Munich Re

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Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
Aktiengesellschaft in München
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0008430026
Gründung 3. April 1880
Sitz München, DeutschlandDeutschland Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 42.410 (2017)[1]
Umsatz 49,1 Mrd. EUR
(Bruttoprämien, 2017)[2]
Branche Rückversicherungen,
Versicherungen,
Vermögensverwaltung
Website www.munichre.com

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München (kurz Münchener Rück bzw. Munich Re) mit Sitz in München ist eine deutsche Rückversicherungsgesellschaft. Zur Gesellschaft gehört die Ergo Group, die das Erstversicherungsgeschäft betreibt.

Die Aktien der Gesellschaft (WKN 843002) sind an allen deutschen Wertpapierbörsen und im elektronischen Xetra-Handel notiert. Es handelt sich um nennwertlose Namensaktien. Die Munich Re ist unter anderem Bestandteil des DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse und des Dow Jones Euro Stoxx 50.

Das Eigenkapital der Gesellschaft beträgt 28,2 Mrd. Euro, der Konzernjahresumsatz (gebuchte Bruttobeiträge) betrug 49,1 Mrd. Euro bei einem Konzernüberschuss von 392 Mio. Euro (alle Zahlen für das Geschäftsjahr 2017). Von den 42.410 Mitarbeitern des Konzerns arbeiten etwa 12.000 in der Rückversicherung. Ein Großteil entfällt auf die Erstversicherungstochter ERGO (ca. 30.000 Mitarbeiter) sowie den Vermögensverwalter MEAG (ca. 1.000 Mitarbeiter).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude mit Schmuckhof in der Königinstraße
Aktie über 200 RM der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft vom Februar 1929

1880 gründete Carl von Thieme, seit 1870 bayerischer Generalagent der Versicherungsgesellschaft Thuringia, bei der sein Vater als Direktor fungierte, mit Hilfe des Industriellen und Finanziers Theodor von Cramer-Klett und dessen Vertrauten, vor allem Wilhelm von Finck (Teilhaber des Bankhauses Merck Finck & Co) und Hermann Pemsel (seit 1872 Generalbevollmächtigter von Cramer-Klett), sowie der Darmstädter Bank für Handel und Industrie die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.[3] 1890 folgte die Gründung der Allianz-Versicherungs-Aktiengesellschaft. Carl von Thieme leitete die Gesellschaft bis 1921, Wilhelm von Finck war bis 1924 Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Berühmt wurde die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft durch das San-Francisco-Erdbeben von 1906, da sie damals die einzige Versicherung war, die nach der Regulierung aller Schäden noch zahlungsfähig war.[4]

Während der Zeit des Nationalsozialismus war das Unternehmen eines von wenigen Konzernen, das keine Zwangsarbeiter einsetzte, sich nicht an jüdischem Kapital bereicherte, sich keine ausländischen Konkurrenten in den besetzten Gebieten einverleibte und somit allgemein nicht von der Kriegswirtschaft profitierte.[5]

In den 1970er Jahren baute Gerhard Berz den Bereich Elementargefahren auf, der später in GeoRisikoForschung umbenannt wurde und den Ruf eines weltweit führenden Instituts auf dem Gebiet der Georisiko-Forschung in der Versicherungswirtschaft erlangte. Die Abteilung wird seit 2005 von Peter Höppe geleitet.

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft ist auch Gesellschafter an der Extremus Versicherung, einem deutschen Spezialversicherer für Großschäden durch Terrorismus.

Konzernüberblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walking Man vor dem Geschäftsgebäude in der Münchner Leopoldstraße

Die Munich-Re-Gruppe betreibt neben Rückversicherung auch das Erstversicherungsgeschäft durch die ERGO-Gruppe und seit 1999 das Asset Management durch die MEAG (MUNICH ERGO AssetManagement GmbH).

Rückversicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Munich Re hat rund 4.000 Kunden (Versicherungen) weltweit. Sie übernimmt Teile des Risikos dieser Versicherungen und berät diese umfassend im Versicherungsgeschäft. Neben ihrem Stammsitz in München unterhält die Munich Re mehr als 50 Außenstellen. Rückversichert werden unter anderem Lebens-, Kranken-, Haftpflicht-, Unfall-, Kraftfahrt-, Transport/Luftfahrt/Raumfahrt-, Feuer- und technische Versicherungen. Im Jahr 2017 lagen die gebuchten Bruttobeiträge für die Sparte Rückversicherung bei ca. 31,6 Mrd. Euro.[6]

Erstversicherung: ERGO Group[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ERGO Group ist der Hauptanbieter von Erstversicherungen der Munich Re und bietet alle Formen der Lebens- und Krankenversicherung sowie die meisten Formen der Schadens- und Unfallversicherungen an. Die ERGO ist außerhalb Deutschlands weltweit in mehr als 30 Ländern vertreten und betreut rund 35 Mio. Kunden. Zur ERGO Group gehören unter anderem die Versicherungs-Tochtergesellschaften D.A.S., DKV und Europäische Reiseversicherung AG.

Mit laufenden Einnahmen aus Versicherungsbeiträgen in Höhe von über 17,5 Milliarden Euro [7] ist die Ergo Group 2017 einer der großen Erstversicherer in Deutschland und Europa.

Asset Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 wurde die MUNICH ERGO AssetManagement GmbH (MEAG) als Vermögensmanager von Munich Re und ERGO gegründet. Die MEAG betreut weltweit Kapitalanlagen in Höhe von 264 Mrd. € und bietet ihre Kompetenz auch privaten und institutionellen Anlegern an.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Streubesitz liegt bei 100 %. Die Zahl der im Aktienregister eingetragenen Aktionäre beträgt 232.000 (Stand März 2018).[8]

Die Aktionärsstruktur setzt sich wie folgt zusammen:

Anteil Anteilseigner (Stand: Mai 2018)
6,84 % BlackRock
4,29 % SEB AG
88,87 % übriger Streubesitz

Die Aktionäre befinden sich hauptsächlich in Deutschland (41,2 %), Nordamerika (25,7 %), Rest Europa (21,4 %), Großbritannien (11,4 %) und anderen Ländern (0,3 %).[9]

Geschäftszahlen für den Konzern (nach IFRS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Kennzahlen Munich Re[10]
Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Gebuchte Bruttobeiträge (Mrd. Euro) 38,2 37,4 37,3 37,8 41,4 45,5 49,6 52,0 51,1 48,8 50,4 48,9 49,1
Operatives Ergebnis (Mio. Euro) 4.156 5.877 5.573 3.834 4.721 3.978 1.180 5.350 4.409 4.027 4.819 4.025 1.241
Ertragsteuern (Mio. Euro) 1.014 1.648 801 1.372 1.264 692 552 −878 −108 312 −476 −760 298
Konzernergebnis (Mio. Euro) 2.751 3.519 3.923 1.579 2.564 2.430 712 3.211 3.342 3.171 3.122 2.581 392
Kapitalanlagen (Mrd. Euro) 177,2 176,9 176,2 174,9 182,2 193,1 201,7 213,8 209,5 218,9 215,1 219,4 217,6
Versicherungstechnische Rückstellungen (Mrd. Euro) 154,0 153,9 152,4 157,2 163,9 171,1 181,2 186,1 187,7 198,4 198,5 202,2 205,8
Eigenkapital (Mrd. Euro) 24,3 26,3 25,3 21,1 22,3 23,0 23,3 27,4 26,2 30,3 31,0 31,8 28,2
Eigenkapitalrendite (%) 12,5 14,1 15,3 7,0 11,8 10,4 3,3 12,6 12,5 11,3 10,0 8,1 1,3
Mitarbeiter am 31. Dezember (Anzahl) 37.953 37.210 38.634 44.209 47.249 46.915 47.206 45.437 44.665 43.316 43.554 43.428 42.410

Generaldirektoren/Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtszeit Name
1880–1922 Carl von Thieme
1922–1938 Wilhelm Kißkalt
1938–1945 Kurt Schmitt
1945–1950 Eberhard Reininghaus
1950–1969 Alois Alzheimer
1969–1993 Horst Jannott
1993–2004 Hans-Jürgen Schinzler
2004–2017 Nikolaus von Bomhard
seit 2017 Joachim Wenning[11]

Munich Re Art Collection[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Munich Re Art Collection[12][13][14] beginnt mit der Firmengründung durch Carl von Thieme, der für die Ausgestaltung des 1912/13 neu errichteten Unternehmenssitzes an der Königinstraße in München Künstler wie Reinhold Max Eichler und Fritz Erler beauftragte.[15][16] Die von Beginn an auf zeitgenössische Kunst ausgerichtete Sammlung wurde im Lauf der Jahrzehnte sukzessive mit Werken bedeutender Künstler erweitert. Dazu gehören u. a. Werke von Rudolf Belling[17], Barbara Hepworth[18], Rupprecht Geiger[19] („Konkav gerundet“, 1973), Norbert Kricke[20] und Joseph Beuys.[21]

Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die Sammlungstätigkeit intensiviert. Seit 1995 steht der Walking Man von Jonathan Borofsky vor einem Geschäftsgebäude von Munich Re an der Leopoldstraße. Er ist mittlerweile zu einem Wahrzeichen Münchens geworden. Im öffentlichen Raum finden sich aus der Munich Re Art Collection auch Skulpturen und Installationen von Künstlern wie Olafur Eliasson[22] („Lichtvorhang“, 2002) und Roxy Paine[23] („Discrepancy“, 2011).

Für das weitverzweigte Netz aus unterirdischen Passagen, welche die Gebäude des Unternehmens in München-Schwabing miteinander verbinden, haben Künstler wie Angela Bulloch[24], Keith Sonnier[25] und James Turrell[26] Lichtinstallationen entworfen.

Die heute über 3000 Werke umfassende Sammlung wird stetig erweitert und in den Münchner Geschäftsgebäuden des Unternehmens präsentiert.[13] Auch Mitarbeiter können sich Kunstwerke aus der Sammlung für ihr Büro ausleihen. Neben international bekannten Künstlern wie Jenny Holzer[27], Olaf Metzel[28], Andy Hope 1930[29], Wolfgang Tillmans[30] und Katharina Gaenssler[31] werden auch Arbeiten von Nachwuchskünstlern für die Sammlung erworben. Im Geschäftsgebäude an der Berliner Straße, das vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton entworfen wurde, finden in regelmäßigen Abständen Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst statt.[32]

Die Sammlung wird seit 1996 von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Ehrenfried geleitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bähr, Christopher Kopper: Munich Re. Die Geschichte der Münchener Rück; 1880-1980. Verlag C.H. Beck, München 2015.[33] ISBN 978-3-406-68361-9
  • Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hg.): Talking Images. Munich Re Art Collection, München 2012.
  • Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten, München 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Munich Re – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.munichre.com/de/ir/annual-report-2017/index.html
  2. https://www.munichre.com/de/ir/annual-report-2017/index.html
  3. Ergänzende Informationen zur Gründungsgeschichte bei Spree, R.: Two Chapters on early history of the Munich Reinsurance Company: The Foundation/ The San Francisco Earthquake. Department of Economics, University of Munich, Munich Discussion Paper No. 2010-11 (online at http://epub.ub.uni-muenchen.de/11336/); Kluge, H.: Gründer und Erben. Die Geschichte der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft 1880-2007. München 2009 (unveröff. MS).
  4. Details bei Spree: Two Chapters.
  5. Aussage der neu veröffentlichten Chronik des Konzerns nach Sichtung der Akten durch unabhängige Historiker in: Münchner Merkur Nr. 247, Dienstag, 27. Oktober 2015, Seite 5
  6. https://www.munichre.com/de/ir/annual-report-2017/key-figures/index.html
  7. Kennzahlen
  8. https://www.munichre.com/de/ir/shares/shareholder-profile/index.html
  9. https://www.munichre.com/de/ir/shares/shareholder-profile/regional-breakdown/index.html
  10. https://www.munichre.com/de/ir/annual-report-2017/key-figures/index.html
  11. Lebenslauf Joachim Wenning. In: Munich Re. Abgerufen am 10. Juli 2017.
  12. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993.
  13. a b Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Talking Images. Munich Re Art Collection. München 2012.
  14. Willkommen | Munich Re - Corporate Art. In: www.munichre.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  15. Enno Burmeister: Königinstraße 107. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 20–67.
  16. Heidi C. Ebertshäuser, Beate Menke: Rudolf Belling und Fritz Erler: Beispiele künstlerischer Strömungen in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 282–299.
  17. Rudolf Belling. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  18. Barbara Hepworth. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  19. Rupprecht Geiger. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  20. Norbert Kricke. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  21. Otto Herbert Hajek: Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum – Kunst in der Münchener Rück. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 192–231.
  22. Olafur Eliasson. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  23. Roxy Paine. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  24. Angela Bulloch. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  25. Keith Sonnier. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  26. James Turrell. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  27. Jenny Holzer. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  28. Olaf Metzel. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  29. Andy Hope 1930. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  30. Wolfgang Tillmans. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  31. Katharina Gaenssler. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  32. Projekte | Munich Re - Corporate Art. In: www.munichre.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  33. Rezension.

Koordinaten: 48° 9′ 22,3″ N, 11° 35′ 18,4″ O