Museum des 20. Jahrhunderts Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Blick auf die Neue Nationalgalerie und die Matthäuskirche sowie im Vordergrund die Freifläche, auf der das Museum des 20. Jahrhunderts entstehen soll

Das Museum des 20. Jahrhunderts, auch als Museum der Moderne bezeichnet, ist ein im Bau befindliches Museumsbauwerk der Staatlichen Museen zu Berlin am Kulturforum im Berliner Ortsteil Tiergarten, dessen Eröffnung zurzeit für das Jahr 2026Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren geplant ist.[1] Es soll unter anderem die Sammlung des 20. Jahrhunderts der Berliner Nationalgalerie beherbergen und wird mit der Neuen Nationalgalerie unterirdisch verbunden sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu bebauende Freifläche mit Blick auf die Potsdamer Straße und die Staatsbibliothek

Da die Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts seit Jahrzehnten nur zu Teilen gezeigt werden kann, trieb die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Idee eines Museumsneubaus am Kulturforum voran. Als Bauplatz ist die Freifläche an der Potsdamer Straße, zwischen Philharmonie, Neuer Nationalgalerie und Matthäuskirche, vorgesehen. Hier plante Hans Scharoun in den 1960er Jahren ein Gästehaus des Senats, das jedoch nicht umgesetzt wurde. Stattdessen wurde die angrenzende Potsdamer Straße mehrspurig ausgebaut und der Bauplatz blieb leer.

Für das Bauprojekt lobte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im September 2015 einen Ideenwettbewerb aus, an dem sich 460 Architekturbüros beteiligten.[2] Zehn Preisträger qualifizierten sich dabei für die Teilnahme am darauffolgenden Realisierungswettbewerb, der im April 2016 begann. Nach einer Vorauswahl nahmen daran 42 internationale Bürogemeinschaften aus Architekten und Landschaftsplanern teil, darunter David Chipperfield und Zaha Hadid Architects.[3][4] Als Eröffnungstermin wurde ursprünglich das Jahr 2021 angestrebt.[5]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den ersten Platz der Bauausschreibung errang der Entwurf der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.[6]

Während die Innenanmutung und deren Verkehrsflächen allseits als besonders gelungen gelobt werden, ist die Fachwelt uneinig darüber, ob der Entwurf der äußerst schwierigen städtebaulichen Situation zwischen Neuer Nationalgalerie, Philharmonie und Matthäuskirche wird gerecht werden können.[7] Das Gebäude soll eine Nutzflächen von 16.000 m2 bekommen.[8]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt soll in öffentlich-privater Partnerschaft finanziert werden. Zunächst waren 2012 vom Bund zehn Millionen Euro im Zuge eines Nachtragshaushaltes unter Kulturstaatsminister Bernd Neumann genehmigt worden.[9] Der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigte im November 2014 noch einmal 200 Millionen Euro.[10] Das Bundesland Berlin selbst zahlt nichts, soll aber das Grundstück zur Verfügung stellen.[9]

Ursprünglich waren für den Bau 130 Millionen Euro an Baukosten veranschlagt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters teilte am 16. September 2019 mit, dass der Bau nun 450 Millionen Euro kosten werde. Das Kulturstaatsministerium begründete die höheren Kosten damit, dass durch den kleineren Grundriss ein neues Tiefgeschoss vonnöten wäre. Einige Beteiligte des Planungprozesses äußerten gegenüber der Süddeutschen Zeitung, der Bau könne über 600 Millionen Euro teuer werden.[1]

Ende Oktober 2019 recherchierte die SZ zu den Kostensteigerungen, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die wahren Dimensionen des Baus dem Parlament verheimlicht hatte: Während die Öffentlichkeit von den ursprünglichen 10.000 m² Nutzfläche ausging, hatten die Verantwortlichen mit den Architekten Herzog und de Meuron bereits Planungen für 16.000 m² vereinbart.[11]

Im Vorlauf zur Genehmigung der Finanzierung des Projektes durch den Deutschen Bundestag wiesen prominente Fürsprecher und Gegner in verschiedenen Zeitungen noch einmal auf seine Vorzüge und Nachteile hin. Neben anderen sprachen sich der Hamburger Senator Carsten Brosda,[12] der Kunsthändler Rudolf Zwirner[13] und der Leiter des Feuilletons des Tagesspiegels Rüdiger Schaper[14] für den Bau aus, während etwa die Architekturkritiker Niklas Maak,[15] Nikolaus Bernau,[16] und Hanno Rauterberg[17] dagegen argumentierten.

Die Finanzierung von 364 Millionen Euro wurde am 14. November 2019 vom Haushaltsausschuss des Bundestages mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen genehmigt.[18]

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem Bestand der Berliner Nationalgalerie sollen zukünftig Werke vor allem des deutschen Expressionismus, des Kubismus, Surrealismus und der Farbfeldmalerei, aber auch der DDR-Kunst und der Video- und Filmkunst gezeigt werden.

Ergänzt wird diese Ausstellung durch die 2002 erfolgte Schenkung von Egidio Marzona, die Werke unter anderem der Konzeptkunst, der Minimal Art und der Land Art enthält. Weitere Ausstellungsteile des Hauses sollen zum einen für die Sammlung Marx, mit Werken unter anderem von Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Andy Warhol, sowie für die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch reserviert werden. Letztere enthält vor allem Werke des europäischen Surrealismus und des amerikanischen abstrakten Expressionismus.[19] Die Eheleute Pietzsch hatten ihre Sammlung 2010 dem Land Berlin geschenkt unter den Bedingungen, dass das Land die Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Dauerleihgabe überlässt und die Stiftung Teile der Sammlung dauerhaft präsentiert. Durch den Beschluss zum Bau des Museums des 20. Jahrhunderts sahen Ulla und Heiner Pietzsch ihre Forderungen erfüllt und vollzogen die Schenkung endgültig im November 2016.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b JHL: Museum der Moderne kostet 450 Millionen. In: Süddeutsche Zeitung GmbH (Hrsg.): Süddeutsche Zeitung. Nr. 215. Süddeutsche Zeitung GmbH, 17. September 2019, ISSN 0174-4917, S. 9.
  2. BauNetz Media GmbH: Demut statt Krone – Ideenwettbewerb am Kulturforum entschieden. In: BauNetz. 15. Februar 2016 (baunetz.de [abgerufen am 7. Juli 2017]).
  3. Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Der Zeitplan: www.nationalgalerie20.de. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  4. Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Der Realisierungswettbewerb: www.nationalgalerie20.de. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  5. Herzog & de Meuron bauen Museum der Moderne in Berlin. (Memento vom 28. Oktober 2016 im Internet Archive) In: shz.de, 27. Oktober 2016
  6. Eine Wellblechhütte, die innen glänzt. In: Deutschlandradio Kultur, 27. Oktober 2016.
  7. Der größte Aldi von Berlin. In: Deutschlandradio Kultur, 27. Oktober 2016.
  8. Jörg Häntzschel: Museum der Moderne soll 364 Millionen Euro kosten. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  9. a b Bund finanziert Museum der Moderne mit 200 Millionen. In: Der Tagesspiegel, 13. November 2014
  10. Bund fördert Museum der Moderne mit 200 Millionen Euro. Bei: rp-online, 13. November 2014
  11. Jörg Häntzschel: "Museum der Moderne wird erheblich größer als geplant" SZ vom 29. Oktober 2019
  12. Carsten Brosda: "Hamburgs Kultursenator glaubt ans Museum der Moderne" Tagesspiegel vom 8. November 2019
  13. "Das MoMA kommt nicht mehr nach Berlin" Tagesspiegel.de vom 12. November 2019
  14. Rüdiger Schaper: "Baustellen der Moderne" Tagesspiegel.de vom 13. November 2019
  15. Niklas Maak: "Wie Berlin sich alles verbaut" FAZ vom 14. November 2019
  16. "Verstellter Blick"deutschlandfunkkultur.de vom 7. November 2019
  17. Hanno Rauterberg: "Stoppt das Museum der Moderne!" Zeit.de vom 6. November 2019
  18. "Bund bewilligt erhöhte Baukosten für Museum der Moderne" rbb24.de vom 14. November 2019
  19. Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Die Sammlungen in der Neuen Nationalgalerie – Museum des 20. Jahrhunderts: www.nationalgalerie20.de. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  20. Sammlung Pietzsch – Freunde der Nationalgalerie. Abgerufen am 7. Juli 2017 (englisch).

Koordinaten: 52° 30′ 29,1″ N, 13° 22′ 6,6″ O