Makartplatz und Dreifaltigkeitsgasse

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Der Makartplatz ist ein Platz im rechts der Salzach gelegenen Teil der Altstadt von Salzburg, die Dreifaltigkeitsgasse grenzt an den Platz unmittelbar an. Sie liegen in dem als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichneten historischen Zentrum der Stadt. Auf dem früher als Hannibalplatz bezeichneten Ort befinden sich unter anderem das Tanzmeisterhaus, das heute auch als Mozart Wohnhaus bekannt ist, ferner das Landestheater Salzburg, das Geburtshaus des Physikers Christian Doppler, die Dreifaltigkeitskirche sowie ein Hotel der Luxusklasse. Die anschließende, zum Mirabellplatz führende Dreifaltigkeitsgasse ist dominiert vom Paris-Lodronschen Primogeniturpalast.

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Makartplatz 1893 mit dem Elektrizitätswerk anstelle des heutigen Hotel Bristol

Der Makartplatz hieß früher nach Hannibal von Raitenau, dem zweitälteren Bruder von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, Hannibalplatz. Am 4. Mai 1879 erfolgte anlässlich des Makart-Festzuges die Umbenennung in Makartplatz. 1934 wurde in politischer Instrumentalisierung der Platz nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten Bundeskanzler in Dr.-Dollfuß-Platz umbenannt. Nach dem Einmarsch der nationalsozialistischen Truppen wurde noch am gleichen Tag, dem 12. März 1938, dieses Schild von fanatischen Nationalsozialisten abgenommen und durch ein provisorisches mit der Aufschrift Adolf-Hitler-Platz ersetzt; dieser inoffiziellen Umbenennung folgte wenige Tage später die offizielle in Adolf-Hitler-Platz. Allerdings wurde auf Befehl Hitlers auch dies wieder rückgängig gemacht, wobei daran gedacht war, den Residenzplatz in Adolf-Hitler-Platz umzubenennen, was aber nie vollzogen wurde.[1] Der heutige Name erinnert wieder an den gefeierten Salzburger Maler Hans Makart.

Der östliche Teil der Dreifaltigkeitsgasse (benannt nach der dortigen Dreifaltigkeitskirche) war früher als Andreasgasse bekannt, da sich bis 1861 am Beginn dieser Gasse am Platzl die alte Kirche St. Andreas befand. Der westliche Teil der Gasse hieß zeitweise nach dem nahen Schloss Mirabell auch Mirabellstraße.

Bauwerke[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskirche
Die Dreifaltigkeitskirche und Priesterhaus

Die Dreifaltigkeitskirche wurde als noch heute größte Kirche in Salzburg rechts der Salzach in den Jahren 1694 bis 1702 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet und gilt als eines der Hauptwerke des Architekten. Bauliche Veränderungen erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert. Der Altar wurde ebenfalls von Fischer von Erlach entworfen und das große Kuppelfresco stammt von Johann Michael Rottmayr. Die dreigeschossigen Flügelbauten der Kirche beherbergen heute das Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg.

Eingangsportal zum Städtischen Versatzamt (heute Alter Markt 11)
Städtisches Versatzamt, Mons pietatis

Gegenüber der Dreifaltigkeitskirche stand ursprünglich das Städtische Versatzamt (mildes Leihhaus, Mons pietatis), das 1906 abgebrochen wurde und dessen Portal heute die Hauptanstalt der Sparkasse am Alten Markt ziert.

Das Tanzmeisterhaus – Mozarts Wohnhaus

(Makartplatz 8)

Das Haus ist urkundlich erstmals 1617 erwähnt. Seit 1711 fanden hier, durch ein fürsterzbischöfliches Dekret bewilligt, Tanzveranstaltungen für Adelige statt, die zuerst Lorenz Spöckner und dann dessen Sohn, der hochfürstliche Tanzmeister und Kammerdiener Franz Karl Gottlieb Spöckner leitete, der auch Trauzeuge der Eltern von Wolfgang Amadeus Mozarts war. Im großen Tanzmeistersaal wurde dabei nicht nur getanzt, sondern auch die höfische Etikette gelehrt. Nach dem Tod von Franz Spöckner im Jahr 1767 wurde der Tanzmeistersaal von dessen Cousine, bekannt in vielen Mozartbriefen als „Tanzmeister Mitzerl“, als Raum für Veranstaltungen (Hochzeiten etc.) vermietet.

Tanzmeisterhaus

1773 übersiedelte die Familie Mozart in dieses Haus mit seinen acht gemieteten Räumen im ersten Stock, weil die frühere Drei-Zimmer-Wohnung durch den Familienzuwachs zu klein geworden war. Zur Wohnung gehörte auch der große Tanzmeistersaal. In diesem traf die Familie oft mit Musizierfreunden zum gemeinsamen Spiel zusammen, wobei auch Michael Haydn oder der Zauberflöten-Librettist Emanuel Schikaneder zu Gast waren. In diesem Saal, aber auch im Hof des Hauses fanden überdies regelmäßig Scheibenschießen statt, nachdem der Salzburger Bölzlschützenkompagnie (sie schoss mit einer Art Luftdruckgewehr) auch die Familie Mozart angehörte.

Neben dem Tanzmeistersaal gehörte der Musiksaal zur Wohnung, wo Leopold Mozart Kaufinteressierten Klaviere vorführte, die er zum kommissionsweisen Verkauf übernommen hatte.

In den Jahren 1773 bis 1780 komponierte Mozart in diesem Haus eine Fülle von bekannten Werken, so etwa die Haffner-Serenade (KV 250, dem Salzburger Mäzen Sigmund Haffner dem Jüngeren gewidmet), einige Sinfonien (KV 183, 201, 318, 319, und 338), Klavierkonzerte (vor allem KV 242, 271 und 365) sowie einige Messen (u. a. die Krönungsmesse KV 317) und kleine Opern (Il re pastore, König Thamos, Zaide). Er begann hier auch die Arbeit an den später fertiggestellten Singspielen La Finta giardiniera und Idomeneo.

Nach der Übersiedelung Wolfgang Amadeus Mozarts nach Wien und der Heirat der Schwester Nannerl nach St. Gilgen lebte Vater Leopold Mozart zuletzt allein in diesem Räumen, nur von seinem „Kuchelmenschen Thresel“ betreut, und verstarb hier am 28. Mai 1787.

1938 gelang es der Internationalen Stiftung Mozarteum erstmals, in diesem Haus drei Räume für eine Mozart-Ausstellung zu mieten. Gleichzeitig waren hier auch das Seminar für Musikerziehung und das Volksliedarchiv untergebracht.

1944 wurde das Haus (ausgenommen der Tanzmeistersaal) durch amerikanische Fliegerbomben weitgehend zerstört. Der damalige Besitzer verkaufte das Haus an eine Versicherung, die anstelle des zerstörten Hausteiles ein Bürohaus errichtete. 1955 erwarb die Stiftung Mozarteum den erhaltenen Teil des Hauses mit dem Tanzmeistersaal und 1989 auch das neue Bürohaus. Ab 1994 wurde das Bürohaus niedergerissen und anschließend der bombenzerstörte Hausteil detailgetreu entsprechend alten Plänen wiederaufgebaut. 1996 wurde in den neuen Räumlichkeiten ein Museum eröffnet, in dem das Leben Mozarts mulitmedial dokumentiert wird. Der Tanzmeistersaal wird heute als Konzertsaal genutzt.

Das Landestheater Salzburg
Das Landestheater um 1900

(Makartplatz 2 = Schwarzstraße 22)

Im Salzburg der Barockzeit war Salzburg ein Mittelpunkt des Theater- und Komödiantenwesens. Als Hoftheater wurde zuerst die Alte Residenz genutzt, aber auch in der Aula der Alten Universität und im Steintheater in Hellbrunn fanden Aufführungen statt.

Vom Geist der Aufklärung getragen, war für Fürsterzbischof Colloredo das Theater als Ort der Bildung und Erziehung besonderes wichtig, das breiten Bevölkerungskreisen zugänglich gemacht werden sollte. 1775 ließ er so das alte 1632 errichtete Ballhaus am Hannibalplatz (ein Haus, das dem Ballspiel diente) zu einem erst provisorischen Theatersaal umbauen. Ein weiterer Umbau folgte in den Jahren 1787 bis 1791. Colloredo schuf damit erstmals ein zeitgemäßes Salzburger Theaterhaus. Dieses Schauspielhaus hieß nach 1816 k.k. Nationaltheater. Es besaß außer drei Sitzplatzreihen (mit insgesamt nur 33 Plätzen) ausschließlich Stehplätze. 1892 wurde dieses Theater weitgehend abgerissen und am gleichen Ort neu errichtet. Dieser Neubau war von den führenden Architekten Helmer und Fellner geplant worden. Die Neueröffnung des neuen Stadttheaters fand 1893 statt. Bei diesem Umbau wurde die Theaterbühne von der Südseite des Hauses auf die Nordseite desselben verlegt. 1938/39 wurde von J. Holzinger und Paul Geppert das Landestheater erneut umgestaltet, da sich die Bühne und das Pausenfoyer als zu klein erwiesen hatten. Nunmehr bekam das Haus eine drehbare Bühne, auch wurde der Balkon über dem Haupteingang neu hinzugefügt.

Dopplerhaus
Geburtshaus von Christian Doppler

(Makartplatz 1)

Dieses Haus wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und ist eines der wenigen Beispiele klassizistische Architektur in Salzburg. Hier wurde 1803 der Physiker Christian Doppler geboren.

Das Hotel Bristol

(Makartplatz 4)

Das Hotel Bristol wurde im Jahr 1893 errichtet. Zuvor hatte hier in den Jahren 1887 bis 1892 das erste Salzburger Elektrizitätswerk – die Centralstation der Electricitaets-Werke Salzburg – bestanden. Das neue Hotel war das erste Hotel rechts der Salzach, welches eine elektrische Beleuchtung besaß, und nannte sich „Electricitaets-Hotel“. Zu den zahlreichen prominenten Gästen des Hauses zählten unter anderem Kaiser Franz Josef und Sigmund Freud.

Cafe Koller

(Dreifaltigkeitsgasse 2)

Dieses Haus entstand 1861 anstelle der alten Andräkirche. Franz Zeller errichtete dabei ein Café, das 1927 als Café Lohr neu begründet wurde. Heute ist im Erdgeschoß des Hauses ein Schuhhaus untergebracht. Das dortige Sgraffito-Fries von Karl Reisenbichler in der Fassade (1927) zeigt ein Kartenspiel und einen langen Sinnpruch, der das Leben bildhaft mit einem Kartenspiel vergleicht.

Der Münchnerhof

(Dreifaltigkeitsgasse 3)

Das Haus wird 1374 als „der pirprewin hofstat zegnagst an der nydern rewt“ genannt. Hier stand das älteste Bräuwirtshaus am rechten Salzachufer, das lange als Goldenes Kreuz-Wirtshaus bekannt war. 1813 erwarb das Bräu Nikolaus Schlamm, nach welchem es in der Folge Schlammbräu genannt wurde und der zeitweise größte und bekannteste Braugasthof Salzburgs war. 1928 wurde das Gebäude mit zwei angrenzenden Häusern vereinigt und nannte sich nun Münchner Hof.

Die neobarocke Fassade stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Auffällig ist die Skulptur des Münchner Kindls in der vorspringenden Ecke des Bauwerkes.

Goldschlägerhaus mit Sauterbogen

(Dreifaltigkeitsgasse 6 = Königssgässchen 6)

Das Haus wird 1429 erstmals genannt. Es wird damals beschrieben als Haus „gegen den Pogen vber da man hinindter get hinhinder dye chirchenn“. 1775 wird es erstmals als Goldschlagerhaus bezeichnet. Der Sauterbogen unter dem Haus ist nach dem Salzburger Botaniker Anton Sauter benannt. Er entstand in der heutigen Form 1645, als Paris Lodron zwei dortige Bürgerhäuser an der Stadtmauer gegen eine Entschädigung durchbrechen ließ, um die dahinterliegenden Lodronschen Paläste besser an die Stadt anzuschließen. Der Sauterbogen zeigt bis heute im Kreuzgratgewölbe das Wappen von Paris Lodron und die Jahreszahl 1645.

Graf-Überacker-Palais

(Dreifaltigkeitsgasse 11 – Makartplatz 6, Erdgeschoß heute als Postamt genutzt)

1601 wird dieses Haus erstmals als Neugebäude der Gräfin Maria Katharina Kuen „negst ausser St. Andre Pogn an der Mirabellstraßen“ genannt. 1723 kaufte Wolf Maximilian Graf Überacker das Gebäude und baute es als Adelspalast aus. Beim Umbau des Hauses 1912 blieb die barocke Fassade weitgehend erhalten. Das heutige Barockportal am Makartplatz mit seiner schmiedeeisernen Oberlichte kam ebenfalls 1912 an seinen heutigen Standort. Bis 2011 war hier das Makart-Postamt untergebracht; heute befindet sich hier das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland und daneben eine Niederlassung des Bankhauses Spängler. Der Umbau wurde von dem Architekten Fritz Genböck geleitet.

Altes Borromäum – Paris Lodronscher Primogeniturpalast
Paris-Lodronscher Primogeniturpalast

(Dreifaltigkeitsgasse 15-19, Mirabellplatz 1)

Der Lodronsche Primogeniturpalast wurde 1631 unter Fürsterzbischof Paris von Lodron von Dombaumeister Santino Solari als repräsentativer Sitz der erstgeborenen Grafen von Lodron erbaut. Im dortigen Palatium Lodronicum erklangen vermutlich erstmals Wolfgang Amadeus Mozarts Werke KV 242, 247 und 289.

Beim großen Stadtbrand des Jahres 1818 brannte dieses Haus aus, wurde aber weitgehend wieder instand gesetzt. An das Haupthaus angebaut, entstand 1846 bis 1848 hier (anstelle eines niedrigen Hoftraktteiles) die Borromäuskirche. 1849 wurde im Haupthaus das nach der neu erbauten Kirche benannte Collegium Borromäum gegründet, das 1912 übersiedelte. Danach diente das Haus vorübergehend als Wohnhaus. Im alten Turnsaal des Alten Borromäums war zudem ab 1913 das neu gegründete Salzburger Marionettentheater untergebracht. 1894 wurde der bei diesem Haus befindliche Stadttorbogen über die Dreifaltigkeitsgasse („Mitterbachbogen“) als Verkehrshindernis abgerissen.

In den Jahren nach 1960 war schließlich die Unterbringung der Hochschule Mozarteum im Gespräch, wobei zuerst ein größerer Teil des Mirabellgartens mit verbaut werden sollte. Die Umsetzung der Pläne stieß bei Denkmalschützern auf heftigen Widerstand. Als 1974 bekannt wurde, dass im Zuge des Umbaues zur Musikhochschule nur die Fassade zur Dreifaltigkeitsgasse erhalten bleiben sollte, konnte eine Bürgerinitiative nur noch die geringfügige Reduktion der Baumasse erreichen. Der alte geschlossene Innenhof des Palastes ging vollständig verloren. 1979 wurde das neue Gebäude eingeweiht, aber schon 1998 wegen Baumängel gesperrt und nach einem vollständigen Umbau 2006 neu eröffnet. Erhalten sind an der Fassade zur Dreifaltigkeitsgasse vor allem die beiden Renaissanceportale mit den Lodronschen Wappen, eines davon mit aufgesetztem Marmorbalkon.

Die Bronzeskulptur „Caldera“[Bearbeiten]

Tony Cragg: Caldera (2008)

Im Jahr 2008 wurde in der Mitte des Makartplatzes eine Skulptur des englischen Künstlers Tony Cragg aufgestellt. Die aus patinierter Bronze bestehende Plastik soll, als Objekt einer „zweckfreien“ Kunst, einen Kontrapunkt darstellen zu dem vom praktischen Nutzen geprägten, weil verkehrsreichen Platz. Der aus der Geologie stammende Begriff Caldera – einen Kraterkessel bezeichnend – verweist nicht nur auf die kesselartige Lage Salzburgs und auf die zentrale Stelle der Skulptur auf dem Platz, sondern besonders auch auf die Landschaft der begehbaren Skulptur: Sie zeigt je nach Standpunkt des Betrachters verschiedene „Landschaften“ in Form von menschlichen Profilen.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Makartplatz, Salzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Fotos vom Makartplatz auf www.heritagealive.eu, Bild 2 und 4–9 (Diashow mit historischen Aufnahmen von Salzburg)
  • Video (in Deutsch) über die Geschichte des Makartplatzes auf www.heritagealive.eu (Das Video wird auf der Abbildung des Fernsehgerätes – entgegen anders lautender Betitelung – auf Kanal 4 gewählt.)

Nachweise[Bearbeiten]

  • Bernd Euler, Ronald Gobiet, Horst Huber: Dehio Salzburg - Stadt und Land. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1986, ISBN 3-7031-0599-2
  • F. V. Zillner: Geschichte der Stadt Salzburg, Sonderbände der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1885
  1. Ulrike Kammerhofer-Aggermann; Alfred Höck: Alltag im Nationalsozialismus. Individuelle Wirklichkeiten. In Peter F. Kammel; Christoph Kühberger (Hrsg.), Inszenierung der Macht. Alltag – Kultur – Propaganda. Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg, Salzburg 2011, ISBN 978-3-900213-15-2. S. 108–185.
  2. Vgl. dazu die Ausführungen auf der Informationstafel neben der Skulptur.

47.80333333333313.044444444444Koordinaten: 47° 48′ 12″ N, 13° 2′ 40″ O