Moses Hamon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Moses Hamon (* 1490 in Spanien; † vor 1567) war ein jüdischer Arzt und Linguist.

Moses Hamon war der Sohn von Joseph Hamon, mit dem er nach Konstantinopel kam. Dort wurde er ein Leibarzt von Süleyman I. und begleitete den Sultan auf dessen Reisen und Feldzügen. Er wurde vom Sultan sehr geschätzt. Obwohl hierarchisch offiziell nur vierter der Rangfolge, bekam er mit 75 Asper pro Tag fast den gleichen Lohn wie der Hekimbaşı.[1] Er erhielt zudem das Recht, in der Stadt ein vierstöckiges Haus zu bauen. Häufig wurde er bei Schwierigkeiten in der Gemeinde angerufen und intervenierte zu Gunsten der Juden bei Süleyman. Vor allem erwirkte er 1553, dass alle Blutbeschuldigungen direkt vor dem Sultan verhandelt werden sollten. Ein Jahr zuvor bewog er den Herrscher, Gracia Nasi in der Stadt Zuflucht zu gewähren.

Nach einer umstrittenen Behandlung der Gicht des Sultans mit einer opiumhaltigen Salbe fiel Hamon, vermutlich aufgrund politischer Spannungen innerhalb des Sultanspalastes, in Ungnade. Er wurde durch den muslimischen Arzt Seyh Qaysunizade Mahmud abgelöst und soll kurz darauf "aus Scham" verstorben sein.[2]

Hamon sprach fließend türkisch, hebräisch und arabisch und publizierte jüdische Literatur in Konstantinopel, wo er eine Jeschiwa baute. 1546 veröffentlichte er den dreisprachigen Pentateuch, der die persische Übersetzung von Jakob ben Josef Tawus, die aramäische des Targum Onkelos und die arabische des Saadia Gaon nebeneinanderstellte.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uriel Heyd: Moses Hamon, chief Jewish physician to sultan Süleymān the Magnificent. In: Oriens. Bd. 16, 1963, S. 153–170, doi:10.2307/1580261.
  • Arslan Terzioǧlu: Eine bisher unbekannte türkische Abhandlung über die Zahnheilkunde des Moses Hamon aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. In: Sudhoffs Archiv. Bd. 58, Nr. 3, 1974, 276–282, JSTOR 20776269.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elli Kohen: History of the Turkish Jews and Sephardim. memories of a past golden age. University Press of America, Lanham MD u. a. 2007, ISBN 978-0-7618-3600-1, S. 50 ff.
  2. Miri Shefer-Mossensohn: Ottoman Medicine. Healing and Medical Institutions, 1500–1700. Suny Press, Albany NY 2009, ISBN 978-1-438-42529-0, S. 41.