Népouit

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Népouit
Nepouite-Quartz-tmix07-148c.jpg
Népouit aus Loma Peguera, Bonao, Monseñor Nouel, Dominikanische Republik (Gesamtgröße: 4,1 x 3,8 x 2,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Garnierit

Chemische Formel Ni3[(OH)4|Si2O5][1]
  • (Ni,Mg)6[(OH)8|Si4O10][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate, Germanate – Schichtsilikate (Phyllosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.ED.15 (8. Auflage: VIII/H.27)
71.01.02b.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[3]
Raumgruppe (Nr.) Ccm21[2] (Nr. 36)
Gitterparameter a = 5,31 Å; b = 9,19 Å; c = 14,50 Å[2]
Formeleinheiten Z = 2[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,24; berechnet: [3,07 bis 3,40][4]
Spaltbarkeit gut nach [001] und [010]
Bruch; Tenazität muschelig, scharfkantig
Farbe dunkelgrün bis mattgrün[4], smaragdgrün[5]
Strichfarbe hellgrün
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,622
nβ = 1,579 bis 1,645
nγ = 1,645[4]
Doppelbrechung δ = 0,035[6]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Pleochroismus schwach: x = dunkelgrün, z = gelbgrün[4]

Népouit (früher Garnierit[7]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Er kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Ni3[(OH)4|Si2O5][1], ist also chemisch gesehen ein basisches Nickel-Silikat. Strukturell gehört Népouit zu den Schichtsilikaten.

Népouit ist das Nickel-Analogon zu Lizardit (Mg3[(OH)4|Si2O5][1]) und bildet mit diesem eine lückenlose Mischkristallreihe. In natürlichem Népouit ist daher meist ein geringer Teil Nickel durch Magnesium ersetzt (substituiert), was in der Formel mit in runden Klammern gesetzten Elementsymbolen ausgedrückt wird: (Ni,Mg)6[(OH)8|Si4O10][2]

Das Mineral ist durchscheinend und entwickelt nur selten grobe, pseudohexagonale, wurmförmige Kristalle. Meist findet er sich in Form derber, nieriger, stalaktitischer oder schaliger Mineral-Aggregat von dunkelgrüner bis mattgrüner Farbe, die gelegentlich auch als Smaragdgrün beschrieben wird.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Népouit aus der Typlokalität „Népoui Mine“, Neukaledonien (Größe: 14,4 x 11,8 x 7 cm)

Erstmals entdeckt wurde Népouit in der „Népoui Mine“, einem Bergwerk auf der Halbinsel Népoui in der neukaledonischen Gemeinde Poya, in dem das unter anderem népouithaltige Nickelerz Garnierit abgebaut wird. Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1907 durch E. Glasser, der es nach seiner Typlokalität benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Népouit zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit Amesit, Antigorit, Berthierin, Brindleyit, Carlosturanit, Chrysotil, Cronstedtit, Dozyit, Fraipontit, Greenalith, Karpinskit, Karyopilith, Kellyit, Lizardit und Pecorait die „Serpentingruppe“ mit der System-Nr. VIII/H.27 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Népouit ebenfalls in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Kaolinitschichten, zusammengesetzt aus tetraedrischen oder oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Amesit, Antigorit, Berthierin, Brindleyit, Chrysotil, Cronstedtit, Fraipontit, Greenalith, Karyopilith, Kellyit, Lizardit, Manandonit und Pecorait die „Serpentingruppe“ mit der System-Nr. 9.ED.15 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Népouit in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Karyopilith, Lizardit und Greenalith in der „Serpentingruppe (Lizardit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 71.01.02b innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 1:1-Lagen“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung Ni3[(OH)4|Si2O5] ist dimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Népouit noch als monoklin kristallisierender Pecorait vor.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Népouit aus Callenberg, Deutschland (Größe: 2,5 x 2 cm)

Népouit bildet sich durch Metamorphose in nickelreichen, ultramafischen Gesteinen. Als Begleitminerale treten unter anderem verschiedene Serpentine, Chlorite, wasserhaltige Nickel-Silikate und Eisenoxide auf.[4]

Als seltene Mineralbildung konnte Népouit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 50 Fundorte als bekannt gelten.[8] Neben seiner Typlokalität „Népoui Mine“ trat das Mineral auf Neukaledonien noch an mehreren Orten in der Nord- und Südprovinz zutage.

In Deutschland fand man Népouit im Steinbruch Zeilberg in Bayern und in der Nickelgrube Callenberg Nord (Nr. 2) in Sachsen.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist die Gemeinde Gmünd in Kärnten.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, der Dominikanischen Republik, Griechenland, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Indonesien, Italien, Japan, Marokko, Polen, Portugal, Russland, Südafrika, Tschechien sowie in mehreren Bundesstaaten der USA.[9]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Népouit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Ccm21 (Raumgruppen-Nr. 36) mit den Gitterparametern a = 5,31 Å; b = 9,19 Å und c = 14,50 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Verwendung[Bearbeiten]

Népouit ist ein wichtiger Rohstoff zur Gewinnung von Nickel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 846 (als Garnierit).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Népouite – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c IMA/CNMNC List of Mineral Names - Népouite (PDF 1,3 MB; Februar 2013)
  2. a b c d e  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 677.
  3. Webmineral - Népouite
  4. a b c d e f Népouite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 60,8 kB)
  5. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6
  6. Mindat - Népouite
  7.  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3.
  8. Mindat - Anzahl der Fundorte für Népouite
  9. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat