Mumpsimpfstoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Mumpsvirus

Ein Mumpsimpfstoff ist ein Impfstoff gegen Infektionen mit dem Mumpsvirus.[1] Der Mumpsimpfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mumpsimpfstoff ist ein attenuierter Mumps-Lebendimpfstoff und wurde erstmals 1969 in den USA zugelassen und ersetzte einen weniger wirksamen inaktivierten Mumpsimpstoff, der 1948 zugelassen wurde.[3] Impfstämme attenuierter Mumpsviren sind z. B. der meistverwendete Impfstamm Jeryl Lynn sowie RIT 4385 (basierend auf Jeryl Lynn), Leningrad-3, L-Zagreb (basierend auf Leningrad-3), Hoshino, Urabe AM9 und Rubini. Der erste attenuierte Mumpsimpfstoff wurde in der Arbeitsgruppe von Maurice Hilleman entwickelt. Jeryl Lynn ist der Vorname von Hillemans Tochter und der Impfstamm wurde aus ihrem Rachen isoliert. Anschließend erfolgte die Attenuierung durch sieben Passagen in embryonierten Hühnereiern und zehn Passagen in CEF-Zellen. Diese Attenuierung wurde aufgrund von gelegentlich auftretender Parotitis als nicht ausreichend bewertet, weshalb durch eine weitere Attenuierung (level B) die Verträglichkeit erhöht wurde. Der Impfstamm Jeryl Lynn stellte sich später als eine Mischung von zwei verschiedenen Mumpsviren heraus,[4] von denen JL 1 an Verozellen und embryonale Hühnerzellen (chicken embryo fibroblast, CEF-Zellen) angepasst ist und JL 2 an embryonierte Hühnereier.[5]

Der Leningrad-3-Impfstamm wurde in den 1950er Jahren von Smrodintsev und Klyachko durch Passagieren in Nierenzellen von Meerschweinchen und in embryonalen Zellen der japanischen Wachtel entwickelt und unter anderem in der UdSSR eingesetzt. Daraus wurde in Kroatien durch Passagieren in CEF-Zellen der Impfstamm L-Zagreb entwickelt, der in Jugoslawien und Indien verwendet wurde.[6] Der Urabe-Impfstamm wurde zuerst in Japan zugelassen[7] und später auch in Belgien, Frankreich und Italien verwendet. Der Rubini-Impfstamm wurde durch über 30 Passagen entwickelt und in der Schweiz verwendet, besitzt jedoch eine geringere Impfwirkung.[8]

Mumpsimpfstoffe sind Bestandteil der Mehrfachimpfstoffe MMR-Impfstoff (Zulassung USA 1971, zusammen mit einem Masernimpfstoff und einem Rötelnimpfstoff)[9] und MMRV-Impfstoff (Zulassung USA 2005, zusätzlich mit einem Varicellaimpfstoff).[10]

Immunologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Impfung entstehen neutralisierende Antikörper, die vor einer erneuten Mumpsinfektion schützen. Mumpsviren (MuV) sind relativ wenig variabel,[11] alle Varianten gehören zum selben Serotyp. Nach einer Impfung besitzen etwa 78 % der Geimpften eine Immunität gegen das Mumpsvirus, nach einer zweiten Impfung etwa 88 %.[12] Die neutralisierenden Antikörper sind gegen die Oberflächenproteine des Mumpsvirus gerichtet,[13] F1 (synonym Hämagglutinin-Neuraminidase, HN) und F2, die zusammen ein Heterodimer namens F-Protein bilden. Die Epitope für neutralisierende Antikörper liegen auf dem F-Protein.[14] Im F-Protein gibt es eine Fluchtmutation an der Position 373, die zu einer zusätzlichen Glykosylierung führt, ebenso kann durch Mutation an Position 323 eine Glykosylierung entfernt werden.[14] Beim Impfstamm Jeryl Lynn JL5 wurden geringe Impfwirkungen auf Abweichungen in der Aminosäuresequenz des F-Proteins zurückgeführt.[15]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Mumpsimpfstoffen umfassen Schmerzen an der Einstichstelle und eintägige grippeähnliche Symptome. In sehr seltenen Fällen kann eine Meningitis auftreten (1:227.000 beim Impfstamm Jeryl Lynn). Der Urabe-Impfstamm besitzt eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Meningitis (1:143.000 gegen 1:227.000 beim Impfstamm Jeryl Lynn).[16]

Gegenanzeigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontraindikationen sind Schwangerschaft und Immunsuppression.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersuchung eines embryonierten Hühnereis vor der Infektion

Die Herstellung von Mumpsimpfstoffen erfolgt in infizierten embryonierten Hühnereiern mit anschließender Virusisolierung. Eine Impfdosis enthält mehr als 103,7 bzw. 5000 TCID50 an Impfviren.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Handelsname für Mumpsimpfstoffe ist z. B. Mumpsvax.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mumps virus vaccines. In: Weekly epidemiological record. Band 82, Nr. 7, 16. Februar 2007, S. 49–60, PMID 17304707 (who.int [PDF]).
  2. WHO Model List of EssentialMedicines. (PDF) In: World Health Organization. Oktober 2013, abgerufen am 22. April 2014.
  3. World Health Organization: The Mumps Vaccine. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Immunization, Vaccines and Biologicals. März 1998, archiviert vom Original am 23. April 2006; abgerufen am 24. Mai 2006.
  4. G. Amexis, P. Oeth, K. Abel, A. Ivshina, F. Pelloquin, C. Cantor, A. Braun, K. Chumakov, A. Brau: Quantitative mutant analysis of viral quasispecies by chip-based matrix-assisted laser desorption/ ionization time-of-flight mass spectrometry. In: Proc Natl Acad Sci USA. Band 98, Nr. 21, 2001, S. 12097–12102, doi:10.1073/pnas.211423298, PMID 11593021, PMC 59774 (freier Volltext).
  5. G. Amexis, S. Rubin, V. Chizhikov, F. Pelloquin, K. Carbone, K. Chumakov: Sequence diversity of Jeryl Lynn strain of mumps virus: quantitative mutant analysis for vaccine quality control. In: Virology. Band 300, Nr. 2, 2002, S. 171–179, doi:10.1006/viro.2002.1499, PMID 12350348.
  6. M. Beck, R. Welsz-Malecek, M. Mesko-Prejac, V. Radman, M. Juzbasic, M. Rajninger-Miholic, M. Prislin-Musklic, V. Dobrovsak-Sourek, S. Smerdel, D. W. Stainer: Mumps vaccine L-Zagreb, prepared in chick fibroblasts. I. Production and field trials in Journal of Biological Standardization, Band 17, Heft 1, 1989, S. 85–90. PMID 2646300.
  7. Y. Okuno, T. Asada, K. Yamanishi, T. Otsuka, M. Takahashi, T. Tanioka, H. Aoyama, O. Fukui, K. Matsumoto, F. Uemura, A. Wada: Studies on the use of mumps virus for treatment of human cancer. In: Biken Journal. Band 21, Heft 2, 1978, S. 37–49. PMID 749908.
  8. G. Ong, K. T. Goh, S. Ma, S. K. Chew: Comparative efficacy of Rubini, Jeryl-Lynn and Urabe mumps vaccine in an Asian population. In: Journal of Infection. Band 51, Heft 4, 2005, S. 294–298, doi:10.1016/j.jinf.2004.10.001. PMID 16291282.
  9. Vaccine Timeline. Abgerufen am 10. Februar 2015.
  10. Deborah Mitchell: The essential guide to children’s vaccines. St. Martin’s Press, New York 2013, ISBN 978-1-4668-2750-9, S. 127 (google.ca).
  11. J. Ivancic-Jelecki, M. Santak, D. Forcic: Variability of hemagglutinin-neuraminidase and nucleocapsid protein of vaccine and wild-type mumps virus strains. In: Infect Genet Evol. Band 8, Heft 5, 2008, S. 603–613. doi:10.1016/j.meegid.2008.04.007. PMID 18508415.
  12. Mumps – Vaccination. In: cdc.gov. 29. Mai 2015, abgerufen am 23. November 2017 (englisch).
  13. U. Kulkarni-Kale, J. Ojha, G. S. Manjari, D. D. Deobagkar, A. D. Mallya, R. M. Dhere, S. V. Kapre: Mapping antigenic diversity and strain specificity of mumps virus: a bioinformatics approach. In: Virology. Band 359, Heft 2, 2007, S. 436–446. PMID 17081582.
  14. a b M. Şantak, C. Örvell, T. K. Gulija: Identification of conformational neutralization sites on the fusion protein of mumps virus. In: Journal of General Virology. 96, 2015, S. 982, doi:10.1099/vir.0.000059. PMID 25614584.
  15. E Jane Homan, Robert D Bremel: Are cases of mumps in vaccinated patients attributable to mismatches in both vaccine T-cell and B-cell epitopes? In: Human Vaccines & Immunotherapeutics. 10, 2014, S. 290, doi:10.4161/hv.27139. PMID 24275080.
  16. G. Amexis, N. Fineschi, K. Chumakov: Correlation of genetic variability with safety of mumps vaccine Urabe AM9 strain. In: Virology. Band 287, Heft 1, 2001, S. 234–41, doi:10.1006/viro.2001.1009. PMID 11504558.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!