Morschenich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Morschenich
Gemeinde Merzenich
Koordinaten: 50° 52′ 0″ N, 6° 32′ 33″ O
Höhe: 113 m
Fläche: 6,6 km²
Einwohner: 214 (1. Okt. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 52399
Vorwahl: 02275
Karte
Lage von Morschenich im Rheinischen Braunkohlerevier
Katholische Pfarrkirche St. Lambertus
Grabdenkmal aus dem 19. Jahrhundert
Auf dem Morschenicher Kirchhof
Hofstelle in Morschenich

Morschenich (Dürener Platt Muschenich) ist ein Ortsteil der Gemeinde Merzenich im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen. Der Ort liegt im zukünftigen Abbaugebiet des Tagebau Hambach und muss diesem in der Zukunft weichen. Die Bewohner werden deshalb seit dem Jahr 2015 in den neu entstehenden Ort Morschenich-Neu umgesiedelt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt direkt am Bürgewald, einem Waldgebiet zwischen Rur und Erft, das den Ort im Westen und Norden umgibt. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war Morschenich sogar eine Lichtung im Bürgewald. Durch den Ort verläuft die Landstraße 257. Morschenich grenzt östlich an Buir und Manheim im Rhein-Erft-Kreis, westlich an Arnoldsweiler, Ellen und Merzenich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Ursprung des Ortsnamens gibt es zwei Varianten. Die eine besagt, dass der Name Moirsazzin von Siedlern aus dem emsländischen Morsatengau stammt, die als Morsassen bekannt wurden. Die andere Version besagt, dass der keltische Name Morsiniacum mit einer deutschen „ich“-Endung zu Morschenich umgewandelt wurde.

Erstmals erwähnt wird der Ort im Jahre 1158 bei der Besiedlung durch die Moorsassen. In der Territorialzeit gehörte Morschenich zum Amt Nörvenich und zum Dingstuhl Hambach.

1794 wurde die Gemeinde Morschenich der Mairie Arnoldsweiler im französischen Département de la Roer angeschlossen, wozu außerdem noch die beiden Gemeinden Arnoldsweiler und Ellen gehörten. Nachdem das Dorf 1815 an Preußen fiel, wurde die Mairie 1816 in Bürgermeisterei Arnoldsweiler umbenannt. An der Zusammensetzung änderte sich nichts. 1927 wurde die Bürgermeisterei in Amt umbenannt und am 8. März 1936 fusionierten die beiden Ämter Arnoldsweiler und Merzenich zum neuen Amt Merzenich. Dazu gehörten von nun an die Gemeinden Arnoldsweiler, Ellen, Girbelsrath, Golzheim, Merzenich und Morschenich. Am 1. Juli 1969 wurde die Gemeinde Morschenich aufgelöst und nach Merzenich eingemeindet.[2][3]

Bürgewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1360 wird Morschenich als Morßhusen in einer Urkunde von Herzog Wilhelm I. von Jülich aufgeführt, die den Wachszins von insgesamt 26 an der Bürge gelegenen Orten an die Pfarrkirche von Arnoldsweiler bestätigt. All diese Orte, so auch Morschnenich, mussten jährlich am Pfingstdienstag den Wachszins nach Arnoldsweiler bringen. Die Morschenicher hatten eine Kerze von 4 Pfund Wachs abzuliefern. Dieses Kerzenopfer ist auf die Legende des hl. Arnoldus zurückzuführen, durch den die aufgeführten Orte den Wald nutzen durften. Zuvor stand dieser unter kaiserlichem Wildbann. Über Jahrhunderte nutzten die berechtigten Gemeinden den Wald gleichermaßen, erst 1775 wurde jeder Gemeinde ein spezifisches Waldstück zugewiesen. Morschenich erhielt ebenfalls ein Stück des Waldes, die Morschenicher Bürge.[4]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort soll zwischen 2015 und 2024 geschleift werden, da sich der Tagebau Hambach in Richtung Morschenich bewegt. Der Ort wird im Westen von Merzenich „Zwischen den Höfen“, jenseits der L264, neu erbaut. Der neue Standort wurde durch eine Bürgerbefragung festgelegt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[5][6]
1933 489 Einwohner
1939 428 Einwohner
1970 621 Einwohner
1980 580 Einwohner
1990 555 Einwohner
2000 534 Einwohner
2010 506 Einwohner
2013 508 Einwohner
2016 386 Einwohner

Schulen, Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befindet sich die Kindertagesstätte Bürgewald mit 50 Plätzen. Grundschule und Gesamtschule befinden sich in Merzenich, die Hauptschule in Nörvenich.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa einen Kilometer vom Ort entfernt verläuft die Bundesautobahn 4. Nächste Anschlussstelle ist die Abfahrt Merzenich. Busse der Dürener Kreisbahn durchfahren den Ort. Nächste Haltepunkte der Deutschen Bahn sind die S-Bahnhaltestellen Merzenich und Buir.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 12. Jahrhundert gab es in Morschenich eine Kapelle. Sagen erzählen von einer Jagdkapelle im Wald im 8. Jahrhundert.

Die Pfarrkirche St. Lambertus wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Nach den Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges baute der Düsseldorfer Dombaumeister Lehmbrock an den erhaltenen Backsteinturm eine zweischiffige Halle aus Bruchsteinen.

Versuchsanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Morschenicher Wald, nördlich des Ortes, gab es von 1939 bis 1955 eine Großversuchsanlage[7], mit Namen Schachtanlage Union 103, in der man versuchte, Braunkohle im Untertagebau abzubauen. Vor allem die geologischen Verhältnisse ließen einen wirtschaftlichen Abbau nicht zu, so dass der Versuch nach wenigen Jahren beendet wurde.

Vereine, Vereinigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • KK Club Waldesgrün Morschenich
  • St. Lambertusschützenbruderschaft Morschenich
  • SV Morschenich 1925 e. V.
  • Kath. Pfarrjugend Morschenich
  • Löschgruppe Morschenich der Freiwilligen Feuerwehr Merzenich mit Jugendfeuerwehr
  • UL-Aero-Club Morschenich e. V.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Morschenich gibt es einen Flugplatz für Ultraleichtflugzeuge.

Hinter diesem befindet sich die Siedlung der sogenannten Hambacher-Forst-Besetzung.[8][9][10][11][12]

2017 fand in Morschenich das letzte und gleichzeitig in Morschenich-neu das erste Schützenfest statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Morschenich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/die-morschenicher-haben-die-schnauze-voll_aid-33476439
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 98.
  3. Arnoldsweiler: Historie & Wappen. In: Internetseite der Stadt Düren. Abgerufen am 5. Oktober 2018.
  4. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. In: Forum Jülicher Geschichte Heft 9, Jülich 1994, S. 73 f.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. dueren.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. http://www.gemeinde-merzenich.de/gemeinde/allgemeines/statistiken-1/statistik.php (abgerufen am 12. Februar 2015)
  7. T. Meyer, P. Bergsch, H. Geich, G. Kirstein, H. Welsch: Die Reihe Archivbilder Merzenich. Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-580-4, S. 28/30.
  8. http://www.aachener-nachrichten.de/mobile/lokales/region/hambacher-forst-soll-wieder-besetzt-sein-1.649656
  9. http://www1.wdr.de/themen/panorama/hambacherforst224.html
  10. http://www1.wdr.de/themen/panorama/hambacherforst192.html
  11. http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/dueren/camp-signalisiert-bis-hierher-und-nicht-weiter-1.487663
  12. http://www.ksta.de/kerpen/hambacher-forst-protestcamp-soll-geraeumt-werden,15189188,23720304.html