Musikkollegium Winterthur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Stadthaus von Winterthur, in dem das Orchester 40 Konzerte im Jahr gibt
Hermann Scherchen, unter dessen Leitung das Orchester europaweit bekannt wurde

Das Musikkollegium Winterthur ist ein professionelles Schweizer Sinfonieorchester und eines der ältesten Musikinstitutionen Europas. Das Orchester gibt etwa 70 Konzerte pro Jahr, 40 davon im Stadthaus Winterthur. Der Schwerpunkt seines Repertoires liegt neben den Werken des 20. Jahrhunderts bei der Klassik und der Romantik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musikkollegium selbst wurde 1629 vom Geistlichen Hans Heinrich Meyer gegründet und hatte damals das Ziel, den Kirchengesang zu fördern. Zu Beginn setzte sich die Musikgesellschaft aus etwa 30 bis 40 Leuten zusammen, die Aufnahmekriterien umfassten eine gute Stimme und die Beherrschung eines Instruments. Auffällig war dabei der Anteil der Sulzers, Hegners und Steiners (die drei berühmtesten Geschlechter Winterthurs zu dieser Zeit) sowie der Geistlichkeit, der erst im 18. Jahrhundert zurückging. So besuchte das Musikkollegium anfangs noch geschlossen die Gottesdienste. Ebenfalls wechselte der Schwerpunkt der Musik im 18. Jahrhundert von der kirchlichen zur instrumentalen Musik.

Das Orchester wurde 1875 vom Dirigenten und damaligen Direktor des Musikkollegiums Georg Wilhelm Rauchenecker als Stadtorchester Winterthur ins Leben gerufen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Stadtorchester dann vor allem vom Mäzen Werner Reinhart gefördert und in der Folge unter dem Dirigenten Hermann Scherchen europaweit berühmt. Aus dieser Zeit stammen über 120 Uraufführungen,[1] Komponisten wie Hindemith, Honegger, Schoeck, Schönberg, Strauss, Strawinski und Webern schrieben Stücke für das Stadtorchester. Schon seit 1874 besteht der heutige Oratorienchor Winterthur (vor 2004 Gemischter Chor Winterthur), der das Stadtorchester bei Oratorien, Messen, Passionen und anderen grossen Chorwerken unterstützt.

2000 wurde das Stadtorchester Winterthur in Musikkollegium Winterthur umbenannt, um wieder an seine Ursprünge anzuknüpfen.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gegenwart konzertieren die rund 50 Musiker aus über 20 Nationen unter der Leitung ihres Chefdirigenten Thomas Zehetmair sowie mit zahlreichen Gastdirigenten, unter Ihnen Michael Sanderling, Mario Venzago, Heinz Holliger, Jac van Steen und Vladimir Fedoseyev, um nur einige zu nennen. International gefragte Solisten wie Sol Gabetta, Yuja Wang, Ian Bostridge, Sir András Schiff, Nelson Freire, Kit Armstrong, Teo Gheorghiu, Regula Mühlemann, Maurice Steger und Andreas Ottensamer treten regelmässig mit dem Musikkollegium Winterthur auf und schätzen eine kontinuierliche Zusammenarbeit.

Zudem wartet das Musikkollegium Winterthur immer wieder mit unkonventionellen Konzertformaten auf: allen voran das jährliche Classic Openair im Winterthurer Rychenbergpark. Regelmässig wird das Musikkollegium Winterthur auch zu Gastauftritten in der Schweiz sowie im Ausland eingeladen und pflegt eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Opernhaus Zürich und dem Theater Winterthur für Opernproduktionen. Zahlreiche, zum Teil mit Preisen ausgezeichnete CD-Einspielungen, darunter ein Zyklus mit sämtlichen Klavierkonzerten und Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy, zeugen vom hohen künstlerischen Rang des Musikkollegiums Winterthur.

Jugendarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musikkollegium Winterthur pflegt ein starkes Engagement für Kinder und Jugendliche. Mit seiner exemplarischen Jugendarbeit hat das Musikkollegium Winterthur in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle in diesem Bereich erlangt, für die es bereits mehrere Preise entgegennehmen durfte. Die Jugendopern Fealan (2009), Das Verbotene Land (2012) und Drachencamping (2017), die ganz von Kindern komponiert wurden, ernteten grossen Erfolg.

Dirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975: Kulturpreis der Stadt Winterthur
  • 2008: Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie «Liedeinspielung» zusammen mit Christianne Stotijn
  • 2011: ECHO Klassik in der Kategorie «Konzerteinspielung» von Musik des 19. Jahrhunderts (Orgel)
  • 2013: ECHO Klassik in der Kategorie «Konzerteinspielung» von Musik des 20. Jahrhunderts

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Wolfensberger, Martin Gmür: Winterthur. Zürich 1996, ISBN 3-905111-09-8, S. 51.
  2. Michelle Ziegler: Thomas Zehetmair am Musikkollegium Winterthur. Der Geiger, der den Takt schlägt. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. September 2016.