Munot (Schiff, 1936)

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Munot
Die Munot 1980 bei Stein am Rhein
Schiffsdaten
Schiffstyp Passagierschiff
Eigner SRF Shipbuilding, Harlingen
Bauwerft Bodanwerft, Kressbronn
Baunummer 304
Taufe 20. Juni 1936
Indienststellung 16. Mai 1936
Verbleib in Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
34 m (Lüa)
Breite 6 m
Tiefgang max. 1,12 m
Maschinenanlage
Maschine Sulzer-Sechszylinder-Dieselmotor
Maschinen-
leistung
275 PS
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 250

Die Munot (ENI 02208286) ist ein Passagierschiff, das ursprünglich für die Schweizerische Dampfbootgesellschaft Untersee und Rhein, heute Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gebaut wurde.[1] Sie war das Schwesterschiff der Arenenberg; Schiffe gleicher Bauart sind die Mouette und die Cygne, die ab 1939 auf dem Neuenburgersee und dem Murtensee verkehrten.[2] Ihr Nachfolger wurde das gleichnamige Schiff Munot aus dem Jahr 1998.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Munot wurde 1935 mit der Baunummer 304 auf der Motoren- und Schiffbau GmbH Bodanwerft in Kressbronn am Bodensee gebaut und am 20. Juni 1936 getauft. Sie gehörte zur ersten Generation der Dieselschiffe, die die alten Dampfschiffe der Schweizerischen Dampfbootgesellschaft ablösten, und war 60 Jahre lang für diese Gesellschaft auf dem Rhein im Einsatz. 1996 wurde sie an den Reiseunternehmer Jan Hofstra verkauft, der sie von ihrem neuen Heimathafen Drachten aus für Ausflugsfahrten im Hafen von Rotterdam sowie auf den niederländischen Gewässern bis hinaus zu den Watteninseln verwendete, aber auch längere Flussreisen auf der Munot anbot, bei denen das Gepäck mit historischen Saurer-Bussen in die Hotels transportiert wurde. Nachdem Hofstra sich aus dem Geschäft zurückgezogen und dieses einem seiner Söhne überlassen hatte, wurde die Munot zum Verkauf angeboten. Jan Hofstra starb im Jahr 2015 unerwartet. Im März 2017 ging die Munot in den Besitz der SRF Shipbuilding in Harlingen über.[3]

Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jan Hofstra das Schiff übernahm, hatte er zwar nur einen niedrigen Preis zu bezahlen und erhielt als Ersatzteil für die Munot auch den Motor ihres bereits verschrotteten Schwesterschiffs Arenenberg, bekam aber die Auflage, das Schiff nicht auf dem Rhein zu betreiben, da die Schaffhausener Vorbesitzer dort keine Konkurrenz wollten. Dies verhinderte auch den Betrieb der Munot durch eine Interessengruppe, die sich damals gegründet hatte, um das historische Schiff in der Schweiz zu behalten.

Vom Rumpf der Munot mussten die Seitenbalkone abgeschnitten werden, um den Transport der Munot über Land nach Basel zu ermöglichen, von wo aus sie über Duisburg nach Holland gezogen wurde. Sie wurden in Holland nicht wieder anmontiert. Diese Balkone waren allerdings ohnehin nachträglich angebracht worden, so dass Hofstras Änderung das Schiff seinem Originalzustand wieder näherbrachte. Hofstra, der die Munot nicht umtaufte, nahm auch sonst nach Möglichkeit keine Änderungen an dem Schiff vor: Nach wie vor befindet sich hinter dem Zutritt der Billettschalter. Einige Stufen tiefer bugwärts befindet sich der Salon der Ersten Klasse, der in Rot gehalten ist, wohingegen die Richtung Heck gelegene Zweite Klasse in Grün gehalten wurde. Die Ausstattung der Salons ist im Originalzustand erhalten, ebenso die des Führerstandes und der Dieselmotor, der von der Maschinenfabrik Sulzer stammt.

Allerdings beschädigte ein Kapitän einmal den Bug des Schiffes, woraufhin das in Metall gegossene Stadtwappen, das als Bugzeichen gedient hatte, abmontiert werden musste, und im Jahr 2013 musste der Antriebsstrang des Schiffes ersetzt werden, nachdem die Kupplung verschlissen worden war: Weil das Schiff in Holland nur 8 km/h fahren darf, wurde regelmäßig die Verbindung zwischen Motor und Schraube ausgehängt, um das Tempo herunterzusetzen.

Zukunftspläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Sanierung des Schiffes war nach dem Ende des Betriebs bei Hofstra nötig, falls es nicht verschrottet werden sollte. Ein Rückkauf durch die einstigen Eigner wurde offenbar nicht ernsthaft angedacht, da die Munot zu klein für die aktuelle Flotte der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein ist, für die Erhaltung des authentischen Wasserfahrzeugs argumentierten aber Schiffsliebhaber aus verschiedenen Ländern. „Die MS „Munot“ gehörte zur ersten Generation von Dieselschiffen, die auf den Schweizer Gewässern eingesetzt wurde: Diese neuen, vom Bauhaus-Design inspirierten Schiffstypen begannen die Raddampfer zu verdrängen, welche in der Folge ausgemustert und nicht selten verschrottet wurden. Jetzt droht den Dieselschiffen dasselbe Schicksal: Nur noch wenige Exemplare der Zwischenkriegszeit stehen im Einsatz oder sind dem Schweißbrenner entgangen. Mit jeder weiteren Verschrottung wird die Gruppe der Zeitzeugen dieser Epoche kleiner. Eines Tages – so warnen Experten – könnte die Aufgabe dieser Schiffe ebenso bitter bereut werden, wie jene der Dampfschiffe“, schrieb etwa Robin Blanck im Jahr 2014 in den Schaffhauser Nachrichten.[4] Allerdings war noch 2002 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen gewesen: „Ein Umschwung in der öffentlichen Meinung, der mit der um 1970 einsetzenden Sympathiewelle für die letzten Raddampfer vergleichbar wäre, ist heute allerdings nicht in Sicht. Obwohl die Dieselveteranen im Gegensatz zu den erhaltenen Dampfschiffen nicht die Spätzeit einer Epoche repräsentieren, sondern für technologie- und designgeschichtliche Innovation stehen, kam Protest gegen die Ausmusterung alter Einheiten - wenn er überhaupt hörbar wurde - meist zu spät.“[2]

Im Frühjahr 2016 wurde die Idee diskutiert, die Munot auf dem Gelände ihrer einstigen Bauwerft in die dortige Ausstellung zur Werftgeschichte zu integrieren. Sponsoren dafür waren damals aber noch nicht gefunden.[5] Ein Jahr später wurde die Munot dann an SRF Shipbuilding verkauft, eine Werft, die auf die Restaurierung historischer Schiffe spezialisiert ist.[3] Diese scheint die Restaurierung jedoch nicht in Angriff genommen zu haben, denn das Schiff stand bald darauf wieder zum Verkauf.[6] 2018 ging die Munot in den Besitz von Lucie Erbanová und Petr Srámek über, die es nach Pasohlávky überführen ließen. Die Munot ist nach einer Sanierung auf dem Novomlýnská-Stausee im Kursverkehr zum Einsatz kommen.[7][8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MS Munot (1936) Auf: www.bodenseeschifffahrt.de
  2. a b Kulturdenkmäler verschwinden von den Schweizer Seen. Erste Generation der Motorschiffe bedroht, in: Neue Zürcher Zeitung, 4. Februar 2002, online auf www.nzz.ch
  3. a b Stefan Hellstern, Die traurige Geschichte des MS «Munot», in: Poller 1, 2017, S. 14 f., online auf www.binnenschifferforum
  4. Robin Blanck, Eine Dame wartet auf den dritten Frühling, in: Schaffhauser Nachrichten, 11. Januar 2014, online auf www.bodenseeschifffahrt.de
  5. Anette Bengelsdorf, Bodan-Werft wird zum Kulturgut, in: Südkurier, 17. März 2016, online auf www.suedkurier.de
  6. Verkaufsangebot auf fikkers.nl
  7. MS Munot I auf www.bodenseeschifffahrt.de
  8. Loď Munot opět na vodě. Abgerufen am 17. Januar 2021.