Moskauer Helsinki-Gruppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Logo der Organisation

Die Moskauer Helsinki-Gruppe (russisch Московская Хельсинкская группа) ist die älteste noch bestehende Menschenrechtsorganisation in Moskau. In den Zeiten der UdSSR wurde sie von den staatlichen Institutionen systematisch verfolgt und bekämpft. Erst im Zuge der Perestroika konnte die Moskauer Helsinki-Gruppe ihrer Arbeit fortsetzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976–1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Öffentliche Gruppe zur Förderung der Beschlüsse von Helsinki“ wurde auf Initiative von Juri Fjodorowitsch Orlow mit dem Ziel gegründet, in der Sowjetunion „die Einhaltung der humanitären Artikel der Schlussakte von Helsinki zu fördern“. Am 12. Mai 1976 kurz vor Mitternacht wurde auf einer, in der Moskauer Wohnung von Andrei Sacharow, einberufenen Pressekonferenz die Gründung der Gruppe bekannt gegeben.[1]

Juri Andropow, der damalige Leiter des KGB meldete am 15. November 1976 an das Zentralkomitee der KPdSU, dass das Komitee für Staatssicherheit Maßnahmen ergreift, die Mitglieder der Helsinki-Gruppe zu kompromittieren und ihre feindlichen Tätigkeiten zu beenden. Am 5. Januar des Folgejahres berichtete Andropow, dass der KGB und die Generalstaatsanwaltschaft der UdSSR weitere Maßnahmen zur Beendigung der Gruppenaktivitäten entwickeln.[1] Die Gruppenmitglieder wurden durch den KGB beschattet, strafrechtlich verfolgt, kamen in psychiatrische Zwangsinternierung oder mussten ins Exil gehen.[2]

Schließlich erklärten am 6. September 1982 die drei letzten in Freiheit verbliebenen Mitglieder der Gruppe die Beendigung ihrer Aktivität innerhalb der Helsinki-Gruppe.[1]

Seit 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst Ende der 1980er Jahre konnte sich die Gruppe, in Folge von Gorbatschows Liberalisierungspolitik wieder etablieren.[2] Aktuelle Vorsitzende ist das Gründungsmitglied Ljudmila Michailowna Alexejewa.[3]

In den Jahren seit 2012 ist die Situation für die Gruppe wie auch für andere Menschenrechtsgruppen in Russland zunehmend schwieriger geworden. Das Büro wurde von russischen Behörden durchsucht. Die Gruppe verzichtet auf ausländische Gelder, um nicht als "ausländischer Agent" registriert zu werden. Dadurch können die meisten Programme nicht mehr durchgeführt werden.[4]

Gründungsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ljudmila Alexejewa; Gründungsmitglied und Vorsitzende der Gruppe 2011

Zu den Gründungsmitgliedern, die aus sowjetischen Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten bestanden, zählen, neben Juri Orlow:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Staatliche Reaktionen auf die Tätigkeit der Moskauer Helsinki-Gruppe, in: Die KSZE im Ost-West-Konflikt: Internationale Politik und gesellschaftliche Transformation 1975–1990. Seite 67; abgerufen am 9. März 2016
  2. a b Zur Gründung der Öffentlichen Gruppe zur Förderung der Durchführung der Beschlüsse von Helsinki in der UdSSR "Moskauer Helsinki-Gruppe (MHG)", 12. Mai 1976 Seite 2 (deutsch).; abgerufen am 9. März 2016
  3. Geschichte der Moskauer Helsinki-Gruppe auf der Webseite (russisch), abgerufen am 8. März 2016
  4. Es wird in Russland Erfolge geben Interview mit Ljudmila Alexejew, Deutsche Welle, 30. Mai 2016 (deutsch)