Nöbdenitz

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Nöbdenitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nöbdenitz hervorgehoben
Koordinaten: 50° 53′ N, 12° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Verwaltungs­gemeinschaft: Oberes Sprottental
Höhe: 229 m ü. NHN
Fläche: 10,02 km2
Einwohner: 867 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04626
Vorwahlen: 034496 (Nöbdenitz und Lohma), 034491Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 037
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Gemeindeamt 4
04626 Nöbdenitz
Webpräsenz: www.noebdenitz.de
Bürgermeister: André Gampe (Grüne/Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Nöbdenitz im Landkreis Altenburger Land
AltenburgNobitzLangenleuba-NiederhainAltkirchenDobitschenDrogenFockendorfFrohnsdorfGerstenbergGöhren (bei Altenburg)GöllnitzGöpfersdorfGößnitzHaselbach (bei Altenburg)HeukewaldeHeyersdorfJonaswaldeJückelbergKriebitzschLöbichauLödlaLuckaLumpzigMehnaMeuselwitzMonstabNöbdenitzPonitzPostersteinRositzNobitzSchmöllnStarkenbergThonhausenTrebenVollmershainWildenbörtenWindischleubaZiegelheimThüringenLandkreis GreizSachsen-AnhaltSachsenKarte
Über dieses Bild

Nöbdenitz ist eine Gemeinde im ostthüringischen Landkreis Altenburger Land zwischen Gera und Schmölln. Bekannt ist der Ort überregional vor allem wegen der 1000-jährigen Grabeiche. Neben ihrem hohen Alter ist sie außerdem bemerkenswert, weil der gotha-altenburgische Geheimrat Hans Wilhelm von Thümmel hier 1824 begraben wurde.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nöbdenitz liegt im Schmöllner-Altenburger-Lösshügelland, einem Ausläufer der Leipziger Tieflandbucht. Die Sprotte fließt in einem muldenartigen Tal durch das Dorf. Eine Ortsverbindungsstraße stellt den Anschluss an die Bundesstraße 7 her, die wiederum Anschluss an die südlich vorbeiführende Bundesautobahn 4 ermöglicht. Die Bahnstrecke Gera–Gößnitz führt auch durch die Flur.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Drogen, Löbichau, Posterstein, die Stadt Schmölln, Vollmershain, Wildenbörten.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile sind Nöbdenitz, Burkersdorf, Lohma, Untschen und Zagkwitz. Zu Nöbdenitz selbst gehört die mit dem Ort verschmolzene Ortslage Raudenitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nöbdenitz gab es im Mittelalter eine Wasserburg. Die Herren von Nöbdenitz wurden 1143 erstmals urkundlich erwähnt. 1198 war Gerhard von Nöbdenitz Reichsministerialer. Zum Besitz der Herren gehörte die nahe gelegene Burg Posterstein. Heinrich II. Reuß, Vogt von Plauen, verlieh 1313 die Kirche von Nöbdenitz dem Kloster Cronschwitz. 1342 wurde durch den Naumburger Bischof Withego I. von Ostrau die Kirche dem Kloster sogar inkorporiert. Diese Eingliederung wurde 1347 von Papst Clemens VI. bestätigt und dauerte bis zur Reformation an.[2] Das Rittergut kam 1445 in den Besitz der Familie von Ende und es folgten in kurzer Zeit weitere Besitzwechsel. Caspar von Zehmen erwarb Nöbdenitz 1598 und sein Nachfahre Woldemar Dietrich von Zehmen verkaufte es 1683. Es folgten weitere Besitzwechsel. Die Ehefrau vom Geheimen Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel, Charlotte Caroline Friederike erbte 1795 das Rittergut. Das Herrenhaus für das Rittergut wurde wieder wiederaufgebaut. Nach entschädigungsloser Enteignung der Familie wurde 1948 aufgrund Befehl 209 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland eines der Herrenhäuser abgerissen. Das zweite Herrenhaus hat man 1992/93 nach altem Vorbild erneuert.[3][4][5]

Nöbdenitz gehörte zum wettinischen Amt Altenburg,[6][7] welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam der Ort wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte Nöbdenitz bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900)[8] bzw. zum Landratsamt Ronneburg (ab 1900).[9] Das Dorf gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 kam es zum Landkreis Gera.

Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Nöbdenitz mit dem Gemeindeteil Raudenitz aufgelöst und in die Nachbargemeinde Lohma eingegliedert. Diese Gemeinde wurde am 1. März 1951 in Nöbdenitz umbenannt. Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam die Gemeinde Nöbdenitz mit dem Kreis Schmölln an den Bezirk Leipzig, der seit 1990 als Landkreis Schmölln zu Thüringen gehörte und bei der thüringischen Kreisreform 1994 im Landkreis Altenburger Land aufging. Seit dem 12. Oktober 1994 ist die Gemeinde Nöbdenitz Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental, dessen Sitz sich in Nöbdenitz befindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche
Nöbdenitz, Blick über den Teich zur Kirche

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1933: 0462
  • 1939: 0467
  • 1994: 1140
  • 1995: 1138
  • 1996: 1132
  • 1997: 1111
  • 1998: 1114
  • 1999: 1101
  • 2000: 1082
  • 2001: 1073
  • 2002: 1051
  • 2003: 1038
  • 2004: 1040
  • 2005: 1027
  • 2006: 1032
  • 2007: 1028
  • 2008: 0993
  • 2009: 0963
  • 2010: 0935
  • 2011: 0929
  • 2012: 0909
  • 2013: 0897
  • 2014: 0879
  • 2015: 0870

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit der Wahl am 15. März 2015 André Gampe von der Wählergemeinschaft Bündnis 90/Die Grünen sowie den Freien Wählern. Er wurde mit 91,3 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 46,4 % gewählt. Es wurden keine anderen Kandidaten aufgestellt, jedoch machten 29 Personen von ihrem Recht Gebrauch einen eigenen Wahlvorschlag zu benennen. Vorherige Bürgermeister waren der Ende 2014 zurückgetretene Hartmut Reinhold sowie bis 2010 Günter Heydenreich und bis 1999 Christa Schilg.[10]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen[11]:

  • CDU-Wählergruppe - 1 Sitz (20,1 %)
  • DIE LINKE - 1 Sitz (12,2 %)
  • Freie Wählergemeinschaft/Grüne - 2 Sitze (20,4 %)
  • SSV Traktor - 2 Sitze (26,1 %)
  • Feuerwehrverein Untschen - 2 Sitze (21,1 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 63,7 % (+4,9 %p).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1000-jährige Grabeiche

Die evangelische Pfarrkirche (ehem. St. Maria) ist eine Chorturmkirche. Der Turm bestand bereits bei der urkundlichen Ersterwähnung 1313, das Schiff ist jünger. In den Jahren 1893–95 erfolgte eine Renovierung durch Heinrich Hergermann aus Altenburg, wobei die Substanz fast vollständig abgetragen und anschließend wiedererrichtet wurde.[12]

Schräg gegenüber der Kirche befindet sich mit der Grabeiche eine mindestens 1200 Jahre alte Stieleiche. Unter ihren Wurzeln wurde wunschgemäß der Staatsminister des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg Hans Wilhelm von Thümmel nach seinem Tod im Jahr 1824 beigesetzt. Der Rittergutsbesitzer hatte den Baum erworben, um ihn zu retten. Die heutige Straße weicht ihm ehrfurchtsvoll in einem Bogen aus. Der Brusthöhenumfang beträgt 10,25 m (2014).[13]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Nöbdenitz

Nöbdenitz besitzt einen Bahnhof und ist damit an die Bahnstrecke Gößnitz–Gera (Mitte-Deutschland-Verbindung) angeknüpft. Auf dieser Strecke zwischen Glauchau bzw. Altenburg und Gera verkehren seit dem Wegfall der Regionalbahnen im Dezember 2008 ausschließlich Regional-Express-Züge, von denen die von und nach Glauchau zweistündlich in Nöbdenitz halten.

Eine gute Anbindung besteht ebenfalls an die BAB 4 sowie die Bundesstraße 7.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region um Nöbdenitz ist im Wesentlichen von der Landwirtschaft und dem Kiesabbau rund um Untschen geprägt. Ganz besonders bekannt ist dabei der Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in der Nöbdenitzer Region. Hier wurde u. a. Kamille, Pfefferminze, Spitzwegerich, Kümmel, Koriander, Melisse, Johanniskraut, Pharmaweide, Petersilie, Ringelblumen, Astern u.v.m angebaut. Der Anbau diente zum Teil der Rohstoffgewinnung für die Arzneimittelindustrie als auch zum Teil der Saatgutvermehrung. Heute (2007) ist davon fast ausschließlich der Anbau der Kamille übrig geblieben.

Nach der Wiedervereinigung forcierte man den Abbau der Kieslagerstätten in und um Untschen und Kleinstechau (Ortsteil der Gemeinde Löbichau). Ebenso siedelten sich weitere Unternehmen im Dienstleistungssektor an. Aber auch große Tankbehälter für Brauereien werden in Nöbdenitz gefertigt.

Die Gemeinde verfügt über eine größentypische Wirtschaftsstruktur mit zentralen Dienstleistungsunternehmen, mehreren Gasthäusern, Handwerksbetrieben sowie drei Arztpraxen. Zudem hat sich ein mittelständischer Betrieb des Tank- und Behälterbaus angesiedelt. Strukturbestimmend ist weiterhin die auf Duft- und Heilpflanzen spezialisierte Agrargenossenschaft, die in Spitzenzeiten der 1990er Jahre bis zu 10 % des deutschen Bedarfes an Heilkräutern decken konnte. Derzeit wird fast nur noch Kamille angebaut. Die Anbaufläche hierfür beträgt mehr als 600 ha. Bedeutend sind weiterhin die Unternehmen der Logistik- sowie metallverarbeitenden Branche im Gewerbegebiet Löbichau an der BAB 4, das auf dem Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft liegt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nöbdenitz ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental und verfügt weiterhin über eine Regelschule sowie einen Kindergarten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Nienhold: ... und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten – Teil I. Katalog zur Ausstellung Museum Burg Posterstein 2007, Pöge Druck Leipzig, Posterstein 2007; S. 32–34, 100, umfangreiche Beschreibung des Ritterguts Nöbdenitz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nöbdenitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Helmut Thurm Das Dominikaner-Nonnenkloster Cronschwitz bei Weida Verlag von Gustav Fischer in Jena 1942
  3. Th Bienert Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000 ISBN 3-86134-631-1 S. 21
  4. Geschichte des Ritterguts Nöbdenitz auf der Webseite der Gemeinde Nöbdenitz
  5. Geschichte des Ritterguts Nöbdenitz auf der Webseite der Burg Posterstein
  6. Das Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, ab S. 201
  7. Die Orte des Amts Altenburg ab S.83
  8. Der Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  9. Das Landratsamt Ronneburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  10. Ergebnisse der Bürgermeisterwahl Landeswahlleiter Thüringen, abgerufen am 1. August 2016
  11. Gemeinderatswahl 2014 Landeswahlleiter Thüringen, abgerufen am 4. August 2014
  12. Georg Dehio, bearbeitet von Stephanie Eißing u. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Thüringen. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2003, ISBN 3-422-03095-6, S. 898.
  13. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017