Übermäßiger Quintsextakkord

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Der übermäßige Quintsextakkord (auch deutscher Sextakkord oder German Sixth) ist ein in der konventionellen Harmonielehre üblicherweise doppeldominantisch eingesetzter Akkord, der aus einem Dur-Dreiklang mit übermäßiger Sexte als Außenintervall (bei enger Lage) besteht. Dominantische Verwendungen kommen aber ebenso vor, wennauch vor der Spätromantik deutlich seltener, weswegen die doppeldominantische Anwendung auch weitaus bekannter ist.

Der Akkord entspricht im Aussehen auf der Tastatur sowie im Klang dem Dominantseptakkord, im Gegensatz zu diesem wird er aber anders notiert und auch anders aufgelöst. In der Jazzharmonik wird er auch als Tritonussubstitution gedeutet. Dem übermäßigen Quintsextakkord in Klang und Funktionsweise ähnlich sind auch der übermäßige Sextakkord (Italian Sixth) sowie der übermäßige Terzquartakkord (French Sixth).

Beispiel 1: Dominantseptakkord mit Auflösung:

Uebermaessigerquintsextakkord1.jpg
  1. Dominantseptakkord auf C-Dur
  2. Tonika F-Dur

Beispiel 2: übermäßiger Quintsextakkord mit Auflösung:

Uebermaessigerquintsextakkord2.jpg
  1. Doppeldominante Fis-Dur
  2. Dominant-Quartsextvorhalt
  3. Dominante H-Dur
  4. Tonika E-Dur

Während der Dominantseptakkord eine dominantische Funktion hat, wird der übermäßige Quintsextakkord in der Regel als Signal für eine Kadenz verwendet und doppeldominantisch oder subdominantisch interpretiert. Bei der Auflösung können Quintparallelen auftreten, die aber in der Regel über Vorhaltsbildungen oder durch Auslassung der Quinte vermieden werden. Offene Quintparallelen in der Wendung übermäßiger Quintsextakkord / Dominante werden auch als Mozartquinten bezeichnet. Eine plagale Auflösung des übermäßigen Quintsextakkordes (im Sinne einer Sixte ajoutée z.B. bei Johannes Brahms) ist möglich.

Bei den obigen Notenbeispielen ist gut zu erkennen, dass die Septime des Dominantseptakkords nach unten, die übermäßige Sexte des übermäßigen Quintsextakkords dagegen nach oben aufgelöst wird.

In der Funktionstheorie wird der übermäßige Quintsextakkord als Umkehrung eines Dominantseptnonakkords mit verminderter Quinte, kleiner None und ohne Grundton interpretiert. Im obigen Beispiel wäre die Grundstellung des Akkordes:

Uebermaessigerquintsextakkord3.jpg
g – kleine None
e – kleine Septime
c – verminderte Quinte
ais – große Terz
(fis) – gedachter/fehlender Grundton

Damit wird auch klar, dass sich der Beispielakkord tonal nicht auf das naheliegende C-Dur, sondern auf Fis-Dur bezieht.

Ab der späteren Musikgeschichte tritt der Quintsextakkord sowie seine zwei verwandten Akkorde teilweise auch einfach-dominantisch auf; hier vor allem bei Richard Strauss, sowie im Jazz als Tritonussubstitution.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mark Ellis: A Chord in Time: The Evolution of the Augmented Sixth from Monteverdi to Mahler. Farnham, Ashgate 2010, ISBN 978-0-7546-6385-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]