Morphosyntax

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Die Morphosyntax ist der Bereich der Grammatik, der die Morphologie (Formenlehre) und die Syntax (Satzlehre) sowie deren Wechselwirkungen umfasst. Es ist die Grammatik im engeren Sinn, also ohne die Phonologie (Lautlehre), die im weiteren Sinn auch zur Grammatik gerechnet wird.

Ein Beispiel für den Blickwinkel der Morphosyntax ist die Wiedergabe syntaktischer Funktionen durch morphologische Mittel. In Sprachen, die Kasus morphologisch markieren, sind dies die Flexivendungen, z. B. markiert die Endung -AM in lateinisch ROSAM den Akkusativ und kann damit anzeigen, dass ROSAM Objekt ist; oder die Endung -ami in polnisch psami den Instrumental (,mit den Hunden', zum Nominativ: psy ,Hunde'),[1] womit angezeigt werden kann, dass es sich um ein Adverbial handelt. Andererseits verweist die Endung -o in einem spanischen hablo ,ich spreche' direkt auf das Subjekt und macht aus einem Verbstamm ein Prädikat. Je nachdem wie man die morphologischen Mittel definiert, können dazu neben reinen Flexiven wie dt. -e, -st, -t in ich mache, du machst, er macht auch Klitika (z.B. manche Erscheinungsformen von Artikeln oder Pronomen) gezählt werden wie in französisch je fais ,ich mache' oder portugiesisch comprá-lo-ia ,ich würde es kaufen', wo das Objektpronomen zwischen Stamm (comprá-) und Konditionalendung (-ia) eingeschoben werden muss, während bei Verneinung das Pronomen vorne steht: Não o compraria (,ich würde es nicht kaufen').

Es ist zwischen folgenden Funktionen zu unterscheiden:

  • Syntaktische Funktion: das sind z.B. Prädikat, Adverbial, Subjekt, Objekt
  • Syntaktische Kategorien: dazu zählen z.B. Adjektiv, Nominalphrase, Satz
  • Begriffe für strukturelle Beziehungen: etwa Kopf, Attribut, Komplement, Subjekt, Objekt, Prädikat, Dependenz
  • Morphosyntaktische Begriffe: diese beziehen sich auf eine Form-Funktionskorrelation: Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Instrumental, Ablativ, Lokativ), Tempus, Aspekt, Modus, Diathese, Numerus, Genus, Person, Komparativ. Von morphosyntaktischen Begriffen spricht man in erster Linie dann, wenn in einer Sprache die syntaktischen Funktionen durch morphologische Mittel ausgedrückt werden, so existiert etwa im Deutschen eine morphosyntaktische Kategorie "Kasus", weil mit den Endungen -0, -es, -e, -0 in Mann, Mannes, Manne, Mann die Kasus Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ ausgedrückt werden. Im Französischen existiert eine morphosyntaktische Kategorie Kasus beim Nomen allenfalls in einem weiteren Sinn, weil die syntaktischen Funktionen durch Stellung oder Funktionswörter (Präpositionen) ausgedrückt werden: Albert voit le professeur ,Albert sieht den Lehrer': hier wird nur durch die Position eindeutig, dass Albert Subjekt und der Lehrer Objekt ist. Funktionswörter, die Klitika sind, können aber auch in die Morphosyntax einbezogen werden (s.o.).
  • Lexikalische Kategorien: das sind die Wortarten wie Verb, Nomen, Adjektiv, die syntaktischen Kategorien (z. B. Nominalphrase) leiten sich daraus ab, so ist eine Nominalphrase ein Ausdruck, der um ein Nomen herum aufgebaut wird (d.h. das Nomen als Kopf hat).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Wandruszka: Syntax und Morphosyntax. Narr Francke Attempto, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-5095-1
  • Ulrich Wandruszka: Morphosyntax. In: Lexikon der romanistischen Linguistik. Bd. 1, 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Morphosyntax – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sebastian Kempgen: Die slavischen Sprachen: ein internationales Handbuch zu ihrer Struktur, ihrer Geschichte und ihrer Erforschung. Bd. 32 Handbooks of linguistics and communication science, Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 3-1101-5660-1, S. 130