Nützlicher Idiot

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Der Begriff nützlicher Idiot beschreibt die Verwendung von öffentlichen Personen für Propagandazwecke, ohne dass diese sich dessen bewusst sind. Der Begriff wird häufig Lenin zugeschrieben. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht belegt.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste bekannte Verwendung des Ausdrucks stammt von dem sowjetischen Literaturkritiker Vasily Bazanov im Jahr 1941. Er beschrieb damit die Perspektive des Schriftstellers Nikolai Leskow auf die Rolle der Nihilisten beim Januaraufstand. Die Nihilisten seien hiernach für die aufständischen Polen „lediglich nützliche Idioten“ gewesen. Später wurde angenommen, Lenin habe damit westliche Intellektuelle beschrieben, die sich in ihrem Idealismus von der Sowjetunion für ihre Propaganda vereinnahmen ließen. Dies konnte allerdings nicht durch Literatur belegt werden.[1]

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Begriff weltweit verbreitet. In vielen Fällen beschreibt er auch heute Mittel der sowjetischen bzw. russischen Außenpolitik.[2][3] In einer zweiteiligen Radio-Dokumentation der BBC aus dem Jahr 2010 beschreibt der Journalist John Sweeney die Autoren H. G. Wells, Doris Lessing, George Bernard Shaw und Walter Duranty, sowie den Sänger Paul Robeson als nützliche Idioten.[4]

Daneben finden sich Beispiele von anderen autoritären Regimen wie Nordkorea und Libyen (unter Muammar Gaddafi).[5]

Aktuelle Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Krimkrise und dem Krieg in der Ukraine finden sich in internationalen Leitmedien zahlreiche Beispiele für die Verwendung des Begriffs. Er beschreibt hierbei zumeist den betont herzlichen Kontakt zwischen der russischen Regierung unter Wladimir Putin und verschiedenen internationalen Persönlichkeiten, darunter Gérard Depardieu, Sepp Blatter, Alexis Tsipras, Marine Le Pen, David Duchovny und Mickey Rourke.

In Deutschland wurde der Begriff u. a. auch auf Gerhard Schröder, Wilfried Scharnagl, Gabriele Krone-Schmalz, Udo Voigt, Matthias Platzeck, Philipp Mißfelder, Carlo Masala und Alexander Rahr verwendet.[6] Der Vorwurf lautet zumeist, dass diese jeweils wegen partikulärer Einzelinteressen die Nähe zu Moskau suchen und dafür im Gegenzug vom Kreml für innen- und außenpolitische Zwecke vereinnahmt werden, deren Zusammenhänge sie nicht in Gänze verstehen.[7][8][9][10][11]

US-Präsident Trump[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wurde dieser vom ehemaligen Chef der CIA Michael Hayden als „Putins Nützlicher Idiot“ bezeichnet.[12] Denselben Begriff verwendeten auch die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright[13] und die Washington Post[14].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Safire: On language New York Times, 12. April 1987
  2. Ходорковский просит Лондон не идти на сделки с Кремлем BBC, 20. September 2010
  3. Rudolf Walter Leonhardt: Künstler und Gelehrte als nützliche Idioten Die Zeit, 38/1967
  4. John Sweeney: Useful Idiots BBC1, 8. August 2010
  5. Jeff Jacoby: Useful idiots, then and now Boston Globe, 13. März 2013
  6. Schulz nach Talkshow-Zoff: „Krone-Schmalz ist für Putin eine ‚nützliche Idiotin‘“, Focus Online, 25. Februar 2015
  7. Friedrich Schmidt: Russlands willfährige Freunde, FAZ., 31. Juli 2015
  8. Thomas Mayer: Russland und die Rechtsparteien: Putins nützliche Idioten, Der Standard, 27. November 2014
  9. Andreas Rüesch: Putins nützlicher Idiot, Neue Zürcher Zeitung, 9. April 2015
  10. Edward Lucas: Putin's useful idiots: Eminent Russia expert says liberals who support Edward Snowden have given succour to the Kremlin as it seeks to crush Ukrainian protesters, Daily Mail, 22. Februar 2014
  11. Nathalie Vogel: In This Info-War. The Problem Is Not Only Russia, The Interpreter, 11. Dezember 2014
  12. Former CIA chief calls Trump ‘Moscow’s useful idiot’ www.pri.org, 16. Dezember 2016.
  13. Brent Griffiths: Albright: Trump fits the mold of Russia's 'useful idiot' politico.com, 24. Oktober 2016.
  14. Jennifer Rubin: Putin has found his perfect ‘useful idiots’ Washington Post, 17. Mai 2017.