Muschenheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt, für den Mediziner siehe Carl Muschenheim

Koordinaten: 50° 29′ 13″ N, 8° 47′ 49″ O

Muschenheim
Stadt Lich
Wappen von Muschenheim
Höhe: 163 m ü. NHN
Fläche: 7,81 km²[1]
Einwohner: 967 (Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35423
Vorwahl: 06404
Bild von Muschenheim
Großgasse nach Norden

Muschenheim ist ein Stadtteil von Lich im Landkreis Gießen in Hessen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muschenheim liegt rund vier Kilometer südlich der Kernstadt Lich am linken östlichen Ufer der Wetter in der nördlichen Wetterau. Die nördliche Gemarkungsgrenze und der Ortsrand grenzen an das Umfeld von Kloster Arnsburg. Die Gemarkungsfläche beträgt 781 Hektar, davon sind 110 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Es gibt zwei Waldflächen, den kleineren Vorderwald mit etlichen Hügelgräbern auf einer bis 175 Meter ansteigenden Anhöhe und den größeren Hinterwald, der sich jenseits der südlichen Gemarkungsgrenze weiter fortsetzt und mit dem 199 Meter hohen Wetterbergskopf die höchste Erhebung der Gemarkung aufweist. Am nicht bewaldeten Nordhang des Wetterbergkopfes liegt das Megalithgrab Heiliger Stein. Am Südrand von Muschenheim liegt der Burgstall Muschenheim, eine abgegangene Wasserburg von der fast nichts mehr zu sehen ist, da das Burggelände größtenteils überbaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bestehen des Ortes als villa Musgenheim lässt sich bis zum Jahr 774 durch eine Erwähnung im Lorscher Codex urkundlich zurückverfolgen, frühere Besiedlungen lassen sich aus dem 4000–5000 Jahre alten Megalithgrab „Heiliger Stein“ ableiten. Die Muschenheimer Pfarrkirche wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut.

Hessengasse 13, ältestes Haus des Stadtteils

In Muschenheim gab es seit 1575 eine Schule. Hierhin kamen auch Schüler aus den Nachbarorten, wovon der „Schülerpfad“ nach Bettenhausen kündet. Bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein wirkten studierte Theologen hier als Lehrer.

Die Reformation in Muschenheim wurde von Graf Konrad zu Solms 1582 mit der Einführung des reformierten Bekenntnisses „vollendet“. Der Altar in der Kirche wurde durch einen Tisch für die Abendmahlsfeier ersetzt. Trotz der Einführung des reformierten statt des vorherigen lutherischen Bekenntnisses konnten fast alle Pfarrer in der Grafschaft in ihren Gemeinden bleiben.

Pfarrer Hermann Pistorius war seit 1576 Pfarrer in Muschenheim. Seine Tochter Sibylle heiratete 1597 den reformierten Pfarrer Anton Praetorius, Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Muschenheim am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Lich eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Muschenheim unterstand im Überblick:[1][4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1834: 0575 Einwohner
  • 1830: 0487 evangelische, 23 römisch-katholische Einwohner, 9 Juden.
  • 1875: 0702 Einwohner
  • 1925: 0702 Einwohner
  • 1939: 0651 Einwohner
  • 1946: 1183 Einwohner
  • 1961: 0874 (708 evangelisch, 154 römisch-katholisch) Einwohner
  • 1969: 0956
  • 1970: 0929[7]
  • 1988: 0966[8]
  • 2008: 0939[8]
Muschenheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
575
1840
  
580
1846
  
627
1852
  
630
1858
  
603
1864
  
666
1871
  
691
1875
  
702
1885
  
654
1895
  
655
1905
  
691
1910
  
732
1925
  
702
1939
  
651
1946
  
1.183
1950
  
1.015
1956
  
879
1961
  
874
1967
  
966
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Im Jahr 1961 wurden die folgenden Erwerbspersonen gezählt: 214 in Land- und Forstwirtschaft; 187 im produzierenden Gewerbe; 35 in Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung; 30 im Dienstleistungsbereich oder sonstigen Gewerbe.[1]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestseite der evangelischen Kirche Muschenheim

Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaute Kirche erhebt sich am Kirchberg im Osten hoch über das Dorf und ist von weither zu sehen. Das alte Pfarrhaus steht mitten im Dorf an einem großen Platz an der Hauptstrasse, ca. 300 m von der Kirche entfernt. Es war bis zum Verkauf im Jahr 1990 Wohnsitz der reformierten Pfarrer. Der Pfarrer bewohnt seitdem einen Neubau am Ortsrand.

Die Pfarrgemeinde Muschenheim gehört der Propstei Oberhessen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. April 1964 wurde der Gemeinde Muschenheim im Landkreis Gießen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Auf goldenem damaszierten Schild in blauem Schrägrechtsbalken ein goldenes archaisches Schwert mit Ortband.[9]

Bedeutung

Das Schwert im Wappen bezieht sich auf Funde von prähistorischen Bestattungsplätzen u. a. dem „Heiligen Stein“ und einem Grab mit einem „goldenen Schwert“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Megalithgrab „Heiliger Stein“

Die Stadt Lich hat den Kulturhistorischer Wanderweg Muschenheim mit 4 Routen ausgewiesen. Die Strecken führen u.a. an dem römischen Kastell Arnsburg-Alteburg, Hügelgräbern und dem Megalithgrab Heiliger Stein vorbei. Auf der Internetseite der Stadt werden entsprechenden Flyer angeboten.[10]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Überörtlichen Verkehr wird Muschenheim durch die Landesstraße L 3131 erschlossen, die bei Kloster Arnsburg von der Bundesstraße 488 abzweigt und jenseits der Wetter am Ort vorbeiführt. Von der L 3131 zweigt die Kreisstraße K 167 als Brückengasse ab und führt über die Wetter von Süden in den Ort. Am Alten Rathausplatz biegt die K 167 als Hessengasse nach Osten ab in Richtung Bettenhausen,während die K 166 geradeaus weiter über Birklar zur Bundesstraße 457 und zur Kernstadt von Lich führt. In der Schulstraße zweigt eine weitere Kreisstraße ab, die K 165 als Klosterweg nach Kloster Arnsburg.

Südlich von Muschenheim liegt in Flussnähe eine Kläranlage am tiefstgelegenen Punkt des Stadtgebietes von Lich.

Der Ort verfügt über einen Fußballverein, der in der Saison 2011/12 an der Kreisliga B im Kreis Gießen teilnahm: VfL Muschenheim.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charlie Becker (1887–1968), deutsch-amerikanischer Zwergenschauspieler
  • Wieland Schulz – Keil * 1945, Filmproduzent, Regisseur

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Brückel, Paul Görlich, Muschenheim. In: Licher Heimatbuch. Die Kernstadt und ihre Stadtteile. Bearbeitet von Paul Görlich, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Lich 1989.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Muschenheim, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 7. Oktober 2015)
  2. Steckbrief der Stadt Lich, abgerufen im Juli 2016.
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen, S. 303.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21 (online bei Google Books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 425 (online bei Google Books).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 364.
  8. a b Heimatbuch der Stadt Lich, Stadtverwaltung Lich
  9. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 30. April 1964 (StAnz, S. 628) Seite 4 der tif-Datei 4,2 MB
  10. Kulturhistorischer Wanderweg Muschenheim auf www.lich.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Muschenheim – Sammlung von Bildern