NATO-Erweiterung

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  • Mitgliedstaaten
  • Länder, die sich im Beitrittsprozess befinden
  • Beitrittskandidaten (MAP)
  • Versprochene Einladung
  • Kein Beitritt geplant
  • Haltung zum Beitritt unbekannt
  • Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis von 28 europäischen und zwei nordamerikanischen Staaten. Sie wurde 1949 gegründet, die zwölf Gründungsmitglieder waren Belgien, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Seit der Gründung der NATO wurden vielfach neue Bewerber in die Allianz aufgenommen. Derzeit wird der Beitritt der skandinavischen Staaten Finnland und Schweden verhandelt. Zuvor traten bereits Griechenland und die Türkei, Deutschland, Spanien und zahlreiche Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes und des ehemaligen Jugoslawiens dem nordatlantischen Verteidigungsbündnis bei.

    Der Beitritt eines souveränen Staates in die NATO erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren, das Programme wie die Partnerschaft für den Frieden, den „Individuellen Partnerschaftsaktionsplan“ (engl. Individual Partnership Action Plan, IPAP) und darauf aufbauend den „Aktionsplan für die Mitgliedschaft“ (engl. Membership Action Plan, MAP) nutzt, um Beitrittskandidaten durch Beratung und Unterstützung auf den Beitritt zum Verteidigungsbündnis vorzubereiten. Im Rahmen des aktivierten Aktionsplans für die Mitgliedschaft wird unter anderem beurteilt, ob Grundwerte wie die Einhaltung der Menschenrechte, die demokratische Kontrolle des Militärs oder die Fairness von Wahlen in dem beitrittswilligen Land gesichert sind. Nach Einladung zu Beitrittsgesprächen, Beitrittsverhandlungen, Unterzeichnung des Beitrittsprotokolls und Hinterlegung seiner Beitrittsurkunde sowie schlussendlich der finalen, einstimmigen Ratifizierung durch alle NATO-Mitgliedsstaaten wird ein Beitritt eines souveränen Beitrittskandidaten wirksam.

    Erweiterungsrunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    An animation showing the year and location of counties as they joined the alliance.
    Animation mit der Darstellung der schrittweisen Erweiterung der NATO
    Datum Erweiterung Land History of NATO enlargement.svg
    1. Februar 1952 Erste Griechenland Griechenland
    Turkei Türkei
    9. Mai 1955 Zweite Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland
    30. Mai 1982 Dritte Spanien Spanien
    3. Oktober 1990 Deutschland Deutsche Wiedervereinigung
    12. März 1999 Vierte Polen Polen
    Tschechien Tschechien
    Ungarn Ungarn
    29. März 2004 Fünfte Bulgarien Bulgarien
    Estland Estland
    Lettland Lettland
    Litauen Litauen
    Rumänien Rumänien
    Slowakei Slowakei
    Slowenien Slowenien
    1. April 2009 Sechste Albanien Albanien
    Kroatien Kroatien
    5. Juni 2017 Siebente Montenegro Montenegro
    27. März 2020 Achte Nordmazedonien Nordmazedonien

    Erste Runde, 1952[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Griechenland und Türkei

    Griechenland und die Türkei traten am 18. Februar 1952 der NATO bei.[1] Beide Länder litten massiv unter dem aufkommenden Kalten Krieg und besaßen gleichzeitig die beiden größten Heere auf dem europäischen Kontinent. In Griechenland kämpften kommunistische Partisanen im Griechischen Bürgerkrieg. Die Türkei wurde von Russland offen bedroht. Zunächst unterstützte lediglich Italien die Aufnahmegesuche.[2]

    Zweite Runde, 1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bundesrepublik Deutschland

    Die Bundesrepublik trat am 9. Mai 1955 der NATO bei. Der Beitritt war Teil der Pariser Verträge. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer band sie damit fest in das westliche Bündnis ein. Zuvor war die Bundesrepublik bereits der Westeuropäischen Union beigetreten. Zudem musste die Bundesrepublik erklären, auf jegliche gewaltsame Wiederherstellung der deutschen Einheit und auf den Bau atomarer, biologischer und chemischer Waffen zu verzichten. Die neu zu gründende Bundeswehr sollte maximal 500.000 Soldaten umfassen, all ihre Verbände wurden dem NATO-Kommando unterstellt.[3][4]

    Dritte Runde, 1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Spanien

    Nach dem Tode des spanischen Diktators Francisco Franco im Jahr 1975 wurde für Spanien der Weg frei für eine Einbindung in das westliche Verteidigungsbündnis. Nach einer Phase der Transición wurde Spanien im Jahr 1982 in die NATO aufgenommen. Innenpolitisch war der Beitritt zunächst umstritten, insbesondere vonseiten der Sozialisten. In einem Referendum im Jahr 1986 wurde die Mitgliedschaft durch die Bevölkerung bestätigt. Inzwischen wird sie in der spanischen Gesellschaft kaum noch in Frage gestellt.[5]

    Vierte Runde, 1999[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    (siehe NATO-Osterweiterung)

    Beitrittsrunde vom 12. März 1999

    Polen, Tschechien und Ungarn

    Im Februar 1991 gründeten Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei die Visegrád-Gruppe (nach Auflösung der Tschechoslowakei Anfang 1993 wurden die neuen Staaten Slowakei und Tschechien unabhängige Mitglieder und nun kurz V4-Staaten genannt), um nach dem Ende von Ostblock und Kaltem Krieg die ähnliche Probleme möglichst kooperativ zu lösen. Neben den gemeinsamen Interessen in Richtung EU- und NATO-Beitritt und verstärkter Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur und Wirtschaft ging es der Visegrád-Gruppe auch um technische Kooperation und einige Fragen nationaler Minderheiten, darum die europäische Integration im Rahmen der Europäischen Union und der NATO voranzutreiben und Militärreformen im Einklang mit NATO-Standards durchzuführen.

    Die anfängliche Reaktion der NATO-Länder auf diese Annäherung von ehemaligen Ländern des Warschauer Paktes war zunächst skeptisch. Auf dem Gipfeltreffen in Rom im November 1991 einigten sich die V4-Mitglieder jedoch auf eine Reihe von Zielen, wie Marktreformen und demokratische Liberalisierungen, die zum Beitritt führen könnten. In den folgenden Jahren wurden weitere Foren für die regionale Zusammenarbeit zwischen der NATO und ihren östlichen Nachbarn eingerichtet, darunter der Euro-Atlantische Partnerschaftsrat und die Partnerschaft für den Frieden.[6]

    Die russische Verfassungskrise und russische Militäraktionen, darunter der Erste Tschetschenienkrieg, der Transnistrienkrieg und der Krieg in Abchasien, veranlassten die mittel- und osteuropäischen Länder, insbesondere diejenigen mit Erfahrungen sowjetischer Übergriffe, auf eine NATO-Beitrittserklärung zu drängen, um ihre langfristige Sicherheit zu gewährleisten. Politische Parteien, die eine NATO-Mitgliedschaft ablehnten, wurden abgewählt, darunter die Bulgarische Sozialistische Partei im Jahr 1996 und die slowakische HZDS im Jahre 1998.[7] In einem Referendum sprachen sich 1997 85,3 % der Ungarn für eine NATO-Mitgliedschaft ihres Landes aus.[8]

    Auf dem NATO-Gipfel in Madrid 1997 wurden Polen, Tschechien und Ungarn erstmals Beitrittsverhandlungen angeboten, später auch weiteren osteuropäischen Staaten. Die Beitrittsverhandlungen mit Tschechien wurden von tschechischer Seite von Otto Pick geführt.[9] Am 12. März 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn der NATO bei. (Die Slowakei folgte im Jahr 2004.) Trotz Mitgliedschaft in der NATO ist die kollektive Sicherheit weiterhin eines der Kernanliegen der Visegrád-Gruppe, insbesondere das teils angespannte Verhältnis zu Russland ist ein Themenfeld. Auch Probleme wie der islamistische Terrorismus und die Regelung des Grenzverkehrs werden diskutiert.

    Fünfte Runde, 2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Beitrittsrunde vom 29. März 2004

    Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien

    Beim NATO-Gipfeltreffen in Washington 1999, bei dem Ungarn, Polen und Tschechien offiziell beitraten, beschloss die NATO neue Richtlinien für zukünftige Mitglieder mit individualisierten „Aktionsplänen zur Mitgliedschaft“ für Albanien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Nordmazedonien, Rumänien, die Slowakei, und Slowenien.[10] Im Mai 2000 schlossen sich diese Länder mit Kroatien zur Vilnius-Gruppe zusammen, um zusammenzuarbeiten und sich für eine gemeinsame NATO-Mitgliedschaft einzusetzen.

    Beim Gipfeltreffen in Prag im November 2002 lud die NATO die Länder Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei und Slowenien zu Beitrittsgesprächen ein.[11] Auf dem Istanbuler Gipfel im März 2004 traten diese sieben Länder der NATO bei, Slowenien hatte im Vorjahr ein Referendum über den Beitritt zur NATO abgehalten, bei dem 66 % die Mitgliedschaft befürworteten.[12]

    Insbesondere die drei baltischen Staaten trieben ihre NATO-Ambitionen mit hoher Intensität voran, da sie davon ausgingen, das historische Fenster für einen Beitritt könnte sich schnell wieder schließen. Dabei mussten auch auf westlicher Seite viele Vorbehalte ausgeräumt werden. Die russische Reaktion war gemäßigt ablehnend. So bemerkte der russische Präsident Wladimir Putin im Jahre 2001, die Frage einer Ablehnung der Mitgliedschaft der baltischen Staaten in der NATO könne man nicht mit Ja oder Nein beantworten.[13] Eine Studie aus dem Jahr 2006 in der Zeitschrift Security Studies argumentiert, die NATO-Erweiterungen 1999 und 2004 hätten zur demokratischen Konsolidierung in Mittel- und Osteuropa beigetragen.[14]

    Sechste Runde, 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Beitrittsrunde vom 1. April 2009

    Albanien und Kroatien

    Beim NATO-Gipfel in Bukarest im April 2008 wurde der Beitritt Albaniens und Kroatiens offiziell beschlossen. Ihr Beitritt wurde für den NATO-Gipfel im April 2009 in Kehl und Straßburg geplant,[15] von allen NATO-Mitgliedern ratifiziert[16] und am 1. April 2009 vollzogen.[17]

    Siebte Runde, 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Beitrittsrunde vom 5. Juni 2017

    Montenegro

    Bei ihrem Treffen in Brüssel am 3. Dezember 2009 erklärten die Außenminister der 28 NATO-Mitgliedstaaten Montenegro zum Beitrittskandidaten; sie nannten dabei noch kein mögliches Beitrittsdatum.[18] Am 2. Dezember 2015 wurde auf einem Treffen der Außenminister der NATO-Staaten in Brüssel eine offizielle Einladung an Montenegro ausgesprochen, sich dem Bündnis anzuschließen.[19] Der Beitritt als 29. Mitgliedsland wurde schließlich am 5. Juni 2017 vollzogen.[20]

    Achte Runde, 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Beitrittsrunde vom 27. März 2020

    Nordmazedonien

    Am 6. Februar 2019 wurde die Unterzeichnung des Beitrittsprotokolls für Nordmazedonien vorgenommen. Die Ratifizierung durch die Mitgliedsstaaten wurde ein Jahr später abgeschlossen. Am 27. März 2020 trat Nordmazedonien der NATO als 30. Mitglied bei.[21]

    Neunte Runde, ab 2022[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweden und Finnland

    Schweden und Finnland hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst für eine Neutralität hinsichtlich eines kollektiven Verteidigungsbündnis entschieden. Nach dem Untergang der Sowjetunion kam es neben anderen vertraglichen Verpflichtungen (Lissabon-Vertrag) schrittweise zu einer Vertiefung der Beziehungen zum transatlantischen Bündnis. Im Zusammenhang mit der zunehmend als aggressiv empfundenen Außenpolitik Russlands und insbesondere dem Krieg in der Ukraine seit 2014 wurde die Frage nach einer NATO-Mitgliedschaft beider Länder wieder verstärkt diskutiert.[22] Russland sprach in diesem Zusammenhang wiederholt Warnungen gegen beide Länder aus.[23] Nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 stellte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am 6. April 2022 Finnland und Schweden für den Fall einer Bitte um Aufnahme in das Verteidigungsbündnis eine zügige positive Antwort in Aussicht.[24] The Times berichtete am 11. April 2022 unter Berufung auf US-Beamte, dass Finnland und Schweden bereits für den Sommer 2022 einen NATO-Beitritt anstreben.[25] Russland kündigte für diesen Fall Konsequenzen an, Dmitri Medwedew drohte mit der Installierung von Atomwaffen in der Nähe der drei baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen).[26][27][28][29]

    Am 20. April 2022 begann das finnische Parlament mit der formalen Diskussion über einen Beitritt.[30] Am 12. Mai sprachen sich sowohl der finnische Präsident Sauli Niinistö als auch Regierungschefin Sanna Marin für einen sofortigen Beitrittsantrag aus.[31] Am 15. Mai verkündeten Niinistö und Marin, dass Finnland einen Beitrittsantrag stellen wird.[32] Am gleichen Tag sprach sich auch die Parteispitze von Schwedens Regierungspartei SAP in einer Sondersitzung für den Beitritt ihres Landes zur NATO aus. Die Einrichtung dauerhafter NATO-Stützpunkte und die Stationierung von Atomwaffen in Schweden wurde von der SAP jedoch abgelehnt.[33] Am 16. Mai stimmte der schwedische Reichstag mehrheitlich für eine NATO-Mitgliedschaft. Gegenstimmen kamen nur von der Linkspartei und den Grünen.[34] Am 17. Mai unterzeichnete Schwedens Außenministerin Ann Linde den Beitrittsantrag.[35] Ebenfalls am 17. Mai stimmte das finnische Parlament mit einer deutlichen Mehrheit von 188 zu 8 Stimmen für eine Nato-Mitgliedschaft. Anschließend unterzeichnete Außenminister Pekka Haavisto den Beitrittsantrag.[35] Beide Anträge wurden am 18. Mai an NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg überreicht.[36]

    Der Beginn von Beitrittsgesprächen wurde bis zum 28. Juni durch die Türkei blockiert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf beiden Staaten vor, die kurdische Arbeiterpartei PKK sowie die syrisch-kurdische YPG zu unterstützen, die von der Türkei als terroristische Organisationen betrachtet werden. Weiterhin verlangte die Türkei die Auslieferung mutmaßlicher Anhänger von Fethullah Gülen, den sie als Drahtzieher hinter dem gescheiterten Putschversuch von 2016 ansieht, sowie die Aufhebung bestehender Einschränkungen bei Waffenimporten, die aufgrund des türkischen Einmarsches in Nordsyrien 2019 von einigen westlichen Ländern gegenüber der Türkei ausgesprochen wurden.[37][38] Am Abend des 28. Juni unterzeichneten die Präsidenten Finnlands, Schwedens und der Türkei auf dem NATO-Gipfel in Madrid ein Memorandum, womit die Türkei den Widerstand gegen einen Beitritt beider Länder aufgab.[39]

    Am 5. Juli unterzeichneten die NATO-Mitgliedsstaaten die Beitrittsprotokolle.[40] Noch am selben Tag ratifizierte Kanada als erster Mitgliedsstaat die Beitrittsprotokolle. Zum 27. September 2022 hatten insgesamt 28 von 30 NATO-Staaten die Protokolle vollständig ratifiziert (ausstehend: Türkei und Ungarn).[41]

    Kandidaten und Interessenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    A map of Europe with countries in six different colors based on their affiliation with NATO.
    Karte der NATO in Europa
  • NATO-Mitglieder
  • Aktionsplan für Beitrittskandidaten (Membership Action Plan)
  • Verstärkter Dialog (Intensified Dialogue)
  • Individueller Partnerschaftsaktionsplan (Individual Partnership Action Plan)
  • Partnerschaft für den Frieden
  • Anwärter für die Partnerschaft für den Frieden (Aspiring PfP members)
  • Bosnien und Herzegowina ist ebenfalls an einer Mitgliedschaft interessiert: Auf dem Gipfel in Bukarest im April 2008 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten, mit dem Balkanstaat Beitrittsverhandlungen aufzunehmen.[42] Bei ihrem Treffen am 3. Dezember 2009 erklärten die Außenminister, Bosnien-Herzegowina sei noch nicht weit genug für den Status eines Beitrittskandidaten und benötige weitere Reformen zur Demokratisierung.[43] Am 18. Dezember 2018 beschlossen die Außenminister der beteiligten NATO-Staaten, Bosnien und Herzegowina in den Aktionsplan für Beitrittskandidaten („Membership Action Plan“ – MAP) aufzunehmen.[44]

    Die NATO stufte Serbien 2007 ebenfalls als möglichen Beitrittskandidaten ein.[45] Das Parlament Serbiens verabschiedete 2007 eine Resolution über militärische Neutralität. Der damalige Verteidigungsminister Dragan Šutanovac (Regierung Cvetković) erklärte im Februar 2009, Serbien werde wahrscheinlich die Vollmitgliedschaft in der NATO nicht beantragen, aber es beabsichtige, die Partnerschaft mit der Allianz durch eine intensivere Teilnahme an internationalen Operationen zu stärken.[46] Der Kosovo wollte 2008 so schnell wie möglich der NATO beitreten.[47] Seit 2015 nimmt Serbien am „Individuellen Partnerschaftsaktionsplan“ („Individual Partnership Action Plan“) der NATO teil. Dieser bietet „interessierten Partnerländern, die Bedarf an einer konkreteren Unterstützung bei ihren innenpolitischen Reformen, insbesondere im Verteidigungs- und Sicherheitssektor, signalisieren, eine auf die jeweiligen Erfordernisse und Gegebenheiten zugeschnittene Unterstützung an.“

    Georgien und die Ukraine möchten so bald wie möglich der NATO beitreten; Russland lehnt dies ab. Die westeuropäischen NATO-Staaten lehnten Verhandlungen mit Rücksicht auf Russland ab, wogegen die osteuropäischen NATO-Staaten möglichst schnell mit Georgien und der Ukraine Beitrittsverhandlungen aufnehmen möchten und dabei auf den Kaukasuskrieg 2008 verweisen. Deutschland und Frankreich betonten 2008, dass Georgien mit seinen abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien, die sich für unabhängig erklärt hatten, die NATO destabilisieren würde und die Mehrheit der Ukrainer einen Beitritt zur NATO ablehne.[48]

    Die Beziehungen zwischen der Ukraine und der NATO begannen 1992 und sind unter anderem in der NATO-Ukraine-Charta (1997) geregelt. Der von Russland geführte Krieg in der Ukraine seit 2014 (völkerrechtswidrige Annexion der Krim 2014) sowie die Unterstützung von Russland unterstützten bewaffneten Separatisten im Donbass belastet die Beziehungen zur Ukraine sowie zu den NATO-Mitgliedsländern zusätzlich. Am 7. Februar 2019 verankerte die Werchowna Rada in der Verfassung der Ukraine die strategische Orientierung des Landes zum vollständigen Beitritt zur NATO sowie zur Europäischen Union.[49] Dies war für Russland einer der offiziell vertretenen Kriegsgründe für den Überfall auf die Ukraine im Februar 2022.

    Seit 2021 nimmt die Ukraine – wie vor ihr bereits die Länder Georgien (2004), Aserbaidschan (2005), Armenien (2005), Kasachstan (2006), Moldau (2006), Bosnien und Herzegowina (2008) und seit 2015 ebenfalls Serbien – dem „Individuellen Partnerschaftsaktionsplan“ mit der NATO teil.

    Die Ukraine, Georgien, Aserbaidschan, Armenien, Kasachstan, Moldawien und Serbien beteiligen sich zudem am NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ (PfP), an dem aktuell 20 Länder teilnehmen, unter anderem auch Länder wie Schweden, Finnland, Schweiz und Österreich, Belarus und Russland.[50]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Christoph Gunkel: Als die Türken vor Stalin zitterten Spiegel Online, 19. Mai 2022.
    2. Greece, Turkey, and N.A.T.O. The World Today, Vol. 8., Nr. 4, April 1952, S. 162
    3. 1955: Die Bundesrepublik wird NATO-Mitglied Bundeszentrale für politische Bildung, 7. Mai 2015.
    4. Die Bundesrepublik tritt der NATO bei SWR
    5. Michael Däumer: Von der Isolierung zur europäischen Gestaltung - Spaniens Rückkehr in die Weltgemeinschaft Konrad-Adenauer-Stiftung
    6. Charles-Philippe David, Jacques Levesque: Future of NATO: Enlargement, Russia, and European Security. McGill-Queen’s Press, 1999, ISBN 978-0-7735-6785-6, S. 200f.
    7. Zoltan Barany: The Future of NATO Expansion: Four Case Studies. Cambridge University Press, 2003, ISBN 978-1-139-44044-8, S. 48–50.
    8. Jane Perlez: Hungarians Approve NATO Membership. The New York Times (NYT), 17. November 1997 (kostenpflichtig)
    9. Cornelia Frank: NATOisierung polnischer und tschechischer Sicherheitspolitik im Bereich der zivil-militärischen Beziehungen. Universität Trier, Trier 2010, S. 339.
    10. Sharon L. Wolchik, Jane L. Curry: Central and East European Politics: From Communism to Democracy. Rowman & Littlefield, Lanham 2011, ISBN 978-0-7425-6734-4, S. 148.
    11. Johannes Varwick: Die NATO, München 2008, S. 190
    12. Peter S. Green: Slovenia Votes for Membership in European Union and NATO. NYT, 24. März 2003 (kostenpflichtig)
    13. Andris Banka: The Breakaways: A Retrospective on the Baltic Road to NATO. In: War on the Rocks, The Texas National Security Review, 4. Oktober 2019.
    14. Rachel Epstein: Nato Enlargement and the Spread of Democracy: Evidence and Expectations. Security Studies 14, 2006, S. 63–105, doi:10.1080/09636410591002509 (kostenpflichtig)
    15. Albanien und Kroatien: NATO-Mitglieder ab 2009? Deutsche Welle, 10. Juli 2008
    16. Weg frei für NATO-Beitritt Kroatiens und Albaniens (Memento vom 15. Oktober 2009 im Internet Archive).
    17. Vor Jubiläumsgipfel in Straßburg, Kehl und Baden-Baden. NATO nimmt Albanien und Kroatien auf. Tagesschau.de, 1. April 2009
    18. Montenegro näher an Nato (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive). Auf: sueddeutsche.de.
    19. Montenegro zum Beitritt eingeladen: Russland reagiert mit Drohungen auf NATO-Vorstoß. Spiegel Online, 2. Dezember 2015.
    20. Montenegro tritt offiziell der Nato bei. Tagesspiegel, 5. Juni 2017
    21. Offizielle Aufnahme: Nordmazedonien ist 30. NATO-Mitglied. Tagesschau.de, 27. März 2020
    22. Kai Strittmatter: Russland treibt Finnland und Schweden der Nato zu. In: Tagesanzeiger.ch, 10. Januar 2022.
    23. Russland droht Schweden und Finnland. In: Spiegel Online, 24. Juli 2018; Tony Barber: Russian truculence causes concern in Sweden and Finland. In: Financial Times, 4. Januar 2022; Elisabeth Braw: Sweden and Finland’s awkward NATO tango. In: Politico, 24. August 2015.
    24. Stoltenberg wirbt für NATO-Blitz-Beitritt. In: ntv.de. 4. April 2022, abgerufen am 24. April 2022.
    25. Moskau übt Kritik: NATO-Beitritt von Finnland und Schweden bereits im Sommer möglich. In: n-tv.de. 11. April 2022, abgerufen am 11. April 2022.
    26. Alina Schröder: Bei Nato-Beitritt: Russland droht Schweden und Finnland mit Atomwaffen. In: Frankfurter Rundschau. 17. April 2022, abgerufen am 24. April 2022.
    27. Russische Invasion: Atomwaffen im Ostseeraum: Düstere Warnungen aus Moskau. In: Die Zeit. 15. April 2022, abgerufen am 1. Mai 2022.
    28. WELT: Iskander: Russland stationiert Raketen in Kaliningrad - Reichweite bis nach Berlin. In: DIE WELT. 5. Mai 2018 (welt.de [abgerufen am 1. Mai 2022]).
    29. Exklave: Russland bestätigt Stationierung von Iskander-Raketen in Kaliningrad. In: Die Zeit. 4. Mai 2018, abgerufen am 1. Mai 2022.
    30. Finnland: Parlament diskutiert über NATO-Beitritt. In: Deutschlandfunk. 20. April 2022, abgerufen am 24. April 2022.
    31. Präsident und Regierungschefin Finnlands sprechen sich für »unverzüglichen« Nato-Beitritt aus. In: spiegel.de. 12. Mai 2022, abgerufen am 12. Mai 2022.
    32. Finnland entschließt sich zum NATO-Beitritt. In: tagesschau.de. 15. Mai 2022, abgerufen am 15. Mai 2022.
    33. Schwedens Regierungspartei für Nato-Beitritt. In: sueddeutsche.de. 15. Mai 2022, abgerufen am 15. Mai 2022.
    34. Nach Parlamentsdebatte: Schweden beantragt NATO-Mitgliedschaft. In: tagesschau.de. 16. Mai 2022, abgerufen am 16. Mai 2022.
    35. a b Aufnahme in Verteidigungsbündnis: Finnen stimmen für NATO-Antrag. In: tagesschau.de. 17. Mai 2022, abgerufen am 17. Mai 2022.
    36. NATO-Mitgliedsanträge: Was Schweden und Finnland mitbringen. In: tagesschau.de. 18. Mai 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.
    37. Finnland und Schweden: Türkei blockiert Start der NATO-Beitrittsgespräche. In: tagesschau.de. 18. Mai 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.
    38. „Terroristen in ihren Parlamenten“: Neue Erdogan-Attacke im Nato-Streit mit Schweden und Finnland. Abgerufen am 10. Juni 2022.
    39. https://www.tagesschau.de/ausland/nato-tuerkei-schweden-finnland-101.html
    40. »Wahrhaft historischer Moment«: Nato-Staaten unterzeichnen Beitrittsprotokolle für Finnland und Schweden. Der Spiegel (online), 5. Juli 2022, abgerufen am 7. Juli 2022.
    41. NATO PA. Abgerufen am 28. September 2022 (englisch).
    42. NATO-Gipfel beschließt nur kleine neue Erweiterungsrunde. Deutsche Welle, 3. April 2008.
    43. Elke Windisch: Bosnien-Herzegowina: Reif für die Mitgliedschaft? ND, 5. Dezember 2018
    44. Die NATO: Mitglieder – Osterweiterung – Ausbau – Gipfeltreffen. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württmeberg, Infoportal östliches Europa
    45. Kosovo-Frage: Bush winkt Serbien mit Nato-Mitgliedschaft. Rheinische Post, 11. Juni 2007
    46. Die Euro-Atlantischen Integrationen Serbiens (Memento vom 26. Juli 2011 im Internet Archive), 12. Februar 2009.
    47. WDR Europa Forum: Thaci bekräftigt, dass das Kosovo die Mitgliedschaft in der Europäischen Union wie auch der NATO anstrebt. Finanznachrichten.de, 9. Mai 2008
    48. Ukraine und Georgien dürfen vorerst nicht in NATO. Welt Online, 1. Dezember 2008.
    49. Verfassungsänderung: Ukraine strebt weiter nach Westen. Deutsche Welle, 7. Februar 2019.
    50. NATO: Partnership for Peace programme. Abgerufen am 1. Mai 2022 (englisch).