Muzeum II Wojny Światowej

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Das Museum des Zweiten Weltkriegs (Muzeum II Wojny Światowej) in Danzig
Museum WWII 3.jpg

Das Muzeum II Wojny Światowej (polnisch für „Museum des Zweiten Weltkrieges“) in Gdańsk (Danzig) wurde nach ca. achtjähriger Planungs- und Bauzeit am 23. März 2017 offiziell eröffnet.[1] Bereits nach zwei Wochen wurde das eigenständige Museum mit dem in Gründung befindlichen Westerplatte-Museum zusammengelegt. Das neue Museum wird seit dem 7. April kommissarisch vom Historiker Karol Nawrocki geleitet.

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2017 war das Muzeum II Wojny Światowej vom Gründungsdirektor Paweł Machcewicz mehrere Tage für das interessierte Publikum zunächst provisorisch geöffnet worden. Das von der Regierung Donald Tusks 2008/09 geplante Museum ist das erste dieser Art im Nachkriegs-Polen. Laut Machcewicz zeigt die Hauptausstellung des Museums die Besonderheiten der Erfahrungen weiter Bevölkerungsteile in Polen während des Krieges und fügt sie in den europäischen Kontext ein.[2]

Die Museumskonzeption begleitet ein Streit zwischen verschiedenen Behörden und Beteiligten. Die jetzige Nachfolgeregierung PiS stellt diese auf einer umfassenden Erinnerungskultur basierende Museumskonzeption in Frage. Die in diesem Zusammenhang von ihr angestrebte Zusammenlegung des Museums mit dem Westerplatte-Museum war Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.[2] Das Oberste Verwaltungsgericht gab am 5. April 2017 einer Klage des Kulturministeriums gegen das Museum in letzter Instanz statt. Laut Kulturminister Piotr Gliński sollte die Vereinigung beider Museen „sobald wie nur möglich“ erfolgen.[3] Die Vereinigung wurde am 6. April 2017 vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe bekanntgegeben und Nawrocki übernahm tags darauf die Leitung vom fristlos gekündigten Machcewicz.[4]

Der Museumsbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk wurde vom Architekturbüro Kwadrat in Gdynia entworfen, eine international besetzte Jury hatte sich für diesen Entwurf entschieden. Es ist ein etwa 40 m hoher, vierseitiger Kubus, der schräg aus dem Boden ragt. Eine der vier Flächen und die Oberseite ist verglast.

Die Konzeption soll Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft widerspiegeln: Vergangenheit sind die unterirdischen Ausstellungsflächen, die offenen Flächen rund um das Museum symbolisieren die Gegenwart, der imposante Turm mit Büros und einem Café auf der obersten Ebene die Zukunft.[5] Die eigentlichen Ausstellungsflächen von 5.000 m² befinden auf dem untersten der unterirdischen Stockwerke.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum entstand auf einem Gelände der Danziger Verkehrsbetriebe. Der Platz wurde nach dem Historiker Władysław Bartoszewski benannt, er liegt auf einer Landspitze zwischen Radaunekanal und Mottlau. Standort des Museums ist die Brabank (Stara Stocznia in Entsprechung und Übersetzung: Alte Werft) im Bezirk Stadtmitte. Auf Gewerbebrachen und ehemaligem Werftgelände entsteht hier ein neuer Stadtteil. Das Europäische Zentrum der Solidarność (ECS) ist nur 1 km entfernt, das 1939 umkämpfte Polnische Postamt nur 200 m. Zwischen dem Touristenmagnet Rechtstadt und dem Museum liegen die Neustadt und das Wohngebiet Zamczysko (Schloss).

Das Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem militärischen Widerstand soll das Leiden der polnischen Bevölkerung unter der Deutschen Besetzung Polens bis 1945 und der zeitweiligen der Russen dokumentiert werden. Den etwa 5 Millionen getöteten Zivilisten, wovon etwa 3 Millionen Juden waren, stehen 200.000 militärische Opfer gegenüber. Auch die osteuropäischen Umwälzungen in den Kriegsjahren werden in Erinnerung gerufen. Parallelen zu Misshandlung von Zivilisten, etwa Gräueltaten der Japaner in China oder ethnische Säuberungen in Kroatien, werden gezogen. Die Auswirkungen des Kriegs endeten nicht im September 1945. «Wir wollen kein Militärmuseum sein», sagt der Geschichtsprofessor Paweł Machcewicz. «Obwohl es auch Waffen zu sehen gibt».

Die Ausstellung zeigt neben der Verteidigung Polens 1939 auch den Widerstand gegen den Terror der deutschen Besatzer, die polnische Heimatarmee und deren geheimes Schulwesen. Auch auf polnische Ausschreitungen wie dem Massaker von Jedwabne 1941, bei dem Polen noch während der Angriffe der Deutschen etwa dreihundert ihrer jüdischen Nachbarn ermordeten. Die Ernährungslage und die zerstörten Wohnungen werden thematisiert. Das Museum klärt über die verschiedenen Aspekte des Weltkriegs auf, sammelt und präsentiert Zeitzeugnisse und soll zum Frieden in Europa motivieren.

Zur Jury, die über die eingereichten Entwürfe entschied, gehörten der Regisseur Andrzej Wajda, der Schriftsteller Stefan Chwin, der Architekt Daniel Libeskind und der US-amerikanische Historiker Andrew Nagorski. Nicht allein Historiker (oder Politiker) sollten über dieses Projekt entscheiden. „Historiker haben einen anderen Blick auf das Weltgeschehen“, sagt Tomasz Żuroch-Piechowski. „Sie setzen mehr auf das geschriebene Wort.“ Wichtig war es für die Jury „Bilder sprechen zu lassen“. So will man auch junge Menschen für das Thema gewinnen …[6]

Dauerausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geöffnet, auf Niveau -3

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C: Kinderausstellung (Im Aufbau)

(Stand: April 2017)

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Derzeit keine, auf Niveau -3

Archäologische Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geöffnet, im Turm auf Niveau 0

Weitere Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weltkriegsmuseum hat auf der Westerplatte die Dauerausstellung: Ein Seebad, eine Bastion, ein Symbol eingerichtet und neue Schautafeln aufgestellt. Seit 2011 fanden verschiedene Sonderausstellungen u.a. im ECS und in der Johanniskirche und Museumstage bei der Gedenkstätte Westerplatte statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Muzeum II Wojny Światowej Katalog Wystawy Głównej (Wersja Angielska) – Museum of the Second World War – catalogue of the permanent exhibition. Engl.sprachige Ausgabe. 2017. ISBN 978-83-63029-65-4
  • Mia Raben: Mit dem Panzer mittendurch. In: Die Zeit 7/2017 vom 9. Februar 2017, Seite 17 (Museumsbeschreibung, zur Demontage der polnischen Holocaust-Forschung, Aussetzung des ministeriellen Erlasses durch das Landesverwaltungsgericht am 30. Januar 2017)
  • Judith Leister: Ein Museum als Schlachtfeld. Interview mit Paweł Machcewicz, in: NZZ, 24. Juni 2017, S. 25

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Muzeum II Wojny Światowej – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Links zur Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der lange Schatten des Krieges in FAZ vom 23. März 2017, Seite 11
  2. a b Museum des Zweiten Weltkriegs in Gdansk eröffnet bei orf.at, 23. März 2017 (abgerufen am 23. März 2017).
  3. Paul Flückiger: Streit um polnisches Weltkriegsmuseum: Sieg der Patrioten - Politik in Tagesspiegel, Berlin. Zugegriffen 6. April 2017.
  4. Ministerium für Kultur und nationales Erbe: Muzeum II Wojny Światowej i Muzeum Westerplatte i Wojny 1939 połączone (6. April 2017, poln.)
  5. Architecture as a symbol
  6. Katarzyna Tuszynska: Belgier konzipieren neues Weltkriegs-Museum in Polen – Streit um die Sichtweise auf den Zweiten Weltkrieg. In: ostpol.de vom 23. November 2009

Koordinaten: 54° 21′ 22″ N, 18° 39′ 39″ O