Muamer Zukorlić

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Muamer Zukorlić (2010)

Muamer Zukorlić (serbisch-kyrillisch Муамер Зукорлић; * 15. Februar 1970 in Orlje, Tutin, SR Serbien, SFR Jugoslawien) ist der Mufti des Sandschak, der als Großmufti an der Spitze der 2007 gegründeten Islamischen Gemeinschaft in Serbien („Islamska zajednica u Srbiji“) mit Hauptsitz in Novi Pazar stand, der einen von zwei Organisationen der muslimischen Gläubigen in Serbien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Ausbildung absolvierte er an der Gazi-Husrev-Beg-Medrese in Sarajevo. Er graduierte am Scharia-Department der Islamischen Fakultät in Constantine, Algerien. Weitere Studien führten ihn in den Libanon.[1]

Im Jahr 1994 wurde Zukorlić im Alter von nur 23 Jahren als Mufti von Novi Pazar eingesetzt. Hinter der Auswahl werden politische Gründe vermutet. Zukorlić war zu der Zeit ein Mitglied der bosniakisch-nationalistischen Partei der demokratischen Aktion (SDA), genoss allerdings nicht die Unterstützung des Vorsitzenden der SDA im Sandžak, Sulejman Ugljanin, der laut Zukorlić lieber Adem Zilkić als Mufti installiert hätte. Der Konflikt zwischen den beiden Seiten hält bis heute an: Seit 2007 gibt es zwei landesweite Körperschaften der Muslime in Serbien: die Islamska zajednica u Srbiji (IzuS) unter Führung Zukorlićs mit Sitz in Novi Pazar und die Islamska zajednica Srbije (IZS; „Islamische Gemeinschaft Serbiens“) mit Sitz in Belgrad, der Zilkić vorsteht. Ob Zukorlić ordentlich vom zuständigen Meschihat (Rat) zum Mufti gewählt oder schlicht vom damaligen reis-ul-ulema von Sarajevo, Mustafa Cerić, eingesetzt wurde, ist zwischen den beiden Fraktionen umstritten. Angeblich wollte Cerić mit der Einsetzung Zukorlićs, der für eine enge Anbindung an die islamische Gemeinde Bosniens steht, den Einfluss des Muftis von Belgrad, Hamdija Jusufspahić, der für die Unabhängigkeit der serbischen Muslime von jener eintritt, schwächen.[2]

Zukorlić hat an der Gründung der Internationalen Universität in Novi Pazar mitgewirkt und ist ihr Rektor, außerdem der erste Dekan der Islamischen Fakultät. Des Weiteren war er der erste Chefredakteur der islamischen Monatszeitung Glas Islama („Stimme des Islam“), einer der Gründer des Verlagshauses El Kelimeh. Er gehört auch dem Rijaset (Exekutivorgan) der islamischen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina an[1] (den die in der IzuS organisierte islamischen Gemeinschaft im Sandžak, anders als ihr IZS-Zweig, als übergeordnet anerkennt).[3]

2004 setzte sich Zukorlić im Namen seiner Glaubensgemeinschaft vergeblich gegen die Einführung eines Gedenktages für Sava von Serbien an den dortigen staatlichen Schulen ein.[4] 2006 gehörte Zukorlić zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs islamischer Gelehrter an Papst Benedikt XVI. nach dessen Regensburger Rede.[5] Er war einer der 138 Unterzeichner des offenen Briefes Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch (englisch A Common Word Between Us & You), den Persönlichkeiten des Islam an „Führer christlicher Kirchen überall“ (engl. "Leaders of Christian Churches, everywhere …") sandten (13. Oktober 2007).[6]

Zukorlić kandidierte 2012 bei der Präsidentschaftswahl in Serbien. Dies galt als Zeichen für eine stärkere und bessere Vertretung der serbischen Bosniaken. Die Räte (Meschihat) der islamischen Gemeinschaften im Sandžak, in Kroatien und in Slowenien werden der islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina und mithin der Volksgruppe der Bosniaken zugerechnet. Als sich Zukorlić als Präsidentschaftskandidat in Serbien explizit gegen Separationsbestrebungen im Sandžak aussprach, brachte die Boulevardzeitung Blic eine Karikatur, die ihn im Gewand eines serbisch-orthodoxen Priesters zeigte. Der darauffolgende Aufruhr zwang die Zeitung zu einer Entschuldigung. Das politische Engagement Zukorlićs blieb umstritten, auch innerhalb der islamischen Gemeinde.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacek Duda: Islamic community in Serbia – the Sandžak case (Online) (PDF-Datei – orient.uw.edu.pl)
  • Ahmet Alibašić: Serbia, in: Yearbook of the Muslims in Europe, Vol. 4, Brill 2012 (Online (PDF; 476 kB) – bosanskialim.com)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ihh.org.tr (S. 301: Zukorlic, Muamer – Grand Mufti of Islamic Community in Serbia; PDF; 3,1 MB)
  2. Aleksander Zdravkovski: Islam and Politics in the Serbian Sandžak. Institutionalization and Feuds. In Sabrina Ramet: Religion and Politics in Post-Socialist Central and Southeastern Europe. Palgrave Macmillan, Basingstoke (Hampshire)/New York 2014, S. 215.
  3. Ahmet Alibašić: Serbia. In: Yearbook of the Muslims in Europe. Band 4, Brill, Leiden 2012, S. 461.
  4. Sava, Ivan von Rila und Kliment von Ohrid. Heilige in nationalen Diensten Serbiens, Bulgariens und Makedoniens, von Stefan Rohdewald, S. 200 in Die Renaissance der Nationalpatrone: Erinnerungskulturen in Ostmitteleuropa im 20./21. Jahrhundert Stefan Samerski, Krista Zach Böhlau Verlag Köln Weimar, 2007
  5. islam.de Offener Brief an Seine Heiligkeit Papst XVI. (PDF; 224 kB)
  6. acommonword.com: Ein Gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch (Zusammengefasste Kurzform) (PDF; 186 kB)
  7. Yearbook of Muslims in Europe, Band 3, hrsg. von Jørgen S. Nielsen, Samim Akgönül, Ahmet Alibašić, Hugh Goddard and Brigitte Maréchal, BRILL, 28. Oktober 2011