Motorsportjahr 1895

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Weitere Sportereignisse

Die Apperson-Brüder mit der Haynes Motor Carriage, an der sie mitgebaut hatten. In Chicago, während der Anfahrt zum Rennen, verunfallte Elwood Haynes mit diesem Fahrzeug und konnte nicht am Chicago Times-Herald contest teilnehmen.

Nach dem Eklat um den vorenthaltenen Siegespreis für Albert de Dion nach dem Auto-Rennen Paris-Rouen 1894 begann dieser mit einem kleinen Team Gleichgesinnter, einen faireren und weitaus stärkeren Test zu veranstalten. Daraus resultierte im Motorsportjahr 1895 das Rennen Paris-Bordeaux-Paris. Ironischerweise wurde auch in diesem Rennen nicht den beiden schnellsten Fahrzeugen der Sieg zuerkannt. Kurz zuvor hatte das erste Autorennen in Italien stattgefunden. Die Vereinigten Staaten folgten im November. Das Interesse war riesig und es gingen fast 100 Anmeldungen ein. Die ausschreibende Zeitung hatte aber eine viel zu kurze Anmeldefrist gesetzt. Es kam zu zahlreichen Absagen, weil viele Teilnehmer signalisierten, dass ihre Fahrzeuge nicht rechtzeitig fertig würden. Daher wurde der Anlass sehr kurzfristig vom 2. auf den 28. November verschoben. Am ersten Datum fand ein kleinerer Wettbewerb statt, an dem nur zwei Teilnehmer starteten. Die Hauptveranstaltung musste unter so schlechten Wettervoraussetzungen durchgeführt werden, dass die Verantwortlichen die Strecke massiv verkürzten. Dennoch ging der Chicago Times-Herald Contest in die Automobilgeschichten ein - und als The Great Horse-less Carriage Race in die amerikanische Folklore.[1]

Rennergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turin–Asti–Turin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Simone Federmann Daimler
2
Plätze 2 und 3 unklar

Das erste Autorennen in Italien fand am 18. Mai 1895 statt. Der Rundkurs Turin-Asti-Turin ging über eine Distanz von 93 km. Fünf Fahrzeuge standen am Start, drei kamen ins Ziel. Sieger wurde der Ingenieur Simone Federmann der einen Schnitt von 15.5 km/h erzielte. Sein viersitziger "Omnibus" war ein Vorläufer unserer Limousinen. Die Plätze zwei und drei wurden von Motorrädern belegt, eines davon fuhr Gianbattista Ceirano (1860–1912). Immerhin bis hinter Asti schafften es der 6-sitzige Dampfwagen-Eigenbau (ein "Break", also Jagdwagen) des Franco Sclaverani und der Benz von Cleto Brena.

Paris–Bordeaux–Paris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amédée Bollée Vis-à-vis (1895)
Platz Fahrer Team Zeit
1 Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Émile Levassor Panhard & Levassor 48:48,00
2 Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Louis Rigoulot Peugeot + 5:47,00
3 Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Paul Koechlin Peugeot + 11:00,00

Albert de Dion und andere gründeten ein Komitee, das die Vorbereitungen für das Rennen Paris–Bordeaux–Paris vom 11. Juni bis zum 13. Juni 1895 regeln sollte. Daraus entstand im Spätherbst der ACF, der französische Automobilclub.

Um Chancengleichheit zu wahren, mussten die Fahrzeuge Platz für vier Passagiere bieten. Die Strecke für dieses Rennen führte von Paris über Versailles, Orléans, Tours, Poitiers und Angoulême nach Bordeaux und zurück.

22 Fahrzeuge starteten in Paris, darunter 15 benzingetriebene, 6 mit Dampfantrieb und eines mit Elektroantrieb. Die Strecke führte über 1178 km und Émile Levassor, der schnellste, benötigte knapp 49 Stunden, was einem Schnitt von rund 24 km/h entspricht. Allerdings hatten sowohl sein Panhard wie auch der Peugeot des Zweiten, Rigoulot, nur zwei Sitzplätze, weswegen der erste Preis an A. Koechlin im schnellsten Viersitzer (Peugeot) ging. Moralischer Sieger, auch aus der Sicht des Publikums, war jedoch Levassor. Das Rennen brachte den Triumph der Benzinwagen gegenüber den dampfbetriebenen, da alle neun Fahrzeuge im Ziel vierrädrige Benziner waren; neben den siegreichen Marken Panhard und Peugeot waren dies Benz und Roger-Benz sowie eine Amédée Bollée Voiturette. Die ausgeschiedenen Dampfwagen kamen von führenden Herstellern wie Serpollet oder De Dion-Bouton (chauffiert vom Grafen Gaston de Chasseloup-Laubat), ferner zwei Gautier-Wehrlé und ein Rossel, Ebenfalls nicht ins Ziel kamen der Jeantaud-Elektrowagen, die teilnehmenden Motorräder der Marken Winke & Delmer, Hildebrand & Wolfmüller (beide bis Angoulême) und Millet (mit Umlaufmotor im Hinterrad; bis Orléans) sowie der Peugeot von André Michelin, der ausgerechnet wegen Reifenproblemen aufgeben musste.

Chicago Times-Herald Expo Run[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mueller-Benz Vis-à-vis. Aufnahme vor dem Chicago Times-Herald contest; Oscar Mueller am Lenker (1895).
Platz Fahrer Team Zeit
1 Vereinigte Staaten 44Vereinigte Staaten Oscar Mueller Mueller-Benz 8:44,00
2 Vereinigte Staaten 44Vereinigte Staaten James Frank Duryea Duryea Buggyaut
keine weiteren Fahrer gestartet

Der Anlass wurde sehr kurzfristig angesetzt. Die Strecke führte über 151 km von Chicago nach Waukegan und zurück. Eigentlich sollte dies der Chicago Times-Herald Contest werden, der ursprünglich auf dieses Datum angesetzt war. Das Interesse war enorm; es gingen fast 100 Anmeldungen für einen Startplatz ein. Allerdings kam es in der Folge zu zahlreichen, kurzfristigen Absagen wegen nicht startbereiten Fahrzeugen. Darauf wurde der Anlass auf den 28. November verschoben. Um dem Publikum dennoch etwas zu bieten und das Interesse am Hauptanlass wach zu halten, wurde stattdessen auf der vorgesehenen Route der Expo Run durchgeführt. Für die Teilnehmer am eigentlichen Contest war er nicht attraktiv, weil ein erhebliches Risiko eines Unfalls bestand oder ihr Fahrzeug mit einem nicht rechtzeitig reparablen Defekt am Hauptanlass ausfallen könnte. Daher ist nachvollziehbar, dass die Fahrer ihr Material schonten. Mehrere der für den Contest gemeldeten Rennwagen wurden lediglich ausgestellt und nur zwei Teilnehmer starteten tatsächlich zur „Wettfahrt“. J. Frank Duryea schied tatsächlich aus. Noch vor Waukegan landete sein Buggyaut im Straßengraben, als ein Pferdefuhrwerk beim Überholen ausscherte. Das Fahrzeug musste zur Reparatur nach Hause geschickt werden. Davor hatte sich gezeigt, dass es deutlich schneller war als der Mueller-Benz.[2] Als Folge des Unfalls kam jedoch Oscar Mueller als einziger ins Ziel.

Chicago Times-Herald Contest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Start: Nr. 5, Duryea Buggyaut mit J. Frank Duryea am Lenker. Der Beifahrer ist Schiedsrichter Arthur Wright.
Platz Fahrer Team Zeit
1 Vereinigte Staaten 44Vereinigte Staaten James Frank Duryea Duryea Buggyaut 8:23,00
2 Vereinigte Staaten 44Vereinigte Staaten Oscar Mueller Mueller-Benz 0:30,00
79 Anmeldungen

8 Fahrzeuge am Start
1 Fahrzeug mit ca. 70 Min. Verspätung gestartet

Die eigentliche Geschichte des Motorsports in den USA beginnt am Thanksgiving Day des Jahres 1895. An diesem 28. November mit dem Chicago Times-Herald Contest fand eine Veranstaltung statt, die gelegentlich auch als das erste Autorennen in den Vereinigten Staaten bezeichnet worden ist[3], obwohl das genau genommen nicht zutrifft. Sie war jedoch die erste ihrer Art, die in den USA ein breites öffentliches Interesse zu wecken vermochte und so einen entscheidenden Anstoß zur Motorisierung im Land bot. Die teilnehmenden Fahrzeuge mussten mindestens drei Räder und Platz für zwei Personen haben, da ein Schiedsrichter in jedem Auto mitfuhr. Zu diesen gehörten Persönlichkeiten wie Hiram Percy Maxim oder Charles Brady King; sie wurden den jeweiligen Fahrzeugen per Losentscheid zugeteilt. King war einer der Konstrukteure, die ihre Anmeldung zurückziehen mussten, weil das Auto nicht startbereit war.[4] Nach Absagen und Disqualifikationen blieben 79 Anmeldungen übrig. Vor dem Rennen hatte es drei Tage lang heftig geschneit. Kurzfristig wurde daher entschieden, das Rennen in verkürzter Form zu starten; statt bis Waukegan führte die Strecke nun nur noch von Chicago nach Evanston, Illinois und zurück. Die Entscheidung, das Rennen überhaupt durchzuführen, führte dazu, dass sich weitere Gemeldete zurückzogen. Es blieben - vorerst - 31 übrig. Nur acht erschienen tatsächlich; drei blieben schon beim Start liegen. Einer der Favoriten, Oscar Mueller, ging das Rennen nach hektischen Reparaturen mit über einer Stunde Verspätung an.[4] Viele Fahrer zogen es vor, ohne Abmeldung fernzubleiben, so auch Edward Joel Pennington, der sich zu dieser Zeit bereits nach Großbritannien eingeschifft hatte und so unter Beweis stellte, dass er nie ernsthaft teilnehmen wollte. Im Feld der Startenden waren zwei Electrics; drei der Benziner waren Benz-Konstruktionen, die von ihren Besitzern an die schlechten Straßen in den USA angepasst worden waren. Besonderes Pech hatte Elwood Haynes, ein weiterer Favorit: Er verunfallte in Chicago noch während der Anfahrt zur Veranstaltung. Auch während dem Rennen herrschte Schneefall und eisige Kälte. Nur zwei der sechs Starter erreichten das Ziel. Als erster fiel John Chester mit dem De la Vergne-Benz aus. Oscar Mueller brach eine Stunde vor dem Ziel vor Kälte und Erschöpfung zusammen; sein Schiedsrichter lenkte das Auto über die Ziellinie.

Auf der 80 km langen Strecke erreichte der Sieger einen Schnitt von rund 10 km/h.[1]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Automobilsport 1895 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels. 2005, S. 49–64.
  2. Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels. 2005, S. 49–54.
  3. NY-Times Archive, 8. Januar 1922, abgerufen 9. August 2013.
  4. a b Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels. 2005, S. 57.