Museum zur Geschichte von Christen und Juden

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Museum zur Geschichte von Christen und Juden
Museum zur Geschichte von Christen und Juden.jpg

Schloss Großlaupheim
Daten
Ort Laupheim
Art Christliche und jüdische Geschichte
Eröffnung 2000
Besucheranzahl (jährlich) 25.000
Betreiber Stadt Laupheim
Website http://www.museum-laupheim.de/museum.php
ISIL DE-MUS-084617

Das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim im Landkreis Biberach in Oberschwaben ist ein Museum über das rund zweihundertjährige Zusammenleben von Juden und Christen in der Stadt. Das Museum ist in einem Teil des Schlosses Großlaupheim untergebracht. Die Ausstellung wurde vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg erarbeitet und umgesetzt. Betreiber des Museums ist die Stadt Laupheim. Seit dem Jahr 2009 ist Gabriele Wulz, Prälatin der Prälatur Ulm, Vorstand des neugeschaffenen Beirats des Museums.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1730 erlaubte der Reichsfreiherr Carl Damian von Welden den Zuzug der ersten 20 jüdischen Familien in sein Territorium nach Laupheim. Sie ließen sich auf dem Judenberg nieder, ein Schutzbrief macht das möglich. In dem Schutzbrief war auch die Verpflichtung mitinbegriffen, fünf Häuser für je vier Familien zu erbauen. Für jedes Haus waren die Juden verpflichtet 100 Gulden in Vorauskasse zu entrichten. Eine Quittung vom 21. August 1734 bestätigt den Eingang von 400 Gulden, gezahlt an das Universal-Tax-Amt einer Unterbehörde der Reichshofkanzlei in Wien. Die Verpflichtung zu dieser Zahlung entstand wiederum, weil Carl Damian von Welden in einem Lehensverhältnis zum Haus Habsburg stand.

Bald entstand dort ein jüdisches Viertel mit Friedhof, Synagoge, Schule und Rabbinat. Zu Zeiten des Königreichs Württemberg befand sich in Laupheim eine der größten jüdischen Gemeinden im Königreich.

Rundgang durch das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quittung über die einmalige Entrichtung von 400 Gulden an das Universal-Tax-Amt der Römisch-Kaiserlichen Majestät's geheimen Österreichischen-Hof-Kanzlei in Wien

Im Erdgeschoss wird die Geschichte des Laupheimers, Gründers und Chef der Universal Studios Carl Laemmle dargestellt.

  • Die Reichsfreiherren von Welden und Laupheim

Im weiteren Verlauf wird die rechtliche Situation der Juden vor der Säkularisation mit dem Ort als Teil Vorderösterreichs/Schwäbisch-ÖsterreichLandvogtei Schwaben mit dem Adelshaus der Reichsfreiherren von Welden dargestellt.

  • Christen und Juden im 18. Jahrhundert

Nachdem die Juden aus den freien Reichsstädten vertrieben wurden oder ihre Zahl begrenzt wurde, wurden sie auch in kleinen weltlichen Herrschaften Oberschwabens aufgenommen. So in Fellheim oder Altenstadt (Iller) oder in Fischach bei Augsburg. Die Aufnahme der Juden in einem Territorium geschah aus rein wirtschaftlichen Aspekten der Territorialherren. Sie sollten den Handel ankurbeln, Gewerbe in den Ort bringen und die Finanzen der Territorialherren aufbessern.

  • Christliche Bürger – jüdische Untertanen

Die napoleonische Kriege beendeten die Herrschaft Österreichs in diesem kleine weltlichen Territorium. Die Ritterschaft Laupheim wurde 1806 Bestandteil des Königreichs Württemberg. Erst im Jahre 1864 erhielten die Juden das volle Bürgerrecht im Königreich.

  • Katholiken, Juden, Protestanten

Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte Laupheim die größte jüdische Gemeinde des Königreichs Württemberg. Erst einhundert Jahre später in der Mitte des letzten Jahrhunderts entstand in Laupheim eine kleine protestantische Gemeinde.

  • Räume von Juden und Christen

Nach der rechtlichen Gleichstellung engagierten sich jüdische Bürger in vielen kommunalen Einrichtungen.

  • Die Familie Steiner

Kilian von Steiner nahm erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftsgeschichte des Königreiches Württemberg.

  • Der Erste Weltkrieg

Der Glauben an die Idee des Deutschen Vaterlandes bewog Juden und Christen im Ersten Weltkrieg sich freiwillig bei der Armee des Königreiches Württemberg an die Fronten im Osten und Westen des Landes zu melden. Dabei fielen 168 christliche und 9 jüdische Bürger von Laupheim.

  • Die Weimarer Republik

Die Republik von Weimar stellt den Höhepunkt des christlichen und jüdischen Lebens in Laupheim dar. Die Gründung einer NSDAP-Ortsgruppe und antisemitische Hetzkampagnen begannen das Zusammenleben von Juden und Christen in dem Ort zu vergiften.

  • Der Nationalsozialismus

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das jüdische Leben in Laupheim und die fragile christlich-jüdische Koexistenz im Ort zerstört. Die Verfolgungen beginnen sofort nach der Machtübernahme Adolf Hitlers. Die Mehrheit der Bürger Laupheims verschlossen ihre Augen gegenüber dem Leiden ihrer jüdischen Mitbürger.

Grab Familie Einstein
  • Nachkriegszeit und Gegenwart

In der Nachkriegszeit herrschte über Jahrzehnte ein Schweigen der christlichen Bürger zu der jüngeren Stadtgeschichte.

  • Der Künstler Friedrich Adler

Die Realschule von Laupheim wurde nach dem Künstler Friedrich Adler benannt.

  • Der Künstler Ivo Schaible

Ivo Schaible SDS aus Baustetten war ein Pater des Ordens der Salvatorianer und ein vielseitiger Künstler der sakralen und weltlichen Kunst. Er diente seinem Orden vierzehn Jahre lang in den Niederlassungen in Kolumbien. Hier entwarf und gestaltete die Glasfenster in einigen Kirchen. Er war ein leidenschaftlicher Fotograf und malte Landschaftsbilder und Porträts.

  • Laupheimer Frauen

In dem Abschnitt des Museums werden die Lebensläufe christlicher und jüdischer Frauen aus Laupheim dargestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Laemmle. Sonderdruck aus der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum des Carl-Laemmle-Gymnasiums Laupheim, Udo Bayer, 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museum zur Geschichte von Christen und Juden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 13′ 49,2″ N, 9° 53′ 21,1″ O