myclimate

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myclimate
myclimate logo
Rechtsform Gemeinnützige Stiftung
Gründung 2002
Sitz Zürich
Motto The Climate Protection Partnership
Website www.myclimate.org

myclimate – The Climate Protection Partnership ist eine gemeinnützige Stiftung, die 2002 gegründet wurde. Ziel der Stiftung ist, einen Lösungsansatz für umweltverträglicheres Handeln anzubieten.[1] myclimate will den Klimaschutz über die drei Ebenen Vermeidung, Reduktion und Kompensation fördern. Zurzeit betreut die Stiftung 70 Klimaprojekte in 30 Ländern.[2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass die Externalität CO2 in der Marktwirtschaft einen Preis bekommt, sich also marktwirtschaftlich integrieren lässt. Dahinter steht die Idee, die Treibhausgasemissionen, die z. B. bei der Produktion oder im Verkehr anfallen, in Klimaschutzprojekten zu kompensieren, heißt an einem anderen Ort zu reduzieren. Da es egal ist, wo schlussendlich das CO2 gemindert wird, werden die Projekte meist in südlichen Ländern realisiert, wo man mit dem gleichen Geld mehr Klimaschutz erreichen kann[3].

Privatpersonen, Staatsstellen oder Unternehmen können von der Stiftung auf freiwilliger Basis Klimatickets erwerben, wobei der Erlös dann an solche Umweltschutzprojekte weitergeleitet wird. Das Schweizer Umweltbundesamt UVEK[4], Liechtenstein[5], wie auch die WWF Climate Group[6], kompensieren mit der Stiftung.

Die Stiftung hat sich auf Lebenszyklusanalysen spezialisiert und zusammen mit dem Ökozentrum Langenbruck den Verein Climatop gegründet, welcher klimapositive Produkte auszeichnet. Die Initiative erhofft sich dadurch mehr Wettbewerb bei Produzenten bezüglich der Herstellung besserer Produkte.[7] Das Label ist unter anderem beim größten Einzelhändler der Schweiz, Migros[8], im Einsatz.

Die Stiftung unterstützt nach eigenen Angaben Klimaschutzprojekte nach verschiedenen Standards. Die Klimaschutzprojekte richten sich nach international anerkannten Kriterien, die auf das Kyōto-Protokoll zurückgehen. Die Projekte werden gemäss Clean Development Mechanism (CDM) und Gold Standard[9] oder – in Anlehnung an dessen Abläufe, Kriterien und Methoden – als myclimate VER-Projekte (Verified Emission Reduction: Überprüfte Emissionsverminderung) nach den Richtlinien von Plan Vivo[10] umgesetzt.[11]

Die Stiftung unterstützt nach eigenen Angaben ausschliesslich Projekte, die direkt Emissionen reduzieren. Darunter fallen die Kategorien „Erneuerbare Energien“, „Energieeffizienz“ und „Reduktion von Methanemissionen in Kombination mit energetischer Nutzung“.[12]

Die Emissionsreduktionen aus den Klimaschutzprojekten werden nach eigenen Angaben während der gesamten Projektdauer gemessen und von unabhängigen Instanzen überprüft.[13]

Für Schüler, Lehrlinge und Berufstätige entwickelt die Stiftung Ausstellungen, Wettbewerbe, Schulbücher oder Ausflüge.[14][15] Das myclimate Klimaschutzspiel für Kinder, TriCO2lor, wurde 2008 durch die UNESCO ausgezeichnet.[16]

Unternehmen werden dabei begleitet, intern den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und nachhaltiger zu wirtschaften und werden beim Einstieg in das entsprechende Programm ggfs. ausgezeichnet. Als Beispiel gilt hier das branchenspezifische Dienstleistungspaket für die Druckindustrie.[17]

Partner und Patronat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Idee die Stiftung stammt von ehemaligen Studenten der ETH Zürich. Die Stiftung wird von verschiedenen Instituten der ETH wissenschaftlich unterstützt. Zu den Partnern gehört das Zentrum für Nachhaltigkeit der ETH und das schweizerische Bundesamt für Energie, sowie der Wirtschaft.[18] Im Patronat sind unter anderen die Schweizer Umweltministerin Doris Leuthard, das ehemalige Mitglied des deutschen Bundestages Ernst Ulrich von Weizsäcker und der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus.[19]

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Jahr 2011 untersagte die Schweizer Lauterkeitskommission der Stiftung verschiedene Werbeaussagen zu Ressourcenverbrauch und Potenzial verschiedener Projekte als sachlich unzutreffend.[20] Im Juni 2012 wies die Lauterkeitskommission einen Rekurs der Stiftung gegen dieses Urteil vollumfänglich ab.[21]
  • Im selben Jahr wurde bekannt, dass die Stiftung große Mengen an Mitteln vorhält, ohne sie in Klimaschutzprojekte zu investieren.[22] Die Stiftung widersprach diesem Vorwurf in einer Stellungnahme: Spendengelder würden innerhalb von drei Jahren rückwirkend in Projekte investiert sofern diese nachweislich Emissionsreduktionen generiert haben. Bis dahin seien die Mittel im Klimaschutzfond zweckgebunden.[23]
  • Kritiker bezeichnen entsprechende Initiativen als modernen Ablasshandel, weil die Zertifikaten-Märkte sowie auch die Projekte mit Unsicherheiten belastet sind. Nach Aussagen der Stiftung wurde aus diesem Grund zusammen mit dem WWF die Entwicklung des Gold-Standards vorangetrieben.

Externe Evaluation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei von der Stiftung betreute Klimaprojekte in Peru und Nepal wurden 2013 im Rahmen des UNFCCC Momentum for Change für die sogenannten Lighthouse Activities, einem Förderprogramm für Projekte gegen den Klimawandel, ausgewählt.[24][25]

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen stufte die Stiftung in einer Studie vom Juni 2010 über Kompensationsanbieter für Flugreisen zusammen mit zwei anderen Anbietern als „empfehlenswert“ ein.[26] Eine weitere Studie im Auftrag des VZBV vom August 2010 sieht die Stiftung hinter den Anbietern Atmosfair und Arktik auf dem dritten Platz von 12 direkten Anbietern für Privatpersonen und Unternehmen[27]. Zur Abwertung führte die unterdurchschnittliche Realitätsnähe der Berechnung.

In einer Bewertungsstudie zu Anbietern von Zertifikaten zum Ausgleich von Treibhausgasemissionen der Universität Graz hat die Stiftung den zweiten Platz belegt; getestet wurden insgesamt 34 europäische Anbieter. myclimate wurde im Bereich „Qualität des Emissionsrechners“ Kategorienbester.[28]

Die Klimaabteilung der amerikanischen Tufts University hat in einer Studie 13 Organisationen untersucht, die Kompensationen für CO2-Emissionen anbieten. Kriterien waren Transparenz, Genauigkeit der Emissionsberechnungen, Preis der Kompensationen und Verwaltungskosten. Die Stiftung war dabei einer von vier Anbietern, die die Note sehr gut erreichten.[29] Auch im ENDS Guide gehört myclimate zu den Top 3 der Welt.[30]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • atmosfair, ähnliches Projekt in Deutschland

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.myclimate.org – Entstehungsgeschichte
  2. www.myclimate.org
  3. Tagesanzeiger vom 24. März 2014: Eine Milliarde Franken findet in der Schweiz keine Abnehmer (PDF)
  4. www.uvek.admin.ch (Memento vom 10. Februar 2012 im Internet Archive) – Schweizer Umweltbundesamt und myclimate
  5. www.nzz.ch – „Liechtenstein kompensiert mit myclimate“ bei der NZZ
  6. www.wwf.ch – WWF und myclimate
  7. www.nzz.ch – Climatop
  8. Migros
  9. www.goldstandard.org – myclimate: CDM und Gold Standard
  10. www.planvivo.org
  11. www.myclimate.org – myclimate Mittelverwendung: Erläuterungen zu CDM, Gold Standard, VER, Plan Vivo
  12. www.myclimate.org – Mittelverwendung
  13. Tagesanzeiger vom 19. August 2013: Klimaschutz mit Tücken
  14. www.myclimate.org – Workshops für Ihre Mitarbeitenden
  15. www.myclimate.org – Interaktive Projekte für Schulklassen, Auszubildende, Studierende, Unternehmen, Familien und Freizeitaktive
  16. www.news.ch – TriCO2lor
  17. www.myclimate.org – Gesamtlösungen Druckbranche
  18. www.myclimate.org – Partner der Klimaschutzorganisation myclimate
  19. Patronatskommittee (Memento vom 26. April 2014 im Internet Archive) – Patronat der Klimaschutzorganisation myclimate
  20. www.weltwoche.ch – Unlautere Klima-Propaganda
  21. weltwoche.ch
  22. www.beobachter.ch – Myclimate hortet Geld
  23. www.myclimate.org – Mehr Mittel für den Klimaschutz!
  24. unfccc.int – Energy efficiency for brick producers in Peru
  25. unfccc.int – Organic waste compost in Nepal
  26. MarktCheck Kompensationsanbieter Flugreisen (PDF) Archiviert vom Original am 8. Oktober 2010. Abgerufen am 23. April 2014.
  27. Wolfgang Strasdas, Stefan Gössling, Heike Dickhut: Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., 2010 (Eine Studie der HNE Eberswalde.online.)
  28. Studie der Universität Graz (PDF) Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  29. Voluntary Offsets For Air-Travel Carbon Emissions: Evaluations and Recommendations of Thirteen Offset Companies (PDF; 652 kB) Abgerufen am 28. Mai 2012.
  30. www.endscarbonoffsets.com – ENDS Carbon Offsets