Mother Hood

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Mother Hood e.V.
Rechtsform gemeinnütziger Verein
Gründung 2015, Essen, Deutschland
Sitz Bonn, Deutschland
Schwerpunkt Schwangerschaft, Geburt
Methode Gewaltfreiheit, Lobbyismus, Wissenschaft, Aufklärung
Aktionsraum Deutschland
Freiwillige ca. 100 Ehrenamtliche
Mitglieder 1217 (Juli 2020)
Website www.mother-hood.de

Mother Hood e.V. ist eine Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr. Auslöser für die Gründung der Initiative war ein drohender Mangel an freiberuflichen Hebammen ab Sommer 2015, dem sich die Eltern entgegenstellen wollten. Mother Hood ist in ganz Deutschland in zahlreichen Regionalgruppen aktiv. Zudem ist der Verein Mitglied im Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur und international vernetzt.

Gründungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2014 verkündete die Nürnberger Versicherung ihren Ausstieg aus der Berufshaftpflichtversicherung von freiberuflichen Hebammen.[1] Zu diesem Zeitpunkt war die Nürnberger Versicherung Teil eines Versicherungsverbundes, welchem ohne die Beteiligung der Nürnberger der Zusammenbruch drohte, da keine andere Versicherung bereit war, den freiwerdenden Teil zu übernehmen. Dies hätte für die freiberuflichen Hebammen zum Sommer 2015 den Effekt eines Berufsverbotes gehabt, da Hebammen als Angehörige der Heilberufe verpflichtet sind, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.

Die Nachricht vom drohenden Aus für die freiberuflichen Hebammen schlug in den sozialen Medien ein, während die Resonanz in den Printmedien eher verhalten war. Insbesondere Frauen und Mütter mit noch vorhandenem Kinderwunsch reagierten. Noch am selben Tag gründeten einige Eltern die Gruppe Hebammenunterstützung auf Facebook, die zunächst einen Sammelpunkt für den Elternprotest darstellte und innerhalb von 24 Stunden mehr als 60.000 Mitglieder generierte. In den folgenden Monaten wurden aus dieser Gruppe heraus zahlreiche Demonstrationen, Mahnwachen und andere Protestaktionen organisiert.[2] Um als Elterninitiative professionell arbeiten zu können, wurde ein Jahr später von den Aktiven der gemeinnützige Verein Mother Hood gegründet.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch als Elternprotest startete die Elterninitiative 2014 die Aktion „Triff deinen Abgeordneten“, bei der Eltern binnen weniger Monate über 100 Landtags- und Bundestagsabgeordnete über die drohende Unterversorgung bei Hebammen und Kreißsälen informiert haben. Bis heute treffen sich Vereinsaktive regelmäßig mit Politikern und Regierungsvertretern auf Lokal-, Landes- und Bundesebene.[3][4][5]

In Kooperation mit Mother Hood ging 2017 der Film „Die sichere Geburt“ auf Kinotournee und wurde in zahlreichen Städten mit anschließenden Podiumsdiskussionen gezeigt.[6] Im selben Jahr wurde die Schauspielerin Lisa Martinek offizielle Botschafterin von Mother Hood e.V.[7] Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Verein im Sommer 2017 durch eine „Reisewarnung“ für Schwangere wegen der Unterversorgung im Bereich Geburtshilfe in einigen Regionen Deutschlands.[8][9] Seitdem werden Vertreterinnen von Mother Hood regelmäßig zu Interviews und Diskussionsrunden in Fernsehen und Rundfunk eingeladen, um über die Probleme in der Geburtshilfe zu berichten, z. B. in Frau TV (WDR)[10], bei Volle Kanne (ZDF)[11] sowie in der Länderzeit (Deutschlandfunk).[12]

Während das drohende Berufsverbot für freiberufliche Hebammen infolge aktiven Protests und politischer Arbeit 2014 durch die Einführung eines Sicherstellungszuschlages erst einmal abgewendet werden konnte,[13] stellte sich die Gesamtsituation in der geburtshilflichen Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und dem sog. Wochenbett weiterhin als schwierig dar. Bereits zur Vereinsgründung im März 2015 bestand ein großer Teil der Arbeit nicht mehr nur aus Demonstrationen und Protest, sondern aus vielfältigen Tätigkeiten. So arbeitet Mother Hood heute im wissenschaftlichen Bereich mit bei der Durchführung von Studien und der Übersetzungen von relevanten Fachtexten. Auf politischer und fachlicher Ebene sitzen Vertreter*innen des Vereins an Runden Tischen sowie in zahlreichen Gremien (z. B. dem Gemeinsame Bundesausschuss, G-BA). Daneben gibt Mother Hood in regelmäßigen Abständen eigene Veröffentlichungen zu aktuellen Themen und zur Aufklärung heraus.[14]

Im April 2019 sprach eine Vorständin des Vereins als Sachverständige vor der Kinderkommission des Deutschen Bundestages über die Missstände in der Geburtshilfe und die drohenden Auswirkungen auf die Kindergesundheit.[15] Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum Hebammenreformgesetz (HebRefG), das eine vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung in Deutschland einführt,[16] wurde Mother Hood im Juni 2019 als Sachverständige zur Anhörung vor den Gesundheitsausschuss angehört.[17]

Während der Corona-Pandemie in Deutschland wirkt der Verein als Anlaufstelle für besorgte Schwangere und Familien und bietet auf einen Blick zuverlässige sowie aktuelle Informationen zu Schwangerschaft, Geburt und Stillen im Zusammenhang mit COVID-19.

Im Juni 2020 hat Mother Hood e. V. gemeinsam mit dem Verein International Society for Pre- and Perinatal Psychology and Medicine e.V., ISPPM, das Hilfetelefon nach schwieriger Geburt gestartet. Es dient Menschen mit schwieriger oder belastender Geburtserfahrung als niederschwellige Anlaufstelle, um über die Geburt sprechen zu können.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/nurnberger-versicherung-sperrt-hebammen-aus-1.3460443
  2. http://www.kn-online.de/Nachrichten/Politik/Eltern-und-Hebammen-demonstrieren-in-Kiel-fuer-Rettung-des-Berufsstandes
  3. Mother Hood Hessen Versorgungsstudie Mother-Hood. Abgerufen am 26. Februar 2018.
  4. Bremer Eltern kämpfen vor Petitionsausschuss für sichere Geburten Mother-Hood. Abgerufen am 26. Februar 2018.
  5. Fachgespräch mit NRW Gesundheitsministerin Barbara Steffens Mother-Hood. Abgerufen am 26. Februar 2018.
  6. Der Film | Die sichere Geburt. (die-sichere-geburt.de [abgerufen am 26. Februar 2018]).
  7. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 23. Februar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mother-hood.de
  8. https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/wdr-aktuell/video-reisewarnung-fuer-schwangere-100.html
  9. http://www.deutschlandfunk.de/hebammenmangel-reisewarnung-fuer-schwangere-in-bestimmten.1769.de.html?dram:article_id=390801
  10. Kathrin Schamoni: Der Verein „Mother Hood“: Gibt Eltern eine Stimme rund um Schwangerschaft und Geburt. 19. März 2020, abgerufen am 23. April 2021.
  11. Geburtshilfe – Missstände in Deutschland. Abgerufen am 26. Februar 2018.
  12. Hebammen- und Kreißsaalmangel – Was tun gegen die Unterversorgung? In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 26. Februar 2018]).
  13. https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/ambulante_leistungen/hebammen/sicherstellungszuschlag/sicherstellungszuschlag.jsp
  14. http://www.mother-hood.de/sichere-geburt/publikationen.html
  15. Lukas Stern: Deutscher Bundestag – Gesellschaftliche Dimension von Schwangerschaft und Geburt. Abgerufen am 5. September 2019.
  16. Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung und zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch. In: www.aok-bv.de. Abgerufen am 14. September 2019.
  17. Dr Susanne Kailitz: Deutscher Bundestag – Experten begrüßen duales Studium für angehende Hebammen. Abgerufen am 5. September 2019.