Mustang (Jeans)

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MUSTANG-Bekleidungswerke GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 2. Mai 1932
Sitz Künzelsau, Deutschland
Leitung

Dietmar Axt (CEO)

Mitarbeiterzahl

600 weltweit (2010)

Umsatz 100 Mio. € (2013)[1]
Website www.mustang-jeans.com

Mustang ist eine Jeanshosen- und Lebensstilmarke.[2] Die Mustang-Gruppe mit neun Standorten in Europa, Russland und China hat ihren Hauptsitz in Künzelsau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Textilunternehmen Mustang wurde am 2. Mai 1932 von Luise Hermann als L. Hermann Kleiderfabrik in Künzelsau als Reaktion auf das stagnierende Holzhandelsgeschäft ihres Ehemannes Heinrich Hermann gegründet. Neben der Inhaberin waren sechs Näherinnen beschäftigt. Die Firma fertigte Berufsbekleidung und stattete Wehrmacht und Reichsarbeitsdienst mit Drillichanzügen aus.[3]

Der Sohn der Unternehmensgründerin, Rolf Hermann (1926–2008), und ihr Schwiegersohn Albert Sefranek (1920–2014) traten 1945 in das Familienunternehmen ein. Albert Sefranek tauschte 1948 in einer Frankfurter Bar bei US-Soldaten sechs Flaschen Schnaps gegen sechs Jeans. Diese Jeans wurden zum Muster für die ersten Jeans der Firma genommen.[4] Noch 1948 wurde ein erster Auftrag über 300 blaue sogenannte „Amihosen“ – die Jeans – angenommen. Damit war die Firma in Europa der erste Anbieter von Jeans. Die Schnittmuster für die Röhrenhosen wurden von US-amerikanischen Jeans „übernommen“, die Sefranek sich von in Deutschland stationierten GIs besorgt hatte. Ein Jahr später begann die Serienproduktion, zunächst aus Köper für Arbeitskleidung, später aus echtem importiertem US-Denim. Die Anfangsjahre waren schwierige Zeiten: Jeans galten im Nachkriegsdeutschland anfangs schon aufgrund ihres engen Schnitts als ordinär, wurden zunächst mit den Siegermächten und später mit dem linken Spektrum assoziiert. Im Jahr 1953 stellte Mustang die erste Jeans für Damen her, die als Girl’s Campinghose angeboten wurde, im Jahr 1955 ergänzte eine Jeans aus Cordstoff die Palette.

American Way of Life[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marke Mustang-Jeans wurde, inspiriert vom damals populär werdenden American Way of Life, von Sefranek 1958 eingeführt und geschützt.[5] Als Unternehmenslogo wählte er dazu passend dem Mustang nachempfundene, stilisierte Pferde.[6] Vorher wurde die Jeans als „Cowboyhose“ geführt. Eine hochpreisige Mustang Jeans kostete damals um die 20 Mark. 1961 brachte das Unternehmen unter der Marke Mustang die weltweit erste Stretchjeans auf den Markt. Mitte der 1960er Jahre bestellte Kaufhof die ersten Modelle, was für Mustang den Einzug in den bundesweiten Einzelhandel bedeutete. Mitte der 1960er stand Mustang kurz vor der Übernahme des Alleinvertriebs von Levi’s Jeans in Deutschland, bis die Amerikaner einen Rückzieher machten und später eine eigene Tochtergesellschaft gründeten.[7] 1971 wurde die gesamte Produktion von Berufskleidung auf Jeansmode umgestellt. 1972 entwarf Mustang die Freizeitkleidung der westdeutschen Mannschaft zu den Olympischen Sommerspielen 1972 in München. 1973 wurde die L. Hermann KG in Mustang Bekleidungswerke GmbH + Co. umbenannt. Ende der 1970er wurde die Jeans-Kollektion um Jacken und Oberteile ergänzt. Ab 1981 expandierte das Unternehmen mit Tochtergesellschaften ins europäische Ausland, so nach Frankreich und Portugal.

Lizenzgeschäft und Szene-Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 erhielt Mustang die Lizenz für JOOP!-Jeans, die erst 2003 mit dem Verkauf der Marke JOOP! auslief. Ab 1993 bis 1999 bestand ein Lizenzvertrag mit dem belgischen Designer Walter Van Beirendonck für Produktion und Vertrieb seiner extravaganten Streetwear-Marke W&LT – Wild And Lethal Trash, für die weltweit auch eigene Shops betrieben wurden.[8][9] Danach wurde W&LT von Mustang in Eigenregie weitergeführt und im Frühjahr 2003 eingestellt, um sich auf die Kernmarke zu konzentrieren.[10] Mitte der 1990er startete Mustang im Rahmen eines Szene-Marketingkonzepts zusammen mit dem Musiksender VIVA das JAM – Jeans and Music Projekt, das eine wöchentliche TV-Sendung, ein Magazin, die Mustang Roadshow mit Live-Konzerten, den CD-Sampler Jamtrax und das Sponsoring von Groß-Events wie Rock am Ring umfasste und der Marke Mustang einen beachtenswerten Imagegewinn bescherte.[11] Darüber hinaus bestanden ein Sponsoring-Vertrag mit der Rockband Scorpions und Aktivitäten auf der Kölner Musikmesse Popkomm. Seit 1999 werden unter der Marke Mustang in Lizenz von externen Unternehmen auch Schuhe (ab Ende 2005), Gürtel, Taschen (ab 2002), Unterwäsche (ab 2005), Strümpfe, Düfte (ab 2006) und Uhren (ab Ende 2005) angeboten. Seit 2000 kooperiert Mustang zudem mit Willy Bogner und stellte für die 2001 lancierte Lizenz-Marke Bogner Jeans unter anderem Produkte wie die 6-Pocket-Jeans oder eine Skifahrerjeans her. 2005 wurde ein Lizenzvertrag mit Wolfgang Joops 1999 lancierter Marke Wunderkind zwecks Fertigung von Jeans unterzeichnet, welcher allerdings 2006 wieder aufgegeben wurde.

Jeansmarkt-Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Produktion von Jeans wurden im Jahre 1997 täglich 29.900 Meter Denim für 23.000 Jeans benötigt. In 24 Ländern arbeiteten 2.000 Mitarbeiter im Unternehmen und seinen Tochtergesellschaften. Die Familie Hermann zog sich 1990 aus dem Unternehmen zurück und übergab ihre Anteile an Albert Sefranek. An seinem 75. Geburtstag schied Sefranek 1995 aus der Unternehmensleitung aus und übergab die Geschäfte an seinen Sohn, Heiner Sefranek (* 1948), der seit 1974 im Unternehmen beschäftigt ist. Ende der 1990er Jahre befand sich der Jeans-Markt in einer Krise, die Nachfrage ging zurück, die Preiskämpfe der Hersteller nahmen zu. Mustang schloss die Produktionsstätte am Stammsitz Künzelsau, wo noch 15 % des Gesamtvolumens hergestellt wurden, und baute Personal ab.[12] Umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen dauerten bis Anfang der 2000er Jahre an. Die Produktionsstätte in Portugal wurde 2002 geschlossen.[13]

Vertikalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die späten 2000er Jahre waren ebenso schwierige Zeiten für Mustang, nachdem 2004 eine Trendwende erreicht worden war.[14] Im Jahr 2007 schloss das Unternehmen das letzte eigene Werk im ungarischen Marcali. Ende 2005 war die Entscheidung gefallen, die Eigenfertigung und damit die Werke in Polen und Russland aufzugeben. Die Vertikalisierung des Unternehmens wurde vollzogen.[15][16] 2006 wurde ein Verlust von 6,2 Mio. Euro verbucht. Der Umsatz lag bei 96 Mio. Euro, zehn Jahre zuvor war dieser noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen. Die Belegschaft in Deutschland wurde auf ein Drittel reduziert.[17] Die Herstellung der Textilien erfolgt nun in Auftragsfertigung, vor allem in China und anderen Staaten im Fernen Osten. Am Unternehmenssitz verblieb eine Design-, Schnitt- und Waschabteilung.[18]

Mustang heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 ernannte Heiner Sefranek Theo Birkemeyer (* 1962), der seit 2006 im Marketing des Unternehmens tätig war und Ende der 1980er Jahre schon einmal für Mustang gearbeitet hatte, zu seinem Nachfolger als CEO. Mustang betrieb im Jahr 2008 weltweit 190 eigene Ladengeschäfte, in denen ausschließlich eigene Produkte verkauft werden. Der erste Mustang-Laden in Deutschland wurde 1999 in Düsseldorf eröffnet, im Frühjahr 2010 wurde das 50. deutsche Mustang-Geschäft in Hamburg eingeweiht. Ende 2009 siedelte Mustang eine Niederlassung für den Einzelhandel in Frankfurt am Main an und eröffnete einen Flagshipstore in der Innenstadt. Im Herbst 2009 ging der Mustang-Onlineshop online. Das Geschäftsjahr 2009 schloss das Unternehmen mit positivem Ergebnis ab.[19]

In Moskau und Hongkong bestehen Tochtergesellschaften. 2010 wurde in der Mustang GmbH als Holdinggesellschaft das Einzelhandelsgeschäft, Mustang Store, und das Großhandelsgeschäft, Mustang Jeans, getrennt. Am 18. Mai 2010 wurde Albert Sefranek, der noch immer repräsentative Termine für Mustang wahrnahm, 90 Jahre alt. Im Juni 2011 übernahm Heiner Sefranek wieder die Geschäftsführung.[20]

Anfang Oktober 2011 wurde bekanntgegeben, dass die Familie Sefranek ihre Mehrheit am Unternehmen, das sich seit seiner Gründung nahezu 80 Jahre in Familienbesitz befand, abgibt; Haupteigentümer ist nun eine aus 14 Gesellschaftern bestehende Investorengruppe um die Beteiligungsgesellschaft ACapital Beteiligungsberatung GmbH aus Frankfurt am Main.[21][22][23] Die Familie Sefranek behielt bei der Übernahme nur 10 Prozent der Firmenanteile. Albert Sefranek, welcher in der deutschen Textil-Industrie Mister Jeans genannt wurde, starb am 2. März 2014.[24]

Mustang-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 eröffnete die Firma anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums ein eigenes Museum in der Austraße 10 in Künzelsau, im ehemaligen Wohnhaus der Firmengründerin Luise Hermann.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlich haftender Gesellschafter der MUSTANG-Bekleidungswerke GmbH & Co. KG ist die MUSTANG-Verwaltungs GmbH, die ihren Sitz ebenfalls in Künzelsau hat und sich bis 2011 im Familienbesitz befand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gregor Kessler: Frisch gesattelt. In: Financial Times Deutschland. 2. Juli 2012, S. 6, archiviert vom Original am 29. April 2013; abgerufen am 4. April 2013.
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Alfons Kaiser: Als die Amihosen laufen lernten. In: faz.net, 29. August 2008
  4. Der Spiegel, Register, Gestorben: Albert Sefranek. Der Spiegel 11/2014, S. 147.
  5. Markenregister Mustang Wortmarke
  6. Markenregister Mustang - Bildmarke
  7. Susanne Krah: Die Erfolgsstory der Jeans: Von der Arbeitshose zum Kultobjekt.@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Textilwirtschaft, 10. Oktober 1996
  8. Elke Dieterich: Beirendonck ist Kreativ-Direktor für Scapa Sports.@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Textilwirtschaft, 26. Oktober 2006
  9. Textilwirtschaft: Erster W.&L.T.-Shop in Deutschland eröffnet (15. September 1998)
  10. Textilwirtschaft: Mustang stellt die Linie W.&L.T. ein@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (12. Dezember 2002)
  11. Absatzwirtschaft: Die Jugend gewinnen – Einstieg ins Szenen-Marketing? (Memento des Originals vom 12. September 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.absatzwirtschaft.de (10. Dezember 1994)
  12. Textilwirtschaft: Mustang macht Produktion am Stammsitz dicht@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (12. November 1998)
  13. Textilwirtschaft: Mustang verkauft Werk in Portugal@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (1. Januar 2002)
  14. Textilwirtschaft: Textilhersteller Mustang schafft die Trendwende@1@2Vorlage:Toter Link/www.textilwirtschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (27. Oktober 2005)
  15. Den Mustang neu aufgezäumt. In: Hohenloher Zeitung. 1. April 2008 (bei stimme.de [abgerufen am 18. Juni 2010]).
  16. Textilwirtschaft: Mustang: Neue Positionen für internationale Expansion (7. August 2008)
  17. Hamburger Abendblatt: Hosen aus der Folterkammer (27. Mai 2006)
  18. Mustang schließt das letzte eigene Werk. manager-magazin.de, 12. Januar 2007 (abgerufen am 29. Oktober 2008)
  19. Manfred Stockburger: Mustang schneidert sich neue Struktur. In: Hohenloher Zeitung. 29. Dezember 2009 (bei stimme.de [abgerufen am 18. Juni 2010]).
  20. mfd: Heiner Sefranek ist wieder Mustang-Chef. In: Hohenloher Zeitung. 11. Juni 2011 (bei stimme.de [abgerufen am 18. Juni 2010]).
  21. Mustang: Gründerfamilie verkauft an Investorengruppe textilwirtschaft.de, 4. Oktober 2011
  22. Finanzinvestor steigt bei Mustang ein handelsblatt.com, 4. Oktober 2011
  23. http://www.stimme.de/hohenlohe/wirtschaft/Ende-einer-AEra-Mustang-wird-verkauft;art17654,2256449
  24. Der Spiegel, Register, Gestorben: Albert Sefranek. Der Spiegel 11/2014, S. 147.