Museum der Stadt Worms

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Museum der Stadt Worms
St. Andreas Worms 4.JPG
Museum der Stadt Worms im ehemaligen Andreasstift
Daten
Ort Worms Welt-IconKoordinaten: 49° 37′ 41,4″ N, 8° 21′ 26,9″ O
Art
Stadtgeschichte
Eröffnung 1881
Besucheranzahl (jährlich) 11.401 (2010/11)[1]
Betreiber
Stadt Worms
Leitung
Olaf Mückain (wissenschaftliche Leitung), Ulrich Mieland (Verwaltung)
Website
ISIL DE-MUS-148810

Das Museum der Stadt Worms befindet sich im Gebäude des ehemaligen Andreasstifts. Das Gebäudeensemble mit Innenhof steht unter Denkmalschutz.[2] Träger des Museums ist die rheinland-pfälzische Stadt Worms.

Ausstellungsinhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uhrwerk der Dreifaltigkeitskirche, 1742 von Johann Jacob Möllinger gefertigt.

Neben wechselnden Sonderausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, für die meist die ehemalige Andreaskirche genutzt wird, stellt das Museum in seiner Dauerausstellung im ersten Obergeschoss Grabungsfunde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit sowie römerzeitliche Funde aus, unter anderem Altäre, Grabsteine, Geschirr und Krüge. Von besonderer Bedeutung ist die umfangreiche Sammlung römischer Gläser. Aus der Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert n. Chr. werden frühchristliche Grabsteine und Grabbeigaben ausgestellt, wie beispielsweise wiederhergestellte römische gläserne Becher. Im zweiten Obergeschoss wird die Wormser Stadtgeschichte ab dem frühen Mittelalter thematisiert. Das „Lutherzimmer“ hält die Erinnerung an den in Worms im Jahr 1521 vor den Kaiser getretenen Reformator wach. Ein „Glaskabinett“ zeigt spätmittelalterliche Gläser. Weitere Themenschwerpunkte bilden die beginnende Industrialisierung, welche auch die im 19. und 20. Jahrhundert für die Stadt wichtige Lederindustrie umfasst. Im Erdgeschoss befindet sich der „Weiße Saal“, der ein Modell der Stadt Worms vor der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zeigt. Filme aus den 1920er bis 1950er Jahren vermitteln einen Eindruck aus der Kriegs- und Nachkriegszeit.[3]

Das Lapidarium im ehemaligen Kreuzgang mit Grabsteinen und Sarkophagen von der Römerzeit bis zur Neuzeit ist ohne Eintrittskarte zugänglich. Die Werke der zum Museum gehörenden „Städtischen Gemäldegalerie“ werden in Sonderausstellungen gezeigt.[3]

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die großen Sonderausstellungen des Museums greifen wichtige Zeitpunkte der Stadtgeschichte und wesentliche Fundkomplexe der Stadtarchäologie auf:[4]

  • 1971: „Luther“ zur 450. Wiederkehr des Reichstags von 1521
  • 1981: „Das Nibelungenlied – Zeit und Bedeutung“
  • 1983: „Eine feste Burg ist unser Gott“ zum 500. Geburtstag Martin Luthers
  • 1989: „… abgebrandt und Total ruinirt“ zur 300. Wiederkehr der Stadtzerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689
  • 1990: „Möge die Erde dir leicht sein“: Funde des römischen Nordfriedhofs
  • 1995: „Kaiser, Reich, Reformen“ anlässlich der 500. Wiederkehr des Reichstags von 1495
  • 2000: „Bischof Burchard (1000–1025) – 1000 Jahre Romanik in Worms“
  • 2006: „Die frühen Kelten in Worms-Herrnsheim“ und „Die ersten Römer in Rheinhessen“
  • 2014: „Der Künstler Gustav Nonnenmacher“, multimedial unterstützt durch die „Nonnenmacher-App“[5]
  • 2018: „Zwischen Himmel und Erde – 1000 Jahre Wormser Dom“

Für den Zeitraum zwischen 2018 und 2021 waren vier große Sonderausstellungen geplant, die teilweise in Zusammenarbeit mit den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen organisiert werden sollten.[6] Das Museum bereitet sich baulich auf eine Ausstellung 2021 zum 500. Jahrestag des Reichstags von Worms 1521 und dem Auftritt Martin Luthers dort vor.

Kleinere Sonderausstellungen greifen regional bedeutsame Themen und solche der Alltags- und Zeitgeschichte auf, wie zum Beispiel die für 2016 vorgesehenen Ausstellungen „PARIS – BERLIN – WORMS. Schaufensterfiguren und Kaufhäuser im Wandel“ aus der Sammlung des Mannheimer Kulturwissenschaftlers Wolfgang Knapp und „Der Große Krieg im Kleinformat. Künstler sehen den Ersten Weltkrieg“ der Letter Stiftung mit Kleinreliefen von Ludwig Gies und graphischen Arbeiten weiterer Künstler.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kreuzgang um den Innenhof befindet sich ein Lapidarium mit Grabsteinen und Sarkophagen von der Römerzeit bis zur Neuzeit.

Das Museum befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäudeensemble, welches seinen Ursprung in dem im Jahr 1020 erbauten Kirchengebäude der ehemaligen Andreaskirche hat. Es wurde über die Jahrhunderte mehrfach und teilweise grundlegend verändert und wird der Spätromanik zugerechnet.[2][5]

Im Jahr 1881 wurden historische Funde des Sanitätsrats Carl Koehl und des Unternehmers und Mäzens Maximilian von Heyl zunächst in der renovierten Pauluskirche aufbewahrt. Durch den Gymnasiallehrer und Historiker August Weckerling und den Sanitätsrat Koehl wurde die Entwicklung des Museums geprägt. In den 1920er Jahren gingen die Bestände in das Eigentum der Stadt über und es erfolgte unter der Leitung des Museumsdirektors Erich Grill[7] ein Umzug in die ehemalige Andreaskirche, die in den Jahren 1927 bis 1929 umgebaut wurde. Am 1. Juli 1930, am Tag nach der Rheinlandbefreiung, wurde im Beisein des hessischen Staatspräsidenten Bernhard Adelung das Museum feierlich an seinem neuen Standort eröffnet, wo es bis heute besteht.[8] Bei dem Standortwechsel geriet ein Teil der Ausstellungsstücke verloren.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Museumsgebäude bei den Fliegerangriffen auf Worms schwer beschädigt. Das ausgelagerte Museumsinventar blieb weitgehend erhalten. Bereits 1947 standen die Räume des Museums wieder für eine Nutzung bereit, ab diesem Zeitpunkt befanden sich dort nicht nur die Ausstellungsstücke, die Museumsräume beherbergten fortan alle städtischen Kulturinstitute. Dies dauerte bis 1963, als die Stadtbibliothek, die städtischen Volksbüchereien, das Stadtarchiv und die Volkshochschule aus den beengten Räumen wieder auszogen. Das Andreasstift beherbergt seitdem wieder nur noch das Museum.[7]

Die nach der Wiederherstellung der Gebäude erstellte Museumskonzeption hatte bis in die 1980er Jahre Bestand, als zunächst die römische und dann die vorgeschichtlich-bronzezeitliche Abteilung neu gestaltet wurden.[4] In den 2000er Jahren folgten die Neukonzeptionen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Abteilungen.

Ab 2007 wurde zunächst die Andreaskirche grundlegend saniert. Bis 2018/19 ist eine Sanierung und Erweiterung der Ausstellungsräume im anschließenden Stiftsgebäude geplant, deren Finanzierung allerdings bislang nicht geklärt ist.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumsführer
Sekundärliteratur
  • Gerold Bönnen: „Neuerstanden in schwerer Zeit“. Die Einweihung des Museums der Stadt Worms im Jahre 1930 im Spannungsfeld von Kultur und Politik, in: Der Wormsgau. Wissenschaftliche Zeitschrift der Stadt Worms und des Altertumsvereins Worms, Bd. 24 (2006), S. 85–114.
  • Mathilde Grünewald: Die Römer in Worms, Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0479-9.
  • Mathilde Grünewald, Erwin Hahn: Zwischen Varusschlacht und Völkerwanderung. Die römerzeitlichen Gräberfunde aus Worms und Rheinhessen im Museum der Stadt Worms, 2 Bände, Kunstverlag Fink, Lindenberg im Allgäu 2006, ISBN 978-3-89870-325-3.
  • Mathilde Grünewald, Alfried Wieczorek: Zwischen Römerzeit und Karl der Großen. Die frühmittelalterlichen Grabfunde aus Worms und Rheinhessen im Museum der Stadt Worms im Andreasstift, 3 Bände, Kunstverlag Fink, Lindenberg im Allgäu 2009, ISBN 978-3-89870-568-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Andreasstift (Worms) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Gallé: Kulturbericht 2011. (PDF) 27. September 2012, abgerufen am 28. Februar 2016.
  2. a b Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Worms. Mainz 2021, S. 3 (PDF; 5,0 MB; Adresse: Weckerlingplatz 7/9).
  3. a b Geschichte & Sammlung des Museums der Stadt Worms im Andreasstift. (Nicht mehr online verfügbar.) worms.de, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 1. März 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.worms.de
  4. a b Daten und Bilder aus der 125-jährigen Geschichte des Museums der Stadt Worms. Altertumsverein Worms, abgerufen am 1. März 2016.
  5. a b c Museum der Stadt Worms > Stadt Worms. In: worms.de. Abgerufen am 26. Februar 2016.
  6. a b Susanne Müller: Umbau des Museums Andreasstift Worms: Muss Burgunder-Ausstellung 2019 verschoben werden? In: wormser-zeitung.de. 4. Februar 2016, abgerufen am 1. März 2016.
  7. a b Friedrich Maria Illert: Worms am Rhein – Führer durch die Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Erich Norberg, Worms 1964, S. 85 ff.
  8. Gerold Bönnen: Geschichte der Stadt Worms. 2. Auflage. Theiss, Stuttgart 2015, S. 570.