Mulsum (Wurster Nordseeküste)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mulsum
Wappen von Mulsum
Koordinaten: 53° 40′ 0″ N, 8° 33′ 0″ O
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 8,43 km²[1]
Einwohner: 543 (2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2015
Postleitzahl: 27639
Vorwahl: 04742
Mulsum (Niedersachsen)
Mulsum

Lage von Mulsum in Niedersachsen

Mulsum in der Gemeinde Wurster Nordseeküste
Mulsum in der Gemeinde Wurster Nordseeküste

Mulsum (niederdeutsch Mulsen) ist eine Ortschaft der niedersächsischen Gemeinde Wurster Nordseeküste im Land Wursten im Landkreis Cuxhaven. Mulsum liegt zwischen den Ortschaften Dorum und Wremen. Neben dem Hauptort gehören auch die Orte Lewing und Wierde zur Ortschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In frühgeschichtlicher Zeit existierte nahe Mulsum die Feddersen Wierde, ein Wurtendorf in der Seemarsch. Die ursprünglich auf einer Insel gelegene sächsische Siedlung war vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert bewohnt. Die Wurten der einzelnen Höfe wuchsen im Laufe der Zeit zu einer vier Hektar großen und vier Meter hohen Dorfwurt zusammen. Diese wurde von 1954 bis 1963 in einer großangelegten archäologische Grabung durch das „Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung“ in Wilhelmshaven (das heutige Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung) komplett freigelegt.

1524 fand auf dem Mulsumer Kirchhof der St.-Marien-Kirche eine Schlacht von Wurster Kriegsknechten und Truppen des Bremer Erzbischofs statt, die mit einer verheerenden Niederlage der Wurster endete und zur nachfolgenden Plünderung des gesamten Landes Wursten führte.

Am 1. März 1974 schlossen sich die Ortschaften Mulsum, Cappel, Midlum, Padingbüttel, Dorum, Misselwarden und Wremen zur Samtgemeinde Land Wursten zusammen.[2]

Zum 1. Januar 2015 bildeten die Samtgemeinde Land Wursten und die Gemeinde Nordholz die neue Gemeinde Wurster Nordseeküste im Landkreis Cuxhaven.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf kommunaler Ebene wird Mulsum vom Rat der Gemeinde Wurster Nordseeküste vertreten.

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsvorsteher von Mulsum ist Udo Skeraitis (SPD).[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Mulsumer Wappens stammt von dem in Belgien geborenen und später in Otterndorf lebenden Heraldiker und Wappenmaler Professor Albert de Badrihaye, der auch schon die Wappen von Hetthorn, Holte-Spangen, Wanhöden und vielen anderen Ortschaften im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[5]

Wappen von Mulsum (Wurster Nordseeküste)
Blasonierung: „In Rot eine silberne Kirche mit drei goldenen Glocken in den Schallfenstern (1:2), goldenem Tor und goldenem Wetterhahn, begleitet rechts von einer aufrechten silbernen Barte mit goldenem Stiel, links oben von der Jahreszahl 1524.“[5]
Wappenbegründung: Das Wappen erinnert an die Schlacht zwischen den Kriegsknechten des Erzbischofs von Bremen und den auf dem Mulsumer Kirchhof verschanzten Wurstern im Jahre 1524.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marien-Kirche in Mulsum

In der Liste der Baudenkmale in Wurster Nordseeküste, Abschnitt Mulsum, stehen die in der Denkmalliste des Landeskreises Cuxhaven eingetragenen Baudenkmale.

Die aus dem Jahre 1250 stammende Kirche in Mulsum ist ein massiver Felssteinbau. Der Friedhof, der die Kirche umgibt, war einst Schlachtfeld im Wurster Freiheitskampf gegen den Bremer Erzbischof Christoph, der im Jahre 1524 stattfand. Die Kirche wurde Maria, der Mutter Jesu, geweiht. Der Name genoss in der Marsch besondere Verehrung und wurde mit Mare (Meer) in Verbindung gebracht. Besonders zu erwähnen ist der gotische Marien-Flügel-Altar von etwa 1430 sowie die Madonna auf der Mondsichel aus der Zeit um 1500.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Ortschaft führt die Bahnstrecke Bremerhaven–Cuxhaven, der Haltepunkt wird seit 1991 jedoch nicht mehr bedient.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willy Klenck: Das Dorfbuch von Mulsum im Lande Wursten, Kreis Wesermünde in Niedersachsen, Frankfurt a.M. 1959
  • Werner Haarnagel: Die Grabung Feddersen Wierde: Methode, Hausbau, Siedlungs- und Wirtschaftsformen sowie Sozialstruktur. 2. Feddersen Wierde / Hrsg.: Haarnagel, W. Wiesbaden 1979
  • Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolff von der Wolfsburg
  • Die Hellseherin von Barlingshausen
  • Ein unheimliches Haus
  • Einer Mutter Liebe[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8, S. 224.
  2. Friedhelm Bartels, Birgit Deppe, Renate Grützner, Wolfgang Köthe, Wilfried Kuhl: Land Wursten und Nordholz – gestern & heute – Wurster Nordseeküste. Kellner Verlag, Bremen 2017, ISBN 978-3-95651-128-8, S. 35.
  3. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Landkreis Cuxhaven, vom 8. November 2012, Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.) Nr. 26/12, ausgegeben in Hannover am 16. November 2012.
  4. Ortsvorsteher Mulsum. Auf: Internetseite der Gemeinde Wurster Nordseeküste, abgerufen am 6. September 2017.
  5. a b Landkreis Wesermünde: Wappen des Landkreises Wesermünde. Verlag: Grassé Offset, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-980031-80-2.
  6. Männer vom Morgenstern: „Hake Betken siene Duven“ – Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung. ISBN 3-931771-16-4.