Mr. und Mrs. Andrews

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Mr und Mrs Andrews (Thomas Gainsborough)
Mr und Mrs Andrews
Thomas Gainsborough, 1749/50
Öl auf Leinwand
69,8 × 119,4 cm
National Gallery (London)

Mr. und Mrs. Andrews ist der Titel eines Ölgemäldes des englischen Malers Thomas Gainsborough. Gainsborough war wenig älter als 20 Jahre, als er das Doppelporträt des jung verheirateten Ehepaares malte. In dem Bild sind zwei Genres der Malerei, Porträt- und Landschaftsmalerei, vereinigt. Beide gehören zu den Spezialgebieten des Malers.

Robert Andrews und sein Landsitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1748 hatte der 22-jährige Landedelmann Robert Andrews die 17 Jahre alte Francis Mary Carter geheiratet. Andrews ließ sich und seine junge Frau in freier Natur auf seinem Landsitz, der Farm Auberies bei Sudbury in der Grafschaft Suffolk, porträtieren. Auf dem Bild nimmt das junge Paar ebenso viel Raum ein wie die Darstellung der kultivierten Landschaft, die sich weit vor dem Blick des Betrachters erstreckt.

Die englischen Landadeligen des 18. Jahrhunderts hatten mit Begeisterung die in Holland entwickelten neuen Methoden der Landwirtschaft übernommen. Die neuen Anbaumethoden führten zu Steigerungen der Erträge, mit der die Nachfrage nach Nahrungsmittel durch die schnell wachsende Bevölkerung befriedigt werden konnte. Der Anbau neuer Futtermittel, z. B. Klee, führte gleichzeitig zur Zunahme des Wildbestandes, wodurch auch die Jagd, die liebste Beschäftigung des Adels, unterhaltsamer und erfolgreicher wurde. Die Beschäftigung mit der Bewirtschaftung seiner Güter, unterstützt durch das Studium einer wachsenden Zahl von Fachbüchern, wurde geradezu eine modische, wenn auch gelegentlich eher spielerische als ernsthafte Beschäftigung des Gutsherren.

In dem Bild – im Zuge seiner Hochzeit entstanden – spiegelt sich der Stolz Andrews auf den blühenden Familienbesitz und versteckt auch die Hoffnung auf einen ebenso blühenden Fortbestand seiner Familie.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Paar befindet sich auf der linken Hälfte des Bildes vor einem mächtigen Eichbaum. Die junge Frau, gekleidet in ein hellblaues Seidenkleid, sitzt auf einer verschnörkelten Rokokobank, die fast vollständig von ihrem weiten Rock verdeckt wird. Neben ihr lehnt in legerer Haltung – in der Tradition männlicher Porträts mit überkreuzten Beinen – der Ehemann. Mit der rechten Hand in der Hosentasche, hat er die Jagdflinte lässig unter den Arm geklemmt, während der den linken Ellbogen auf die Lehne der Bank gestützt ist. Bekleidet ist er mit einem hellen Jagdrock, schwarzen Kniehosen, weißen Strümpfen, Schnallenschuhen und einem Dreispitz, aus dem zwei Locken zierlich hervorschauen. Der gescheckte Jagdhund an seiner Seite schaut ergeben zu seinen Herrn auf. Ein aus den Wolken hervorbrechender Sonnenstrahl fällt auf das Paar und bringt den Seidenstoff der Kleidung zum Glänzen. Eine wichtige Stelle des Bildes blieb unvollendet: Was Mrs. Andrews in ihrem Schoß in den Händen halten sollte, bleibt der Phantasie der Interpreten überlassen, auf Gainsboroughs Bild ist nur ein heller Fleck Malgrundierung zu erkennen.
Die Landschaft, die sich neben dem Paar erstreckt ist eine typische gepflegte englische Kulturlandschaft mit Kornfeldern, Baumgruppen, mit Hecken umzäunten Wiesen, auf denen Schafe und Pferde grasen und mit langgestreckten Hügeln am Horizont. Auffallend ist die vollständige Abwesenheit von tätigen Menschen, deren Hände Arbeit das Erscheinungsbild dieser idyllischen Landschaft zu verdanken ist.

Eigenartig ist die steife, puppenhafte Haltung des Paares. Von Gainsborough ist bekannt, dass er wie sein Lehrer Francis Hayman die Personen nach der Natur skizzierte, für die Ausführung von Kleidung, Positionen und die Anordnung im Bild jedoch Puppen benutzte. Das Bild wurde also nicht in der Natur gemalt, sondern im Atelier aus unterschiedlichen Studien komponiert. Das führt zu dem auffallenden Kontrast zwischen der Künstlichkeit der Figuren und dem naturalistischen Eindruck der Landschaft. Künstlich komponiert scheint auch die Jahreszeit in dem Bild. Während das Laub der Bäume in frühlingshaftem Grün schimmert ebenso wie der gelblich-grüne Wiesenteppich, sind die Felder schon abgeerntet und das Korn gebündelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Buderath, Henry Makowski: Die Natur dem Menschen untertan. Ökologie im Spiegel der Landschaftsmalerei. München 1986. ISBN 3-423-02895-5
  • John Hayes: The landscape of Thomas Gainsborough. A critical text and cat. rais. London 1982.