Mykola Lysenko

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mykola Lysenko (1869)
Denkmal für Mykola Lysenko vor dem Opernhaus in Kiew

Mykola Vitaljowytsch Lysenko (ukrainisch Мико́ла Віта́лійович Ли́сенко, * 10. Märzjul./ 22. März 1842greg. in Hrynky bei Krementschuk, Gouvernement Poltawa, Russisches Kaiserreich; † 24. Oktoberjul./ 6. November 1912greg. in Kiew) war ein ukrainischer Komponist, Pianist und Dirigent.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wuchs in einer Familie mit ukrainischem Selbstverständnis auf. Während des Begräbnisses des National Dichters Taras Schewtschenko 1861 trug er seinen Sarg. Lysenko studierte an der Charkiwer Universität Biologie, gleichzeitig nahm er privaten Musikunterricht. Das Biologie-Studium setzte er an der Kiewer Universität fort und beendete es 1865. Als Stipendiat der Russischen Musikgesellschaft studierte er 1867 bis 1869 Musik am Konservatorium Leipzig. Er sammelte und bearbeitete ukrainische Volksmusik. Seine nationale Gesinnung und die Weigerung, Werke in russischer Sprache zu komponieren, wurde von der Russischen Kaiserlichen Musikgesellschaft kritisiert. Der Emser Erlass von 1876, der die Verbreitung von literarischem Schrifttum in ukrainischer Sprache unter Verbot und Strafe stellte, zwang Lysenko, seine Werke im Ausland zu veröffentlichen.

In der Mitte der 1870er Jahre kam Lysenko nach Sankt Petersburg, um bei Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow zu studieren. Seine offen deklarierte Anhänglichkeit zur ukrainischen Kultur brachte ihm oft Schikanen. Er unterstützte die Russische Revolution von 1905 und kam 1907 ins Gefängnis. 1908 wurde er zum Vorsitzenden des Ukrainischen Klubs in Kiew gewählt. Er starb 1912 in Kiew und ist dort auf dem Baikowe-Friedhof beerdigt.[2]

Seine Oper Taras Bulba nach Nikolai Wassiljewitsch Gogol mit ukrainischem Libretto von Mychajlo Staryzkyj gefiel Pjotr Iljitsch Tschaikowski, der die Oper in Moskau aufführen wollte: Lysenko stellte jedoch die Bedingung, dass die Aufführung in ukrainischer Sprache erfolgt.

Seine Oper Natalka-Poltavka entstand als Vertonung des Gedichts Erzählung von Iwan Kotljarewskyj[3]. Insgesamt komponierte Lysenko neun Opern und drei Kinderopern (alle drei Libretto von Dniprowa Tschajka), sowie viele Lieder zu den Texten von H. Heine (in ukrainischen Übersetzungen) sowie ukrainischer Dichter.

Lysenko beschäftigte sich wissenschaftlich mit der Volksmusik von ukrainischen Wandermusikanten, wie Ostap Weresaj, Pawlo Bratytsia und Opanas Slastion, sowie mit ukrainischen Musikinstrumenten.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lysenko war der Vetter und Schwager des Kulturaktivisten und Schriftstellers Mychajlo Staryzkyj. Seine beiden Nichten und eine Großnichte wurden als Vertreterinnen der „hingerichteten Wiedergeburt“ (ukr. Розстріляне відродження) Opfer des stalinistischen Terrors:

  • Liudmyla Staryzka-Tschernjachiwska (Людми́ла Миха́йлівна Стари́цька-Черняхі́вська, 1868–1941) Schriftstellerin, Tod während der Deportation
  • Oksana Steschenko (Окса́на Миха́йлівна Стеше́нко, 1875–1942) Schriftstellerin, Tod im Gulag.
  • Weronika Tschernjachiwska (Вероні́ка Олекса́ндрівна Черняхі́вська, 1900–1938) Dichterin, hingerichtet.
  • Sein Sohn Ostap (1885–1968) war ein Musikwissenschaftler.Schrieb u. a. "Erinnerungen an M. Lysenko".[4]
  • Dessen Tochter Ariadna ("1921) Pianistin[5]
  • Andere Linie:

•Tochter Marjana (1887–1946) Pianistin[6]

  • Deren Sohn Witali (1941–1999?)[7] und
  • Enkel Mykola (* 1971) sind Dirigenten[8].

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Taras Filenko, Tamara Bulat: The World of Mykola Lysenko: Ethnic Identity, Music, and Politics in Nineteenth-Century Ukraine. Ukraine Millennium Foundation (Canada), 2001, ISBN 966-530-045-8.
  • Lubomyra Jarosewytsch: Lysenko
  • Lysenko, O. M.V. Lysenko: Spohady syna (Kyiv 1959, 1966)
  • Rudnyts’kyi, A. Ukraïns’ka muzyka (Munich 1963)
  • Zahaikevych, M. (ed). Mykola Lysenko: Borets’ za narodnist’ i realizm u mystetstvi (Kyiv 1965)
  • Lysenko, O. (ed). M.V. Lysenko u spohadakh suchasnykiv (Kyiv 1968)
  • Vasylenko, Z. Fol’klorystychna diial’nist’ M.V. Lysenka (Kyiv 1972)
  • Bulat, T. M. Lysenko (Kyiv 1973)
  • Arkhimovych, L.; Hordiichuk, M. Mykola Vitaliiovych Lysenko: Zhyttia i tvorchist’, 3rd rev ed (Kyiv 1992)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mykola Lysenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel zu Mykola Lysenko in der Encyclopedia of Ukraine
  2. Kyiv: enzyklopädischen Referenz / Herausgegeben A. B. Kudrytskoho . - K :. Home Edition ukrainische Sowjetenzyklopädie, 1981. - 736 S., il..
  3. Ph. Hoffender "Das Ukrainische Volkstheater. Zwischen sprachlicher Stilisierung und Volksbildung" in "Zeitschrift für Slavische Philologie" Vol. 68, No. 2 (2011), pp. 271-303 abgerufen am 9. August 2017
  4. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54892
  5. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54827
  6. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54863
  7. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54837
  8. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54865