Moritzburg (Halle)

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Moritzburg
Moritzburg, Burgtor als Hauptzugang

Moritzburg, Burgtor als Hauptzugang

Daten
Ort Halle (Saale), Sachsen-Anhalt
Baumeister Conrad Pflüger (?), Andreas Günther, Carl Rehorst/Heinrich Quambusch, Fuensanta Nieto/Enrique Sobejano
Baujahr 1484 bis 1503, 1884 bis 1895, 1902 bis 1904, 1911 bis 1912, 2005 bis 2008
Grundfläche 6120 m²
Koordinaten 51° 29′ 10″ N, 11° 57′ 48″ OKoordinaten: 51° 29′ 10″ N, 11° 57′ 48″ O

Die Moritzburg ist ein befestigtes Schloss in Halle (Saale). Im Jahr 1484 wurde der Grundstein für die spätere Residenz der Magdeburger Erzbischöfe gelegt. Sie wurde im Stil der Spätgotik errichtet und ist heute eines der imposantesten Bauwerke der Saalestadt Halle. Seit dem 19. Jahrhundert beherbergt sie vor allem ein Kunstmuseum mit überregionaler Ausstrahlung. Von 2005 bis Dezember 2008 wurden Nord- und Westflügel von den Architekten Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto zur Erweiterung der Ausstellungsfläche ausgebaut. Seit dem 13. Dezember 2008 ist das erweiterte Kunstmuseum zugänglich.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzburg, Altes Burgtor an der Nordseite
Moritzburg, Tür im Nordflügel
Moritzburg, Mittelrisalit Westflügel

Die Geschichte der Moritzburg ist eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden. Bereits im 13. Jahrhundert gelang es der starken Pfänneraristokratie, die Stadt durch den Kauf von Freiheiten und Privilegien immer mehr vom Einfluss des Landesherren, dem Erzbischof von Magdeburg, zu befreien. 1263 hatte Halle praktisch schon die politische Autonomie erreicht.

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich aus den wichtigen Handwerksinnungen eine Opposition, die nach Sitz und Stimme im Rat strebte, der vom alten städtischen Patriziat, den Pfännern, beherrscht wurde. Die Opposition verbündete sich mit dem Landesherren und öffnete 1479 den erzbischöflichen Truppen die Stadttore. Nach kurzer Gegenwehr zog der erst 14-jährige Erzbischof Ernst von Wettin in die Stadt ein. Den Untergang der städtischen Freiheit besiegelte die auf dem Calber Landtag 1479 erlassene Regimentsordnung. Der Beschluss lautete: … sondern Verzug bei oder in Halle ein festes Schloss zu erbauen, um die Stadt besser in Gehorsam, Unterwürfigkeit und Ruhe zu erhalten.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unverzüglich wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Im April 1479 begannen erste Vermessungsarbeiten. Die Suche nach einem passenden Standort gestaltete sich aber aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit als schwierig. Man fand ihn dann nicht mehr außerhalb, sondern unter Einbeziehung der Stadtmauer auf dem Gelände des ehemaligen Judendorfes im Nordwesten der Stadt. In einer festlichen Prozession am 25. Mai 1484 legte Erzbischof Ernst persönlich den Grundstein zu seiner neuen Residenz, einem festen Schloss, das nach dem Schutzpatron des Landes, St. Mauritius, Moritzburg benannt wurde. Ernst von Wettin und, die Pläne erweiternd, sein Nachfolger Albrecht von Brandenburg haben mit der Moritzburg erstmals in Deutschland ein Residenzprogramm entwickelt.

Die Moritzburg zeigt Formen der ausklingenden Gotik. Doch der fast regelmäßige Grundriss, das einheitliche Geschossniveau und die repräsentative Wirkung der horizontal betonten Fassaden belegen, dass es sich um eine frühneuzeitliche Anlage handelt. Die Moritzburg kombiniert die Begriffe Festung und Schloss. Sie vereint die repräsentativen Wohnbedürfnisse und den Wehrzweck.

Die Bauleitung hatte zu Beginn der aus Ostpreußen stammende Peter Hanschke inne. Andreas Günther, Generalbaumeister der Erzbistümer Mainz und Magdeburg, legte ab 1533 erweiterte Wälle und Schanzen und wohl auch die niedrigen runden Bastionen an der Ostseite an. Der Entwurf für die Magdalenenkapelle wird Ulrich von Smedeberg zugeschrieben.

Am 25. Mai 1503 konnte Erzbischof Ernst in den imposanten Bau einziehen. Seine ARX INSUPERABILIS (unüberwindliche Festung) finanzierte er vor allem aus den 1479 eingezogenen Solgütern der Halleschen Pfänner. Der Bau hatte, so verkündete Ernst auf dem Landtag 1507 gegenüber den Ständen, über 150.000 Gulden gekostet.

Das Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundriss bildet ein fast regelmäßiges Viereck von etwa 72 mal 85 Metern Seitenlänge. Als Baumaterial für die Moritzburg wurden hauptsächlich Bruchsteine verwendet. Ein 20 bis 25 Meter breiter und 10 Meter tiefer, früher sumpfiger Graben umgibt die Süd-, Ost- und Nordseite. Die Westseite war durch ein gestaffeltes Zwingersystem zur Saale hin geschützt. Vor der Nordfront liegt der 1536–1538 aufgeworfene Wall der Jägerschanze.

Der Innenhof, groß genug für Festlichkeiten, Prozessionen oder Ritterspiele, ist auf das Niveau der Straßen der Stadt aufgeschüttet.

Westflügel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzburg, Westflügel

Der Westflügel ist die Haupt- und Schauseite der Burg. Seine Obergeschosse waren zu prächtigen Hallen ausgebaut. Die Gewölbe des oberen Untergeschosses werden heute vom Museum für Ausstellungen genutzt. Dort befanden sich vermutlich auch die Räume für die Besatzung. Darüber lagen, heute zum größten Teil Ruine, zwei Geschosse: die erzbischöflichen Prunk- und Staatsgemächer. Im nördlichen Teil befanden sich die Wohnräume des Fürsten und die erzbischöfliche Bibliothek. Äußerst bemerkenswert ist das nur noch rudimentär erhaltene Treppenhaus in der Mitte der Hoffront. Es handelt sich hier um eine der ersten Treppen im deutschsprachigen Raum überhaupt, die in den Baukörper hineingreift und nicht außen vorgebildet ist.

Nordflügel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordflügel der Burg lag der ursprüngliche Hauptzugang. Er ist noch heute durch ein sehr schönes Wappenfries erkennbar. Dieser Zugang wurde 1616 aufgegeben und vermauert. Über den Kellergeschossen lagen zwei Stockwerke, die als Kanzlei für die Beamten und als Archiv dienten. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Halleschen Universität wurden 1894 Fecht- und Turnsäle eingebaut und bis 1990 für den Sportunterricht genutzt. Neben den Wohngebäuden war die Schlosskapelle die wohl wichtigste Bauaufgabe an der Moritzburg, auch wenn der Baubeginn erst zwei Jahre nach dem Einzug im Jahr 1505 zu datieren ist. 1509 wird sie Maria Magdalena geweiht.

Moritzburg, Maria-Magdalenen-Kapelle und Nordostturm mit Studentenclub „Turm“

Ostseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mitte der Ostseite befindet sich der Eingangsturm zur Stadt hin. Der Turm war ein Wohnturm mit einer Kapelle im untersten Geschoss. Um einen direkten Beschuss der Toranlage zu verhindern, wurde die Einfahrt in einem leichten Bogen gebaut. Der Ostflügel bestand ursprünglich aus einem schmalen zweistöckigen Wehrgang. Das untere Geschoss war mit Arkadenbögen geöffnet und mit Schießscharten ausgestattet. Im Jahr 1777 wurde für die preußische Garnison im nördlichen Teil das barocke, nach der Funktion „Lazarettbau“ genannte Gebäude auf den alten Grundmauern des Wehrgangs errichtet. Die südöstliche Bastion wurde 1913 für das Museum ausgebaut. Im nordöstlichen Turm befindet sich heute der Studentenclub „Turm“, der 1972 anlässlich der X. Weltfestspiele in Berlin als FDJ-Studenteninitiative ausgebaut wurde.

Südseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Südseite ist heute nicht mehr original erhalten. Hier befanden sich die Wirtschaftsgebäude, die Küche außerdem die Wohnung des Burghauptmanns und die lebensnotwendigen Brunnen. Die Stallungen sind ebenfalls hier zu vermuten. In dem hohen Gewölbe unter der Hofebene war von 1582 bis 1680 die erzbischöfliche Münzstätte eingerichtet. Auf den Grundmauern des in Fachwerk ausgeführten Wirtschaftsgebäudes wurde 1901 bis 1904 das Talamt als Museumsneubau wiedererrichtet. Zwei Prunkräume aus dem ursprünglich am Hallmarkt stehenden und bereits 1881 wegen Straßenerweiterungen abgerissenen Talamt, das Gerichts- und das Festzimmer, wurden in den Neubau integriert. Das Talamt der Halloren, 1594 bis 1607 erbaut, war der Sitz des Salzgrafen und des Talgerichtes sowie das Zunfthaus der Halloren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regierungszeit des Bauherren, Ernst von Wettin, ist zum einen durch den Sieg über Halle 1479, zum anderen auch durch seine vielfältige Förderung der neuen Residenzstadt charakterisiert.

Anfänge bis zur Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Nachfolger war der 1513 gewählte Albrecht V. von Brandenburg. Als Erzkanzler des Reiches, Kardinal, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Erzbischof von Magdeburg, und Administrator von Halberstadt stand er mit seiner Lieblingsresidenz, der Moritzburg, im Brennpunkt der europäischen Geschichte. 1517 holte er den Dominikaner Johann Tetzel in die Moritzburg und veranlasste einen Aufschwung des Ablasshandels. Er finanzierte damit seine große Reliquiensammlung, das sogenannte Hallesche Heiltum. Das in der Burgkapelle aufgestellte und dann in den Dom überführte Heiltum umfasste nach intensiver Sammlung 353 Reliquiare mit 21.484 Einzelreliquien, darunter 42 Ganzkörperreliquien. Es war die bedeutendste Sammlung dieser Art in Deutschland. Nach der Durchsetzung der Reformation in Halle gab Albrecht die Stadt verloren und zog sich nach Mainz zurück.

Während des Schmalkaldischen Krieges wurde die Moritzburg von kaiserlichen Truppen besetzt. Am 10. Juni 1547 zog Kaiser Karl V. nach seinem Sieg in der Schlacht bei Mühlberg in Halle ein. Sein Heerführer, Herzog von Alba, besetzte die Moritzburg.

Moritzburg und Stadt Halle (Saale) vom Jägerberg gesehen um 1855

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg zogen die Stadt Halle und die Moritzburg immer wieder Truppen an. Im Oktober 1625 besetzte Wallenstein die Stadt und die Festung. Nach der Niederlage von Breitenfeld zog sich Tilly, von den Schweden verfolgt, zunächst in die Moritzburg zurück. Im September 1631 erschien der Schwedische König Gustav Adolf vor Halle und konnte die Stadt und die Moritzburg kampflos für längere Zeit besetzen. Mit dem Frieden von Prag (1635) erkannte der Kaiser den Herzog August von Sachsen-Weißenfels als neuen Erzbischof an. Während einer erneuten Belagerung durch die Schweden brach am 6. Januar 1637 ein Feuer in der Burg aus. Die gesamten oberen Stockwerke der West- und Nordseite sowie die Kapelle wurden zerstört. Die Besatzung kapitulierte daraufhin. Am 19. März 1639 sprengten sächsische Truppen die Südwest-Bastion mit einer am Fundament angebrachten Mine um die jetzt schwedische Besatzung zur Aufgabe zu zwingen, was drei Tage später dann auch geschah. August, der Sohn des sächsischen Kurfürsten wurde daraufhin als Erzbischof eingesetzt. Er setzte bei seinem Vater Johann Georg von Sachsen durch, dass die sächsischen Truppen die Festung räumten, um der Burg ihre strategische Anziehungskraft zu nehmen. Ein Neutralitätsvertrag zwischen August und den Schweden hielt den weiteren Krieg von Halle ab. Die Moritzburg wurde nicht wieder aufgebaut, nur die Kapelle wurde später zum Teil rekonstruiert, so dass sie wieder für Gottesdienste nutzbar war.

Die Moritzburg kommt an Brandenburg / Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzburg, Talamt auf der Südseite des Hofs bei Konzert der Staatskapelle Halle

Mit dem Tod Augusts im Jahr 1680 fiel Halle durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens an Brandenburg. 1686 erhielten die in Halle angesiedelten Hugenotten für ihre Gottesdienste die Kapelle im Torturm der Moritzburg. Am 26. Oktober 1690 konnte die Gemeinde die Magdalenenkapelle in Besitz nehmen.

Im Jahr 1717 bekam das preußische Anhaltische Regiment mit etwa 3.500 Soldaten die Moritzburg. Vor der Anlage entstand ein Paradeplatz, auf dem der Feldherr Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der „Alte Dessauer“, die Soldaten drillte.

Sowohl im Siebenjährigen Krieg als auch in den Befreiungskriegen diente die Moritzburg als Lazarett. Die Gewölbe wurden später an eine Bierbrauerei verpachtet und die Kapelle, von der französischen Gemeinde bis 1808 genutzt, diente als Lagerhalle. Der preußische Staat kaufte die Ruine für 24.800 Taler in den Jahren 1847 bis 1852 von den Pächtern zurück.

Ein für die Geschichte der Denkmalpflege interessantes Projekt war der geplante Neubau der Anlage für die Universität in der Stadt Halle von Karl Friedrich Schinkel. Der Plan scheiterte jedoch an den Kosten.

Bis 1900 hat sich der bauliche Zustand der Anlage bedrohlich verschlechtert. 1897 trat der preußische Staat den Ost-, Süd- und Westflügel an die Stadt für ein neues Museum ab. Durch Spenden der Halleschen Bürger wurden zwischen 1901 und 1913 das Talamt, der südliche Wehrgang, der Torturm und die Südbastion für ein Museum ausgebaut und neu errichtet.

Zweiter Weltkrieg bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg dienten die tiefen Gewölbe der Anlage als Luftschutzbunker für die Bevölkerung und der Gauleitung der NSDAP. Im Keller wurden auch wertvolle Portale und Architekturteile eingelagert.[1]

1951 bis 1954 konnten die oberen Gewölbe des Westflügels ausgebaut werden. Im Untergeschoss des Westflügels entstanden 1964 bis 1967 ein kleines Kammertheater und ein Restaurant. 1972 bis 1973 entstand in der Nordost-Bastion ein Studentenclub und im Rundsaal spielte lange Zeit das Kabarett Die Kiebitzensteiner. Seit den neunziger Jahren finden Rekonstruktionsarbeiten an der Moritzburg statt. Im Oktober 2003 wurde ein Architekturwettbewerb für den Neubau bzw. Erweiterungsbau der Ausstellungsräume der Moritzburg ausgeschrieben (siehe Weblinks), den das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano gewann. Im Zuge der anschließenden erheblichen Umbauarbeiten erhielten die ehemalige Westflügelruine sowie der Nordflügel ein neues, futuristisch anmutendes, aufgefaltetes Dach, womit das Museum neue Ausstellungsflächen gewann. Der Umbau wurde 2008 abgeschlossen. Am 8. Mai 2010 erhielt der expressive Ausstellungsflügel von Nieto Sobejano Arquitectos (Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto) den BDA-Architekturpreis „Nike“ in der Kategorie „beste atmosphärische Wirkung“.

Die Maria-Magdalenen-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzburg, Burghof mit Maria-Magdalenen-Kapelle
Moritzburg um 1900

Die Maria-Magdalenen-Kapelle ist das künstlerische Kleinod der Moritzburg. Das trotz des kleinen Grundrisses von 14 × 23 m und der Höhe von 15 m geräumig wirkende Innere steht mit seiner Gestaltung in der Tradition des obersächsischen spätgotischen Sakralbaus. Als Wandpfeilerkirche ausgebildet, erheben sich über dem auf Stichbogenarkaden ruhenden Emporenumgang frei stehende, die Gewölbe aufnehmende Rundpfeiler. Der Saalraum mit dreiseitigem Ostabschluss und emporenartigem Umgang befindet sich im östlichen Teil des Nordflügels.

An der Nordwand befindet sich die Gedenktafel für die Weihe 1514 mit dem Wappen des Kardinals Albrecht von Brandenburg flankiert vom heiligen Mauritius und der heiligen Maria Magdalena.

Ein eigens für die Kapelle entworfenes Wappen an der Westwand über der Empore, neben den Konsolenstein mit dem Zugang zum Bischofsstuhl, datiert die Fertigstellung für Erzbischof Ernst II. von Sachsen auf 1509, wenngleich die päpstliche Konfirmation erst Jahre später eintraf. In der Maria-Magdalenen-Kapelle wurde Anfang August 1513 das Herz des Erzbischofs Ernst zur letzten Ruhe gebettet. Die zur Heiltumskirche bestimmte Kapelle wurde großzügig ausgestattet. So gab es ursprünglich 20 Altäre, die in dem Kapellenkranz verteilt waren. 29 Personen waren für den Gottesdienst vorgesehen.

1637 büßte die Maria-Magdalenen-Kapelle ihr Gewölbe ein, das – abgesehen von einer notdürftigen Instandsetzung nach dem Dreißigjährigen Krieg – erst zwei Jahrhunderte später, von 1894 bis 1899, rekonstruiert wurde. Am 26. Oktober 1690 feierte die Hugenottengemeinde hier ihren ersten Gottesdienst, und 1705 wurde der erste Prediger der Französisch-Reformierten Gemeinde in Halle, Jean Vimielle, in der Kapelle bestattet.

Die baufällige Magdalenenkapelle war seit 1805 Heu- und Strohmagazin nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 sogar Lazarett. Bei einer Besichtigung der Moritzburg 1817 war der preußische Kronprinz Wilhelm so beeindruckt, dass er zum bewiesenen Förderer des Wiederaufbaus der Burg wurde. Ab 23. Oktober 1822 wurde die Moritzburg mit der Maria-Magdalenen-Kapelle auch von den preußischen Baubehörden als Denkmal ausgewiesen.

Entwürfe für die Wiederherstellung und Neuausstattung der Kapelle gab es ab 1888. Aus Anlass des 200. Jahrestages der Universität (gegründet 1694) wurde sie in den Jahren 1898 bis 1899 zur Universitätskirche umgebaut. Die historisierende Ausmalung, die neugotische Ausstattung mit dem Kanzelaltar und die Orgel stammen ebenfalls aus der Zeit der Wiederherstellung. 1963 wurde die Orgel gereinigt und in ihrer Klangstruktur verändert. 1990 entschloss sich die Evangelisch-Lutherische Gemeinde zu einem Orgelneubau in dem vorhandenen, denkmalgeschützten Gehäuse. Sie wurde noch im selben Jahr geweiht.

Die drei Chorfenster sind im Stile des späten Historismus gestaltet. Anknüpfend an die Bildfenstertradition des 14. Jahrhunderts füllt ein reiches architektonisches Rahmenwerk die großen Fensteröffnungen. Waren das Kirchenwappen und die Weihetafel Zeugnisse aus der Gründerzeit der Kirche, so bot das neue Gewölbe Platz für 3 × 5 neue Wappenschilder. Die Schlusssteine im Ostjoch, Mitteljoch und Westjoch sind mit den Wappen der Hohenzollern, der halleschen Universität mit ihren Fakultäten und dem Wappen der Provinz Sachsen versehen.

Die Kapelle ist Gottesdienstort und Heimstatt zweier kirchlicher Gemeinden: der evangelisch-unierten Universitätskirchengemeinde und der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Halle/Saale zu St. Magdalena, die zum Kirchenbezirk Sachsen-Thüringen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehört.

Stiftung Moritzburg Halle (Saale) – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moritzburg, Südostturm mit Kuppelsaal
Moritzburg, Ostseite und Haupteingang
Moritzburg, Hofseite des Nordflügels mit Eingang zum Kunstmuseum. Plastik von Waldemar Grzimek, Ehrenmal für die Opfer des Faschismus, 1947, Bronze

Das heutige Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) wurde als Städtisches Museum für Kunst und Kunstgewerbe im Jahr 1885 im alten Eich- und Waagamt am Großen Berlin in der historischen Altstadt Halles gegründet. Die bescheidene Sammlung des Fabrikanten Franz Otto – zur Eröffnung umfasste sie 10 Gemälde – konnte unter anderem 1899 durch den Ankauf der Hellwegschen Südseesammlung und vor allem durch Schenkungen diverser Kunstsammler vergrößert werden, wie zum Beispiel durch Adolph Thiem.

1904 erfolgte der Umzug in die Moritzburg. Hierfür wurde im seit dem 17. Jahrhundert zerstörten Südflügel des Bauensembles ein historisierender Nachbau des ehemaligen Thalamts des Salzgrafen errichtet. Die beiden historischen Zimmer (Festzimmer und Gerichtszimmer) wurden original geborgen und im Obergeschoss des Neubaus eingebaut. Mit dem Umzug in die Moritzburg im jahr 1904 war die Gründungsphase des Museums abgeschlossen. Der erste professionelle Direktor war von 1908 bis zum Ersten Weltkrieg Max Sauerlandt. Er erweiterte das Museum und ließ eine eigenständige Gemäldegalerie bauen.[2] 1924, unter der kommissarischen Leitung des Rektors der Burg Giebichenstein Paul Thiersch, erfolgte die das Museum prägende Erwerbung von 24 expressionistischen Werken aus der Sammlung Rosy Fischer. Unter der Leitung des Direktors Alois Schardt erhielt das Museum 1929 als eines der ersten überhaupt eine elektrische Beleuchtung. Unter Schardt erfolgte zudem der Ausbau der Gemäldesammlung u. a. durch ein repräsentatives Konvolut mit Arbeiten des russischen Konstruktivisten El Lissitzky.

1931 vollendete Charles Crodel im damaligen Gymnastiksaal der Universität, der heutigen Crodel-Halle, den Wettlauf der Atalante und des Hippomenes (vollendet am 21. November 1931).[3][4][5]

Für einen Auftrag der Stadt holte Schardt den Bauhausmeister Lyonel Feininger nach Halle, der sich sein Atelier im Torturm der Moritzburg einrichtete. Die berühmte Serie seiner Halle-Bilder wurde 1931 geschlossen für das Museum angekauft. Durch andere Erwerbungen, unter anderem von Franz Marc und Oskar Kokoschka, erarbeitete sich das Museum in der Moritzburg einen legendären Ruf.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Diffamierung der Kunst der Moderne als „Entartete Kunst“ geriet diese Sammlung in Gefahr. Für die gleichnamige Propagandaschau in München und den späteren Verkauf ins Ausland wurde die Sammlung der klassischen Moderne beschlagnahmt. Damit verlor das Museum seine herausragenden Werke.

Von 1938 bis 1945 war der Kunstjournalist und NSDAP-Funktionär Robert Scholz Direktor des Museums.

Bereits im Juli 1945 beschloss der Hallesche Magistrat, die ehemaligen Bestände zurückzuerwerben. Bis 1949 gelangen bedeutende Erwerbungen. Am 7. Oktober 1948 konnte das Museum wieder offiziell öffnen. Mit der Auflösung der Landesgalerie Sachsen-Anhalt 1952 erhielt das Museum den Namen Staatliche Galerie Moritzburg. 1996 erfolgte der Übergang des bisher kommunalen Museums in die Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt. 2003 wurde es in eine Stiftung, die Stiftung Moritzburg – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, überführt, zu der 2006 die Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg hinzukam. Seit dem 1. Januar 2014 wird die Stiftung Moritzburg von der heutigen Kulturstiftung Sachsen-Anhalt treuhänderisch verwaltet und firmiert das Museum unter dem Namen Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).

Sammlung der Gemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemäldesammlung umfasst etwa 2800 Arbeiten. Neben den Schwerpunkten Expressionismus, sozialkritische Kunst, Kunst der DDR ist auch die Malerei des 19. Jahrhunderts vertreten. Das Museum besitzt darüber hinaus Werke der spätgotischen Kunst sowie der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts.

Am Geburtstag des halleschen Malers Albert Ebert am 26. April 2009 schenkte die Stiftung Moritzburg der Stadt Halle eine Kunstkammer für die Bilder des Malers. Das Kuratorium Albert Elbert übergab zwei Gemälde, die aus Privatbesitz erworben wurden, für das neue Kabinett.

Grafisches Kabinett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt steht die deutsche Grafik des 20. Jahrhunderts mit expressionistischer und konstruktivistischer Kunst. Arbeiten von Künstlern aus der DDR sind umfassend dokumentiert. Eine eigene Gruppe Bildhauerzeichnungen, Flugblätter des 15. bis 19. Jahrhunderts sind ein weiteres spezielles Sammelgebiet. Das Grafische Kabinett umfasst über 37.000 Werke.

Sammlung Plastik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Sammlung beinhaltet etwa 700 Werke vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Schwerpunkt ist die figürliche deutsche Plastik des 20. Jahrhunderts. Arbeiten von Lehmbruck, Kolbe und Kogan wurden schon früh erworben. Werkgruppen und bedeutende Einzelwerke von Ernst Barlach, Gaul, Max Klinger, Gerhard Marcks, Marc und Wolfgang Mattheuer zeigen Strömungen und Tendenzen in der deutschen Bildhauerei. Daneben verfügt das Museum über einen guten Bestand mittelalterlicher Schnitzplastik aus dem mitteldeutschen Raum.

Sammlung des Kunsthandwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1914 konnte eine kleine Qualitative Sammlung an venezianischen, holländischen und deutschen Gläsern, an rheinischen und mitteldeutschen Steinzeug, an französischen, holländischen und deutschen Fayencen sowie an Thüringer und Meißner Porzellan präsentiert werden. Ein Schwerpunkt der Sammlung sind hallesche Arbeiten. Der Kern der Sammlung der Goldschmiedekunst bilden Werke Hallescher Goldschmiede aus der Zeit um 1700.

Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt ist seit 1950 eine eigenständige Abteilung der Galerie. Es wird ein Bestand von etwa 80.000 Münzen, Medaillen und Geldscheinen verwahrt. Besonderen Rang haben die Mansfelder Münzen und Medaillen, die Gepräge der Grafen zu Stolberg und die anhaltischen Münzen, Medaillen, Orden, Ehren- und Logenzeichen. Mehr als 4.000 Stücke belegen die Münz- und Geldgeschichte Brandenburg-Preußens.

Sammlung Photographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung Photographie durch die Schenkung des Nachlasses des Fotografen Hans Finsler 1986 gegründet. Sammelgebiet ist künstlerische Fotografie der klassischen Moderne und der Gegenwart.

Die Stiftung Moritzburg zeigt wechselnde Ausstellungen vornehmlich zur zeitgenössischen bildenden Kunst und zum gegenwärtigen Kunsthandwerk sowie zur klassischen Moderne. Ständig kann nur eine kleine Auswahl aus den Sammlungen des Museums präsentiert werden. 1990 erhielt die Galerie den Nord- und Westflügel zur Nutzung. In den nächsten Jahren wird sich so für das größte Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt die Ausstellungsfläche deutlich vergrößern.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direktorin und Vorstand der Stiftung Moritzburg war bis zu ihrem Rücktritt zum 1. Januar 2013 die promovierte Kunsthistorikerin Katja Schneider-Stief (bekanntgegeben auf der Sitzung des Stiftungsrates am 19. Dezember 2012). Der Stellvertreter der Direktorin und Leiter der Sammlungen in der Stiftung Moritzburg, Michael Freitag, übernahm daraufhin interimsweise die künstlerische Verantwortung.[6] Seit 1. März 2014 ist Thomas Bauer-Friedrich, ehemals Kurator am Chemnitzer Museum Gunzenhauser, Direktor des Kunstmuseums des Landes Sachsen-Anhalt.[7]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moritzburg war die letzte der in großer Zahl gebauten Burgen entlang der Saale. Die Stadt Halle besitzt mit der Burg Giebichenstein und der Moritzburg die älteste und die jüngste aller Saaleburgen.

Die Stiftung Moritzburg Halle (Saale) – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt wurde in das im Jahr 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen. Das Blaubuch ist eine Liste national bedeutsamer Kultureinrichtungen in Ostdeutschland und umfasst eine wechselnde Anzahl sogenannter kulturelle Leuchttürme, die in der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen assoziiert sind.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016/2017: Gewebte Träume - Der Bildteppich in Mitteldeutschland. Reflexionen auf Jean Lurçat. Katalog.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Hüneke: Die Moritzburg zu Halle. (Baudenkmale 43). E.A. Seemann, Leipzig 1978, DNB 790202298.
  • Ulf Dräger: Moritzburg Halle/Saale. Schnell & Steiner, Regensburg 1995, DNB 944254179.
  • Andreas Stahl: Die Moritzburg in Halle. Schnell & Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3-7954-1480-6.
  • Michael Rockmann: Ein „höchst stattliches Bauwerk“ – Die Moritzburg in der hallischen Stadtgeschichte 1503–2003. mdv, Halle 2004, ISBN 3-89812-248-4.
  • Karl Heldmann: Die St. Maria Magdalenen-Kapelle auf der Moritzburg zu Halle. Vierhundert Jahre hallischer Kirchen- und Kulturgeschichte. Halle/S. 1923
  • Heinrich Nickel (Hrsg.): Die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg zu Halle. Stekovics, Halle 1999, ISBN 3-932863-35-6.
  • Autorenkollektiv: Staatliche Galerie Moritzburg Halle. Stiftung Moritzburg, Halle 1994, ISBN 3-86105-056-0.
  • Kurt Fricke: 25 Jahre Studentenklub „Turm“ Halle/Saale 1973–1998. Halle 1998.
  • Kurt Fricke: Studentisches Leben in Halle in den 1970er/80er Jahren – der Studentenklub Turm. In: Geschichte der Stadt Halle. Bd. 2: Werner Freitag, Katrin Minner (Hrsg.): Halle im 19. und 20. Jahrhundert. Halle 2006, ISBN 3-89812-383-9, S. 457–468.

Die Stiftung Moritzburg besitzt einen eigenen Verlag und verfügt über ein umfangreiches Verlagsprogramm zu diversen künstlerischen und kunsthistorischen Themen. Außerdem werden regelmäßig Kataloge von eigenen Ausstellungen und Werkschauen veröffentlicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moritzburg (Halle) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willy Schilling: Sachsen-Anhalt 1933–1945: der historische Reiseführer, Ch. Links Verlag, 2013, S. 85 books.google.de
  2. Zitiert nach dem Weblink des Museums
  3. Abb. in: Andreas Hüneke: Die Moritzburg zu Halle. Halle 1978, S. 27.
  4. Charles Crodel (1894–1973): Werkverzeichnis baugebundene Werke (Memento vom 5. März 2006 im Internet Archive)
  5. Charles (Carl Fritz David) Crodel. auf: mural.ch
  6. Stiftungsrat der Moritzburg tagte am 19. Dezember 2012: Moritzburgdirektorin Katja Schneider erklärt ihren Rücktritt zum Jahreswechsel. auf: stiftung-moritzburg.de abgerufen am 30. Januar 2013.
  7. Focus online Regional (Beta)|Halle-Saale Museen vom 20. Februar 2014: Neuer Direktor der Moritzburg sieht großes Potenzial in Depots, abgerufen am 20. Februar 2014