Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen

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Gymnasium der Regensburger Domspatzen
Schulform Gymnasium mit Musischem und Naturwissenschaftlichem Zweig
Gründung 975
Adresse

Reichsstraße 22

Ort Regensburg
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 0′ 54″ N, 12° 6′ 52″ OKoordinaten: 49° 0′ 54″ N, 12° 6′ 52″ O
Träger „Stiftung der Regensburger Domspatzen“
Schüler 428 (Stand Oktober 2011)
Lehrkräfte 39
Leitung Berthold Wahl
Website www.domspatzen.de

Das Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen ist eine römisch-katholische Schule für Jungen in Regensburg. Es liegt im Ostenviertel der Stadt und dient als staatlich anerkanntes Musisches und Naturwissenschaftliches Gymnasium für die Mitglieder des Domchors, die Regensburger Domspatzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gymnasium geht auf eine 975 von Bischof Wolfgang von Regensburg gegründete Domschule zurück und ist damit eine der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum. Sie ist deshalb eng mit dem Domchor am Regensburger Dom verbunden. Eine Stiftung des Domkapitels aus dem 16. Jahrhundert, die Dompräbende, diente der Einrichtung und dem Unterhalt eines Internats für die Domschüler. Nachdem das Fürstentum Regensburg 1810 bayerisch wurde, teilten sich das Königreich Bayern und das bis dahin allein verantwortliche Domkapitel ab 1819 die Finanzierung. Im Jahre 1934 konnte vom Domkapitel ein Anwesen in der Regensburger Orleanstraße erworben werden, das ein Jahr später von der Dompräbende bezogen wurde. Zwei Jahre später wurden Pläne für den Neubau eines Musikgymnasiums entwickelt und genehmigt. Dieses sollte unter der Leitung von Theobald Schrems im Stadtpark entstehen und von Reichskanzler Adolf Hitler weitgehend finanziert werden. Da aus diesen Planungen nichts wurde, konnte das derzeitige staatlich anerkannte Musikgymnasium erst 1948 gegründet werden.[1]

Ludwig Zehetner unterrichtete von 1968 bis 2002 Deutsch und Englisch am Musikgymnasium (seit 1970 als Beamter auf Lebenszeit) und wurde 1988 auch stellvertretender Schulleiter.

Schulprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der musikalischen Ausbildung ist die christliche Erziehung ein tragendes Element der katholischen Schule. Für die Schüler aus Regensburg und der engeren Umgebung wird bis einschließlich der 10. Jahrgangsstufe die Möglichkeit der Ganztagesbetreuung angeboten.

Die Sprachenfolge ist entweder Englisch-Latein oder Latein-Englisch. Nach Ablegen der ersten oder zweiten Fremdsprache kann zusätzlich Französisch gewählt werden. Das Gymnasium ist eine katholische Schule; es werden aber auch evangelische Schüler aufgenommen. Fast die Hälfte der Schüler lebt in dem der Schule angegliederten Internat.

Seit 2013 befindet sich eine neuerrichtete vierklassige Grundschule auf dem Gelände des Musikgymnasiums. Träger des Musikgymnasiums mit Internat ist die Stiftung der Regensburger Domspatzen, die vom Regensburger Domkapitel und dem Verein der Freunde des Regensburger Domchors getragen wird. Diese Stiftung ist ebenso Träger der Grundschule und des Domchors, der Regensburger Domspatzen.

Seit 1996 besteht eine Schulpartnerschaft zwischen dem Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen und dem Collège-Lycée Saint Joseph in Carpentras.[2]

Internatsleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Internat unterstand unter anderem folgenden Internatsleitern:[3]

  • 1953–1958: Friedrich Zeitler
  • 1959: Georg Friedrich Zimmermann
  • 1959–1970: Siegfried Lintl
  • 1970–1971: Hubertus Schöner
  • 1972–1975: Franz Xaver Kohlbeck
  • 1975–1996: Dr. Herbert Winterholler
  • 1996–2001: Matthias Effhauser
  • seit 2001: Rainer Schinko

Missbrauchsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen betrafen neben der Grundschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen und Pielenhofen auch das zum Gymnasium gehörige Internat. Zu den auffällig gewordenen Personen, die an der Schule waren, zählten mehrere Geistliche.

Friedrich Zeitler,[4] Leiter des Internats (geboren 1918 in Mitterteich, ordiniert 1949), war von September 1953 bis zum 6. Mai 1958 als Religionslehrer und Präfekt am Musikgymnasium Regensburg tätig. Er wurde von Theobald Schrems aus dem Dienst entfernt, weil er „mit zweien seiner Schützlinge bei unsittlichen Handlungen ertappt“ worden sei. Nachdem er sich zunächst der Strafverfolgung durch Flucht entzogen hatte, wurde er im Mai 1959 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.[5] Von Oktober 1961 bis Juni 1982 war er als Hausgeistlicher bei einem Schwesternkonvent mit angegliederter Mädchenschule im Bistum Chur tätig.[6] Er ging 1982 in den Ruhestand und verstarb 1984 in Mitterteich.[7][8]

Georg Friedrich Zimmermann war vom 1. Januar bis 1. September 1959 Direktor des Domgymnasiums und des Internates der Dompräbende in Regensburg. Er wurde 1971 wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen verurteilt.[7]

Sturmius Wagner, späterer Pfarrer in Dietenhofen-Großhabersdorf, war von April 1970 bis Februar 1972 als Hilfskraft und als Präfekt im Internat tätig und missbrauchte mindestens einen Schüler;[9] es wird von fünf weiteren Schülern berichtet, die sich gemeldet haben.[10] Er wurde April 2010 vom Eichstätter Bischof suspendiert.[11]

Der frühere Domkapellmeister Georg Ratzinger, der von 1964 bis 1994 den Chor der Domspatzen leitete, gab an, dass er keine Kenntnis von den Missbrauchsfällen habe.[12] Dem stehen Berichte von mehreren Betroffenen gegenüber, die sich ihren Angaben zufolge 1970/71 an Ratzinger gewandt und sexuelle Übergriffe gemeldet haben.[13]

Im März 2010 wurde der Vorwurf erhoben, es habe mindestens noch bis ins Jahr 1992 sexuellen Missbrauch gegeben, wobei die Täter in diesen Fällen ältere Schüler gewesen seien.[14]

Ehemalige Domspatzen des Archivs intern-at.de gehen laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von November 2014 von etwa hundert Sängerknaben aus, die von sexuellem Missbrauch betroffen gewesen seien.[15]

Im April 2015 kündigte das Bistum Regensburg an, mit der Opferorganisation Weißer Ring zu kooperieren, um körperlichen und sexuellen Missbrauch beim Domspatzen-Chor aufzuklären.[16] Die Bistumsverwaltung lässt seither die Vorfälle bei den Regensburger Domspatzen mit Hilfe eines unabhängigen Anwalts aufklären.[17] Der vom Weißen Ring empfohlene Anwalt Ulrich Weber hat inzwischen eine spezielle Webseite eingerichtet, über die sich Betroffene mit ihm in Verbindung setzen können.[18]

Weber gab im Januar 2016 gab an, von einer hohen Zahl von Gewaltopfern auszugehen: „Es sind 231 Meldungen eingegangen. Die Opfer sprechen einhellig von dem Umstand, dass ein Drittel der Kinder auch geschlagen wurde. In der Kernzeit von 1953 bis 1992 sprechen wir von 2450 Schülern. Mithin habe ich derzeit keinen Grund, von einer Gesamtopferzahl von 600-700 zu zweifeln,“[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freunde des Regensburger Domchores e.V. (Hrsg.): 1000 Jahre Regensburger Domspatzen – Festschrift zum 1000-jährigen Bestehen der Regensburger Domspatzen und zum 50-jährigen Bestehen des Vereins "Freunde des Regensburger Domchores", Gustav Bosse Verlag, Regensburg 1976
  • Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen (Hrsg.): Festschrift 50 Jahre Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen 1948-1998, Marquardt, Regensburg 1998

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Halter: Die „Regensburger Domspatzen“ 1924–1945, in: Werner Chrobak (Hg.): Staat, Kultur, Politik, 1992, S. 379.
  2. Wolfgang Judenmann: Schulpartnerschaft mit dem Collège-Lycée Saint Joseph in Carpentras, in: Festschrift 50 Jahre Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen 1948-1998, herausgegeben vom Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen, Marquardt, Regensburg 1998
  3. siehe Festschrift 50 Jahre Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen.
  4. Bewusste Verwirrung oder Schlamperei? intern-at.de
  5. Robert Werner: Die Causa Georg Zimmermann, Recherche auf regensburg-digital vom 11. Mai 2013, abgerufen im Dezember 2013
  6. online, 20min.ch
  7. a b Mittelbayerische Zeitung
  8. Radio Vatikan
  9. stern.de
  10. http://www.intern-at.de/missbrauchsfaelle/missbrauchsfaelle03/
  11. Missbrauch zwischen Drang und Verdrängung, Nürnberger Zeitung vom 6. April 2010
  12. Missbrauch: Domspatzen brechen ihr Schweigen, Mittelbayerische Zeitung vom 5. März 2010.
  13. Die Methode Ratzinger Darstellung der Betroffenengruppe intern-at.
  14. Neue Missbrauchsvorwürfe bei Regensburger Domspatzen. In: Spiegel Online, 13. März 2010 (online)
  15. „Für unsere Seelen hätten wir uns etwas anderes erwartet“, Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 12. November 2014.
  16. Tiefe Scham über Missbrauch bei den Domspatzen, Die Welt vom 27. April 2015, abgerufen am 25. November 2015
  17. Auftrag zur Aufarbeitung der Missbrauchs- und Misshandlungsfälle von außen, Website des Bistums (Stand August 2015)
  18. Startseite zur Aufklärung der Missbrauchs- und Misshandlungsfälle bei den Regensburger Domspatzen, Website von Anwalt Weber, aufgerufen am 25. November 2015
  19. http://de.radiovaticana.va/news/2016/01/08/missbrauchsskandal_bis_zu_700_betroffene_domspatzen/1199698