Musik in Osttimor

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Timoresische Tänzerinnen mit Babadok-Trommeln

Die Musik Osttimors spiegelt den Einfluss der Fremdherrschaft wider, unter der das Land fast 500 Jahre stand. Portugiesen und Indonesier brachten beide ihre Musik wie etwa Fado und Gamelan mit. Daneben gibt es eine reichhaltige traditionelle Tanzkultur. Für sie werden hauptsächlich Trommeln und andere Schlaginstrumente verwendet, aber auch Gitarren, Geigen und Hörner kommen zum Einsatz.

Rituelle Musik[Bearbeiten]

Tebedai- oder Tebe Dahur-Tanz in Viqueque

Einer der traditionellen Tänze ist der Likurai-Tanz, der ursprünglich für die vom Krieg heimkehrenden Männer von den Frauen vorgeführt wurde. Der Tanz wurde von einer kleinen Trommel begleitet. Dazu trug man die Köpfe erschlagener Feinde in einer Prozession durch das Dorf. Heutzutage wird dieser Tanz von den Frauen zur Werbung verwendet. Der Tebedai-Tanz (auch tebe dahur) ist ein traditioneller Tanz im ganzen Land, bei dem man zu Trommeln im Kreis tanzt.[1]

Die Kakalo'uta ist ein Schlaginstrument aus drei aufgehängten Hölzern der Fataluku. Es wird aus dem Ai Solda-Baum hergestellt. Das Karau dikur ist ein Horn aus einem Wasserbüffelhorn. Es wird im Heiligen Haus (Uma Lulik) oder dem Wohnsitz des Liurais geblasen, um die Dorfbewohner für große Anlässe zusammen zu rufen. Es wird auch bei traditionellen Tänzen verwendet. Weitere traditionelle Instrumente sind Trommeln (entweder auf dem Boden stehend oder als kleine Handtrommel von Tänzerinnen, die Babadok[1]), Gongs (butaki)[2] und andere Schlaginstrumente.

Im Juli 2009 wurde mit der Hadahur Music School Osttimors erste Musikschule in Dili gegründet. Sie soll sowohl die traditionelle Musik bewahren, als auch klassische und populäre Musik der Bevölkerung näher bringen. Auch ist die musische Erziehung ein Ziel.

Alltags- und Popmusik[Bearbeiten]

Musikergruppe in Maquili

Die Gitarre ist seit langem ein wichtiger Bestandteil der osttimoresischen Musik. Sie wurde von den Portugiesen eingeführt, jedoch gibt es auch einheimische Saiteninstrumente, die ihr ähneln. Ebenfalls von den Portugiesen beeinflusst ist die reichhaltige Kirchenchortradition.

Die moderne timoresische Musik hat enge Bindungen zur ehemaligen Unabhängigkeitsbewegung. So hatte etwa die Band Dili All Stars ein Lied veröffentlicht, das zu einer Hymne während der Vorbereitung zum Unabhängigkeitsreferendum 1999 wurde. Die Vereinten Nationen gaben den Auftrag zu dem Lied Hakotu Ba von Lahane, das die Bevölkerung ermutigen sollte, sich für das Referendum zu registrieren.

Zu den osttimoresischen Popmusikern gehört Teo Batiste Ximenes, der in Australien aufwuchs und Folkrhythmen Osttimors in seiner Musik verwendet. Viele osttimoresische Auswanderer brachten ihre Volksmusik auch in die Welt, so nach Portugal und Australien. In Portugal wurde diese mit Musikrichtungen aus anderen portugiesischen Kolonien wie Angola und Mosambik vermischt. Weitere Einflüsse stammen von Rock ’n’ Roll, Hip Hop und Reggae. Bands aus Osttimor sind Ego Lemos, 5 do Oriente, Rai Na’in, Detective und Diosis Putri.[3]

2011 erzürnten Medizinstudenten, die den Tanz Kizomba in Kuba gelernt hatten, mehrere Politiker, wie den Parlamentspräsidenten Fernando de Araújo, mit dem „unmoralischen Tanz“. Es wurde sogar deswegen eine Verabschiedung eines „Anti-Pornographie-Gesetzes“ gefordert.[4]

Osttimor in der Musik im Ausland[Bearbeiten]

Sandra Pires

Die in Osttimor geborene Sängerin Sandra Pires ist unter anderem in ihrer jetzigen Heimat Österreich erfolgreich. Ihre Eltern flohen vor dem Bürgerkrieg von 1975. 2007 trat Pires erstmals in ihrem Geburtsland auf.

Ein Lied auf dem Musikalbum Oral Fixation 2 der kolumbianischen Sängerin Shakira heißt Timor. Es handelt von der Gewalt in Osttimor 1999 und der mangelnden Berichterstattung darüber in der westlichen Welt. Auch das Lied Four Hundred Miles from Darwin der Whitlams ist der Gewalt in Osttimor während der indonesischen Besetzung gewidmet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ros Dunlop: Lian Husi Klamar - Sounds of the Soul: The Traditional Music of Timor-Leste, Sydney 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Musik in Osttimor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Tony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor Lonely Planet, London 2004, ISBN 1740596447
  2. Damien Kingsbury: National Identity in Timor - Leste: A Brief Comparative Study
  3. MTV EXIT Anti-Trafficking Campaign Comes to Timor-Leste
  4. Televizaun Timor-Leste, June 29, 2011: "Lasama calls on Timorese medical students to apologize to the public.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter The Parliamentary President Fernando “Lasama” de Araujo, has called on the Timorese medical students who studied in Cuba to extend apology to the public for their wide spread sensual dance called “Kijomba ala Cuba” because it has not reflected the Timorese culture. “The state provide them scholarship this is because the cooperation between the two countries. I am concerned about their attitude as people said and therefore I will ask the Health Minister to talk with them. They should not imitate culture of other countries and should state they will not repeat it,” Lasama said. MP Maria Rosa da Câmara from the National Congress for the Timorese Reconstruction (CNRT) and Getrudes Moniz said the Timorese students who engaged in Kijomba dance ala Cuba, have also did the same dance in Oe-Cuse district and is responded negatively by the local residents; therefore they called on the Parliament to produce an anti-pornography law in the country."