Museum der Kulturen Basel

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Museum der Kulturen Basel
Museum der Kulturen 2008-03-30.jpg

Eingang vom Münsterplatz aus gesehen
Daten
Ort 4051 Basel, Münsterplatz 20, Schweiz
Art Völkerkunde und Volkskundemuseum
Architekt Herzog & de Meuron
Eröffnung 1893, nach mehrmaligen Umbauten zuletzt 2011
Besucheranzahl (jährlich) 80.000 - 100.000
Betreiber Kanton Basel-Stadt
Leitung Anna Schmid
Website http://www.mkb.ch
Neu aufgesetztes Dachgeschoss vom Münster gesehen, im Hintergrund der rote Rathausturm

Das Museum der Kulturen ist ein traditionsreiches Völkerkundemuseum am Münsterplatz in Basel. Es gilt als grösstes ethnologisches Museum der Schweiz. Der Kanton Basel-Stadt ist Träger des Museums, welches in seiner Sammlung mehr als 300'000 Objekte und 50'000 historische Fotografien aufweisen kann.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1849 wurde an Stelle des Augustinerklosters auf dem Basler Münsterhügel ein Mehrzweckmuseum von Melchior Berri errichtet, welches mehrere Sammlungen, unter anderem die bedeutende Mexiko-Sammlung von Lukas Vischer, sowie die Universitätsbibliothek umfasste. Darunter befand sich auch die völkerkundliche Sammlung, welche 1893 eigenständig begründet wurde. 1892 beschloss die Basler Regierung, die ethnographische und die historisch-antiquarische Sammlung zu trennen und eine Kommission für die ethnographische Sammlung zu bilden. Die Kommission tagte im Jahr darauf zum ersten Mal – darum gilt das Jahr 1893 als Gründungsjahr des Museums.

Die ethnographische Sammlung wuchs indes wuchs durch Schenkungen des Vorsitzenden des Museumspräsidiums Fritz Sarasin und seines Großvetters Paul Sarasin, die ihre Sammlungen von Forschungsreisen nach Ägypten und Südostasien dem Museum durch Schenkungen übereigneten. Auch andere Basler Grossbürger (organisiert sgn. Fünfliberklub) begannen, Objekte zur Sammlung beizusteuern. 1902 wurde die ethnographische Kommission in die Sammlung für Völkerkunde umbenannt und 1904 um die europäische Sammlung ergänzt.

Erst 1918 erhielt die Sammlung für Völkerkunde den Titel «Museum für Völkerkunde». Fritz Sarasin war der erste Präsident der Sammlung respektive Direktor des Museums. Nach und nach wurden die anderen Sammlungen, wie etwa die Physik, die Anatomie, die historische Sammlung oder die Universitätsbibliothek aus dem Museumsverbund herausgelöst und an andere Orte in Basel verlagert.

1944 verlieh der Bundesrat der bereits 1904 gegründeten Abteilung Europa den Titel «Schweizerisches Museum für Volkskunde». Damit lautete die Bezeichnung des Museums fortan: «Museum für Völkerkunde und Schweizerisches Museum für Volkskunde». 1996 erhielt das Haus seinen heutigen Namen «Museum der Kulturen Basel»[1]

MuseumsleiterInnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt des Museums vom Vermitteln fremder Kulturen zum interkulturellen Dialog, was in dem 1996 neu gewählten Namen zum Ausdruck kommt. Im selben Zug kam es vor allem unter der Leitung der Direktorin Anna Schmid zu einer Verlagerung der Präsentation weg von Regionen hin zu Themen, die die Aspekte der Völkerkunde und Volkskunde miteinander verbinden.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum der Kulturen in Basel, Schweiz. Ausstellung "Migration. Bewegte Welt. 2017"
Ahnenskulpturen aus Baguia, Osttimor

Die Sammlung umfasst Objekte aus Europa, Afrika, Asien, Nord-, Zentral- und Südamerika und Ozeanien, darunter ein 16 Meter hohes Kulthaus der Abelam in Papua-Neuguinea. Seit der Umbenennung hat sich das Museum durch Dauer- und Sonderausstellungen profiliert, darunter:

  • Bhutan - Festung der Götter (1998)
  • Basler Fasnacht - Menschen hinter Masken (1999)
  • Tibet - Buddhas, Götter, Heilige (2001–2008)
  • Bali - Insel der Götter (2002)
  • Feste im Licht - Die religiöse Vielfalt einer Stadt (2005)
  • Urban Islam - Zwischen Handy und Koran (2006)
  • Rot - Wenn Farbe zur Täterin wird (2007/08)
  • Raffiniert und schön - Textilien aus Westafrika (2009/10)
  • EigenSinn (2011/12/13)
  • Chinatown (2011/12)
  • Schwebend - von der Leichtigkeit des Steins (2012)
  • Pilgern boomt (2012/13)
  • Expeditionen (seit 2012)
  • StrohGold - kulturelle Transformationen sichtbar gemacht (seit 2014)
  • Gross. Dinge, Bedeutungen, Dimensionen (seit 2016)
  • Sonne, Mond und Sterne (bis 2019)
  • Migration (2017/18)
  • Das Geheimnis - wer was wissen darf (2018/19)

Es waren zunächst vor allem private Sammler, die aus eigenen finanziellen Mitteln die Kontinente bereisten und Objekte und Zeugnisse indigener Alltagskultur nach Basel brachten. Was als kleine Sammlung im Rahmen eines Universalmuseums begann, entwickelte sich mit Forschern wie Fritz und Paul Sarasin, Felix Speiser, Paul Wirz und Alfred Bühler zunehmend zum Hort wissenschaftlicher Arbeit

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1844 bis 1849 entstandene Museum an der Augustinerstraße war, inspiriert von Schinkels Bauakademie, Melchior Berris Hauptwerk.[2] Es umfasste ursprünglich den gesamten öffentlichen Sammlungsbestand der Stadt. Die ethnographische Sammlung, seit 1905 in Sammlung für Völkerkunde umbenannt, bezog 1917 im 1913–1915 errichteten Erweiterungsbau des Museums an der Augustinergasse zusätzliche Räumlichkeiten und wurde zum Museum für Völkerkunde. Dieser Erweiterungsbau wurde von den Architekten Vischer & Söhne errichtet.

Modernisierter Vischerbau

Von Oktober 2008 und bis August 2011 wurden die Räumlichkeiten des Museums der Kulturen nach Plänen des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron umgebaut und erweitert. Der Eingang des Museums befindet sich nun direkt am Münsterplatz bzw. im Erweiterungsbau von 1915. Damit ist es einerseits besser erreichbar und andererseits vom Naturhistorischen Museum getrennt, welches nun allein das 1849 eröffnete Museum an der Augustinergasse nutzt. Der hofseitige Erweiterungsbau von 1917 wurde mit einem gefalteten Dachgeschoss für Sonderausstellungen erweitert, das weit über den Altbau auskragt und dessen Flächen mit sechseckigen, schwarzgrünen Fliesen verkleidet wurden. Wegen dieser Materialität und Gestaltung wurde die Erweiterung vom Basler Heimatschutz und der Freiwilligen Basler Denkmalpflege zunächst in einem Rekursverfahren bekämpft[3] und mit rund drei Jahren Verspätung eröffnet[4]. Der Eingang mit Garderobe und Museumsshop wurde in das Untergeschoss verlegt, das durch eine Absenkung der Hofebene freigelegt und verglast wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museum der Kulturen, Basel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Museum der Kulturen Basel (bis 1996: Museum für Völkerkunde und Schweizerisches Museum für Volkskunde Basel). Abgerufen am 15. Februar 2018.
  2. Othmar Birkner, Hanspeter Rebsamen: Inventar der neueren Schweizer Architektur, 1850-1920. (INSA) Bd. 2: Basel. Orell Füssli, Zürich 1986.
  3. Gestaltet gefaltet: HdM–Museumserweiterung in Basel eröffnet. In: halb4. BauNetz, 22. September 2011, abgerufen am 9. Februar 2013.
  4. Dominique Spirgi: Neue Köpfe für mächtige Herausforderungen. In: Basler Stadtbuch. 2006, abgerufen am 17. November 2017 (deutsch).

Koordinaten: 47° 33′ 26″ N, 7° 35′ 27″ O; CH1903: 611456 / 267401