Muhr (Salzburg)

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Dieser Artikel erläutert die Gemeinde, den Ort ebenda siehe Muhr (Gemeinde Muhr, Salzburg), den bei Mitterberg siehe Muhr (Gemeinde Ramingstein).
Muhr
Wappen Österreichkarte
Wappen von Muhr
Muhr (Salzburg) (Österreich)
Muhr (Salzburg)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Tamsweg
Kfz-Kennzeichen: TA
Hauptort: Vordermuhr
Fläche: 116,07 km²
Koordinaten: 47° 6′ N, 13° 30′ OKoordinaten: 47° 5′ 52″ N, 13° 29′ 54″ O
Höhe: 1107 m ü. A.
Einwohner: 513 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 4,4 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5583
Vorwahl: 06479
Gemeindekennziffer: 5 05 05
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Vordermuhr 5
5583 Muhr
Website: www.muhr.gv.at
Politik
Bürgermeister: Ernst Josef Kandler (SPÖ)
Gemeinderat: (2014)
(9 Mitglieder)

 SPÖ  4,  ÖVP  4,  FPÖ  1

Lage der Gemeinde Muhr im Bezirk Tamsweg
Göriach Lessach Mariapfarr Mauterndorf Muhr Ramingstein Sankt Andrä im Lungau Sankt Margarethen im Lungau Sankt Michael im Lungau Tamsweg Thomatal Tweng Unternberg Weißpriach Zederhaus SalzburgLage der Gemeinde Muhr (Salzburg) im Bezirk Hallein (anklickbare Karte)
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Das Muhrtal, taleinwärts
Das Muhrtal, taleinwärts
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Muhr ist eine der 15 Gemeinden im Bezirk Tamsweg (Lungau), Land Salzburg in Österreich und hat 513 Einwohner (Stand 1. Jänner 2017). Im Gemeindegebiet entspringt der gleichnamige Fluss Mur.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Muhrtal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst das oberste Murtal. Unter „Oberstes Murtal“ kann man im weiteren Sinne auch den ganzen Lungau verstehen – Oberes Murtal bezeichnet speziell den steirischen Abschnitt bis Bruck an der Mur. Hierorts versteht man unter Murtal aber insbesondere den Abschnitt von St. Michael über Ramingstein bis an die Landesgrenze bei Kendlbruck/Predlitz, der als Talweitung von St. Michael bis Tamsweg den Kernraum des Lungau darstellt, und auch als Teil des Lungauer Beckens gesehen werden kann.[1][2] Um das Tal von Muhr als eines der Nebentäler dieses Kernraumes zu kennzeichnen, hat sich der Begriff Muhrtal – wie die Gemeinde in der alten Schreibung mit «h» – eingebürgert.[3]

Ortsüblich bezeichnet man die Talung, wie im oberdeutschen häufig, schlicht nur als die Muhr.[4]

Daneben findet sich auch der Name Murwinkel.[5] Dieser alte Flurname bezeichnet ursprünglich die Pfarrei.[6] also die Gegend um Hl. Rupert und die Bergbauregion Rotgülden. Er findet sich sowohl für das ganze Muhrtal im Sinne des Gemeindegebiets,[7] auch entsprechend den heutigen Ortschaften Vorder- und Hintermuhr als Vorderer und Hinterer Murwinkel,[8] als auch speziell für das unbesiedelte oberste Tal oberhalb von Rotgülden.[2]

Das Muhrtal misst etwa 20 Kilometer. Es bildet in seinem äußeren Teil noch eine Fortsetzung der Mur-Mürz-Furche, und um Schellgaden noch einen Ausläufer des Lungauer Beckens. Es zieht sich etwas südlich von St. Michael am Fuß des Katschbergs westwärts. Es führt dann über Hemrach und die Vordermuhr bergeinwärts; letztere gliedert sich in Untere und Obere Au. Auf etwa halber Länge ist es durch den Murfall gegliedert, ab diesem Raum spricht man von Hintermuhr.[9] Hier zweigt das Altenbergtal südwestwärts ab. Ab Rotgülden führt es stärker nordwestwärts, und bildet den Murwinkel im engeren Sinne. Hier zweigt südwestwärts das Rotgüldental zum Rotgüldensee ab. Bei Jagdhaus Muritzen folgt ein weiters Nebental, das Muritzental mit dem Karwassersee. Bei der Sticklerhütte knickt dann auch das Tal der Mur südwestwärts. Der allerhinterste Teil heißt dann Schmalzgrube. Hier entspringt am Fuß des Murecks die Mur (Murursprung).

Der Kamm nördlich ist die Weißeckgruppe der Radstädter Tauern, mit dem Weißeck (2711 m ü. A.). Dahinter liegt das Zederhaustal als Nachbartal des Muhrtals. Südlich liegt die Hafnergruppe der Ankogelgruppe, mit dem Kareck (2481 m ü. A.) über dem Katschbergpass dem Großen Hafner (3076 m ü. A.) als Hauptgipfel. Dieser Kamm ist die salzburgisch-kärntnerische Landesgrenze, dahinter befindet sich im Süden das Pöllatal, das oberste Tal der Lieser, und im Westen das oberste Maltatal um den Kölbreinspeicher. Zwischen beiden Bergzügen verbindet der Kamm des Schöderhorns (2475 m ü. A.), in dem das Murtörl zum Pongauer Großarltal leitet. Diese Grat gehört zum Alpenhauptkamm, und das Murtörl trennt die Hohen Tauern, zu denen der Hafner gehört, von den Niederen Tauern, zu denen das Weißeck gerechnet wird.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zederhaus
Hüttschlag (Bez. St. Johann (Pongau)) Nachbargemeinden Sankt Michael im Lungau
Malta (Bez. Spittal, KTN) Rennweg am Katschberg (Bez. Spittal, KTN)

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften und Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015):[10]

Einziger Zählsprengel ist Muhr für das ganze Gemeindegebiet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Besiedlung gibt es bis in die Römerzeit, die im Lungauer Kernraum gut erhalten ist, keine Nachweise.[8]

Ab dem Mittelalter war das Muhrtal eine bedeutende Bergbauregion. Schon im späteren Hochmittelalter, Mitte des 14. Jahrhunderts, sind der Goldbergbau Schellgaden[11] und der Arsenbergbau Rotgülden[12] nachweislich. Sie wurden von den Salzburger Erzbischöfen betrieben. Die Blütezeit des Bergbaus fällt in das 16. Jahrhundert, zu der Zeit waren 150 Abbaustellen namentlich bekannt.[8] 1523 ist auch die Rupertkirche in Muhr (ecclesia s. Ruperti in valle mur) nachweislich.[13] 1670 wurde ein Vikariat von St. Michael eingerichtet.[14]

1813 wurde das vormalig Michaeler Vikariat zur Pfarre Muhr im Lungau (urspr. Murwinkel)[6] erhoben.[15] Während der Goldabbau in Schellgaden 1818 beendet wurde,[8] war das Bergwerk Rotgülden noch Ende des 19. Jahrhunderts das größte Arsenikwerk der Habsburgermonarchie.[8]

Die Produktion in der Arsenhütte wurde 1994 eingestellt.[12] Die britische Bergbaufirma Noricum Gold hatte Mai 2015 die mehrjährige Goldsuche um das ehemalige Goldbergwerk Rotgülden aus Kostengründen wieder eingestellt. Mehrere Probebohrungen waren bis in 150 m Tiefe vorgetrieben worden.[16]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Sankt Michael im Lungau. Bis Ende Jänner 1962 war sie Teil des Gerichtsbezirks Tamsweg.

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4
4
1
Von 9 Sitzen entfallen auf:

Die Gemeindevertretung von Muhr hat 9 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeindevertretungswahl 2014 wie folgt zusammen:

Direkt gewählter Bürgermeister ist Ernst Josef Kandler (SPÖ).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen at muhr.png

Blasonierung: Ein Schild, schräg geteilt von einem doppelten Wellenband in Blau, darüber im linken Feld in Silber ein Mann mit rot-silber verwechselten Kleidern, rechts ein Schwert, links einen goldenen Ring mit Rubin haltend, darunter im rechten Feld in Gold ein Blahhaus in Schwarz.

Der Mann ist der örtliche Samson. Blahhaus meint eine kleine Hochofenanlage, und bezieht sich insbesondere auf den Arsenbergbau Rotgülden.

Regionalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde kooperiert mit den anderen Lungaugemeinden und den angrenzenden Kärntner Gemeinden im UNESCO-Biosphärenpark Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge. Außerdem gehört sie – als einzige Lungauer Gemeinde – zu den Nationalparkgemeinden Hohe Tauern

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet von Muhr befinden sich die Kraftwerke Murfall, Rotgülden und Hintermuhr der Kraftwerksgruppe Lungau der Salzburg AG, dem Infrastrukturunternehmen der Stadt Salzburg für Energie, Verkehr und Telekommunikation.

In Muhr beginnt der über 300 km durch Österreich führende Murradweg. Bis hinauf zur Sticklerhütte führt ein grober, zuletzt sehr steiler Fahrweg aus Schotter. Ganz hinauf zum Murursprung im Kar verläuft ein eher flacher Wanderpfad. Schattseitig, in der Hafnergruppe, liegt die Rotgüldenseehütte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Muhr (Salzburg)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Muhr, Salzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Den Mitterberg als Inselberg im Beckenraum betrachtet.
  2. a b (F.C. Weidmann, Hrsg.:) Touristen-Handbuch auf Ausflügen und Wanderungen in Salzburg. Band 1 (Erster Haupttheil Allgemeine Uebersicht. Stadt Salzburg, Umgebung der Stadt, Pongau und Lungau.), Verlag Carl Gerold, Wien 1845, Abschnitt Die Thauerntäler des Pongau’s und Lungau’s, 7. Murwinkel und Murthal (Lungau), S. 290–303 (Google eBook, vollständige Ansicht):
    „Von der Wandung [d.i.: Wendung] am Roßkogl bis zum Blasnerlehen [bei Rotgülden] trägt das Thal den Namen des Murwinkels. […] Der Bach […] strömt an dem Orte Mur vorüber, an St. Michael und Tamsweg,[…] und bildet so das Hauptthal des Lungaues, welches vom Blasnerlehen, wo das Murwinkel den Namen Murthal annimmt, …“ (Zitat S. 292).
  3. so etwa: Peter Holl: Niedere Tauern. Reihe Alpenvereinsführer: Zentralalpen, Bergverlag Rother, 2005, ISBN 9783763312672, Zur Geographie der Niederen Tauern, S. 18 und Täler und Talorte: Murtal, S. 396 f und Muhrtal, S. 397 f.
  4. So etwa: Christian Steinwender, Lukas Plan: Kontaktkarst im Bereich Murursprung-Rosskar (Lungau, Salzburg). In: Die Höhle 62 (2011), S. 15–26 (pdf, zobodat.at); „die Muhr (das Tal, in dem die Quelle der Mur liegt) …“ (Zitat S. 16 unten).
  5. Eintrag zu Murwinkel im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon): „oberstes Stück des Murtals“.
  6. a b So etwa: Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Fünfter Theil: Der Salzburgkreis. Joh. Christ. Quandt, Linz 1839, Kapitel 17) Pfleggericht St. Michael, S. 480  (Google eBook – Faks. Druckhaus Nonntal, Salzburg 1983). 2. Auflage 1843 (Google Book)
    desgleichen Touristen-Handbuch 1845, S. 294: „Mur (eigentlich Murwinkel) ist eine Pfarre …“
  7. So etwa: Adolph Schaubach: Die deutschen Alpen. Band 1, Verlag F. Frommann, 1845, Kapitel I) Die Centralalpen, 4. Die Muhrtaler Alpen, 1) Die Lungauer Alpen, insb. S. 100 (Kap. I.4 ab S. 98; Google eBook, vollständige Ansicht):
    „Der Mittelpunkt des Landes fällt in die Gegend von St. Michael und Tamsweg und dahin laufen die innern Rücken zusammen, und ebenso die zwischen ihnen liegenden Thäler: Murwinkel, Zederhaus, Tweng, Weißbriach, Lignitz, Göriach, Lessach und Leisnitz.“ Der Autor spricht in Folge von „Schellgaden im Murwinkel“.
  8. a b c d e Historisches, auf vs-muhr.salzburg.at (abgerufen 14. November 2016).
  9. Die Ortslage Unterm Fall gehört aber schon zu Hintermuhr.
  10. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  11. Die Bergbaugeschichte Schellgadens. In: taurachsoft.at: Lungauer Bergbau-Geschichte
  12. a b Der Arsenikabbau im Rotgülden. In: taurachsoft.at: Lungauer Bergbau-Geschichte
  13. Pfarrgemeinde, auf vs-muhr.salzburg.at (abgerufen 14. November 2016).
  14. Joseph Ernst von Koch-Sternfeld (Hrsg.): Salzburg und Berchtesgaden in historisch-statistisch-geographisch- und staats-ökonomischen Beyträgen.Verlag Mayr, 1810, S. 294 und 323 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  15. Pfarre Muhr im Lungau. Erzdiözese Salzburg: kirchen.net → Wen finde ich wo? (abgerufen 14. November 2016).
  16. Goldsuche im Lungau eingestellt. ORF.at, 11. Mai 2015 (abgerufen 11. Mai 2015).