Mulsum (Wurster Nordseeküste)

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Wappen von Mulsum
Koordinaten: 53° 40′ 8″ N, 8° 32′ 43″ O
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 8,43 km²[1]
Einwohner: 543 (2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2015
Postleitzahl: 27639
Vorwahl: 04742
Mulsum (Niedersachsen)
Mulsum

Lage von Mulsum in Niedersachsen

Mulsum in der Gemeinde Wurster Nordseeküste
Mulsum in der Gemeinde Wurster Nordseeküste

Mulsum (niederdeutsch Mulsen) ist eine Ortschaft in der Gemeinde Wurster Nordseeküste im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mulsum befindet sich im Land Wursten zwischen den beiden Städten Cuxhaven und Bremerhaven.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lewing
  • Mulsum (Hauptort)
  • Wierde

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Padingbüttel Dorum
Misselwarden Nachbargemeinden Holßel
(Stadt Geestland)

Sievern
(Stadt Geestland)
Wremen

(Quelle:[2])

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In frühgeschichtlicher Zeit existierte nahe Mulsum die Feddersen Wierde, ein Wurtendorf in der Seemarsch. Die ursprünglich auf einer Insel gelegene sächsische Siedlung war vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert bewohnt. Die Wurten der einzelnen Höfe wuchsen im Laufe der Zeit zu einer vier Hektar großen und vier Meter hohen Dorfwurt zusammen. Diese wurde von 1954 bis 1963 in einer großangelegten archäologische Grabung durch das „Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung“ in Wilhelmshaven (das heutige Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung) komplett freigelegt.

1524 fand auf dem Mulsumer Kirchhof der St.-Marien-Kirche eine Schlacht von Wurster Kriegsknechten und Truppen des Bremer Erzbischofs statt, die mit einer verheerenden Niederlage der Wurster endete und zur nachfolgenden Plünderung des gesamten Landes Wursten führte.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, schlossen sich die Ortschaften Mulsum, Cappel, Midlum, Padingbüttel, Dorum, Misselwarden und Wremen zur Samtgemeinde Land Wursten zusammen.[3]

Zum 1. Januar 2015 bildeten die Samtgemeinde Land Wursten und die Gemeinde Nordholz die neue Gemeinde Wurster Nordseeküste.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1910 412 [5]
1925 416 [6]
1933 357 [6]
1939 352 [6]
1950 625 [7]
1956 501 [7]
1973 448 [8]
1975 0426 ¹ [9]
1980 0410 ¹ [10]
Jahr Einwohner Quelle
1985 410 ¹ [10]
1990 418 ¹ [10]
1995 441 ¹ [10]
2000 459 ¹ [10]
2005 509 ¹ [10]
2010 501 ¹ [10]
2014 543 ¹ [10]
2017 5430 [1]
0 0 0

¹ jeweils zum 31. Dezember

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf kommunaler Ebene wird Mulsum vom Rat der Gemeinde Wurster Nordseeküste vertreten.

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsvorsteher von Mulsum ist Udo Skeraitis (SPD). Sein Stellvertreter ist Bernd Icken.[11] Die Amtszeit läuft von 2016 bis 2021.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Kommunalwappens von Mulsum stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der im Landkreis Cuxhaven an die 80 Wappen entworfen hat.[12]

Wappen von Mulsum
Blasonierung: „In Rot eine silberne Kirche mit drei goldenen Glocken in den Schallfenstern (1 : 2), goldenem Tor und goldenem Wetterhahn, begleitet rechts von einer aufrechten silbernen Barte mit goldenem Stiel, links oben von der Jahreszahl 1524.“[12]
Wappenbegründung: Das Wappen erinnert an die Schlacht zwischen den Kriegsknechten des Erzbischofs von Bremen und den auf dem Mulsumer Kirchhof verschanzten Wurstern im Jahre 1524.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Marien-Kirche, romano-gotisch in Granitquadern und Tuffstein, spätgotisch in Backstein

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St.-Marien-Kirche: Schiff und Chor der Kirche in Mulsum wurden kurz nach 1250 errichtet, die Wände aus Granitquadern, die frühgotischen Spitzbögen aus Tuffstein. Die Kirche wurde Maria, der Mutter Jesu, geweiht. Um 1500 wurde das Schiff in Backstein nach Westen verlängert, auf der Südseite mit einem großen Rundbogenfenster mit gotisch gestufter Laibung, und gleichzeitig der Westturm aus Backstein errichtet. Besonders zu erwähnen ist der gotische Marien-Flügel-Altar von etwa 1430 sowie die Madonna auf der Mondsichel aus der Zeit um 1500. Der Friedhof, der die Kirche umgibt, war einst Schlachtfeld; im Jahre 1524 unterlagen hier die Wurster dem Eroberungsheer des Bremer Erzbischofs Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Vereine und Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jagdgenossenschaft Mulsum
  • Schützenverein Mulsum
  • Singgemeinschaft Muslum
  • TSV Mulsum

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr

Durch die Ortschaft führt die Bahnstrecke Bremerhaven–Cuxhaven, der Haltepunkt wird seit 1991 jedoch nicht mehr bedient.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Fluch der bösen Tat[13]
  • Die Hellseherin von Barlingshausen
  • Ein unheimliches Haus
  • Einer Mutter Liebe[14][15]
  • Wollf von der Wollfsburg[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willy Klenck: Das Dorfbuch von Mulsum im Lande Wursten, Kreis Wesermünde in Niedersachsen. Verlag der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Genealogischer Verbände, Frankfurt a. M. 1959.
  • Werner Haarnagel: Die Grabung Feddersen Wierde: Methode, Hausbau, Siedlungs- und Wirtschaftsformen sowie Sozialstruktur. Band 2. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1979.
  • Fritz Hörmann, Ude Meyer, Christian Morisse, Eberhard Nehring, Irmgard Seghorn, Egon Stuve, Else Syassen: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X, S. 15 ([Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) ] [PDF; 431 kB; abgerufen am 23. Oktober 2019]).
  • Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8.
  • Matthias Dichter: Vertrautes Läuten seit 500 Jahren. 1520 wurde die Annenglocke von St. Marien in Mulsum gegossen. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 847. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Juli 2020, S. 1–2 (Digitalisat [PDF; 4,1 MB; abgerufen am 31. Juli 2020]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mulsum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8, S. 224.
  2. Übersichtskarte Landkreis Cuxhaven. In: cuxland-gis.landkreis-cuxhaven.de. November 2016, abgerufen am 25. März 2020.
  3. Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8, S. 35.
  4. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Wurster Nordseeküste, Landkreis Cuxhaven. In: Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 26/2012. Hannover 8. November 2012, S. 428, S. 2 (Digitalisat (Memento vom 10. Juli 2018 im Internet Archive) [PDF; 454 kB; abgerufen am 10. Mai 2019]).
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Lehe. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 5. Januar 2020, abgerufen am 25. März 2020.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (Siehe unter: Nr. 63). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 192 (Digitalisat).
  8. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 48, Landkreis Wesermünde (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 3. Juni 2020]).
  9. Gemeinden in Deutschland nach Fläche und Bevölkerung. (XLSX; 895 kB) Siehe unter: Niedersachsen, Nr. 1927. In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 1975, abgerufen am 12. Juni 2019.
  10. a b c d e f g h Gemeindeverzeichnis – Archiv – Regionale Gliederung – Jahresausgaben – Niedersachsen. (Alle politisch selbständigen Gemeinden im EXCEL-Format). In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 25. März 2020.
  11. Ortsvorsteher Mulsum. In: Webseite Gemeinde Wurster Nordseeküste. Abgerufen am 10. Mai 2019.
  12. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  13. Die Sagen des Landes Wursten – Der Fluch der bösen Tat auf YouTube, abgerufen am 13. August 2020.
  14. Die Sagen des Landes Wursten – Einer Mutter Liebe auf YouTube, abgerufen am 13. August 2020.
  15. Eberhard Michael Iba, Heide Gräfing-Refinger: Hake Betken siene Duven. Das große Sagenbuch aus dem Land an Elb- und Wesermündung. Hrsg.: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern. Band 16). 3. Auflage. Eigenverlag, Bremerhaven 1999, ISBN 3-931771-16-4.
  16. Die Sagen des Landes Wursten – Wollf von der Wollfsburg auf YouTube, abgerufen am 13. August 2020.