Museggmauer

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Museggmauer in Luzern.
Mauer bei der Museggstrasse

Die Museggmauer mit den Museggtürmen ist ein Wahrzeichen der Stadt Luzern und bestimmt zusammen mit Wasserturm und Kapellbrücke das historische Ortsbild der Stadt. Es handelt sich um einen Teil der Stadtbefestigung der Stadt Luzern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indirekt ist bereits 1226 und 1238 eine Befestigung der Stadt erwähnt, es handelt sich dabei jedoch nicht um die Museggmauer, sondern um den älteren, inneren Mauerring der Stadt. Mit Hilfe der Dendrochronologie haben archäologische Bauuntersuchungen in den letzten Jahren aufzeigen können, dass mit dem Bau der Museggmauer spätestens um 1370 begonnen wurde (Luegisland-Turm). Die Bauarbeiten wurden mit Unterbrüchen während Jahrzehnten weitergeführt und reichten weit in das 15. Jahrhundert hinein (Schirmerturm um 1420, Zytturm um 1442). Die im Luzerner Bürgerbuch enthaltene Abrechnung von 1408 zu Bauarbeiten u.a. an der Museggmauer - in der älteren Forschung als Schlussabrechnung und damit Datum der Vollendung der Museggmauer angesehen - stellt mit Sicherheit lediglich eine Zwischenrechnung dar. Die These, dass der Bau der Museggmauer mit der Schlacht bei Sempach 1386 in Zusammenhang stehe, ist haltlos.

Zwischen 1833 und 1856 erfolgte nach und nach die Schleifung der meisten Befestigungsanlagen, da diese dem stärker werdenden Verkehr im Wege waren und eine Stadt ohne mittelalterlicher Befestigung nach Ansicht der damaligen Gemeindeversammlung schöner sei. Die Museggmauer mit ihren Türmen behinderte wegen ihrer Lage den Verkehrsfluss nicht und blieb so im Wesentlichen erhalten.

Museggmauer von Norden mit Luegisland- und Zytturm

2002 wurde der Verein für die Erhaltung der Museggmauer gegründet und 2003 die gleichnamige Stiftung. Diese setzten sich für eine umfassende Restaurierung der Mauer ein, die von 2003 bis 2015 für 12 Millionen Schweizer Franken ausgeführt wurde.[1][2]

Museggmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Museggmauer ist noch, mit Ausnahme des östlichsten verlorenen Teiles von 40 Metern, ganz erhalten und misst in der Länge 870 Meter. Sie ist durchschnittlich 1,5 Meter dick; die Höhe variiert je nach Gelände, beträgt aber durchschnittlich um die 9 Meter. Hinter ihrer Zinnenkrone zieht sich ein ungedeckter Wehrgang hin. Die Zinnen erheben sich über einem nach aussen vorkragenden gemauerten, unregelmässigen Rundbogenfries mit eckigen und abgerundeten Konsolen. Die Mauer besitzt oder besass verschiedene Pforten.

Museggtürme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle, mit Ausnahme des im 16. Jahrhundert ersetzten Nölliturms, stehen vor der Mauer. Sie waren ursprünglich Schalentürme, das heisst, gegen die Stadt hin offen. Nur der Luegisland hat diese Form noch bewahrt; der Dächliturm wurde im 18. Jahrhundert geschlossen, die anderen Türme bereits im 15. Jahrhundert. Die Türme, mit Ausnahme des Luegisland, besassen keine Dachaufbauten, sondern innerhalb der Zinnenkrone ein gegen Osten abfallendes Pultdach. Nur der Männliturm hat dieses bewahrt; Zytturm, Schirmerturm und Dächliturm erhielten schon vor 1513 Dachaufbauten, die übrigen Türme vor 1597. Der innere Ausbau der Türme besteht aus Holz. Vom obersten Boden führt eine zum Teil in die Westmauer getiefte Steintreppe auf den mit Steinplatten belegten Wehrgang. In mehreren Türmen sind die hölzernen, drehbaren Aufzugbäume (Krane) und Rundläufe (Drehsäulen) zur Beförderung von Baumaterial vorhanden.

Nölliturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noelliturm delsener.jpg

Das ist eine runde Steinbosse am Reussufer. Er trägt das Baudatum 1513. Vor ihm stand bereits ein Torturm an dieser Stelle. Der heutige Strassendurchbruch wurde 1901 geschaffen. Der Nölliturm ist die Heimstätte der Safranzunft, in ihm befinden sich die Zunftstube und das Archiv. Der etwas massige Turm hat immerhin eine Höhe von 28 m.

Geografische Lage: 47° 3′ 11,71″ N, 8° 17′ 58,21″ O

Männliturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern, Männliturm IMG 4800.jpg

Das «eiserne Männli», eine Figur mit Standarte, erkennt man weit draussen auf dem Land. Es ist der zweite Turm im aufsteigenden Felsgrat und öffentlich zugänglich. Vom Boden bis zur Zinne gemessen beträgt seine Höhe 33 m.

Hauptartikel: Männliturm

Geografische Lage: 47° 3′ 12,73″ N, 8° 18′ 2,82″ O

Luegisland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern, Luegislandturm, IMG 4803.jpg

Der Turm trägt einen alten volkstümlichen Namen. Sein hohes spitzes Dach zeigt einen Winddrall von links nach rechts. Der Turm ist mit seiner Höhe von 52,6 m der höchste unter den neun Brüdern. Der Turm entstand gemäss archäologischer Untersuchungen um oder kurz nach 1367 zusammen mit der beidseits weiterführenden Museggmauer.

Geografische Lage: 47° 3′ 13,8″ N, 8° 18′ 7,7″ O

Heuturm / Wachturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

20110118 Wacht--oder-Heuturm.jpg

Er hat seinen Namen vom Heu, das hier einmal eingebracht worden ist. Zu dieser Zeit versorgte man hinter seinen dicken Mauern auch Schiesspulver. Ein Blitzschlag hat 1701 350 Zentner Pulver zur Explosion gebracht und den Turm in die Luft gejagt. Von den über die Stadt hinunter fallenden Steinbrocken wurde grosser Schaden angerichtet. Sogar Menschen kamen bei der Explosion ums Leben. Der wiederaufgebaute Turm ist 44 m hoch.

Geografische Lage: 47° 3′ 14,72″ N, 8° 18′ 11,44″ O

Zytturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museggmauer Zytturm.JPG

Der Name besagt es, dieser Turm ist mit einer Uhr ausgestattet. Diese Uhr wurde im Jahre 1535 von Hans Luterer gebaut und ist immer noch in Betrieb. Das Zifferblatt mit den Zahlen ist so gross, dass die Zeit auch von den Fischern auf dem See abgelesen werden konnte. Die zur Uhr gehörende Glocke gibt 1 Minute vor der Rathausuhr die Zeit an. Die Luzerner Maler Schobinger und Schmidiger haben zu Anfang dieses Jahrhunderts die am Turm befindlichen Fresken erneuert. Seit April 2012 befindet sich im Zytturm eine Ausstellung historischer Turmuhren.[3] Die Höhe des Zytturms, der öffentlich zugänglich ist, beträgt 31 m.

Hauptartikel: Zytturm (Luzern)

Geografische Lage: 47° 3′ 15,94″ N, 8° 18′ 16,12″ O

Schirmerturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern, Schirmerturm IMG 4834.jpg

Am Schirmerturm führt das gleichnamige Tor von der Stadt hinaus ins Land. Städte waren innerhalb ihrer Mauern einst eine geschlossene Einheit. Das galt auch für Luzern. Wer durch das Schirmertor trat, befand sich auf dem Land. Ausser den recht weit verstreuten Bauernhäusern war kein Bauwerk mehr zu sehen. Der vor die Museggmauer gestellte Schirmerturm ist ein verputzter Bruchsteinbau mit bossierten Eckquadern. Wie bei anderen Türmen zeigt er oben ein Rundbogenfries mit vorragenden Konsolen. Auf den Zinnen liegt ein niederes Pyramidendach. Der Turm ist öffentlich zugänglich. Seine Höhe beträgt 27,5 m.

Hauptartikel: Schirmerturm

Geografische Lage: 47° 3′ 17,15″ N, 8° 18′ 20,13″ O

Pulverturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern,Pulverturm IMG 4836.jpg

Der Stadtstaat Luzern hatte das Schiesspulver vorsorglich in zwei Türmen eingelagert. Wenn, wie 1701 beim Heuturm, ein Unglück passierte, blieb die Hälfte des Pulvers im andern Turm gesichert. Der Pulverturm gehört zu den ältesten Bauten auf der Musegg. Er ist aus einem „Steinernen Haus“ aufgemauert worden. Auch er misst 27,5 m in der Höhe. Die Weyzunft hat den Pulverturm in Fronarbeit instand gesetzt und braucht ihn als Zunftlokal.

Geografische Lage: 47° 3′ 18,19″ N, 8° 18′ 23,36″ O

Allenwindenturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern, Allenwindenturm IMG 4838.jpg

Der Allenwinden- und der untere Dächliturm sind heute im Häusergewirr der Musegg nicht mehr überragend. Man nennt den Turm nach einem früheren Säckelmeister auch den Holdermeyerturm. Er ist 1,8 m dick und gehört zu den einstigen Schalentürmen.

Geografische Lage: 47° 3′ 18,89″ N, 8° 18′ 26,78″ O

Dächliturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtbefestigung Luzern, Dächliturm IMG 4884.jpg

Den letzten der neun Türme, den Dächliturm, kennt man auch unter dem Namen Chutzenturm. Er ist der kleinste an der ganzen Musegglinie. Markant ist sein Pyramidendach, das älter sein dürfte, als die meisten Dächer der anderen Türme. Seit 1936 hat der Schweizerische Schreinermeisterverband seine Zunftstube im Turm.

Geografische Lage: 47° 3′ 18,33″ N, 8° 18′ 32,2″ O

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürg Manser et al.: Die Museggmauer. Neun Türme über der Stadt Luzern. Hrsg.: Verein & Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer, 2012, ISBN 978-3-033-03532-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museggmauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Museggmauer, Verein für die Erhaltung der Museggmauer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Luzerner Museggmauer ist wieder dicht, Radiosendung von SRF 1 vom 21. August 2015
  2. Luzerner Stadtmauer für 12 Millionen restauriert, Artikel der Neuen Luzerner Zeitung vom 21. August 2015, sowie Sonderbeilage Die Museggmauer in der Zentralschweiz am Sonntag vom 23. August 2015
  3. Ausstellung historischer Turmuhren im Zytturm.