Němčičky u Brna

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Němčičky
Wappen von Němčičky
Němčičky u Brna (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Brno-venkov
Fläche: 457 ha
Geographische Lage: 49° 3′ N, 16° 30′ OKoordinaten: 49° 3′ 1″ N, 16° 30′ 2″ O
Höhe: 190 m n.m.
Einwohner: 315 (1. Jan. 2019)[1]
Postleitzahl: 664 66
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: PravlovMedlov
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jan Jelínek (Stand: 2009)
Adresse: Němčičky 39
664 66 Němčičky u Židlochovic
Gemeindenummer: 583472
Website: www.nemcickyubrna.cz

Němčičky (deutsch Klein Niemtschitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt in Südmähren im Okres Brno-venkov (Bezirk Brünn-Land), 20 km südlich von Brünn.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßendorf mit Dreiecksanger liegt linksseitig der Jihlava in, 220 m ü. d. M.

Nachbarorte sind Mělčany (Mieltschan) im Norden, Bratčice (Bratschitz) und Sobotovice (Sobotowitz) im Nordosten, Ledce (Laatz) im Osten, Medlov (Mödlau) im Südosten, Malešovice (Malspitz) im Süden, Kupařovice (Kuprowitz) im Südwesten, Trboušany (Pausche) im Westen sowie Pravlov (Prahlitz) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern, weist auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Der Ort wurde 1349 erstmals und 1416 erneut in einer lateinischen Urkunde als „Nyemczycz, Prope Pogorzelicz“ und in einer Brünner Urkunde „Nyempcziczka“ am 11. Juli 1441 genannt. Seit 1500 erscheint die Schreibweise „Nembschitz“ oder „Nempcziss“, so auch im 1771 angelegten Bergbuch. Von 1417 bis 1848 gehörte das Dorf zur Herrschaft Kanitz. Klein Niemschitz war von 1562 bis 1622 einer der Mittelpunkte der südmährischen Täuferbewegung. Bis 1565 lebte deren Bischof, der Seilermeister Leonhard Lanzenstiel, im Ort.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Bevölkerung viel zu erleiden, bewirtschaftet blieben nur mehr 24 Häuser. Im Jahre 1622 wurde die Täufer (Hutterer) des Landes verwiesen und zogen daraufhin nach Siebenbürgen weiter.[3] Der Ort führt seit 1634 Matriken. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[4] Im Jahre 1884 wird eine einklassige Schule im Ort errichtet. Um 1900 wurde eine Wassergenossenschaft zum Bau eines Igeldamms zum Schutz der Felder gegen jährliche Überschwemmung gegründet. Die Einwohner von Klein-Niemtschitz lebten größtenteils von der Landwirtschaft. Angebaut werden alle Getreidearten, Zuckerrüben, Gemüse und Obst. Schmied, Schlosser, Zimmermann finden sich als Handwerker. Ebenso gibt es eine Brennmühle, welches das größte Wasserrad Mährens besitzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Die Bewohner von Klein-Niemtschitz waren im Jahre 1910 zu 96 % Deutschsüdmährer. Der Friedensvertrag von Saint Germain[5] erklärte den Ort zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit kam es zu einem vermehrten Zuzug von Personen mit tschechischer Nationalität.[6] Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte im Jahre 1930. Nach dem Münchner Abkommen 1938, in dem die sudetendeutschen Gebiete an Deutschland abgetreten wurden, rückten im Oktober deutsche Truppen im Ort ein, der bis 1945 zum Reichsgau Niederdonau gehörte. Im Jahr 1940 wurde ein Kindergarten eröffnet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, welcher 20 Opfer unter den Einwohnern forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bei den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch militanten Tschechen kamen fünf Zivilpersonen zu Tode.[7] Das Beneš-Dekret 115/1946 schützte vor einer juristischen Aufarbeitung der Geschehen. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll Artikel XIII,[8] trotz Intervention der Westmächte, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen geordneten und humanen Transfer der deutschen Bevölkerungsteile, die in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind. Zwischen März und September 1946 wurden 203 deutschmährische Ortsbewohner in sechs Transporten nach Deutschland Zwangsausgesiedelt.[9][10] Vier Familien verblieben im Ort. Laut dem Beneš-Dekret 108 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Der Ort wurde neu besiedelt. Vier Familien fanden in Österreich, eine in USA und die restlichen Klein-Niemschitzer in Deutschland ein neues Zuhause.

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste erhaltene Siegel weist eine Urkunde vom 21. April 1509 aus. Es zeigt ein Rundschild mit zwei schräggekreuzten Rebzweigen mit je einer Traube und über den Reben ein Winzermesser. Im 18. Jahrhundert wurde dieses Siegel vereinfacht und zeigte in der Umschrift "GEMEINDE KLEIN NEMTSCHITZ" ein Schild mit einem Pflugeisen darin. Ab 1848 verwendete der Ort nur noch einen bildlosen Gemeindestempel.[11]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Häuser Einwohner insgesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen andere
1793 40 246
1836 47 255
1869 57 306
1880 59 318 298 20 0
1890 63 341 323 18 0
1900 67 312 289 23 0
1910 71 315 301 14 0
1921 69 321 276 39 6
1930 73 333 280 51 2
1939 359
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A–Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1903 wurde eine Marienkapelle mit einem in Tirol gearbeiteten Altar errichtet und 1904 geweiht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Schwetter, Siegfried Kern: Abriß der Geschichte Mährens, 1884
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Klein-Niemtschitz S. 120
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941
  • Archiv Mikulov: Odsun Němců – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  • Karl Wittek: Die Wiedertäufer in Südmähren
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, 1990
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0.
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Bernd Längin: Die Hutter, 1986, S. 237
  4. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 21. März 2011.
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  6. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918–1938, München 1967
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, Totenbuch S. 216
  8. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  9. Archiv Mikulov : Odsun Němcå – transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  10. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  11. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae,Bd. VIII, s.2