Muhammad al-Mahdī

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Muhammad ibn al-Hasan al-Mahdī (arabisch محمد بن الحسن المهدي, DMG Muḥammad b. al-Ḥasan al-Mahdī), ist nach der Lehre der Zwölfer-Schia der in der Verborgenheit lebende zwölfte Imam, dessen Rückkehr für die Endzeit erwartet wird. Er gilt den Zwölfer-Schiiten als der Mahdi, das heißt der Erlöser, und ist eine typische messianische Gestalt. Das Konzept des erwarteten Imams Muhammad al-Mahdī, der sehr viele andere Beinamen hat, ist ein zentrales Glaubenselement der Zwölfer-Schia. Von vielen Sunniten wird dagegen bezweifelt, dass ein verborgener zwölfter Imam jemals gelebt hat.

Entstehung des zwölfer-schiitischen Mahdī-Glaubens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mahdī-Glaube hat schon sehr früh in der Schia Schia Fuß gefasst. So rief im Jahre 685 in Kufa al-Muchtār ibn Abī ʿUbaid den Aliden Muhammad ibn al-Hanafīya zum Mahdi aus und führte in seinem Namen einen großangelegten Aufstand gegen den mekkanischen Kalifen ʿAbdallāh ibn az-Zubair durch.[1] Später glaubten die kaisanitischen Schiiten, dass Muhammad ibn al-Hanafīya entrückt worden sei und bald wiederkehren werde. Dieses Modell der Entrückung, Abwesenheit und erwarteten Rückkehr des Mahdī wurde später von anderen Zweigen der Schia übernommen und im Laufe der Geschichte immer wieder auf unterschiedliche Personen übertragen.[2]

Als der elfte Imam der Imamiten, Hasan al-ʿAskarī, im Jahre 874 starb, brach unter seinen Anhängern eine Periode der Unsicherheit aus, weil es große Meinungsunterschiede hinsichtlich der Nachfolgefrage gab. Die imamitische Gemeinde spaltete sich in zahlreiche Gruppen auf. Eine dieser Gruppen war der Auffassung, dass Hasan al-ʿAskarī als seinen Nachfolger einen kleinen Sohn hinterlassen hatte, der jedoch zum Schutz vor Feinden entrückt worden war. Diese Auffassung wurde zur offiziellen Lehre der Zwölfer-Schiiten. Die meisten Quellen, auf die sich diese Lehre stützt, geben an, dass dieser Sohn an einem 15. Schaʿbān geboren wurde, allerdings gehen die Angaben über das Geburtsjahr auseinander. Nach einigen war es das Jahr 255 der Hidschra (= 869 n. Chr.), nach anderen 258 (= 872 n.Chr.) bzw. 261 (= 875 n.Chr.).[3]

Verborgenheit und Rückkehr des Imams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Glauben der Imamiten lebt Muhammad ibn Hasan al-Mahdī im Verborgenen weiter. Über vier Generationen hinweg soll er noch vermittels Botschafter mit der Gemeinde Kontakt gehalten haben – diese Zeit nennen die Imamiten die „kleine Abwesenheit“ (al-ġaiba aṣ-ṣuġrā). Im Jahre 941 christlicher Zeitrechnung habe er sich dann gänzlich zurückgezogen. Seitdem dauert die Periode der „großen Abwesenheit“ (al-ġaiba al-kubrā) an.

Ein zentraler Bestandteil der schiitischen Lehre ist auch der Glaube an die Wiederkehr des Verborgenen Imams zusammen mit Isa ibn Maryam (Jesus von Nazaret) als Retter (Mahdi) und Erneuerer der Menschheit, der Mohammeds Werk vollenden soll. Verschiedene Personen haben in der Vergangenheit Anspruch darauf erhoben, der zwölfte Imam bzw. dessen Wiederkunft zu sein. Besonders erwähnenswert ist der Bab.

Vorzeichen für die bevorstehende Rückkehr sind nach dem staatlichen Dokumentationszentrum der Islamischen Revolution: „die Weltarmut, die Verbreitung von Krankheiten wie Aids sowie die Häufung von Naturkatastrophen wie Erdbeben“.[4] Der Mahdi soll einem trocken gefallenen Brunnen in Jamkaran bei Qom in Iran entsteigen und sodann eine mit großem baulichem Aufwand angelegte Allee entlangschreiten, um seine Herrschaft anzutreten. Das erwartete Ereignis zieht viele Touristen und Pilger an; Jamkaran soll als Pilgerstätte mittlerweile bedeutender sein als Mashhad.

Beinamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da seine Anhänger vermeiden wollten, dass seine Existenz bekannt wird, sprachen sie seinen Vornamen Muhammad nicht aus und verwendeten Pseudonyme wie:

  • al-mahdī („der Geleitete“)
  • Abu al-Qāsim
  • ṣāḥib az-zamān („Gebieter der Zeit“)
  • ṣāḥib hāḏā al-ʿamr („Gebieter dieses Befehls“)
  • ṣāḥib ad-dār („Gebieter des Hauses“)
  • ṣāḥib as-saif („Gebieter des Schwerts“)
  • imām az-zamān („Hüter der Zeit“)
  • imām al-ʿaṣr („Hüter der Zeit“)
  • ḥuǧǧat min āl muḥammad („Beweis aus der Familie“)
  • al-qāʾim („der sich Erhebende“)
  • al-ġāʾib („der Verborgene“)

Rolle in der Verfassung der Islamischen Republik Iran[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verfassung der Islamischen Republik Iran von 1979 nennt den zwölften Imam gar als eigentliches Staatsoberhaupt. Der Klerus herrscht nach dieser Auffassung nur in Stellvertretung des zwölften Imams bis zu dessen Wiederkehr aus der Verborgenheit. Diese stellvertretende Herrschaft des Klerus nennt man auf Persisch „Velayat-e Faqih“. Das Konzept geht im Wesentlichen auf Ajatollah Ruhollah Chomeini zurück und bildet die Legitimation der theokratischen Elemente der Verfassung. Anderen Muslimen gilt die starke Verehrung des Mahdi oft als unorthodox.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„In der Islamischen Republik Iran steht während der Abwesenheit des entrückten 12. Imam - möge Gott, daß er baldigst kommt - der Führungsauftrag (Imamat) und die Führungsbefugnis (welayat-e-amr) in den Angelegenheiten der islamischen Gemeinschaft dem gerechten, gottesfürchtigen, über die Erfordernisse der Zeit informierten, tapferen, zur Führung befähigten Rechtsgelehrten zu […]“

Verfassung der Islamischen Republik Iran, 1979

„Wenn dieser Tag [des Friedens] kommt, wird das letzte Versprechen aller Religionen erfüllt werden durch die Erscheinung eines perfekten menschlichen Wesens, das der Erbe aller Propheten und frommen Männer ist. […] Oh allmächtiger Gott, ich bete zu dir, das Hervortreten deines letzten Triumphes zu beschleunigen, [durch das Hervortreten] des Vorhergesagten, des perfekten und reinen menschlichen Wesens, das diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden erfüllen wird.“

Mahmud Ahmadinedschad[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

J.G.J. ter Haar: "Muḥammad al-Ḳāʾim" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VII, S. 443.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Madelung: Art. „Mahdī“ in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. V, S. 1231a.
  2. Vgl. Heinz Halm: Die Schia. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1988. S. 25.
  3. Vgl. Haar: "Muḥammad al-Ḳāʾim" in EI² Bd. VII, S. 443a.
  4. welt.de vom 26. Mai 2010
  5. Ein Licht hat mich bis zum Ende der Ansprache umhüllt - Der gemeingefährliche Messias-Komplex des Mahmoud Ahmadinedschad

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]