Multicore

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Ein Multicore (16-Weg- bzw. 16-Kanal-Multicore) für XLR-Steckverbindungen mit Stagebox (links) und Kabelpeitsche (rechts)

Multicore (deutsch: „Mehrfachkern“) ist ein Fachbegriff aus Tontechnik und Lichttechnik. Der Begriff bezeichnet Spezialkabel, in denen gebündelt mehrere Signalleitungen als Einzelkabel verlaufen, die „Kanäle“ oder „Wege“ genannt werden. Multicores vereinfachen komplexe Verkabelungen durch verbesserte Übersichtlichkeit und tragen darüber hinaus zur Vermeidung von Kabelsalat bei. Die Haupt-Einsatzbereiche von Multicores sind Konzertveranstaltungen und Tonstudios.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Multicores werden sowohl in der mobilen Veranstaltungstechnik (Konzert-Tourneen und ähnliches) als auch für stationäre (fest installierte) Anwendungen eingesetzt. Gebündelte Kabel lassen sich einfacher und schneller verlegen als einzelne Kabel, außerdem wird durch die Bündelung die Stabilität gegenüber mechanischer Belastung (Zug, Druck, Knicken) erhöht. Multicores dienen beispielsweise dazu, die Verkabelung mehrerer externer Effektgeräte zwischen elektrischen Musikinstrumenten und Audioverstärkern zu vereinfachen. Ein anderer Zweck von Multicores ist, mehrere elektrische Audiosignale von einer Konzertbühne zu einem meist im Publikumsraum positionierten Mischpult und zurück zu führen (Front of House). Solche Kabelwege können, etwa bei großen Open-Air-Konzerten, bis zu mehrere hundert Meter lang sein.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Multicores sind meist robust ausgeführt, um der oftmals strapaziösen Behandlung im Bühnenalltag standzuhalten. Meistens sind sie an beiden Enden mit vielpoligen Multipin-Steckverbindern konfektioniert. An diese Steckverbinder wird auf der Bühnenseite eine Stagebox angeschlossen – ein stabiler Metallkasten, aus dem die einzelnen Kanäle über XLR- oder (selten) Klinkenstecker-Verbinder (Buchsen) herausgeführt werden. Oft existieren an der Stagebox Ground-Lift-Schalter für einzelne Kanäle, sowie weitere Multipin-Steckverbinder zum Durchschleifen der Signale. Selten gibt es auch Stageboxen mit eingebauten Übertragern. Das andere Ende des Multicores wird in der Regel mit einer Pultauflösung, auch Kabelpeitsche genannt, in seine einzelnen Kanäle aufgespleißt, die als XLR- oder Klinkensteckverbinder mit dem Mischpult verbunden werden. Eine solche Pultauflösung kann auch verwendet werden, um über einen zweiten Multipin-Steckverbinder an der Stagebox die Signale für einen separaten Monitormix abzugreifen.

Gelegentlich trifft man auf Multicores, bei denen der Kabelstrang fest mit Stagebox, Pultauflösung oder beidem verbunden ist. Diese Ausführung ist in Herstellung und Anschaffung kostengünstiger, da auf teure Multipinsteckverbinder und deren zeitraubende Montage verzichtet wird, sie ist jedoch mit mehreren Nachteilen verbunden:

  • Das Multicore ist schwieriger zu verlegen, da dabei stets die sperrige Pultauflösung oder die Stagebox mit transportiert werden muss,
  • durch eine feste Verbindung werden die am Kabel angebrachten Teile mechanisch stärker beansprucht, was das Risiko von Schäden erhöht,
  • bei Beschädigung einer Komponente sind alle fest verbundenen Komponenten mit betroffen; die defekte Komponente kann am Einsatzort zumeist nicht einzeln repariert oder ausgetauscht werden.

Häufig verwendete Multipinsteckverbinder bei Multicores sind zum Beispiel die rechteckigen Harting- und die runden Socapex-Steckverbinder. Hauptsächlich bei Rundfunkanstalten sind auch noch Messerleisten anzutreffen. Ein genormter Standard für Auswahl und Belegung der Steckverbinder existiert nicht, die Ausführungen sind von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Signalführung und Abschirmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Signalführung in einem Multicore ist wegen der langen Übertragungswege in der Regel symmetrisch ausgelegt. Die signalführenden Leiter in Multicores sind durch metallene Ummantelungen einzeln gegen Störeinflüsse durch elektromagnetische Felder abgeschirmt. Bei hochwertigen Multicores ist die Abschirmung zumeist doppelt ausgeführt; neben dem Gesamtschirm, der den gesamten Kabelbaum umgibt, existieren Einzelschirme für jedes signalführende Adernpaar. Man spricht dabei auch von Multicores mit „Einzelmasse“, da die auf Massepotential des jeweiligen Kanals liegenden Einzelschirme nicht elektrisch verbunden sind. Durch die unabhängigen Massepotentiale ist es möglich, Brummschleifen durch das Setzen von Ground-Lifts an einzelnen Kanälen zu beheben.

Besondere Bautypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einige Sonderformen von Multicores, die sich von der zuvor beschriebenen Ausführung unterscheiden:

  • Als Submulticore (Auch „Subcore“, „Subsnake“, „Bühnenunterverteilung“) bezeichnet man kleinere Multicores mit geringer Länge (meistens nicht mehr als zehn Meter) und nur wenigen (üblicherweise acht bis zehn) Kanälen. Submulticores werden eingesetzt, um mehrere Signale auf größeren Bühnen zur Stagebox zu transportieren, ohne dass viele Einzelleitungen gelegt werden müssen. Bei Submulticores ist es wegen ihrer geringen Größe üblich, dass Kabelpeitsche und Stagebox (hier oft als „Plugbox“ bezeichnet) fest mit dem Kabel verbunden sind. Ein weiterer Verwendungszweck ist der Einsatz auf Bühnen in kleinen Veranstaltungsräumen.
  • Ein Insertmulticore (oft auch als „Insertpeitsche“ bezeichnet) ist ein kurzes Multicore, das mehrere Insertkabel zusammenfasst. Es wird verwendet, um das Mischpult mit signalverarbeitenden Geräten im Siderack zu verbinden.
  • Früher gab es Multicores auch für Steuersignale in der Lichttechnik. Vom Lichtpult zum Dimmer wurden darin analoge Steuersignale, meistens in 0- bis 10-V-Technik, übertragen. Heutzutage wurde diese Methode fast vollständig von der digitalen DMX-Übertragung verdrängt. Stattdessen können analoge Multicores auch dazu verwendet werden, die Kabel mehrerer DMX-Universen auf eines zu reduzieren.
  • Nach wie vor im Einsatz sind Lastmulticores für die Lichttechnik. Hierbei handelt es sich um vielpolige Lastkabel, die als Stromleitungen Dimmer und Leuchten verbinden. Lastmulticores sind in der Regel mit schweren Industriesteckverbindern („Hartings“) konfektioniert und werden auf der Verbraucherseite über Plugboxen in ihre Einzelkanäle aufgelöst. Lastmulticores mit drei, sechs, acht und zwölf Kanälen sind verbreitet. Meist werden Querschnitte von 1,5 oder 2,5 mm² verwendet.
  • Digitale Multicores lösen allmählich die sehr teuren, schweren und fehleranfälligen analogen Multicores in der Tontechnik ab. Obgleich sich noch kein Standard durchsetzen konnte, existieren mittlerweile zahlreiche brauchbare Konzepte, die meistens auf Firewire, Ethernet- oder Glasfaserleitungen („Optocore“) aufbauen. Anders als in der Computertechnik kommen dafür widerstandsfähige Leitungen zum Einsatz, die dem Bühnenalltag mechanisch gewachsen sind. Digitale Multicores bergen wie alle digitalen Komponenten in der Tontechnik Probleme mit Latenzzeiten, die es zu minimieren gilt. Zudem müssen die Signale bereits am Entstehungsort (Bühne) digitalisiert werden. Das frühere Problem, dass die hierfür notwendige Pegelanpassung vor der A/D-Wandlung von einem (zusätzlichen) Techniker auf der Bühne vorgenommen und überwacht werden musste, was vor allem bei kleineren Veranstaltungen nicht praktikabel war, ist heutzutage durch fernsteuerbare Vorverstärker gelöst.
  • Streng genommen lassen sich auch mehrkanalige Lautsprecherleitungen (zum Beispiel Speakon) als Multicore bezeichnen.
  • Im Bereich der Ton-, Licht- und Videotechnik gibt es zahlreiche weitere Spezialkabel, die mehrere Einzelleitungen, beispielsweise Strom- und Datenleitungen, zusammenfassen. Diese Kabel werden oft als Hybridkabel bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kabelbaum – stationäre Lösung zur Bündelung von Kabelsträngen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Beckmann: Handbuch der PA-Technik, Grundlagen-Komponenten-Praxis. 2. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 1990, ISBN 3-921608-66-X
  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage, Carstensen Verlag, München, 2003, ISBN 3-910098-25-8
  • Michael Ebner: Lichttechnik für Bühne und Disco. 1. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 2001, ISBN 3-89576-108-7