu haben.[4] Uslar erwiderte in einem Zeit-Artikel, er habe Rechtsradikalismus immer wieder thematisiert, zudem seien seine Protagonisten zu jung, um an rechtsextremen Gewalttaten Anfang der 1990er Jahre beteiligt zu sein, die Präkels auch in ihrem Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß schildert.[5]

2020 veröffentlichte Uslar mit Nochmal Deutschboden ein zweites Buch über Zehdenick. Im Frühjahr 2019 hatte er die Protagonisten seines ersten Buchs erneut besucht. Für das Buch organisierte er ein Gespräch von Stadtbewohnern mit der damaligen SPD-Kandidatin für die Europawahl 2019 Katarina Barley, führte Gespräche mit AfD-Lokalpolitikern und Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft. Während Uslar im ersten Buch lediglich ein Schild mit der Aufschrift „Deutschboden 1 km“ beschreibt, den eigentlichen Ort aber nicht findet, lässt er sich im zweiten Buch die Siedlung von einem Kleinstadtbewohner zeigen. Er beschreibt die fünf Häuser der Ansiedlung und gibt die Geschichte des Namens wieder, der an einer Informationstafel zu lesen ist: Der Name Deutschboden leitet sich von einem erstmals 1592 schriftlich erwähnten durch die Schorfheide verlaufenden Wildzaun ab. An der Stelle des heutigen Schilds stand ein Gatter, das durchziehenden Kaufmannszügen signalisierte, wieder auf deutschem Boden zu sein. Uslars Buch kam auf die Spiegel-Bestsellerliste und stieß bei der Kritik auf gemischtes Echo.[6] In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warf Johannes Franzen Uslar vor, dem Thema weder ethisch noch ästhetisch gewachsen zu sein. Uslar komme nie in die Nähe der „eigentlichen Geschichten, weil er die ausgestellte Traurigkeit des verordneten Männlichkeitsklischees“ mit der Traurigkeit verwechsele, die dieses Klischee kaschieren solle.[7] Cornelius Pollmer lobte das Buch in der Süddeutschen Zeitung, warf Uslar jedoch ungenauen Umgang mit Fakten vor.[8]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Rebecca Casati: Wie sehen Sie denn aus? Über Geschmack läßt sich nicht streiten. Warum eigentlich nicht? Eine Stilkritik. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-16541-1.
  • 100 Fragen an … Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-462-03392-1.
  • Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 978-3-462-03692-3.
  • Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010, ISBN 3-462-04256-4.
  • 99 Fragen an: Mehr braucht kein Mensch. Jetzt mit einer Frage weniger. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, ISBN 978-3-462-04647-2.[9]
  • Auf ein Frühstücksei mit ... Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, ISBN 978-3-462-05115-5.
  • Nochmal Deutschboden. Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020, ISBN 978-3-462-05325-8.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moritz von Uslar: Odenwaldschule: "Usli, warum widersprichst du nicht?" In: Die Zeit. 5. Juni 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 12. März 2020]).
  2. Moritz von Uslar: Deutschboden. In: The European. Abgerufen am 15. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  3. Martina Knoben: Mutproben zwischen Nagelstudios. In: sueddeutsche.de. 28. März 2014, abgerufen am 21. August 2018.
  4. Manja Präkels, DER SPIEGEL: Moritz von Uslars Roman "Deutschboden" und die Wirklichkeit - DER SPIEGEL - Panorama. Abgerufen am 13. März 2020.
  5. Moritz von Uslar: Kritik an "Deutschboden": Aus gegebenem Anlass. In: Die Zeit. 13. Dezember 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. März 2020]).
  6. Moritz von Uslar: Nochmal Deutschboden. Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz. Abgerufen am 5. April 2020.
  7. Johannes Franzen: Für immer Hardrockhausen. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 5. April 2020.
  8. Cornelius Pollmer: Und sonst so? Abgerufen am 12. April 2020.
  9. Interview mit Johanna Adorján: Unglaublich lustig, nächste Frage bitte in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 22. Juni 2014, Seite 41

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]