Musikdirektor

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Der Musikdirektor (MD), Generalmusikdirektor (GMD) oder Chefdirigent ist der künstlerische Leiter eines Orchesters, eines Chores oder einer Institution.[1] Teilweise findet sich auch die Bezeichnung des Chordirektors für diese Berufsgruppe.

Musikdirektoren[Bearbeiten]

Der Musikdirektor (lat. director musices) oder Chefdirigent war ursprünglich der Titel des leitenden beamteten Musikers einer Stadt in Deutschland und Österreich; so war beispielsweise Johann Sebastian Bach Musikdirektor in Leipzig, Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach in Hamburg, Robert Schumann in Düsseldorf. In früheren Zeiten verliehen Fürsten, Herzöge oder Könige diesen Titel. Heutzutage wird er von Kommunalbehörden, Universitäten oder kirchlichen Institutionen vergeben.

Seit dem 19. Jahrhundert wird der Titel auch an die Leiter musikalischer Einrichtungen wie Städtische Blasorchester oder Chöre verliehen. Spezielle Titel sind beispielsweise Städtischer Musikdirektor oder Stadtmusikdirektor, Landesmusikdirektor (LMD) und Universitätsmusikdirektor (UMD).

Im kirchlichen Bereich gibt es den Kirchenmusikdirektor (KMD), Landeskirchenmusikdirektor (LKMD), oder an besonderen Kirchen wie beispielsweise im Evangelischen Stift Tübingen den Stiftsmusikdirektor. In manchen katholischen Diözesen führen die Leiter der Referate für Kirchenmusik auch den Titel Diözesankirchenmusikdirektor (DKMD) oder Diözesanmusikdirektor (DMD). Der Allgemeine Cäcilien-Verband, Dachverband der katholischen Kirchenmusik deutscher Diözesen, verleiht den Titel Musikdirektor ACV.

Generalmusikdirektoren[Bearbeiten]

In größeren Städten erhält der Musikdirektor häufig den Titel Generalmusikdirektor, insbesondere wenn er als Chefdirigent für das Symphonieorchester und das Theater/die Oper verantwortlich ist. Der Titel Generalmusikdirektor wurde erstmals 1819 in Berlin für Gaspare Spontini vergeben. Daniel Barenboim ist beispielsweise seit 1992 GMD der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

In Österreich wurde am 28. Juni 1930 mit Entschließung von Bundespräsident Wilhelm Miklas (1872–1956) für Musiker, die in der internationalen Musikwelt einen ganz hervorragenden Ruf genießen, als Berufsdirigenten an einem der Pflege der Musik gewidmeten österreichischen Kunstinstitute von überragender Bedeutung durch mindestens zehn Jahre ununterbrochen gewirkt und als solche prominente künstlerische Leistungen aufzuweisen haben, der Berufstitel „Generalmusikdirektor“ geschaffen. [2]

Weitere musikalische Ämter und Titel sind Intendant, Musikalischer Leiter, Künstlerischer Leiter, Verwaltungsleiter, Dirigent, Kapellmeister und Hofkapellmeister.

Chordirektoren[Bearbeiten]

Der Fachverband Deutscher Berufschorleiter (FDB) verleiht bei der Aufnahme neuer Mitglieder auf Antrag den Titel Chordirektor FDB. Der Titel Musikdirektor FDB erfordert in der Regel eine Ausbildung an einer Musikhochschule sowie eine herausragende Konzerttätigkeit. Der Titel kann bei nachlassenden Leistungen wieder aberkannt werden.[3] Die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände verleiht auf Antrag den Titel Chordirektor BDC für hervorragende künstlerische Leistungen. Über den Antrag entscheidet eine Prüfungskommission aus sieben Fachleuten. Der Titel gilt nach Angaben des Verbandes als Alternative zu anderen musikalischen Ausbildungsabschlüssen und Diplomen.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerald Mertens: Orchestermanagement, Springer DE 2010, ISBN 353192317X, S. 132.
  2. Theater und Kunst. Schaffung des Berufstitels „Generalmusikdirektor“. In: Wiener Zeitung, Nr. 156/1930, 9. Juli 1930, S. 5. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  3. Satzung des Fachverbandes, PDF Stand 2010.
  4. www.chorverbaende.de Abgerufen am 10. Oktober 2012.