Nächste Parlamentswahl in Italien

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Die nächste Parlamentswahl in Italien muss nach der italienischen Verfassung spätestens bis zum 23. Mai 2018 erfolgen.

Gemäß der momentanen Verfassungslage werden bei der Wahl die 630 Mitglieder der Abgeordnetenkammer sowie die 315 Mitglieder des Senats gewählt. Am 4. Dezember 2016 fand in Italien eine Volksabstimmung über die Ersetzung des Senats durch ein indirektes Gremium statt. 58,42 Prozent der Abstimmenden stimmten (bei einer Wahlbeteiligung von 65,47 %) dagegen.

Im Mai 2015 wurde das Wahlsystem zur Wahl der Abgeordnetenkammer geändert (legge elettorale n. 52 del 2015, genannt Italicum):

  • Die stärkste Partei erhielt mindestens 340 Sitze, wenn sie mindestens 40 % der Stimmen erhält.
  • Es gab keine Koalitionen mehr im Wahlrecht.
  • Die allgemeine Sperrklausel sank von 4 auf 3 %.
  • Präferenzstimmen wurden eingeführt.

Mindestens 340 Sitze gehen an die stärkste Partei, wenn diese mindestens 40 % der Stimmen erreicht hat. Ist dies nicht der Fall, sollte es eine Stichwahl zwischen den beiden stärksten Parteien geben; der Sieger dieser Stichwahl erhält 340 Mandate. Diese Regelung zur Stichwahl wurde aber am 25. Januar 2017 vom Verfassungsgericht verworfen.[1][2][3]

Parteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Parteien wurden im April 2017 in den Meinungsumfragen berücksichtigt:[4]

Kürzel Name
Italienisch/Deutsch
Ausrichtung Vorsitzender Europäische
Partei
Abgeordnete Senatoren
PD Partito Democratico
Demokratische Partei
sozialdemokratisch, linksliberal Matteo Renzi[5] SPE 283 99
M5S MoVimento 5 Stelle
Fünf-Sterne-Bewegung
populistisch, EU-kritisch Beppe Grillo 088  35
FI Forza Italia
Vorwärts Italien
konservativ, wirtschaftsliberal, populistisch Silvio Berlusconi EVP  050  42
LN Lega Nord
Liga Nord
rechtspopulistisch, regionalistisch Matteo Salvini  MENL  015  12
SI Sinistra Italiana
Italienische Linke
links Nichi Vendola EL (Partner)  013  07
AP Alternativa Popolare
Christdemokratische Alternative
christdemokratisch Angelino Alfano EVP 025 24
FdI-AN Fratelli d’Italia – Alleanza Nazionale
Brüder Italiens – Nationale Allianz
nationalkonservativ, rechtspopulistisch Giorgia Meloni 011 0
MDP Democratico e Progressista
Demokraten und Progressive
sozialdemokratisch, linke Abspaltung der PD Rossi, Speranza, Bersani 040 15
CP Campo Progressista
Progressives Lager
 links, Abspaltung der SI Giuliano Pisapia 001 02

Wahlsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatspräsident Sergio Mattarella forderte im Januar 2017 nach dem Urteil des Verfassungsgerichts, das Wahlrecht zu reformieren, bevor er das Parlament auflöst und damit Neuwahlen herbeiführt.[2]

Ende Mai 2017 einigten sich italienische Parteien auf die Einführung eines Verhältniswahlrechts. Der frühere Regierungschef Matteo Renzi teilte mit, das Gesetz könnte bereits in der ersten Juli-Woche verabschiedet werden. Auch die Fünf-Sterne-Bewegung und Forza Italia hätten sich dafür ausgesprochen. Damit wird eine Neuwahl des Parlaments im Herbst wahrscheinlicher.[6] Die Sperrklausel soll 5 Prozent betragen.[7] Das parteiübergreifende Vorhaben zur Wahlrechtsreform scheiterte Anfang Juni 2017, womit Neuwahlen noch im Jahr 2017 nach Aussage des ehemaligen Ministerpräsidenten Renzi nun ausgeschlossen sind.[8]

Wahlumfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SWG-Umfrage zu den Parlamentswahlen in Italien 2018
 %
30
20
10
0
28,5
27,0
13,5
12,8
4,7
4,3
2,7
2,5
3,5
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2013
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+3,07
+1,44
+9,41
-8,76
+2,74
+2,51
+0,91
-0,7
-13,22
Sonst.
Datum Institut M5S PD FI LN SI FdI AP MDP Andere
12. - 14. Juni 2017 SWG 27,0 28,5 12,8 13,5 2,5 4,7 3,2 4,3 3,5
9. Juni 2017 Demopolis 29 28 12,4 12,5 4,5 3,2 10,4
1. - 3. Juni 2017 EMG 29,8 27,6 13,1 13,1 2,2 4,6 2,7 2,9 4,0
1. Juni 2017 SWG[9] 27,8 29,5 11,8 13,6 2,6 5,0 3,0 6,7
26. Mai 2017 Ixè 28,0 29,3 13,0 12,6 2,4 4,3 2,6 7,8
22. Januar 2017 EMG[9] 28,3 31,7 11,1 13,6 3,1 4,6 3,0
20. Januar 2017 Scenari Politici[9] 26,8 28,4 13,4 13,5 3,9 4,2 2,8
18. Januar 2017 SWG[9] 26,5 31,0 13,1 13,2 2,7 4,6 3,8
7. Juli 2016 SWG 29,5 30,5 13,1 13,2 3,4 3,3 3,5 3,5
6. Juli 2016 Ixè 29,5 30,9 10,3 13,3 3,5 2,3 2,9 3,1
3. Juli 2016 EMG 31,0 30,6 12,9 13,7 3,0 4,0 3,1 1,7

Partei unterhalb der Sperrklausel sind kursiv markiert.

Stichwahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Institut PD vs. M5S PD vs. MR M5S vs. MR
PD M5S PD MR M5S MR
3. Juli 2016 EMG 45,4 54,6 51,4 48,8 55,2 44,8
1. Juli 2016 ScenariPolitici 45,0 55.0 53,5 46,5 57,0 43,0

MR: Mitte-Rechts-Partei(en), in der Annahme, dass es zu einem Zusammenschluss von FI, LN und FdI kommt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.cortecostituzionale.it: Decisione sulla legge elettorale cd. Italicum (pdf) und Urteilsbegründung zu 'Sentenza 35/2017' (pdf)
  2. a b http://derstandard.at/2000051519350/Gericht-erklaert-Italiens-Wahlgesetz-teils-fuer-ungueltig
  3. [1]
  4. http://www.electograph.com/search/label/Italy
  5. http://www.repubblica.it/politica/2017/04/30/news/primarie_pd_elezioni_segretario_scrutinio-164320193/
  6. zeit.de: Parteien ermöglichen Neuwahlen im Herbst
  7. sueddeutsche.de / Stefan Ulrich: Das deutsche Modell
  8. http://www.manager-magazin.de/politik/europa/italien-neuwahl-verschoben-a-1151666.html
  9. a b c d http://www.electograph.com/p/electomonitor.html#Italy