Multimedikation

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Unter Multimedikation wird die gleichzeitige Anwendung bzw. Verordnung verschiedener Arzneimittel gegen mehrere Erkrankungen verstanden. Im englischen Sprachraum werden die Begriffe polypharmacy und multi medication verwendet. Es handelt sich um ein sehr häufiges Phänomen, dem aber erst in jüngster Zeit vermehrt Beachtung geschenkt wird. Wenn auch die Multimedikation in höherem Lebensalter,[1][2] bedingt durch die oft vorliegende Ko- bzw. Multimorbidität,[3] besonders oft beobachtet werden kann, liegt eine problematische Multimedikation häufig auch bei psychiatrischen Krankheitsbildern[4] und auch schon bei Kindern und Jugendlichen vor.[5]

Eine vertrauensvolle Kooperation zwischen Patienten und den behandelnden Ärzten ist erforderlich, um mögliche Probleme durch Multimedikation zu vermeiden. Dies gilt insbesondere deshalb, weil in den letzten Jahren die Selbstmedikation, mitbedingt durch stärkere Werbemaßnahmen der pharmazeutischen Hersteller, stetig ansteigt. Eine gründliche Kenntnis pharmakologischer Qualitäten der angewandten Arzneimittel und deren möglicher Interaktionen sind wesentliche Voraussetzungen, um gesundheitliche Schäden durch eine nicht rationale gleichzeitige Anwendung mehrerer Arzneimittel - sowohl bei ambulanten als auch stationären Behandlungen - zu vermeiden. Zur Häufigkeit und zur Art der Multimedikation liegen bereits einige aussagekräftige und bevölkerungsrepräsentative Studien aus dem Arbeitsbereich der Pharmakoepidemiologie vor.[6][7]

Siehe auch: Polypragmasie

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. Kersten, S. Ruths, T. B. Wyller: Pharmacotherapy in nursing homes. In: Tidsskr Nor Laegeforen. 129(17), 10. Sep 2009, S. 1732–1735. PMID 19756052.
  2. K. Johnell, J. Fastbom: Multi-dose drug dispensing and inappropriate drug use: A nationwide register-based study of over 700,000 elderly. In: Scand J Prim Health Care. 26(2), 2008, S. 86–91. PMID 18570006.
  3. H. D. Basler, S. Hesselbart, G. Kaluza, M. Schuler, W. Sohn, Th. Nikolaus: Komorbidität, Multimedikation und Befinden bei älteren Patienten mit chronischen Schmerzen. In: Der Schmerz. Vol. 17, Nr. 4, August 2003, S. 252-260 doi:10.1007/s00482-003-0231-0
  4. B. Zhu, H. Ascher-Svanum, D. E. Faries, C. U. Correll, J. M. Kane: Cost of antipsychotic polypharmacy in the treatment of schizophrenia. In: BMC Psychiatry. 8, 4. Apr 2008, S. 19. PMID 18394168.
  5. Y. Du, H. Knopf: Self-medication among children and adolescents in Germany: results of the National Health Survey for Children and Adolescents (KiGGS). In: Br J Clin Pharmacol. 68(4), Okt 2009, S. 599–608. PMID 19843063.
  6. H. U. Melchert, B. Görsch, H. Hoffmeister: Nichtstationäre Arzneimittelanwendung und subjektive Arzneimittelverträglichkeit in der bundesdeutschen Wohnbevölkerung der 25- bis 69jährigen. (= RKI-Schriften 1/95). Robert Koch-Institut Berlin. MMV Medizin Verlag, München 1995, ISBN 3-8208-1274-1.
  7. H. Knopf, H. U. Melchert: Bundes-Gesundheitssurvey: Arzneimittelgebrauch - Konsumverhalten in Deutschland. (= Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes). Robert Koch-Institut, 2003, ISBN 3-89606-147-X.