Moulin Rouge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Moulin Rouge (Begriffsklärung) aufgeführt.
Das Moulin Rouge am Boulevard de Clichy

Das Moulin Rouge (deutsch: Rote Mühle) ist ein Varieté im Pariser Stadtviertel Montmartre am Place Blanche (Adresse Boulevard de Clichy Nr. 82) im 18. Arrondissement, im Vergnügungsviertel Pigalle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Moulin Rouge in den 1960er Jahren
Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec
Moulin Rouge im August 1929
Pariser Moulin Rouge im Jahr 2013
Das Moulin Rouge bei Tag im März 2015.

Das Moulin Rouge wurde im Jahre 1889 von Joseph Oller und Charles Zidler erbaut, der bereits das Varieté L'Olympia besaß. Am 6. Oktober 1889 wurde das Haus eröffnet, im selben Jahr wie der Eiffelturm. Der Name geht auf die bekannte Nachbildung einer roten Mühle auf dem Dach zurück. Der Montmartre ist die höchste Erhebung von Paris, auf der dadurch Windmühlen gebaut wurden und der zum Aussichtspunkt wurde. Teilweise wurden diese zu Cafés und Veranstaltungslokalitäten erweitert, teilweise haben andere Institutionen den Namen Moulin übernommen.[1][2]

Zunächst wurde das Moulin Rouge für Bälle (=bals) genutzt, bei denen Tänzerinnen vor allem den Cancan und Chahut tanzten. Hier traten die berühmtesten Pariser Stars der Zeit auf, unter anderem La Goulue, Yvette Guilbert, Jane Avril, Mistinguett und „Le Pétomane“ Joseph Pujol. Viele dieser Namen wurden nicht zuletzt durch die Werbeplakate von Henri de Toulouse-Lautrec und deren zahlreiche Nachdrucke sehr bekannt.

Später wurden im Moulin Rouge Operetten und Revuen aufgeführt. Auch als Kino wurde es manchmal genutzt. Seit dem Jahre 1955 werden so genannte „dinner-spectacles“ aufgeführt. In den ersten Jahren traten bei diesen auch berühmte Chanson-Interpreten wie Charles Trenet oder Charles Aznavour auf. Im Jahre 1964 wurde als Attraktion auf der Bühne ein „Aquarium“ installiert, in dem nackte Tänzerinnen auftraten bzw. schwammen. Nach einer finanziellen Krise Mitte der 1990er Jahre konnte das Haus ab etwa dem Jahre 2000 wieder Erfolge verzeichnen, wozu ab 2001 auch der bekannte Kinofilm Moulin Rouge beitrug. Während der einzelnen Tanznummern kommen gelegentlich Tigerpythons und Zwergpferde zum Einsatz. Das Haus hat 850 Sitzplätze und wurde im Jahre 2000 von rund 420.000 Gästen besucht.

Das Moulin Rouge besitzt im Untergeschoss einen großen Wein- und Champagner-Keller. An einem Showabend werden bis zu 800 Flaschen Champagner geleert, pro Jahr ungefähr 240.000 Flaschen.[3]

Name und Stil des berühmten Pariser Vorbilds wurden von zahlreichen anderen Varietés und Diskotheken auf der ganzen Welt kopiert.

Moulin Rouge im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moulin Rouge in der Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wohl bekanntesten Versionen des 1974 erschienenen Titels Lady Marmalade von The Eleventh Hour, die sich inhaltlich um das Moulin Rouge dreht, wurden 1974 von Patti LaBelle und 2001 von den US-Sängerinnen Pink, Christina Aguilera, Lil’ Kim und Mýa veröffentlicht.

Eine Auswahl von weiteren Liedern finden sich hier:

  • Moulin Rouge/Paris Canaille (1999, von André Rieu)
  • Moulin Rouge (2002, von Ai Phoenix)
  • Song from Moulin Rouge (1952, George Auric)
  • Moulin Rouge (1966, von James Last)

Moulin Rouge in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Jahre 1950 erschienene biographische Roman Moulin Rouge über das Leben des Henri de Toulouse-Lautrec war der erste Bestseller von Pierre La Mure und wurde im Jahre 1952 verfilmt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moulin Rouge – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auf dem Montmartre. In: Allgemeine Zeitung. Beilage. Nr. 97, 7. April 1853, S. 1547 (Online in der Google-Buchsuche [abgerufen am 23. Februar 2016]). „Auf der östlichen Spitze liegt die Kirche mit dem auf Pension gesetzten Telegraphenturm, und dicht darum das eigentliche Dorf Montmartre; die westliche, die höhere von beiden, trägt die Windmühlen, von denen dieser Theil des Hügels seinen Namen hat. Sie müssen die ältesten Bewohner desselben seyn, denn sie scheinen ein Recht ober die Pflicht zu haben rund herum als Gevatter zu dienen; alles junge Volk hat seinen Namen von ihnen entlehnt, so die Marchands de Bin, die Cafés, die Bals Champêtres etc., die sich Moulin de Palais, Moulin de la Galotte [korrekt: Moulin de la Galette, siehe Bal du moulin de la Galette] etc. nennen. Sogar eine Maison de Sevrage (zur Entwöhnung von Säuglingen) glaubt sich nicht besser als durch den Titel "moulin des petits enfants" empfehlen zu können.“
  2. Die Bonlangisten. In: Neue Freie Presse, 31. Dezember 1889, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp „Zwei grundverschiedene Wahrzeichen erheben sich auf dem Montmartre, dem Hügel in Paris, welchen fromme wie revolutionäre Seelen zum Gnadenorte sich ausersehen haben und den die administrative Prosa einfach den achtzehnten Bezirk nennt. Auf der einen Seite die nach langen Kämpfen mit der atheistischen Gemeinde mit einem Opfer von 20 Millionen erbaute Kirche Sacré coeur, die nächstes unter großem kirchlichen Gepränge eingeweiht werden soll; auf der andeen Seite eine alte, verwitterte, rissige, wurmstichige Windmühle, der Moulin de la Galotte [korr: Moulin de la Galette], dessen Flügel müßig in die Luft ragt - ein Aussichtspunkt für die Fremden und Provinzler, bis der Eiffelthurm die Mühle auch um dieses Bischen Achtung brachte. An die Windmühle reiht sich ein Tanzsalon, in welchem die ewig muntere Jugend des Montmartre Gelegenheit findet, die Traditionen des Cancan nicht gänzlich aussterben zu lassen.“
  3. Die Welt des Moulin Rouge. Dokumentarfilm von Vivienne Radermacher, 2013, 45 Min., Redaktion: Anna Sigrist - Produziert von ARD-Studio Paris und Phoenix.

Koordinaten: 48° 53′ 3″ N, 2° 19′ 56″ O